MONOTHEISMUS ?

 

Echnaton, Relieffragment der Frühphase
Eine der 6 Töchter Eschnatons, deren Mutter,
die hellhäutige Nofretete, nicht gewesen sein kann.
 
MONOTHEISMUS ?
 
Der Eingottglaube gehört geprüft -,
ein „Goldenes Kalb“ oder „Heilige Kuh“ ?
Wie dem auch sei, eines steht fest,
der Monotheismus ist nicht tabu !
 
Er hat den gewaltsamen Herrenblick,
furchteinflößend kommt er daher.
Er ist ein Diktator und ein Diktat,
Unterwerfungsglaube ist sein Begehr.
 
Warum nur ist er so streng und stur,
er stellt sich niemals der Diskussion.
Er hält sich für edel und auserwählt,
er sitzt als Pfau auf dem Pfauenthron.
 
Doch unnatürlich und willkürlich war
der Monotheismus von Anfang an,
als der Ketzer-Pharao Echnaton
den Sonnenglauben an Aton ersann.
 
Und als der Moses den Jahwe-Kult
den Exodus-Juden als Sinn empfahl,
stimmten die Korachiter dagegen.
Sie wurden getötet mit Feuersqual.
 
Nie und nimmer ist eine Kraft nur
verantwortlich für der Erde Gedeih’n,
wenn wir ihn auch hoch-heilig halten,
den lieben, herrlichen Sonnenschein.
 
Vielfältig sind die Mächte des Alls,
im göttlich genannten Zusammenspiel,
von Plus-Minus - Heiß-Kalt und mehr,
auf ihrem Weg zum kosmischen Ziel.
 
Wer an einen einzigen Gott nur glaubt,
verengt sein Schauen zum Röhrenblick.
Was er nicht sieht, will er verdammen,
er wird der Vernunft zum Galgenstrick !
 
 
Wie kam es zum Monotheismus ?
 
ECHNATON
 
Der strenge Eingottglaube ist historisch erstmals fassbar mit dem kranken negroiden ägyptischen Pharao Echnaton/Achenaton (14. Jh. v.0), dessen Geburtsname Amenophis/Amenhotep IV. war, Sohn von Amenophis III. und Königin Teje. Während Amenophis der ägyptischen Hamitenrasse angehörte, war Teje, die aus bürgerlichen Verhältnissen des nubischen Oberägypten stammte, von schwarzer Hautfarbe; sie war Tochter einer „Sängerin der Hathor“. Ihr kranker schwarzer Sohn war der Religionsstifter, welcher einen Gott namens Aton in Gestalt der Sonnenschreibe zum Gott über alle Götter Ägyptens erhob und ihm seine neue Hauptstadt weihte: Achet-Aton. Echnaton hatte eine Hormonstörung, die dazu führte, dass er weibliche Züge annahm, er bekam Brüste und dicke Oberschenkel; er sah unnatürlich aus. Möglich ist, dass Echnaton an einem Tumor der Hirnanhangdrüse litt, der sogenannten „Frohlichschen Krankheit“. Symptome dieser Krankheit sind: deformierter Kopf (Kahnschädel), Nussknacker-Kinn, übergroß wirkender Kopf auf einem unnatürlich verlängerten Hals, Fettablagerungen, die eher weibliche Formen begünstigen, sowie spindeldürre Beine. Die verweiblichten Körperformen lassen sich durch eine Folge der Epilepsie erklären. Denn der dabei betroffene Schläfenlappen sei mit Teilen des Gehirns verknüpft, die auch die Freisetzung von Geschlechtshormonen regeln. „Bei männlichen Patienten kann dies den Hormonspiegel verändern und zu verweiblichten Körperformen führen“, hieß es. Andere Deutungen gehen davon aus, dass der Ketzer-Pharao an „Morbus Marfan“ erkrankte, was mit einer Störung des Bindegewebes einhergeht. Einige Forscher diagnostizieren eine Schläfenlappen-Epilepsie. Von dieser Erkrankung weiß man, dass sie Halluzinationen und religiöse Visionen auslösen könne. Daher sei es sogar möglich, dass der von Pharao Echnaton in Ägypten eingeführte monotheistische Aton-Kult eine Folge dieser Krankheit war, berichteten Wissenschaftler im Fachmagazin „Epilepsy & Behavior“. Ein Kenner schreibt: „Auch Echnaton Sohn Tutanchamun war so schwarz wie nur irgendein afroamerikanischer, westindischer oder südägyptischer Schwarzer. Seine berühmte Goldmaske zeigt ihn mit eindeutig negroiden Rassemerkmalen, wie man sie etwa unter den Galla Athiopiens findet, ähnlich eine Büste, und eine Ebenholzstatue gibt ihn ebenfalls als Schwarzafrikaner wieder.“ Tutanchamun starb im 19. Lebensjahr an einer Knochenkrankheit, in Verbindung mit der sogenannte Köhler-Krankheit und Malaria. Seine Mutter war Beketaton, die eine nubische Kraushaarperücke trug, eine Enkelin Tejes und Schwester ihres Vaters Echnaton. Die plötzliche Wende Echnatons zum monotheistischen Aton-Kult scheint also in seinem Anderssein begründet; er war anders als die Normalen und es trieb ihn, seine Deformation zu heiligen, zu vergöttlichen. Eine äußere, rationalisierende Reaktion könnte hinzugetreten sein, nämlich das Versagen der alten Götter des Amunkultus, die man umsonst um Hilfe gegen die damals in Schüben mehrfach wütenden Pestepidemien angefleht hatte. Textteile der sog. „Restaurationsstele“ lauten: „Denn da seine Majestät als König erschien, da waren die Tempel der Götter und Göttinnen von Elephantine bis zu den Lagunen des Delta im Begriff, vergessen zu werden, und ihre heiligen Stätten im Zustande des Untergangs, zu Schutthügeln geworden, die mit Unkraut bewachsen sind. Ihre Gotteshäuser waren wie etwas, das es nicht gibt, und ihre Tempel waren ein Fußweg. Das Land machte eine Krankheit durch, die Götter, sie kümmerten sich nicht um dieses Land…“. Hinterlassen hat der traumtänzerische Ketzer-Pharao zwei Sonnenhymnen, deren Texte des Lobes der solaren Schöpferkraft, sich im biblischen Psalm 104 spiegeln und in den Sonnengesängen des Franz von Assisi. Das klingt so vielversprechend, aber Eschnaton hat schließlich seine Welt auf den Kopf gestellt, die lebenserhaltenden Rituale des bisherigen Glaubens für null und nichtig erklärt, den Gläubigen die Kulte verboten. Der Ägyptologe Jan Assmann klärt über den Eingottglauben des schwarzen Königs auf: „An den Texten wird eher greifbar, was diese Religion den Menschen entzieht, als das, was sie ihnen bietet. Was sie ihnen entzieht ist zum Beispiel die ganze Welt des Osiris, die Unterwelt, diese Vorstellung einer Erlösung aus dem Totenreich, einer götternahen elysischen Sphäre, in die man eingeht, wenn man das Totengericht bestanden hat. Also diese ganze, für das alte Ägypten absolut zentrale Vorstellungswelt vom Leben nach dem Tode, die wird radikal vereinfacht. Das Jenseits wird auf das Diesseits reduziert.“ Weltliebe, Wollust, Frohsinn, Leichtfertigkeit, idealisierte Friedfertigkeit, Materialismus bleiben übrig, eben die Überbetonung des Weltlichen, wie sie im Realismus der „Amarnakunst“ sichtbar wurde. Indem die Tiefe des Denkens verloren geht, schwindet auch die Sorge um die Ewigkeit des Bestandes, die außenpolitischen Beziehungen und die militärische Sicherung der Staatsgrenzen werden vernachlässigt; der Staat steht nach zehn Jahren kurz vor dem Zusammenbruch.
 
Echnaton setzte im zweiten Jahr nach seiner Thronbesteigung die Idee von dem einen Gott in Stein um. Provozierend klotzte er den gigantischen Aton-Tempel „Gemetpaaton“ (Aton ist gefunden) direkt an den Kultbezirk des amtierenden Reichsgottes Amun in Karnak bei Theben: 600 mal 200 Meter aus feinstem Sandstein, sonnendurchflutete Höfe mit zahllosen Altären statt dunkler Allerheiligsten-Kammern. Mit 25 Kolossalstatuen war der König selbst präsent. Eschnaton entfachte seine neue Religion, stürzte die alten Götter, ließ die Heiligtümer, die Tempel schließen, schänden, die Priester verfolgen und töten. Nur noch er darf als einziger Priester seinem Gott huldigen. Sein Gottesstaat, die Theokratie bedeutete eine uneingeschränkte Konzentration der Macht innerhalb einer Familie; eine menschenverachtende, autoritäre und totalitäre Herrschaft. Eine Herrschaftsform also, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert ist und von einer göttlich erwählten Person ausgeübt wird. Allein er, der Gottkönig, galt jetzt als Verbindung von Aton zu den Menschen, sein Glauben ist allein auf ihn zugeschnitten. Der König identifizierte sich mit seiner Gottesschöpfung, er wird zum entrückten Diktator. Damit beginnt der für alle monotheistischen Religionen signifikante Terror gegen Andersgläubige. Ägypten wird zum Polizeistaat, brutal wird die Opposition der Amun-Anhänger unterdrückt. Mit Sicherheit, da sind sich die Forscher einig, hat es eine Opposition gegeben - auch in Amarna. Doch nubische und asiatische Gardisten „umgeben den König und ersticken jeden Widerstand“, liest auch Echnaton-Kenner Erik Hornung aus den bildlichen Nachrichten. Und gibt weiter zu bedenken: „Echnaton ist der einzige Religionsstifter, dem alle staatlichen Machtmittel zu Gebote standen, und man darf davon ausgehen, dass er sie rücksichtslos zur Verwirklichung seiner Ideen eingesetzt hat.“ Eva Eggebrecht sekundiert: „Man kann Echnaton sicher als Diktator bezeichnen.“ Und Sylvia Schoske weiß: „Revolutionäre sind nie gute Menschen.“ Echnaton war auch ein unbarmherziger Ausbeuter der Arbeiterschaft. In allen drei Grabungsarealen, der Friedhöfe nahe der Steinbrüche seiner Großbaustätte Amarna, tauchten tausende Skelette von minderjährigen Kindern und Jugendlichen auf. Die meisten Skelette von 15- bis 25-Jährigen wiesen überdurchschnittlich häufig traumatische Verletzungen und Degenerationserscheinungen auf. Jeder Zehnte hatte fortgeschrittene Arthrose. Viele Jugendliche hatten schwerste Knochenbrüche, Rückgratverletzungen und gestauchte Wirbel, die vom Tragen zu schwerer Lasten herrührten. Selbst bei den unter 15-Jährigen wiesen 16 Prozent Abnormitäten und Brüche an der Wirbelsäule auf. Dieser Friedhof beherbergte demnach nahezu ausschließlich Kinder ab sieben Jahren und Jugendliche, die vor ihrem Tod permanent Schwerstarbeit geleistet hatten. Wahrscheinlich handelt es sich um die Kinder seiner weltanschaulichen Gegner, also Leute die an den alten Göttern festhielten. Die wenigsten hatten ihr 15. Lebensjahr überlebt. Hinzu kam, dass die Kinderskelette eine extrem hohe Rate von Anämie (Blutarmut) und eine sehr hohe Sterblichkeitsrate aufwiesen, die durch ungenügende Ernährung verursacht worden war, was insbesondere bei Kindern zwischen 12 und 20 Jahren sehr ungewöhnlich ist. Obwohl es einen Überfluss an Nahrung gab, waren die Sklavenkinder zum Hungern, Schuften und Sterben verurteilt. Dass für den Bau der neuen Hauptstadt Amarna in großem Maßstab Kindersklaven eingesetzt wurden, die solche Strapazen in der Regel nicht lang überlebten, hat der neue „Heilbringer“ billigend in Kauf genommen. Der Ägyptologe Barry Kemps: „Die Knochen enthüllen die düstere Seite des Pharaonenkults.“ Doch der dunkelhäutige, kranke und hybride Pharao wird nicht alt. Sein Leichnam ist im Grab KV55 gefunden worden. Er war recht zart gebaut, zumindest einige Skelettteile wirkten eher feminin als maskulin, er war höchstens Mitte 30, als er starb. Nach seinem Tod kehrten die Ägypter mit Erleichterung wieder zu ihrer ägyptischen Göttervielfalt zurück. Vieles lag im Argen, die gesamte Außenpolitik und die Abwehrkraft Ägyptens waren zusammengebrochen. Echnatons kränkelnder Sohn Tutanchaton/Tutanchamun und seine Berater entschieden sich dafür, die erforderlichen Revisionen, nach über 10-jähriger Aton-Vorherrschaft, allmählich durchzuführen. Nach etwa drei Jahren wurden alle Tempel des Landes wieder geöffnet und die Priester konnten zu ihrem alltäglichen Geschäft zurückkehren. Ägypten blühte machtvoll wieder auf. Bald danach stieg General Haremhab als Pharao auf, er war ein heller Ägypter. Ebenso wie der kurze Zeit später weise, kraftvoll und gedeihlich herrschende Pharao Ramses II., welcher 85 Jahre alt wurde.
 
MOSES
 
Nur wenige Menschenalter nach den Turbulenzen um die Einführung des Eingottglaubens, in Form des solaren Aton-Kultes durch Eschnaton, führte im darauffolgenden Jahrhundert ein charismatischer Ägypter namens Moses, vorher versklavte und nun aufständische vorderasiatische Volkgruppen aus dem Machtbereich Ägyptens in nordöstliche Richtung hinaus, in umstrittene Gebiete von Amurru, dem späteren Palästina. (Jan Assmann, „Moses der Ägypter - Entzifferung einer Gedächtnisspur“, 1998) Eschnaton regierte von 1372 bis 1354 v.0 und im Jahr 1250 v.0 zog Mose aus Ägypten aus. Um den haltlosen, räuberischen Scharen eine zusammenschweißende Identität zu geben, besann er sich auf die Idee von Eschnatons Eingott-Religion. So wie der Ketzer-Pharao sich herausgestellt hatte aus der international üblichen Normalität des Multitheismus, so wollte Moses „seinem“ Volk die zum Nimbus hochstilisierte religiöse Andersartigkeit auferlegen, welche zwar vorprogrammierte Zwietracht mit den Nachbarn mit sich bringen musste, aber gerade dadurch auch Abgrenzung und Arterhaltung. Der Name Mose ist mit der altägyptischen Wurzel mesi/mesa/mes („gebären“) verwandt, die in zahlreichen Personennamen oft in Verbindung mit einem Gottesnamen belegt ist, beispielsweise steht Rames II. für Ramses oder Ramose („Re ist der, der ihn geboren hat“ bzw. „der von Re geborene“), Tutmosis = „Thot ist der, der ihn geboren hat“. Die von Moses geführten Scharen werden zum Teil oder Großteil von altmesopotamischen Völkern des Zweistromlandes abgestammt haben, die auf einem mit 1.208 v.0 datierten Gedenkstein des Pharaos Merenptah, als ein Stamm „Israel“ bezeichnet wurden. Als ihren Urstammvater galt wohl ein nomadischer Sippenchef Abraham aus Ur in Chaldäa. Die ins fruchtbare Niltal eingedrungenen viehhaltenden Nomaden sind innerhalb der Reichsgrenzen - wie alle anderen Gastvölker und Gefangenen auch - zu den anstehenden öffentlichen Arbeiten herangezogen worden. Zur Zeit des Pharao Ramses II. (1.279 bis 1.213 v.0) waren solche Bevölkerungsgruppen angehalten, u.a. die Stadt Piramesse im östlichen Nildelta auszubauen. Im 2. „Buch Mose“ heißt es dazu: „Sie mussten für den Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratslager bauen“. Diese biblischen Überlieferungstexte sind zumeist erst zwischen dem 10. und dem 6. Jh. v.0 fixiert worden. Mose bezeichnete seine neue Gottesschöpfung als JHWH (Jahwe, Jehova), von dem kein Bild gemacht werden könne, ebenso wie von Eschnatons Aton kein Bilderkult zugelassen worden war. Das schlichte Volk aber wollte seine Gottheiten sehen und anfassen können, um ihr Heil durch Berührungen auf den Gläubigen heranzuleiten. Die Unzufriedenheit seiner Leute machte sich in der Revolte gegen Mose Luft, in deren Verlauf sie sich ein „Goldenes Kalb“ - nach dem Vorbild ägyptischer Stierkulte (Apis-, Mnevis-, Buchis-Stier) - schufen, um es anzubeten. Der Stierkult war aber nicht nur eine ägyptische Anbetungsform der schöpferisch verstandenen Sonne, vielmehr war er Ausdruck einer alle Kulturnationen umspannenden, internationalen Anbetungsweise der höchsten Wesenheit. Vom bronzezeitlichen hyperboreischen Norden bis zu den sardischen und kretisch-minoischen Mittelmeerzivilisationen galt der Stier als Synonym für die Kraft der schöpferischen Weltbefruchtung. Die germanischen und keltischen Kimbern und Teutonen schworen auf das eherne Stierbild des Tiu/Tyr, ebenso konnte der griechische Zeus und der römische Jupiter in Stiergestalt geschaut werden.
 
Der biblische Mose war der Wiedergänger des „Ketzer-Pharao“ aus Amarna - so lautet die Kernaussage der Religionswissenschaft. Der deutsche Ägyptologen Jan Assmann, der weltweit zu den einflussreichsten Vertretern seiner Zunft zählt, kommt in seiner Forschung zur gleichen Erkenntnis wie ich („Monotheismus und die Sprache der Gewalt“, 2006): Der Eingottglaube ist feindlich und unduldsam. Vor allem Moses steht in der Kritik. Der jüdische Gründervater, sagt der Gelehrte, habe eine fatale Botschaft vom Sinai herabgebracht: „Er unterschied zwischen wahrer und falscher Religion.“ Das heißt: Nur sein Gott war gut - die anderen waren dagegen Tand, Dreck und machtloses Kroppzeug. Der Monotheismus sei per se ein gewalttätiger Glaube. Das Abendland hat vor 2.500 Jahren einen gefährlichen Irrweg eingeschlagen. Brutale Bibelzitate, die seine wie meine Anklage bestätigen, finden sich genug. Die aus Legenden geformte Vergangenheit der Israeliten besteht im Prinzip aus einer Abfolge von Massakern, Strafaktionen und Blutvergießen. Im Namen Jahwes, den die Juden der Antike mit dem Kürzel JHWH anbeteten, wurden Überfälle, Vertreibungen und die rassistischen Zwangsscheidung von Mischehen durchgesetzt. Damit, so Assmann, vollbrachte Mose zwar eine „revolutionäre Neuerung, die die Welt von Grund auf veränderte“ - aber nicht unbedingt zum Guten. Sie gestalten sich in der gleichen Grausamkeit wie die Erstauflage durch König Eschnaton. Vormals, im Polytheismus, hieß es: Leben und leben lassen. Jahwe dagegen - ein verzerrtes Abbild des Diktators Eschnaton - war rachedurstig, ja rechthaberisch - eine Himmelsmacht, die nichts und niemanden mehr neben sich duldete. Dadurch, so der Ägyptologe, ist „eine neue Form von Hass“ in die Welt gekommen, „der Hass auf Heiden, Ketzer, Götzendiener“.
 
Der ägyptische Monotheist Moses, um hundert Jahre nach Eschnaton, vermochte sich als idealistischer Anhänger der offiziell untergegangenen Eingottreligion nicht mit ihrem Verschwinden abfinden. Es gelang ihm, aufbegehrende Sklavenscharen als Wegführer zu beherrschen, um ihnen sein monotheistischen Gottesbild zu vermitteln. Er manipulierte und drangsalierte - nach biblischer Überlieferung - seine Scharen, aus denen er ein Volk schmieden wollte, auf einer vierzig Jahre währenden Wüstenwanderung der Umerziehung und Einschwörung auf seine diktatorische Person. Unter seines Bruders Aaron Führung standen die Leviten als eingeweihte erbliche Priester seines Jahwe-Glaubens, quasi eine Art Kult- und Lagerpolizei. Die Herrschaft des Mose blieb nicht unwidersprochen, auch er erlebte seine Palastrevolution, mehrere hundert von den Vornehmen mit ihrem Anhang wollten seine Herrschaft abschütteln. In 4. Mose 16,1-35 heißt es: „Einst rottete sich Korah mit 250 angesehenen Israeliten gegen Mose und Aaron zusammen und riefen: „Nun ist’s genug, ihr Söhne Lewis ! Die ganze Gemeinde, alle miteinander, sind heilig … Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde Jahwes ?“ Moses legt das Aufbegehren gegen seine Führung als Gottesleugnung aus, die es nicht war: „Du und deine ganze Rotte, ihr rottet euch gegen Gott zusammen !“ Die Unzufriedenen resonieren: „Langt es nicht, dass du uns aus einem Land der Sattheit weggeführt hast, um uns in der Wüste sterben zu lassen. Du willst dich obendrein zum Herrscher über uns aufwerfen. Du konntest uns in kein Land der Sattheit führen, hast keinen Wohlstand zu vergeben, und jetzt willst du die Leute noch blind und dumm machen. Zu deiner Versammlung kommen wir nicht.“ Da wurde Moses wütend und beschwor seinen Gott: „Nimm deren Opfergaben nicht an ! Ich hab‘ diesen Leuten nicht einmal einen Esel abgenommen und nicht das geringste Leid zugefügt.“ Dann fordert er ein Gottesurteil mit den Räucherpfannen und befiehlt die Aufständischen abzusondern: „Weicht von den Zelten dieser gottlosen Menschen und rührt nichts an von ihrem Hab und Gut, damit ihr nicht weggerafft werdet wegen deren Vergehen.“ Also legt der Anführer die Ablehnung seiner Herrschaft als Gottesverrat aus, erhebt sich mithin auf gleiche Höhe seines Gottes, ebenso wie es sein Vorbild Eschnaton getan hatte. Dann erklärt er seiner Gemeinde: „Wenn diese Leute sterben und bestraft werden können, so wie alle Menschen sterben und bestraft werden können, erkennt ihr daran, dass ich der Gottesgesandte bin.“ Er impliziert: Wären sie unsterblich, dann wäre das der Beweis für ihre und nicht meine Auserwähltheit als Prophet und Führer. Dann tat sich der Erdboden unter den Unzufriedenen auf, der sie verschlang „samt ihren Familien und alle Menschen, die Korah anhingen“. „Und sie fuhren lebendig hinunter ins Totenreich mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu. So wurden sie mitten aus der Gemeinde vertilgt. Und Feuer ging aus von Gott und verzehrte die 250 Männer, die das Räucherwerk darbrachten.“ Dass der hohe Himmelsherr nicht persönlich Hand angelegt hat, bei solcher Schmutzarbeit der Beseitigung von politischen Kontrahenten, ist vorauszusetzen. Moses Lagerpolizeikommandos, der zuverlässigen Leviten, hatte beim Graben und Verbrennen ihren „Gottesdienst“ zu verrichten.
 
Sehr schnell entwickelten die in Kanaan angekommenen monothesitischen Hebräer hartnäckige, räuberische Verbände, mit deren Hilfe sie sich einige Landstriche in Palästina erobern konnten. Der provinziale jüdische Fürst David lebte um 1.000 v.0 und war militärisch bestrebt, das von den nordischen bzw. mykenischen Philistern, die Palästina in den Küstenregionen seit ca. zweihundert Jahren weitgehend besetzt hielten, zu bestehen und möglichst Landgewinne zu machen. Als monotheistischer Jahwe-Anhänger gilt er auch als Verfasser zahlreicher frommer Lieder („Psalmen“). Den widerlichen ägyptischen Brauch, die Penisse ihrer überwundenen Feinde abzuschneiden, um die Toten zu zählen, behielten auch die monotheistischen Juden bei. Hebräerkönig Saul versprach seinem Gefolgsmann David das Töchterchen Micha für den Brautpreis von 100 Philister-Vorhäuten, die er auch herbeizuschaffen wusste, denn er bekam die Braut (1. Samuel 18.20-18.27). David verwirklichte das eschnatonisch-monotheistische Ideal, das weltlich-juristische, miltitärische und geistliche Herrschertum in einer Person zu verreinen. Ebenso wie der Araber Mohammed schließlich, der im 8. Jahrhundert die krasseste Ausgestaltung des freiheit-, vernunft- und menschenmordenden Monotheismus verwirklichte. Von David berichtet, allerdings allein das jüdische Geschichtsbuch, die sog. „Bibel“, von grauenhaften Taten gegen eigene Volksgenossen wie gegen Fremde. Der junge Totschläger David bekam Probleme mit König Saul, zieht mit einer zusammengewürfelten Freischärlertruppe von „Habiru" umher, wird dann selbst Israels Herrscher, erobert die Stadt Jerusalem, die den kanaanitischen Jebusitern gehörte, durch eine List, indem sein Unterführer Joab über einen unterirdischen Wasserschacht ins Stadtzentrum eindrang. David befahl seinen Soldaten: „Wer durch den Wasserschacht in die Stadt gelangt und die Jebusiter überwältigt, soll sie umbringen, diese Blinden und Lahmen, denn ich hasse sie !“ (2. Sam 6) David machte den gut befestigten Flecken zu seinem Hauptsitz, führte von diesem sicheren Platz aus einen einheitlichen Glauben ein, machte Jerusalem zum kulturellen Mittelpunkt seiner Regierung und ließ einen Tempel errichten, den sein Sohn Salomo großzügig und prächtig ausbaute. Der Bandenführer und Eroberer David wurde von Nachfolgern und Geschichtsschreibern als der hohe, von ihrem Gott erwählte Herrscher idealisiert (1. Samuel 16,1-13), obschon er als skrupelloser Ehebrecher mit Batseba, der Ehefrau des Hethiters Urija, dessen Mord er befohlen hatte, seinen Sohn Salomo zeugte (2. Sam 11 EU). Ebenso galten alle die kriegerischen Überfälle, Raubzüge, Plünderungen, Versklavungen und Morde als verzeihlich und letztlich wohlgefällig vor dem „Einen Gott“ Davids, worin er dem späteren arabischen Räuberhauptmann und Gottesverkünder Mohammed bis auf Haar gleicht. Im mittelalterlichen rabbinischen „Midrasch“ heißt es: „Mose gab den Israeliten die fünf Bücher der Tora, und David gab den Israeliten die fünf Bücher der Psalmen.“ Wer diese Gebete und Lieder wirklich verfasste wissen wir nicht. Im „Buch der Psalmen“, Teil der biblischen „Weisheitsliteratur“, heißt es in Psalm 2,9: „Du [Gott] wirst sie [die Feinde] zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern“, was zwar zur brutalen Eroberungspolitik König Davids passt, aber als seltsam martialische Züge eines wahren höheren Gotteswesens anmutet. Welche Bibelübersetzung exakt zutrifft ist ganz unwesentlich; ob Martin Luther oder die heutige Leseweise besser greift wissen wir Sprachlaien nicht. Ob in 2. Sam. 12,31 zu lesen sei: „Das Volk aber, das darin war, führte er [David] heraus und stellte es an die Steinsäge, an die eisernen Pickel und an die eisernen Beile und ließ sie als Sklaven an den Ziegelformen arbeiten“, oder Luthers Übersetzung: „Aber das Volk drinnen führte er heraus und legte sie unter eiserne Sägen und Zacken und eiserne Keile und verbrannte sie in Ziegelöfen. So tat er allen Städten der Kinder Ammon“, die grausamen Gewalttaten Davids sind nicht anzuzweifeln, ganz im Gegenteil, sie erfüllen noch manche heutige Gläubige mit Genugtuung.
 
DIE PROPHETEN
 
Die alten Griechen verstanden unter dem Begriff des „Propheten“ einen „Verkündiger der Orakelsprüche“, also einen weisen Menschen, dem ein übernatürliches Wissen zugetraut wurde und mithin eine besondere Nähe zu den Göttern. Solche Verkünder höherer Botschaften, die in sämtlichen Religionen auftreten, sind ebenso als Seher, Weissager oder Wahrsager zu bezeichnen. Aus der griechisch-hellenischen Erinnerung blieb die Apollo-Priesterin und tragische Prophetin Kassandra im Gedächtnis, die Tochter des trojanisch-hethitischen Königs Priamos. Sie warnte vor dem Untergang ihrer Heimatstadt Troja, der dann wirklich eintrat; im 13. Jh. v.0. Als erster monotheistischer Prophet wäre der schwarze ägyptische König Amenophis IV. bzw. Eschnaton anzusehen, danach die ägyptischen Brüder Moses und Aaron, die den Eingottglauben vor vorderasiatischen Flüchtlingsscharen predigten, aus denen das „Volk Israel“ hervorging. Nach dessen Einwanderung in Kanaan entwickelte es einige Dynastien, die über den kleinräumig-regionalen Charakter nie hinauskamen, wofür die nachbarlichen Großstaaten der Ägypter, Hethiter, Assyrer, Babylonier und Perser sorgten. Die Idee eines mosaischen Monotheismus hat in der jüdischen Geschichte fortgelebt und immer wieder scheinen Gestalten aufgetreten zu sein, die an ihn erinnern wollten, so lehrt es die „Jüdische Bibel“, worunter man den „Tanach“ oder die „Tora“ versteht, dem „AT“ der Christen. Eschnaton nannte seinen erfundenen alleinigen solaren Reichsgott Aton, die Juden nennen ihn Adonai-Adonoi („meine Herren“), oder El („Gott“), oder Elohim („Götter“), oder HaSchem („der Name“), oder El Shaddai (Ernährer-Zerstörer) als Umschreibung für JHWH, dessen markanteste Äußerung sein soll: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus ägyptischer Sklaverei herausführte. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (Ex 20,2).  Seine biblischen Erscheinungsformen in der Natur sind: Gewitter, Erdbeben, Regenbogen, Feuer, Aufleuchten, Regen, so dass als Sturm-und Wettergott dem Typus Baal / Hadad gleicht. Die Beantwortung der Frage nach Bedeutung von JHWH ist in etwa deutbar. Im Soleb-Tempel, südlich von Theben, den Eschnatons Vater Amenophis III., um 1.380 v.0 errichten ließ, gibt es eine Ortsliste des edomitischen Berglandes, der Bezeichnung „Schasu-Land Yhw“. Gegen die Schasu-Leute kämpften verschiedene Pharaonen, auch Ramses II. (1.303-1.213), in dessen Herrschaftszeit den israelitischen Moses-Anhängern der Auszug in die Freiheit gelang. Die Schasu („Šȝśw“ = Wanderer) scheinen identisch mit Gruppen aus den „Seevölkern von den Inseln“ zu sein, denn im Totentempel von Medinet Habu des Pharao Rames III. (1.187-1.156) zeigen Reliefs die gefangenen Schasu mit den gleichen Wickelröcken wie sie die nordisch-mykenischen Philister trugen. Man könnte „Yhw“ als Name des Stammesgottes der Schasu-Gruppe deuten, aus welcher den Israeliten der Gottesnamen zufloss, aus dem sehr viel später die „Yhwh“-Form erwuchs. In den ältesten bekannten Fragmenten, dem Papyrus-Fund 266 (Nr. 847,848,942 nach Rahlfs) aus dem 2./1. Jh.v.0, liegen Teile aus 1. + 5. Buch Mose in griech. Sprache vor, in denen per althebräischer Schriftzeichen „JHWH“ eingefügt sind. In der „Septuaginta“-Bibelübersetzung des 3./2. Jhs. kommt, abgesehen von einigen hebräischen Bibelhandschriften, der Jhwh-Name gar nicht vor, die hebr. Bezeichnung Adonaj wurde mit Kyrios (griech. „Herr“) wiedergegeben. Der Glaube an Jahwe als Schöpfergott äußert sich in der Vorstellung, er sei der Garant einer stabilen kosmischen Ordnung, das ist im AT mehrfach belegt. In Gen 1 wurde sie in priesterlicher Erzählform eines Schöpfungshymnus, im Sinne, die Welt sei nicht sinnlos, sondern ein von göttlicher Intelligenz geordneter Entwurf. Diese Erkenntnis konnte erst der griech. Mathematiker und Astronom Hipparchos von Nicäa (190-120) v.0) wissenschaftlich begründen. Er entdeckte mit der sog. Präzession, der Rückläufigkeit des Frühlingspunktes auf der Ekliptik, den Weltzyklus, das „Große Jahr“, auch „Platonische Jahr“, von etwa 25.800, also ca. 26 mal tausend Jahren. Der kosmische Gott musste also ein 26-iger sein. Die Konsonantenfolge des jüd. Gottesnamens ist: Jod-10, He-5, Waw-6, He-5 = 26. Es wird demzufolge der Gottesname des Tetragramms „JHWH“ - mit dem angehängten „h” - nicht vor dem 2. Jh. vor Null als Priesterklügelei entstanden sein.
 
Die Liste der dort aufgeführten hebräischen Propheten beginnt mit Amos, der wohl im 8. Jh. v.0 lebte. Ihre Predigten vor dem Volk oder dessen Herrscher glichen sich alle insofern, dass sie eindringlich vor den schlimmen Folgen, einer Vernachlässigung oder Abkehr von Jahwe-Kult, zu warnen versuchten. Andererseits machten die Propheten auch Mut zum Überlebenskampf des kleinen, oftmals hart bedrängten Völkchens, so Prophet Jesaja, Ende 8. Jh. v.0, der die „Messias-Idee“ entwickelte, also die Hoffnung auf einen weltlichen „Erlöser“ bzw. Befreier von Fremdherrschaft und allen Übeln der bedrückenden Zeiten. Die Kapitel 13 bis 27 der Jesaja-Texte enthalten diverse Verurteilungen, in denen der Prophet das „Gericht Gottes“ über die nachbarlichen Völker schildert: über Babel (Jes 13,1-14,23), über Assur (Jes 14,24-27), über Philister (Jes 14,28-32) über Moab (Jes 15,1-16,14), über Damaskus und das Nordreich Israel (Jes 17), über Kusch (südlich von Ägypten, Jes 18), über Ägypten (Jes 19), über Babel (Jes 21,1-10), über Edom (Jes 21,11-12), über Arabien (Jes 21,13-17). Es sind die chauvinistischen Wunschträume eines vom Hass besessenen kranken Geistes, denn er schwelgt in den grauenhaftesten Gedankenspielen über die bildliche Auslöschung aller Gegner seiner Glaubens-Nation. Das liest sich in Jes. 13,1-16 z.B. so: „Dies ist die Last für Babel, die Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat: Auf hohem Berge erhebt das Banner, ruft laut ihnen zu, winkt mit der Hand, dass sie einziehen durch die Tore der Fürsten. Ich habe meine Geheiligten entboten zu meinem Zorngericht und meine Starken gerufen, die da jauchzen über meine Herrlichkeit. Es ist Geschrei und Lärm auf den Bergen wie von einem großen Volk, Geschrei und Getümmel von den versammelten Königreichen der Völker. Der HERR Zebaoth rüstet ein Heer zum Kampf. Sie kommen aus fernen Landen, vom Ende des Himmels, ja, der HERR selbst samt den Werkzeugen seines Zorns, um zu verderben die ganze Erde. Heulet, denn des HERRN Tag ist nahe; er kommt wie eine Verwüstung vom Allmächtigen. Darum werden alle Hände schlaff, und aller Menschen Herz wird feige sein. Schrecken, Angst und Schmerzen wird sie ankommen, es wird ihnen bange sein wie einer Gebärenden. Einer wird sich vor dem andern entsetzen, feuerrot werden ihre Angesichter sein. Denn siehe, des HERRN Tag kommt grausam, zornig, grimmig, die Erde zu verwüsten und die Sünder von ihr zu vertilgen. Denn die Sterne am Himmel und sein Orion scheinen nicht hell, die Sonne geht finster auf, und der Mond gibt keinen Schein. Ich will den Erdkreis heimsuchen um seiner Bosheit willen und die Gottlosen um ihrer Missetat willen und will dem Hochmut der Stolzen ein Ende machen und die Hoffart der Gewaltigen demütigen, dass ein Mann kostbarer sein soll als feinstes Gold und ein Mensch wertvoller als Goldstücke aus Ofir. Darum will ich den Himmel bewegen, und die Erde soll beben und von ihrer Stätte weichen durch den Grimm des HERRN Zebaoth, am Tage seines Zorns. Und sie sollen sein wie ein verscheuchtes Reh und wie eine Herde ohne Hirten, dass sich ein jeder zu seinem Volk kehren und ein jeder in sein Land fliehen wird. Wer da gefunden wird, wird erstochen, und wen man aufgreift, wird durchs Schwert fallen. Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet werden.“ Was sich Jesaja hier als Gotteswille (!) ausdenkt, mutet wie die mörderischen Passagen des Korans von Mohamed an, die von ihm in Gottes Befehlsform diktiert worden sind, ganz konkret - Sure für Sure - eindeutige Mordbefehle gegen die „Ungläubigen“ enthalten. Wenn „fromme Propheten“ solche Scheußlichkeiten als göttliche Absichtserklärungen in Lettern bannen, festschreiben, ist das wie eine Vorwegnahme und eine Aufforderung an die Gläubigen aller Nachfolgergenerationen, diese Blutgerichte nachzuvollziehen, um damit Gottes Wille verstehend, zu „Knechten Gottes“ werdend, die „heiligen Henkersknechte“ des Monotheismus abzugeben. Die Sprache der Jahwe-Propheten ist zuweilen fruchtenflößend und das will sie auch sein. Jesaja. 34,1-17: „Tretet herzu, ihr Nationen [Heiden / Nichtjuden], um zu hören, ihr Völkerschaften, horchet auf ! Es höre die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und alles, was ihm entsprosst ! Denn der Herr ist zornig über alle Heidenvölker und ergrimmt über ihr ganzes Heer. Er hat über ihnen den Bann verhängt und sie zur Schlachtung dahingegeben. Ihre Erschlagenen sollen hingeworfen werden und der Gestank ihrer Leichname aufsteigen, und die Berge werden von ihrem Blut triefen. … Denn es ist ein Tag der Rache des Herrn, ein Jahr der Vergeltung für die Sache Zions. Da sollen Bäche in Pech verwandelt werden und ihr Staub in Schwefel; ja, ihr Land wird zu brennendem Pech. Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig wird sein Rauch aufsteigen; es wird öde liegen von Geschlecht zu Geschlecht, und niemand wird mehr hindurchziehen ewiglich. … Von ihrem alten Adel wird keiner mehr da sein, um das Königtum auszurufen, und alle ihre Fürsten sind dahin. In ihren Palästen werden Dornen wachsen, Nesseln und Disteln in ihren befestigten Städten; sie werden den Schakalen zur Wohnung dienen, zum Gehege den Straußen. … Forscht nach im Buch des Herrn und lest es ! Nicht eines von alledem wird fehlen; zu keinem Wort wird man die Erfüllung vermissen; denn mein Mund ist's, der es befohlen, und sein Geist ist's, der sie gesammelt hat. Und Er selbst hat ihnen das Los geworfen, und seine Hand hat es ihnen mit der Meßschnur zugeteilt. ...” - Prophet Jeremia 25,15-38: „Ja, so hat der HERR, der Gott Israels, zu mir gesprochen: Nimm diesen Becher Zornwein aus meiner Hand und gib ihn all den Nationen zu trinken, zu denen ich dich sende, damit sie trinken und taumeln und sich wie toll aufführen wegen des Schwertes, das ich unter sie sende ! Da nahm ich den Becher aus der Hand des HERRN und ließ all die Nationen trinken, zu denen der HERR mich gesandt hatte … und alle Könige des Nordens, die nahen und die fernen, einen nach dem andern, und alle Königreiche der Erde, die auf der Fläche des Erdbodens sind. … Und sage zu ihnen: So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Trinkt, werdet berauscht und speit, fallt hin und steht nicht wieder auf, wegen des Schwertes, das ich unter euch sende ! Und es soll geschehen, wenn sie sich weigern, den Becher aus deiner Hand zu nehmen, um zu trinken, dann sollst du zu ihnen sagen: So spricht der HERR der Heerscharen: Ihr müsst trinken. … Laut brüllt er über seine Weide; ein Jauchzen wie die Kelterer stimmt er an gegen alle Bewohner der Erde. … Siehe, Unheil geht aus von Nation zu Nation, und ein gewaltiger Sturm macht sich auf vom äußersten Ende der Erde. Und die Erschlagenen des HERRN werden an jenem Tag daliegen von einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde. Sie werden nicht beklagt, und ihre Leichen werden weder eingesammelt noch begraben; zu Dünger auf der Fläche des Erdbodens sollen sie werden. Heult, ihr Hirten, und schreit um Hilfe ! Und wälzt euch in der Asche, ihr Mächtigen der Herde! Denn eure Tage sind erfüllt, euch zu schlachten - und die Tage eurer Zerstreuung -, und ihr sollt hinfallen wie ein kostbares Gefäß. … Denn der HERR verwüstet ihre Weide, und die Weideplätze des Friedens sind zerstört vor der Glut des Zorns des HERRN. Er hat wie ein Junglöwe sein Dickicht verlassen. Denn ihr Land ist zur Wüste geworden vor dem gewalttätigen Schwert und vor der Glut seines Zornes.“ - Jeremia 25,29-33: „Ihr werdet nicht ungestraft bleiben; denn ein Schwert rufe ich herbei über alle Bewohner der Erde, spricht der HERR der Heerscharen. Und du, weissage ihnen alle diese Worte und sprich zu ihnen: Der HERR brüllt aus der Höhe und erhebt seine Stimme aus seiner heiligen Wohnung. Laut brüllt er über seine Weide; ein Jauchzen wie die Kelterer stimmt er an gegen alle Bewohner der Erde. Ein Getöse dringt bis ans Ende der Erde, denn einen Rechtsstreit hat der HERR mit den Nationen, er hält Gericht mit allem Fleisch; die Gottlosen gibt er dem Schwert preis, spricht der HERR. So spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, Unheil geht aus von Nation zu Nation, und ein gewaltiger Sturm macht sich auf vom äußersten Ende der Erde. Und die Erschlagenen des HERRN werden an jenem Tag daliegen von einem Ende der Erde bis zum andern Ende der Erde. Sie werden nicht beklagt, und ihre Leichen werden weder eingesammelt noch begraben; zu Dünger auf der Fläche des Erdbodens sollen sie werden.“ - Und fast ununterbrochen fordern und schwelgen diese Propheten in lang ausgewalzten Rachefantasien die sie ihrem Gott in den Mund legen, wie Jeremia 50,1-44: „Das Wort, das der HERR über Babel, über das Land der Chaldäer, durch den Propheten Jeremia geredet hat: Verkündigt es unter den Nationen und lasst es hören und richtet ein Feldzeichen auf ! Lasst es hören, verschweigt es nicht ! Sagt: Babel ist eingenommen, … ihre Götzen sind schreckerfüllt. Denn gegen es ist eine Nation heraufgezogen von Norden her: Die wird sein Land zur Wüste machen, dass kein Bewohner mehr darin sein wird. Sowohl Menschen als Vieh sind entflohen, weggezogen. … Und Chaldäa wird zum Raub werden. Alle, die es berauben, sollen satt werden, spricht der HERR. Ja, freut euch nur, ja, jubelt nur, ihr Plünderer meines Erbteils, ja, hüpft nur wie eine dreschende junge Kuh und wiehert wie starke Pferde ! … Vor dem Grimm des HERRN wird es nicht mehr bewohnt werden, sondern ganz und gar verödet bleiben. Jeder, der an Babel vorüberzieht, wird sich entsetzen und zischen über all seine Plagen. … Ich habe dir eine Falle gestellt, und du bist auch gefangen worden, Babel, ohne, dass du es erkannt hast. Du bist gefunden und auch gefasst, weil du Krieg mit dem HERRN angefangen hast. Der HERR hat seine Rüstkammer aufgetan und die Waffen seines Grimms hervorgeholt; denn Arbeit gibt es für den Herrn, den HERRN der Heerscharen, im Land der Chaldäer. Kommt über es vom äußersten Ende, öffnet seine Scheunen, schüttet es auf wie Garbenhaufen und vollstreckt den Bann an ihm ! Nicht bleibe ihm ein Rest ! Stecht alle seine Stiere nieder, zur Schlachtung sollen sie hinsinken ! Wehe über sie ! Denn ihr Tag ist gekommen, die Zeit ihrer Heimsuchung. Horch ! Flüchtlinge und Entkommene [Israels] aus dem Land Babel, um in Zion zu verkünden die Rache des HERRN, unseres Gottes, die Rache seines Tempels ! Ruft Schützen herbei gegen Babel, alle, die den Bogen spannen ! Belagert es ringsum, niemand darf entkommen ! Vergeltet ihm nach seinem Tun, tut ihm nach allem, was es getan hat ! Denn es hat vermessen gehandelt gegen den HERRN, gegen den Heiligen Israels. Darum sollen seine jungen Männer auf seinen Plätzen fallen und alle seine Kriegsmänner umkommen an jenem Tag, spricht der HERR. … Und ich werde ein Feuer anzünden in ihren Städten, dass es ihre ganze Umgebung frisst. So spricht der HERR der Heerscharen: Die Söhne Israel und die Söhne Juda sind alle zusammen Unterdrückte. Und alle, die sie gefangen weggeführt, haben sie festgehalten, haben sich geweigert, sie loszulassen. Ihr Erlöser ist stark, HERR der Heerscharen ist sein Name. Er wird ihre Rechtssache bestimmt führen, um dem Land Ruhe zu verschaffen, aber den Bewohnern von Babel Unruhe. Das Schwert über die Chaldäer, spricht der HERR, und über die Bewohner von Babel und über seine Obersten und über seine Weisen ! Das Schwert über die Orakelpriester, dass sie zu Toren werden ! Das Schwert über seine Helden, dass sie schreckerfüllt sind ! Das Schwert über seine Pferde und über seine Wagen und über das ganze Mischvolk, das in seiner Mitte ist, dass sie zu Weibern werden ! Das Schwert über seine Schätze, dass sie geplündert werden ! Dürre über seine Gewässer, dass sie austrocknen ! Denn es ist ein Land der geschnitzten Bilder, und durch ihre Schreckbilder werden sie toll. … Wie nach der Umkehrung Sodoms und Gomorras und ihrer Nachbarstädte durch Gott, spricht der HERR, wird niemand dort wohnen, und kein Menschenkind wird sich darin aufhalten. … Ja, ich werde sie plötzlich daraus vertreiben und den, der auserkoren ist, über es bestellen. Denn wer ist mir gleich, und wer will mich vorladen ?“ - Die Nationen gelten diesem Gott rein Nichts ! Jesaja 40,15-23: „Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. Der Libanon wäre zu wenig zum Feuer und seine Tiere zu wenig zum Brandopfer. Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm als nichtig und eitel… Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte.“ Prophet Jeremia wendet sich mit gleich scharfen, exaltierten Schimpfreden wider sein eigenes Volk, wie in 8,8-16: „…aber mein Volk kennt das Recht des HERRN nicht. Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des HERRN ist bei uns ? In der Tat ! Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht. Die Weisen werden beschämt, sie sind schreckerfüllt und werden gefangen. Siehe, das Wort des HERRN haben sie verworfen. Und was für eine Weisheit haben sie nun ? Darum werde ich ihre Frauen anderen geben, ihre Felder anderen Besitzern. Denn vom Kleinsten bis zum Größten machen sie alle unrechten Gewinn, vom Propheten bis zum Priester üben sie alle Falschheit. Und den Bruch der Tochter meines Volkes heilen sie oberflächlich, indem sie sagen: Friede, Friede ! - und da ist doch kein Friede. Sie werden zuschanden, weil sie Gräuel verübt haben. … so will ich ihnen Menschen bestellen, die sie verheeren werden. … Denn der HERR, unser Gott, lässt uns umkommen und hat uns mit giftigem Wasser getränkt, weil wir gegen den HERRN gesündigt haben. … Von Dan her hört man das Schnauben seiner Pferde; vom lauten Wiehern seiner starken Pferde erzittert das ganze Land. Und sie kommen und fressen das Land, die Städte und ihre Bewohner.“ - Prophet Nahum 1,2-6: „Ausspruch über Ninive. … Ein eifersüchtiger und rächender Gott ist der HERR, ein Rächer ist der HERR und voller Grimm. Rache übt der HERR an seinen Gegnern, und er grollt seinen Feinden. Der HERR ist langsam zum Zorn und groß an Kraft. Doch keinesfalls lässt der HERR ungestraft. - Im Sturmwind und im Unwetter ist sein Weg, und Gewölk ist der Staub seiner Füße. Die Berge erbeben vor ihm, und die Hügel zerfließen. Vor seinem Angesicht hebt sich die Erde, das Festland und alle, die darauf wohnen. Wer kann vor seinem Groll bestehen, wer standhalten bei der Glut seines Zorns ? Sein Grimm ergießt sich wie Feuer, die Felsen bersten durch ihn.“ - Jehova wir als eifernder Gott für die Sache allein „seines Volkes“ geschildert, z.B. von Prophet Sacharja 12,4-9: „An jenem Tag, spricht der HERR, schlage ich alle Pferde mit Scheuwerden und ihre Reiter mit Wahnsinn. Über das Haus Juda aber halte ich meine Augen offen, während ich alle Pferde der Völker mit Blindheit schlage. … An jenem Tag mache ich die Fürsten von Juda einem Feuerbecken unter Holzstücken und einer Feuerfackel unter Garben gleich; und sie werden zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsum verzehren. … Und es wird geschehen an jenem Tag, da trachte ich danach, alle Nationen zu vernichten, die gegen Jerusalem herankommen.“
 
ESRA
 
Ein jüdischer Intellektueller namens Esra hatte am persischen Hof zu Babylon als Verwaltungsfachmann Karriere gemacht, erlangte Vertrauen und wurde Günstling des Herrschers, weshalb man ihn, mit allen Vollmachten als Richter ausgezeichnet, in die persische Provinz dorthin beorderte, wo zu erwarten war, dass er im propersischen Sinne Ordnung und Stabilität schaffen würde, nämlich in die Heimat seiner Vorfahren, Jerusalem. Es soll unter Perserkönig Artaxerxes I. (465-424 v.0) geschehen sein und heißt im biblischen Bricht, sollte er zutreffen, es wäre im Jahre 457 gewesen: „Und etliche … zogen mit ihm nach Jerusalem hinauf, im siebten Jahr des Königs Artasasta.“ (Esra 7:7ff) Dieser tüchtige jüdisch-nationale Eiferer erfüllte als loyaler persischer Diener ebenso seine Aufgabe, wie als Reformator und Wiedererrichter des staatlich und religiös gerahmten Judentums. Die Zusammenfügung der biblischen Schriftensammlung begann konkret mit Esra im 5. Jh. vor unserer Zeitrechnung. Warum und wodurch sie geschah ist kein Rätsel. Esra gehörte zur Schicht gebildeter Juden die in Babylon, am Hofe der toleranten, weltoffenen persische Großkönige, Karriere gemacht hatten, wovon auch das biblische „Buch Ester“ handelt, das von Fachleuten als ein nationalistisch-erotischer Roman verstanden wird. Darin kommt ein jüdischer Günstling und Hofbeamter des Herrschers namens Mordechai vor, der seinem deportierten Judenvolk große Dienste leistet. Der Herrscher soll Achaschwerosch bzw. Xerxes (519-465 v.0) gewesen sein. In persisches, zuvor babylonisches Gebiet, hatte der babylonische Vorgängerstaat unter König Nebukadnezar II. (640-562 v.0), nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung seines Tempels, die reichen und intellektuellen jüdischen Oberschichten, sowie gebrauchsfähigen Fachleute im Jahr 597 v.0 weggeführt. Ihr Zwangsaufenthalt dauerte bis zur Eroberung Babylons durch den Perserkönig Kyros II. (590-530 v.0), im Jahr 539 v.0, keine ganzen 60 Jahre. Kyros gab allen unterworfenen Völkern ihre Götterbildnisse zurück, die während früherer Kriege gestohlen und nach Babylon gebracht worden waren. Auch viele Juden kehrten nach Jerusalem zurück, um ihr Volkstum und seinen Tempel wieder aufzurichten. Der Nachfolger des Kyros war sein Sohn Kambyses II. (558-522 v.0). Er verfolgte den Plan Ägypten zu erobern, welcher dann im Jahr 525 v.0 mit einem Sieg über ägyptische Verteidigungstruppen seinen tatsächlichen Anfang nahm. Nach dem Sieg der Griechen über die Perser bei Marathon im Jahr 490 v.0 versuchten die Ägypter die Perserherrschaft abzuschütteln; auch in den beiden Generationen danach war unter Artaxerxes I. die persische Provinz Jehud-Judäa durch die Griechen gefährdet. Esra begann also Jerusalem mit Mauern abzusichern, doch, nachdem sich die ansässige Bevölkerung über den autoritären, selbstherrlichen Esra beim König beschwert hatte, untersagte der den Weiterbau (Esr. 4:7 ff). Später wurde ein anderer königlicher Vertrauensmann Statthalter über die Juden (Neh. 13:6).
 
So wie sich Esra, als plötzlich herbeigekommener, herrschsüchtiger, offizieller Vertreter der persischen Obrigkeit verhielt, machte er sich diese Leute zu Feinden, die durchgehend in der Provinz Jehud gelebt und sich hier eingerichtet hatten, sowie jene die bereits unter Perserkönig Kyros II. aus Babylon zurückgekehrt waren, 82 Jahre zuvor. Längst hatten sich nachbabylonisch-judäische Verwaltungs- und Machtstrukturen entwickelt, die Esra nun, als neuer Oberrichter, in Frage zu stellten sich berechtigt fühlte. Sein Terror gegen alle Mischehen und Mischlinge wird ihn zusätzlich noch unbeliebter gemacht haben. Das jüdisch-mosaische Gottesgesetz verbietet die Mischehen mit fremdrassigen Partnern (2 Mo 34,15-16; 5 Mo 7,3-6). In Mose 4:25 heißt es: „Als das Volk bei Schittim lagerte, begannen die Männer, sich mit moabitischen Frauen einzulassen -, da wurde Gott zornig und befahl Mose: ,Nimm alle Anführer des Volkes fest und lass sie sofort, noch am hellen Tag, vor meinen Augen hinrichten, damit ich in meinem glühenden Zorn nicht das ganze Volk vernichten muss !‘ Und  Mose befahl den Schiedsmännern des Volkes: ,Tötet alle die sich mit dem Baal [Gott der Moabiter] eingelassen haben !‘ Da brachte ein [trotziger] Israelit öffentlich seine midianitische Frau in sein Sippenzelt. Als der Priester Pinhas das sah, der ein Enkel Aarons war, stand er auf, nahm einen Speer, folgte dem Liebespaar und durchbohrte es. Der Israelit, der zusammen mit der Midianiterin getötet wurde, war Simri, der Sohn Salus, ein Sippenältester des Stammes Simeon, und die Frau hieß Kosbi; ihr Vater Zur war der Anführer einer midianitischen Stammesgruppe.“ Nach dem Mord an den beiden soll eine grassierende Seuche aufgehört haben, ihre Opfer zu fordern. Damit belohnte der Judengott seine Anhänger für die Einhaltung seines rassistischen Reinheitsgebotes. Diese Rassereinheit lag Esra besonders am Herzen und ihr Zwang wird, damals wie heute, als Eingriff in die individuelle Selbstbestimmung als schmerzhaft empfunden. Da heißt es im „Buch Esra“ von Esra: „Die leitenden Beamten traten zu mir und berichteten, dass das Judenvolk und die Priester und Leviten sich nicht abgesondert verhielten von den nachbarlichen Völkern der Länder, bezüglich ihrer gräulichen Sitten. Dies waren die Kanaaniter, Hetiter, Pheresiter, Jebusiter, Ammoniter, Moabiter, Ägypter und Amoriter. Sie nahmen deren Töchter und Söhne als Frauen und Männer an und vermischten somit den heiligen jüdischen Samen mit diesen Völkern. … Und die Obersten und die Vorsteher sind in dieser Missetat sogar vorangegangen. Als ich dies hörte, zerriss ich mein Hemd und mein Obergewand und raufte mir das Haupthaar und den Bart und war sehr erschüttert. Alle die die Gebote unseres Gottes achteten wegen der [Rassenschranken-] Übertretung jener Leute, die aus der Wegführung zurückgekommen waren, versammelten sich um mich, und ich saß bestürzt, um nachzudenken bis zum Abendopfer. … Zwar sind wir Unfreie, doch hat uns unser Gott in unserer Knechtschaft nicht verlassen, vielmehr hat er uns die Gunst der Könige von Persien bewirkt, dass sie uns ein Wiedererstarken gewährten, um das Haus unseres Gottes aufzubauen und seine Trümmer wiederherzustellen, und dass sie uns eine [Schutz-] Mauer gaben in Juda und Jerusalem….“ Schließlich werden im „Buch Esra“ Leute genannt, die für die Trennung von den fremdrassigen Frauen und Kindern plädieren, sich also auf die Seite Esras stellen: „Lasst uns nun einen Bund schließen mit unserem Gott, dass wir alle Frauen und die von ihnen geborenen Nachkommen, hinauswerfen nach göttlichem Ratschluss. So soll nach unserem Gesetz gehandelt werden. … Die ganze Gemeinde sprach mit lauter Stimme: Es soll geschehen, wie du uns gesagt hast ! … Diese alle hatten fremde Frauen genommen; und unter diesen Frauen waren etliche, die Kinder geboren hatten. … Sie willigen ein, ihre Sünde zu bekennen und sich selbst von ihren nichtjüdischen Frauen [Frauen „aus den Nationen“] und von den Kindern, die diese Frauen geboren hatten, zu trennen. …“ In Esra 9:12 werden Angaben verdeutlicht, wie sich Juden in dem von ihnen eingenommenen Land, hinsichtlich ihrer Nachbarn, zu verhalten haben: „Ihr Juden sollt Eure Töchter nicht mit fremden Söhnen und Eure Söhne nicht mit fremden Töchtern verheiraten. Und sucht weder Frieden zu halten noch den Fremden Gutes zu tun in Ewigkeit, damit ihr mächtig werdet und das Gute im Lande genießen und es euren Kindern ewiglich vererben könnt.“ Auch im Folgenden biblischen „Buch Nehemina“ heißt es ab 13:23: „Auch besuchte ich [Esra] in jenen Tagen die Juden, welche asdoditische, ammonitische und moabitische Weiber geheiratet hatten. Und die Hälfte ihrer Kinder redete asdoditisch, sie kannten die jüdische Sprache nicht, sprachen vielmehr die Sprachen des einen oder andern Volkes. Da zankte ich mit ihnen, verfluchte sie deswegen, schlug auch einige der Väter dieser Kinder und ich beschwor sie beim Gott unseres Volkes diese Verbrechen zukünftig zu unterlassen.“
 
Der fundierte Privatdozentfür Altes-Testament und Biblische Landeskunde, Ernst Axel Knauf, erklärte im Interview mit einem sehr bekannten Nachrichtenmagazin, zum Phänomen Esra: Es waren seine „Beamten und Soldaten zwar eine Minorität, aber die herrschende Minderheit in der Provinz, und bald fühlten sie sich als die eigentlichen Herren des Landes. Sie setzten ihr Recht durch. Und: Aus Persien brachten sie einen Glauben mit, der nahezu monotheistisch war. Es gab noch andere Götter, aber sie wurden nicht mehr verehrt. Was die Oberschicht-Rückkehrer dachten und wollten, nämlich Unterwerfung der altjudäischen Restbevölkerung, der dieser Beinahe-Monotheismus neu war, ist im Buch Josua zu lesen. Allerdings wird es dort als Kampf mit Fremdvölkern wie ,Kanaanitern‘ oder ,Amoritern‘ dargestellt, was in Wahrheit ein innerjüdischer Konflikt war zwischen der zurückgekehrten Elite und der israelitischen Landbevölkerung. Es sind ja keine Chroniken in unserem Sinne; alles wird ideologisch umgedeutet. Die Jerusalemer setzten sich auch nicht völlig durch. Sie hatten zwar in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts den Konkurrenz-Tempel der Judäer in Bet-El zerstört, dafür bauten die Samariter, die Bet-El mit genutzt hatten, auf dem Berg Garizim bei Nablus ihren eigenen Tempel, und die Jerusalemer Elite verlor das große Samaria. Allmählich muss die Einsicht gewachsen sein, dass man sich miteinander arrangieren sollte. So entstand eine Schlussredaktion der Tora, die beide Seiten nebeneinander zu Wort kommen lässt. Da erklären etwa die einen: Wir sind die Kinder Abrahams, dem gehörte einst das Land. Die anderen behaupten dasselbe von ihrer Stammvatergestalt Jakob. Indem man Abraham zum Vater Jakobs machte, konnten beide Parteien zufrieden sein. Nun waren alle Nachfahren Abrahams, und alle sind in Babylonien gewesen. Das Resultat kann man in Josua 24 nachlesen. Es ist das Ergebnis jahrhundertelanger Forschung, die Widersprüche und Divergenzen abarbeitet. Dass die Tora Ende des 5. Jahrhunderts, in der Perserzeit, ihre Gestalt fand, darüber sind sich Alttestamentler diesseits des Atlantik weitgehend einig. Umstritten ist noch, warum Esra ein Buch, das zwischen dem Garizim und Jerusalem ausgehandelt wurde, angeblich aus Babylonien mitbrachte. Musste man sich Provinz-Gesetzgebungen von den Oberherren genehmigen lassen ? Das wäre eine mögliche Erklärung. Man wird sich eine Schriftrolle in mehreren Exemplaren denken müssen. Daraus wurde wöchentlich vorgetragen, was nun jeder wissen und tun musste, um ein guter Jude zu sein. Das war eine wichtige Neuerung, denn so konnten alle am Herrschaftswissen teilhaben. Die Tora ist schon weithin als Gotteswort und Gottes Wille formuliert; zugleich aber ist sie das Dokument, mit dem die Judäer, nun Juden der Perserzeit, ihre Identität und ihre Gesetze festlegten. Es geht nicht um Glauben, sondern um das Wissen, was richtig ist. Mit Fertigstellung der Tora war der ideologische Richtungskampf nicht beigelegt; so entstanden bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. die Prophetenbücher. Die Gelehrten der Jerusalemer Tempelschule wurden als gute jüdische Professoren ja dafür bezahlt, sich zu streiten. Sie kommentierten die Tora und arbeiteten vorhandene Texte um …“. Prof. Ernst Axel Knauf erklärte zu den geschickten Formulierungen in der „Bibel“, also zur werbewirksamen äußeren Form, die ihre Bearbeiter wählten: „Sie waren professionelle Formulierkünstler, die mit großem Bedacht zu Werke gingen. Sie waren natürlich in der langen erzählerischen Tradition ihrer Kultur zu Hause. Außerdem kannten sie die Weisheitsliteratur der ganzen Region; man war international vernetzt, wie die Wissenschaft heute. Das andere große Beispiel dieser ausgebildeten Erzählkultur, die wohl schon einige Jahrhunderte in Syrien und Umgebung florierte, ist das Werk des griechischen Geschichtsschreibers Herodot.“ (Ein Kap. folgt noch !)
 
FRÜCHTE DES WAHNES
 
Eine quasi übergeordnete oder koordinierende Kraft anzunehmen, ist im jeweiligen Pantheon der Völker und Kulturkreise nicht neu. Doch stehen sie an der Spitze wie einer der weisen irdischen Herrscher, die sehr wohl einen Ratgeberkreis um sich haben und neben sich - ganz selbstverständlich ein gleichberechtigtes weibliches Pendant - in Gestalt einer Herrscherin bzw. der Ehefrau. Ohne sie, ohne das komplementäre weibliche Element kommt die gesamte Natur nicht aus, also auch nicht das Numinose. Nicht anders arrangieren sich die Kräfte aus Sicht der modernen Physik und der kosmogonischen Energien; ohne Anziehung und Abstoßung, ohne Fliehkraft und Masseanziehung, Plus und Minus, den Protonen und Elektronen funktioniert das kosmische All nicht. Eine einzige Kraft zu behaupten und im religiösen Sinne anzubeten, ist etwas Gewaltsames, das im Widerspruch zu den Erscheinungsformen unserer Erde daherkommt. Wer solchen Glauben durchsetzen will, muss seine Gläubigen narkotisieren, durch einseitige Weltbetrachtungslehren und Exerzitien und in Aussichtstellungen von Lohn und Strafandrohungen bei Übertretungen. Die freie Geistentfaltung und die freie Meinungsäußerung vertragen sich mit keinem Monotheismus. Das Priesterdiktat des weltlichen Zwanges und die Verfolgung der Fremd- und Nichtgläubigen setzen unweigerlich ein. Genau so haben wir es in Altisrael erlebt, wovon das jüdische Geschichts- und Geschichtenbuch erschreckende Auskunft gibt. Wer den mosaischen Jahwe-Kult nicht akzeptierte wurde als ein von Gott Verstoßener, Gebannter, Verfluchter gebrandmarkt, der ganz selbstverständlich auch vor die weltlichen Priestergerichte gezogen werden konnte, so wie es auch - neben zahllosen gleicherweise Leidtragenden - dem Galiläer Jeshua-Jesus erging. Mit dem Monotheismus, und von ihm auf scheinbar höchster Ebene legalisiert, entwickelte sich die absolute Monarchie, die Herrscherwürde auf der Basis von „Gottes Gnaden“, wie es der „Byzantinismus“ vorexerzierte. Die massenmörderischen christenkirchlichen Heiden-, Ketzer- und Hexenjagden legen ein schauriges Zeugnis ab von der menschenverachtenden und menschenrechtsverachtenden Hybris kirchlicher Priesterkasten und den von ihrem Segen abhängig gemachten Weltlichkeiten, vom Kaiser und Fürsten bis zum kleinen Dorfschultheißen.
 
Ein Bibel-Gott, der „keine Götter neben sich duldet“ ist keiner der in Sachen Toleranz als Schutzengel herangezogen werden könnte. Und wie ihr eingebildeter Herr, so auch seine weltlichen Funktionsträger, die ohne Wimpernzucken „ungläubige“ Mitmenschen zu Hekatomben auf ihren Altären verbluten ließen. Sie mokierten sich heuchlerisch über die Brandopfer der Baals-Priester des Molochs und tanzten selbst um die Brandstöße auf denen in Todesqualen sich windende Menschenleiber verschmorten. Der paulinische Christianismus, welcher sich auf den „Kreuzestod“ eines jüdischen Reformators als Glaubensbasis stützt, hat den monotheistischen Absolutheitsanspruch aus seiner mosaischen Herkunft in die Welt getragen und damit sein ganzes Unheil von Selbstüberschätzung, Unfreiheit, Geisteszucht und Intoleranz. Ebenso wie der zweite Spross aus gleichem Urstamm, der Islam, jenes Räuberhauptmanns Mohammed, der mit seinen Koran-Texten einen Monotheismus vertrat und in Gestalt seiner Fanatiker bis heute vertritt, der im dritten Anlauf gewissermaßen, den Gipfel eines „heiligen Wütens“ für Gott Allah predigt. Der „Gotteskrieger“ der für seinen Einen-Gott einen Ungläubigen tötet, der verschafft sich die ewige jenseitige Seligkeit, im Kreise von zweiundsiebzig ihn verwöhnenden Jungfrauen. Geistloser und respektloser geht es nicht, aber der Begriff des Monotheismus scheinveredelt noch die primitivsten, schlimmsten Taten, weil sie „nur“ aus religiöser Verblendung oftmals im Selbstopferakt geschehen. Es wird höchste Zeit, dass man in der unreflektierten Geisteshaltung des absoluten Eingottglaubens die akute Gefahr erkennt für das friedliche und damit gedeihliche Miteinander unserer Menschenwelt. - Schlusswort des 10. Bandes der „Kriminalgeschichte des Christentums“, 2013, von Schriftsteller Karlheinz Deschner: „Wo sonst gibt es diese atemverschlagende Mischung von Wolfsgeheul und Friedensschalmei, Weihnachtsbotschaft und Scheiterhaufen, von Heiligenlegende und Henkersgeschichte ! Wo sonst dies allumfassende Liebespalaver und den praktisch alles verschlingenden Hass ! Wo sonst eine Religion, die aus Liebe tötet, aus Liebe foltert, aus Liebe raubt, erpresst, entehrt, verteufelt und verdammt !“
 
PAPST GREGOR
 
Papst Gregor „der Große“ (540-604) war Jurist der einer politisch sehr aktiven stadtrömischen Patrizierfamilie, der Anicier, entstammte, die Ende 5. Jahrhundert schon Papst Felix gestellt hatte und auch zwei der letzten weströmischen Kaiser. Typisch für diese führenden Großstadt-Vornehmen Roms - den Senatoren-Sippschaften - war es, dass sie sich vermehrt kirchlichen Karrieren zuwandten, weil die weltlichen Ämter in kaiserlichen Diensten seit den Gotenkriegen (535–552) immer unsicherer und aussichtsloser wurden. Diese Familien waren einflussreich und finanzstark geworden, in jahrhundertelangen Erfahrungen der Leitung bürokratischer Ämtern innerhalb der imperialen Reichsverwaltungen. Die damalige Welt war ihr überblickbares Spielfeld, vom Orient, Nordafrika, Gallien, bis nach Britannien hinauf. Dem weströmischen Senat fielen kaum noch echte Aufgaben zu, mit den Rückeroberungskriegen in Italien des oström. Kaisers Justinian I. und der Übernahme weiter Gebiete durch die einrückenden deutschen Langobarden. Die senatorische Aristokratie hatte ihr neues Aktionsfeld gefunden.Seit den Toleranzedikten, der Jahre 311 / 313, die den Christen freie Religionsausübung zusicherten und Erhebung ihrer Religion zur Staatsreligion durch Theodosius I., im Jahr 380, lockten neue lukrative Verwaltungsaufgaben im sich etablierenden geistigen Staat der prosperierenden Christenkirche. Gregor war es, der dem katholischen Messbuch und der Liturgie, also den gottesdienstlichen Zeremonien und Riten seine noch heute gültige Form verpasste. Ich bin mir nicht sicher, ob auch er die Zusammenstellung vornahm, um aus Dutzenden voneinander abweichenden Jesusjünger-Berichten, vier „synoptischen Evangelien“ zu verkünden ? Für diese Kreise galt - ganz automatisch, aus dem traditionell imperialen Denken des Römerreiches - der aufgestellte Anspruch einer romstädtischen Vormacht in der Gesamtkirche. Der imperiale römische Vatikan wurde zur Fortsetzung des imperialen römischen Kapitols. Folgerichtig wurde er in seiner Grabinschrift als „consul Dei“, also als „Gottes Konsul“ bezeichnet. Mit der gleichen eschnatonisch-mosaischen Unduldsamkeit, aus aggressiv-fanatischem Monotheismus, begannen die römischen und römisch gelenkten Kirchenherren gegenüber Fremdgläubigen vorzugehen. Die Mehrheit der Menschen hing noch den alten Götterkulten an, gegen sie wurde mit Hilfe von Terroraktionen und Diskriminierungsgesetzen erbarmungslos agiert. Papst Gregor - absolut intolerant - tat sich darin hervor, so gab er im Jahr 599 Befehle, die Heiden Sardiniens zum Übertritt zum Christentum zu zwingen: „Wenn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt. Sind sie unfrei, so züchtigt sie mit Prügeln und Folter, um sie zur Besserung zu zwingen. Sind sie aber freie Menschen, so sollen sie durch strengste Kerkerhaft zur Einsicht gebracht werden, wie es angemessen ist, damit jene, die sich weigern, die heilsamen Worte zu hören, welche sie aus den Gefahren des Todes erretten können, durch körperliche Qual der erwünschten geistigen Gesundheit zugeführt werden.“ Ganz anders der Germanenkönig „Theoderich der Große“ in Italien. Er hatte einige Jahrzehnte zuvor noch dargelegt, es sei unmöglich, die Annahme einer Religion zu befehlen („Religionem imperare non possumus“, Cass. Var. 2,27). Der Römer-Papst Gregor befahl die gewaltsame Vorgehensweise bei Bekehrungen. Leider wurde sie vorbildgebend für das gesamte westeuropäische Mittelalter, mit seinen diversen unter den Heiden angerichteten Blutbädern.
 
Papst Gregor VII. (1025-1085), als Hildebrand (von Soana) in der Toskana geboren, war ein energischer, durchsetzungswilliger, gleichermaßen heftig umstrittener Mönch und Kirchenführer, der sich in die Macht drängte. Sein enger Mitarbeiter, Petrus Damiani, nannte ihn „heiligen Satan“, „Zuchtrute Gottes“ und „Höllenbrand“, verglich ihn mit einem Tiger, Löwen oder reißenden Wolf und hielt erfolgreichen Widerstand gegen diesen Gregor für aussichtslos. Er führte Kirchenreformen ein, sie als „gregorianische Reform“ bezeichnet werden. Es ging ihm selbstverständlich um den Erhalt der Romkirche, aber letztlich um die Vergrößerung ihrer Macht und ihres Einflusses. Schon mit seiner Inthronisierung 1059 setzte er sich über Recht und Gesetz hinweg. Er ließ sich „vom Volk in Rom ausrufen“, obwohl Päpste, laut Papstwahldekret, von den Kardinälen erwählt werden sollten und ein Mitspracherecht des höchsten Schutzherren, nämlich des römisch-deutschen Königs, zu berücksichtigen sei. Gregor war von Anbeginn auf Konfrontationskurs gegen die weltlichen Obrigkeiten. Seine leichtfertig geschwungene Zuchtrute war die „Exkommunizierung“, die den vorübergehenden oder dauerhaften Hinauswurf aus der Gemeinschaft der Christenheit bedeutete. Die „Exkommunikation“ hatte die weltliche Reichsacht zur Folge und damit oft den wirtschaftlichen oder politischen Ruin. Darin zeigte sich, wie verletzbar das gesamte mittelalterliche Gesellschaftssystem eigentlich war. Die weltlichen Herrscher waren - seit der unheilvollen Anerkennung der römischen Papstmacht - durch diese erpressbar geworden. Die Amtszeit Gregors mündete in den sogenannten „Investiturstreit“, der in Wirklichkeit nie beigelegt werden konnte, trotz des „Wormser Konkordats“ von 1122. Im Jahr 1075 erließ Gregor VII., mit dem „Dictatus Papae“, 27 Leitsätze seiner und zukünftiger Vatikan-Politik, in denen er die Vorrangstellung der geistlichen Gewalt gegenüber weltlichen Machthabern ausrief. Diese Leitsätze zeichnen sich durch eine atemberaubende Dreistigkeit aus, welche von herkömmlichen Rechtstraditionen zwar in keiner Weise gedeckt waren, aber den alten kirchlichen Allmachtgelüsten entsprachen, wie sie schon aus den kanonischen Kirchenrechtsfälschungen der „pseudoisidorischen Dekretalen“ hervorgehen. Dass die Klöster über Jahrhunderte hinweg florierende Urkunden-Fälscherwerkstätten betrieben gilt heute als unbestreitbar. Bekanntlich ist die sog. „Konstantinischen Schenkung“ (Constitutum Constantini bzw. Donatio Constantini ad Silvestrem I papam), die die Päpste als Urkunde gebrauchten, um ihre Vormacht in der Christenheit und territoriale kirchenstaatlichen Ansprüche zu begründen, eine freche Fälschung des 8. Jahrhunderts. Angeblich wäre sie in den Jahren 315/317 vom röm. Kaiser Konstantin I. ausgestellt worden. Sie verspricht - man fasst kaum die Ungeheuerlichkeit solcher Anmaßung - sämtlichen Päpsten die Schenkung der geistliche und weltliche Oberherrschaft über Rom, Italien, die gesamte Westhälfte des Römischen Reiches, letztlich das gesamte Erdenrund bis ans Ende der Zeit“ (usque in finem saeculi). Die Fälschung ist seit dem 15. Jh. als solche nachgewiesen, die Romkirche behauptet aber steif und fest, es habe die Schenkung dennoch gegeben. Die Antwort des deutschen Kaisers Heinrich IV. (1050-1106) auf Gregors „Dictatus Papae“ und seine ständigen Einmischungen in die Innenpolitik des Reiches, war ganz natürlich eine Absage. Sie erfolgte auf dem Hoftag zu Worms, am 24.01.1076, mit den Worten: „Steige herab, steige herab !“ (descende, descende). Zahlreiche deutsche und oberitalienische Bischöfe unterstützten die Position des Kaisers, worauf Gregor Heinrich IV. und seine Anhänger umgehend mit dem Bann belegte, womit die christlichen Untertanen von ihrer Gehorsamspflicht entbunden wurden, was die politische Ordnung im Reich massiv erschütterte. Es kam zum „Gang nach Canossa“. Auch dem Nachfolger, Heinrich V., erging es nicht besser. Auf die Seite des Papstes stellen sich die Mönche im Reich, insbesondere unnachsichtig, die Benediktiner. Seitdem blieben die Reichsbürger und die deutschen Menschen im Kern des Reiches - zu ihrem dauerhaften Nachteil - gespalten. Was den konkreten Schultanteil der Papstkirche an der Folter-Gerichtsbarkeit anbelangt, wäre Folgendes zu erwähnen: Das römische Recht erkannte die Gültigkeit von durch Folter oder Gewalt erwirkte Geständnisse nicht an. Ebenso wenig das kanonische Recht - zumindest bis Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Folter ist in der 1252 von Papst Innozenz IV. publizierten Bulle „Ad extirpendam“ ausdrücklich als Mittel vorgesehen, um in Fällen von Häresie (Kirchenfeindlichkeit) die „Wahrheit“ ans Licht zu bringen. Er schrieb ihren Einsatz vor und kodifizierte zugleich die konkreten Formen der Anwendung. Papst Clemens IV. bestätigte 1265 diese Bulle (Kirchengesetz); im Jahre 1311 befahl Papst Clemens V. die Templer dort, wo diese noch nicht geschehen war, der Folter zu unterziehen.
 
MOHAMMED
 
Sucht man bei der Betrachtung des Arabers Mohammed / Muhammad (570-632) nach historischen Gestalten ähnlicher Art, fällt, neben unzähligen weiteren brutalen, bedenkenlosen Emporkömmlingen, im viel kleineren Maßstab der Hebräer David und im größeren Maßstab der Mongole Dschings-Khan ein, mit der Einschränkung, dass sowohl der kleinere wie der größere Condottieri von eigenem Schneid waren, während von Mohammed ein persönliches Heldentum nicht überliefert wurde. Von tapferen, rücksichtslosen Raufbolden quellen die Annalen geradezu über, ganz wenigen ist es gelungen, machtvolle Ideen oder Reiche zu gründen. Es gab im 14. Jahrhundert einen Schwaben namens Werner von Urslingen, der einer der ersten und berüchtigtsten Condotteri in Italien war. Seine Söldnertruppe aus anfangs 3.000 deutschen Lanzenreitern und Fußsoldaten beherrschten zeitweise die Lombardei. Auf seiner Rüstung stand „Herzog Guarnieri, Herr der Gran Compagnia, Feind Gottes, des Erbarmens und des Mitleids.“ Er kämpfte für alle die ihn bezahlten, im Auftrag einer Herrschaft stritt er gegen Papst Clemens VI., 1348 trat er kurzzeitig in dessen päpstliche Dienste. Schließlich kehrte er mit einem großen Vermögen in seine schwäbische Heimat zurück. Seine „Grande Compagnia“ bestand unter anderen Kommandanten weiter. Auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung 1353 zählte sie mehrere 10.000 Mann. Alle derartigen Machterhebungen verliefen im Zeitenverlauf im Sande, weil die übergeordnete, verbindende, zukunftsweisende und religiöse Idee nicht vorhanden war -; sie allein ist das Geheimnis des die zeitenüberdauernden Erfolges. Mohammed wurde aus dem Araberstamm der Quraisch in Mekka geboren und starb in Medina. Sein sexueller Appetit - mit allein rund zehn Ehefrauen - war ähnlich groß wie der Eschnatons, der einige seiner blutjungen Töchter nahm, auch der des Hebräers David, dem die „Bibel“ sieben Ehefrauen zumisst, sowie eine erotische Beziehung zu Jonathan, dem Sohn König Sauls (2. Samuel 1,26). Der junge Mohammed hütete zuweilen Schafe, begleitete angeblich zwei Handelskarawanen nach Syrien, erlebte auch Stammesstreitigkeiten, er gewann die Zuneigung einer älteren vermögenden Dame, so dass er sich finanziell unabhängig fühlen durfte. Dadurch wurde der helle Kopf instand gesetzt, zu lesen, aber ungeordnet, ohne verständige Anleitung eines Lehrers, er war ein Autodidakt. Weil er nie eine gelehrte Anleitung erhielt, verstand er nichts von der Chronologie und den vorausgegangenen Schichtungen der jüdischen, essenischen und schließlich christlichen Ausformungen des Monotheismus. Er war hoch interessiert an religiösen Themen, hörte und las alles war ihn diesbezüglich erreichte. Natürlich erfuhr er von den religiösen Brauchtümern seiner Stammesgenossen, wo die Opferung von „weißen Mutterschafen“ eine Rolle spielte, deren Fleisch den Götteridolen rituel-sinnbildlich angeboten wurde, so wie es ein weltweit ähnliches Herkommen gab -, wogegen aber schon der persische Reformator Zarathustra im 2. oder 1. Jahrtausend v.0 angewettert hatte. Die alten Juden kannten noch den Ritus des „Opferbockes“, doch die Predigten der wandernden eranischen Missionspriester, der Magier, hatten schon den galiläischen Zimmermann („tecton“) Jeshua-Jesus bewogen, reformatorisch wirken zu wollen. Die diversen jüdischen Reformbewegungen, u.a. die „Nazoräer“ usw. und die jungen Christen verachteten die ihnen heidnisch erscheinenden Opferbräuche, als Ausfluss einer unmodernen Verständnislosigkeit hinsichtlich der oder dem höchsten Wesen. Auch Mohammed folgte dem Zug der Zeit und lehnte die alten Opferriten ab. Mohammeds Kopf war angefüllt von religiösem Schriftgut. Wir wissen nicht, wie es zu seinen ersten Offenbarungserlebnissen kam. Wovon das Herz voll ist, läuft der Mund über ! Gegen das Jahr 610 soll dem ca. 40-Jährigen - nach eigenem Bekunden - der Erzengel Gabriel (arabisch „Dschibril“) auf dem Berg Hira bei Mekka erschienen sein, um ihm ein zusammengeschautes Gemisch aus jüdisch-christlichen Ansichten einzuflüstern. Mohammed fühlte sich gedrängt, seine gefundenen Betrachtungen öffentlich zu verkünden und sich Anhänger zu schaffen. Es begann das Ringen, welches bei Verkündigung jeder neuen Idee und besonders einer neuen Religion anhebt. Er trat zunächst als „Warner“ hervor, fand erste Gefolgsleute, musste Mekka verlassen, wanderte nach Medina aus, er konnte einige Stämme auf seine Seite ziehen, kämpfte und siegte über die Mekkaner, vertrieb und vernichtete die mit Mekkanern koalierende Judenstämme der Banu-Quraiza im Jahre 624. Alle Männer wurden getötet, Frauen und Kinder gingen in Gefangenschaft, das Hab und Gut wurde unter den Muslimen als Beute aufgeteilt.
 
Eine fertige Botschaft hatte Mohammed nie, er variierte sie, mit jeder neuen Erkenntnis. Seine Gebetsrichtung ist anfangs Jerusalem, später Mekka. Immer mehr arabische Stämme schlossen sich seinen erfolgreichen Räuberhorden an, die er als Kämpfer seiner Religion verklärte, denn das Beutemachen lag ihnen im Blut und seine muslimischen Krieger machten ungeheure Gewinne. Mit zunehmendem militärischen Erfolg wuchs seine geographische Perspektive, noch zu Lebzeiten, im Jahre 630, versuchten seine Horden gegen die Byzantiner im Norden vorzustoßen. Mohammed diktierte seine Eingebungen - verbrämt als „Erzengels Gabriel“ Ansprachen - in Form eines Buches, das unter dem Namen „Koran“, zur heiligen Schrift des Islam wurde. Innerhalb von 22 Jahren wurde Mohammed der gesamte Koran „offenbart“. Woher er seine Weisheiten herholte, ist kein Geheimnis, er diktierte Verse von Adam, Abraham, Noah, Moses, Josef, Isa (Jesus) und Maryam usw., also die jüdisch-christlichen Mythen und Legenden. Das Gefährliche an Mohammed ist, er konzipierte sein Buch in Gott Allahs Befehlsform. Wenn er scheiben lässt, wie in Sure 9,29: „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören - von denen, die die Schrift erhalten haben - [kämpft gegen sie], bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten“ -, dann galt das ihm und gilt seinen Gläubigen noch heute, als gültig für ausnahmslos alle Erdenbewohner, alle „Nichtgläubigen“ und Angehörige sämtlicher anderer Religionen. Der dritte Kalif (Nachfolger Mohammeds), ließ Mitte des 7. Jhs. die in Mohammeds Dialekt geschriebenen Texte einsammeln und verbrennen, um dann einen offiziell gültigen Koran herzustellen. Diese islamische Bücherverbrennung, zur Gewährleistung eines lektorierten Einheits-Korans hat sein Gegenstück im römischen Kirchenchristentum, das alle frühen Text aufzuspüren und zu verbrennen befahl, außer den von ihm ausgewählten vier „Synoptischen Evangelien“.
 
Der wohl kalkulierende mohammedanische Wahn setzte sich nach dem Tode des Begründers weiter fort, zu verlockend und gewinnbringend war es, Nachbarn für Nachbarn und immer weiter entfernte Nationen anzugreifen, um sie zu unterjochen, auszurauben und einzugemeinden unter der grünen Fahne des „letzten Propheten“ in die große Monotonie des stumpfsinnigen Monotheismus, der es speziell den geistträgen Menschen so bequem macht, nicht weiter nachdenken zu müssen, einen besseren, sinnvolleren, menschlicheren Weg finden zu müssen, denn „Mohammed hat alles geregelt und sein Koran hat alles erklärt“, so dass er jedem Fortschritt ein Hemmschuh wird, also zur öden Wasserpfeifen-Beschaulichkeit, zur Stagnation und Bildungsferne verführt, welche sich im trügerischen Nimbus einer Auserwähltheit und Gebetsteppisch-Heiligkeit zu sonnen vermag. Sich mehrere Male pro Tag in Richtung Mekka abknicken zu lassen, ist freilich einfacher, als über die akuten Weltprobleme nachzusinnen, um sie zu beheben und ebenso billig ist es, sämtliche Ärgernisse auf die „noch Ungläubigen“ zu projizieren, die man, sollte die eigene Unfähigkeit keinen anderen Ausweg mehr zulassen, mit einem Sprengstoffgürtel gerüstet, sich mitsamt dem vermeintlichen „Weltübel“ ins Jenseits zu katapultieren, wo die „zweiundsiebzig weißäugigen Jungfrauen“ zum liebevollen Empfang bereitliegen. Über fünfzig Staaten und ganze Kulturkreise hat der Islam mit Hilfe seiner monofanatisierten Reiterhorden ausgelöscht und nivelliert, darunter die herrliche, tiefsinnige persische Geistigkeit.
 
Die satanischen Züge des 1. Monotheisten
 
RESÜMEE
 
Da sich Eschnaton selbst als Sohn des Gottes Aton sah, maßte er sich die Machtberechtigung an, den natürlichen „Vielgottglauben“ zu verbieten und seinen willkürlichen „Monotheismus“ einzuführen. Mit welchen Exzessen von Verächtlichmachung, Gewalt, Intrigen, Denunziationen, Folterungen und Massentötungen so etwas einherzugehen pflegt, ist jedem Kenner der Geschichte gegenwärtig. Es gibt keinen schlimmeren Terror als Denkverbote und die gehören zum Monotheismus wie die Dunkelheit zur Nacht. Wie arg Eschnatons Regime für die Menschen gewesen sein muss, die nicht auf der Sonnenseite seiner Günstlinge standen, lässt sich schon daraus entnehmen, dass sein Zwangsregime kaum drei Jahre seines Todes überdauerte und ebenso, mit welchem Hass und welcher Gründlichkeit sein Andenken danach ausgelöscht worden ist. Der überwiegenden Mehrzahl seiner von ihm befreiten Untertanen muss er wie der leibhaftige Teufel erschienen sein. Bereits in den vielen Kolossalstatuen seiner „Sonnenstadt“ sehen die Beschauer jene Dämonie seiner Abnormität, nicht Frau, nicht Mann, mit verkniffenen Augen, dem Pferdeschädel und dem übergroßen Mund, der wie ein aufgeplatztes Geschwür wirkt. Aus schmalen Sehschlitzen bewacht Eschnaton seine dem Gott Aton Unterworfenen, er muss sie in ihrer Körperlichkeit nicht selbst gewahr werden, denn sein allessehender Sonnengott verrät ihm ausnahmslos ihre Vergehen und insbesondere ihren Unglauben, den es zu bestrafen gilt. Man darf sich dieses Gesicht, über starrer Statur, im Prunkwagen stehend, wie er gefährlich, streng prüfend durch seine Stadt kutschiert wird -, vorbei an den geknechteten, ausgemergelten, Steine klopfenden, schleppenden Kindern und den in Reihen liegenden Tages-Opfern, an denen Atons Abendsonne mit blutigroten Händchen fingert. Andere Pharaonen inszenierten vor bedeutenden Bauvorhaben Sklavenjagd-Kriege, um sich die nötigen Arbeitskräfte zu beschaffen. So etwas kam in Eschnatons Regierungszeit nicht vor. Die Massen von Kindern und Jugendlichen muss sich der findige Pharao auf eine neuartige Art und Weise besorgt haben. Es sollte alles sehr schnell gehen, es sollte wie ein Wunder aussehen. Eschnaton lässt eine leicht zu verarbeitende Gesteinsart benutzen, dazu wird deren Verarbeitung erstmalig genormt. Effektivität ist gefragt, Moral und Menschlichkeit im heutigen Sinne spielen keine Rolle. Nach den Massentötungen an den nicht spontan oder kurzfristig umzustimmenden Amun-Gläubigen - besonders aus Kreisen der niederen Priesterschaften - muss der Anfall von elternlosen Kindern immens gewesen sein. Was lag näher, als diese nicht umerziehbaren Kinder in des Ketzerkönigs Amarna-Gulag, gewissermaßen zu verbauen bzw. zu eliminieren ?! Vor diesem abscheulichen Hintergrund wirkt die süßliche Staatspropaganda der Amarna-Kunst - mit Sonnengesang, Familienidylle, Sinnenfreuden, Blümlein, Tierlein, Fischlein - nur noch wie abstoßende Heuchelei des Versuchs, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. In einer Ebene der Wahrheit ging es um die Überführung und Dauersicherung der totalen Macht für die Sippe des Amenophis IV., denn wenn König Eschnaton gleichzeitig einziger Oberpriester ist, die mächtige Amun-Priesterschaft überflüssig wurde, wer hätte ihm noch gefährlich werden können ?! Für die grobe Schmutzarbeit verfügte Eschnaton über seine nubischen Polizei- und Soldatenkader. Diesem idealen Vorbild machiavellischer Prägung, versuchten sämtliche monotheistischen Volksführer möglichst zu folgten. Die Hybris des Pharao Eschnaton, einer angeblich einzigartigen monotheistische Gotterkenntnis, hat sich über Moses und David und Papst Gregor bis auf Mohammed fortgeerbt, in unterschiedlichen Ausformungen von Machtgelüsten, wie selbstgerechter Überhöhung, verbunden mit Heuchelei und unerhörten Gewaltsamkeit gegenüber sämtlichen andersdenkenden Mitmenschen. - Die unmenschlichen Erbarmungslosigkeiten gegen willkürlich als „Gottesleugner“ oder „Glaubensfeinde“ bezeichnete Menschen begannen mit der diktatorisch verfügten „Glaubensrevolution“ zum Monotheismus durch Pharao Eschnaton. Die vermutlich ägyptischen Brüder Moses und Aaron griffen diese rigide, lediglich modifizierte Glaubensidee auf und initiierten damit eine unheilvolle Tradition, die vom frühchristlichen bis mittelalterlich-kirchlichen und noch heute mörderisch aktiven islamistischen Terrorismus gegen „Glaubensfeinde“ einmündete. Seit ihrem jeweiligen Beginn wurde im Mosaismus, Christianismus und Islamismus die religiöse Intoleranz sanktioniert, aus der - über die Jahrtausende - die gleichen ungeheuerlichen Blutströme aus der Menschheit geschlagen wurden, wie durch den profanen Erwerbs- und Eroberungsaffekt, sowie dem archetypischen Willen zur Macht. Die altheidnisch-übliche Duldungswilligkeit wurde, zum Nachteil des friedlichen Zusammenlebens der Völker und Kulturen, durch die monotheistischen Diktaturen und ihr Glaubensfanatiker abgelöst.
 
Der große deutsche Weise, Geheimrat J.W. v. Goethe, hat seine Gedanken zum Weltübel des Christianismus wohl formuliert, während er das Weltübel des Islamismus in seiner Lebensphase noch nicht als ein solches erkennen konnte.
 
„Die Geschichte des guten Jesus
hab ich nun so satt, dass ich sie von keinem,
außer von ihm selbst, hören möchte.“
(Johann Wolfgang von Goethe - 1749-1832)
 
Germanist u. Goethe-Kenner Hermann August Korff (1882-1963):
„…Es kann den unreinlichen Geistern gegenüber, denen nicht wohl ist,
wenn sie nicht auch den größten deutschen Dichter auf irgend eine Weise
wieder zum Christen machen können, nicht scharf genug betont werden,
dass Goethe zwar so fromm gewesen ist, wie noch alle großen Menschen,
aber mit der christlichen Theologie so vollkommen gebrochen hat,
als man nur eben brechen kann. Ist nach der Vorstellung der christlichen Kirche
jeder, der den Glauben an das christliche Dogma verweigert, ein Heide,
so ist Goethe ein vollkommener Heide.“
 
„Ihr Gläubigen, rühmt nur nicht euren Glauben
Als einzigen ! wir glauben auch wie ihr.
Der Forscher lässt sich keineswegs berauben
Des Erbteils, aller Welt gegönnt - und mir.“
(Goethe, Zahme Zenien)
 
„Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch' allein meine liebe Frauen,
Kann ungerechtes Gut verdauen.“
(Faust I.)
 
„Mit Kirchengeschichte, was hab ich zu schaffen ?
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen;
Wie's um die Christen steht, die Gemeinen,
Davon will mir gar nichts erscheinen….
Glaubt nicht, dass ich fasele, dass ich dichte;
Geht hin und findet mir eine andre Gestalt !
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und Gewalt.“
(Zahmen Xenien)
 
„Der Vater ewig in Ruhe bleibt,
Er hat der Welt sich einverleibt.
Der Sohn hat Großes unternommen:
Die Welt zu erlösen, ist angekommen;
Hat gut gelehrt und viel ertragen,
Wie das noch heut in unsern Tagen.
Nun aber kommt der Heilig Geist,
Er wirkt am Pfingsten allermeist.
Woher er kommt, wohin er weht,
Das hat noch niemand ausgespäht.
Sie geben ihm nur eine kurze Frist,
Da er doch Erst- und Letzter ist.
Deswegen wir treulich, unverstohlen
Das alte Credo wiederholen:
Anbetend sind wir all bereit
Die ewige Dreifaltigkeit.“
(Goethe, Zahme Xenien, IX.)
 
„Den deutschen Mannen gereichts zum Ruhm,
Dass sie gehasst das Christentum,
Bis Herrn Karolus' leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
Bis endlich die Pfaffen sie bezwungen,
Und sie sich unters Joch geduckt;
Doch haben sie immer einmal gemuckt.
Sie lagen nur im halben Schlaf,
Als Luther die Bibel verdeutscht so brav.
Sankt Paulus, wie ein Ritter derb
Erschien den Rittern minder herb.
Freiheit erwacht in jeder Brust,
Wir protestieren all mit Lust.“
(Goethe, „Zahme Xenien“, IX.)
 
„Lasst euch nur von Pfaffen sagen,
Was die Kreuzigung eingetragen !
Niemand kommt zum höchsten Flor
Von Kranz und Orden,
Wenn einer nicht zuvor
Derb gedroschen worden.“
(Goethe, „Zahme Xenien“, IX.)
 
„Ist Konkordat und Kirchenplan
Nicht glücklich durchgeführt ?“ -
Ja, fangt einmal mit Rom nur an,
Da seid ihr angeführt !“
(Goethe, „Zahme Xenien“, IX.)
 
„Ein Sadduzäer will ich bleiben ! -
Das könnte mich zur Verzweiflung treiben,
Wenn von dem Volk, das hier mich bedrängt,
Auch würde die Ewigkeit eingeengt;
Das wäre doch nur der alte Patsch,
Droben gäbs nur verklärten Klatsch.
„Sei nicht so heftig, sei nicht so dumm !
Da drüben bildet sich alles um."
(Goethe, „Zahme Xenien“, IX., Anfang)
 
„Die Religion, sagt man,
sei nur ein prächtiger Teppich,
hinter dem man jeden gefährlichen Anschlag
nur desto leichter ausdenkt.
Das Volk liegt auf den Knien,
betet die heiligen gewirkten Zeichen an,
und hinten lauscht der Vogelsteller,
der sie berücken will.“
(Goethe, Egmont IV - 1775-87)
 
In Goethes „Braut von Korinth“ (1798),
wo aus der Verheißung aufs Jenseits
die Unterdrückung der Triebe gefolgert wird,
ist die Natur des Menschen verhöhnt,
einem ideologischen Zwang aufgeopfert,
der dann, wie es im dichterischen Vorgang bedeutet wird,
Widernatürliches hervortreibt.
Da brach etwas auf, schreibt Conrady,
das einen biografischen Zusammenhang hat:
„Das unverhüllt Grausige war indes
eine andere Art der Klage über Verlorenes“
und weist auf Goethes fundamentale Religionskritik hin,
die ihm nicht auszutreiben gewesen sei.
Die Strophe, der um ihr sinnliches Dasein betrogenen Tochter
der bekehrten Korinther ist eine schonungslose Anklage,
gesprochen freilich von einer erdichteten Gestalt,
aber nicht im Widerspruch zu anderen Äußerungen Goethes selbst:
 
„Und der alten Götter bunt Gewimmel
Hat sogleich das stille Haus geleert.
Unsichtbar wird Einer nur im Himmel,
Und ein Heiland wird am Kreuz verehrt;
Opfer fallen hier,
Weder Lamm noch Stier,
Aber Menschenopfer unerhört.“
 
Der Protestant Goethe schrieb 1786
auf seiner Reise ins erzkatholische Italien in sein Tagebuch:
„Dem Mittelpunkte des Katholizismus mich nähernd ...
indem ich mit reinstem Sinn die wahrhafte Natur und die edle Kunst
zu beobachten und aufzufassen trachte,
trat mir so leibhaft vor die Seele,
dass vom ursprünglichen Christentum alle Spur verloschen ist;
ja, wenn ich mir es in seiner Reinheit vergegenwärtige,
so wie wir es in der Apostelgeschichte sehen,
so musste mir schaudern, was nun auf jenen gemütlichen Anfängen
ein unförmliches, ja barockes Heidentum lastet.“
 
„Vieles kann ich ertragen.
Die meisten beschwerlichen Dinge Duld' ich mit ruhigem Mut,
wie es ein Gott mir gebeut.
Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider Viere:
Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und Kreuz.“
(Goethe, Epigramm von 1790)
 
„Man muss etwas zu sagen haben,
wenn man reden will. Ich bedaure
immer unsere guten Kanzelmänner,
welche sich seit 2000 Jahren
durchgedroschene Garben zum
Gegenstand ihrer Tätigkeit wählen müssen.“
(Goethe an Fr. v. Müller v.16.8.1798)
 
„Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“
(Faust I)
 
„Er ist ein heller Geist und also ungläubig.“
(Wilhelm Meisters Wanderjahre)
 
„Dich vermag aus Glaubensketten,
der Verstand allein zu retten.“
(West-östlicher Divan)
 
„Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens.“
 
„Ich habe nichts gegen die Frömmigkeit,
Sie ist zugleich Bequemlichkeit;
Wer ohne Frömmigkeit will leben,
Muss großer Mühe sich ergeben:
Auf seine eigne Hand zu wandern,
Sich selbst genügen und den andern
Und freilich auch dabei vertraun,
Gott werde wohl auf ihn niederschaun.“
(Goethe, zwischen 1765 und 1832)
 
„Die Religion, sagt man,
sei nur ein prächtiger Teppich,
hinter dem man jeden gefährlichen Anschlag
nur desto leichter ausdenkt.
Das Volk liegt auf den Knien,
betet die heiligen gewirkten Zeichen an,
und hinten lauscht der Vogelsteller,
der sie berücken will.“
(Goethe, Egmont IV)
 
„Das gefährlichste aller Bücher in weltgeschichtlicher Hinsicht,
wenn durchaus einmal von Gefährlichkeit die Rede sein sollte,
ist doch wohl unstreitig die Bibel, weil wohl leicht kein anderes Buch
so viel Gutes und Böses im Menschengeschlecht
zur Entwicklung gebracht hat.“
(zu Johann Daniel Falk, 10.11.1810)
 
„Es gibt nur zwei wahre Religionen:
Die eine, die das Heilige,
das in und um uns wohnt, ganz formlos,
die andere, die es in der schönsten Form
anerkennt und anbetet.
Alles, was dazwischen liegt,
ist Götzendienst.“
(Wilhelm Meisters Wanderjahre III)
 
„Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
kränkte seinen heil'gen Willen.
Und so muss das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen;
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.“
(Goethe 1819 in „West-östlicher Diwan“)
 
„Dadurch, dass der christlichen Kirche
der Glaube beiwohnt,
dass sie, als Nachfolgerin Christi,
von der Last menschlicher Sünde befreien könne,
ist sie eine sehr große Macht.
Und sich in dieser Macht und diesem Ansehn
zu erhalten und so das kirchliche Gebäude zu sichern,
ist der christlichen Priesterschaft
vorzügliches Augenmerk.
(zu Eckermann, 11.3.1832)
 
„Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt,
wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher,
Propheten tausendmal vorgeworfen haben;
es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker:
Aber an Selbständigkeit, Festigkeit, Tapferkeit und,
wenn alles das nicht mehr gilt, an Zäheit sucht es seinesgleichen.
Es ist das beharrlichste Volk der Erde. Es ist, es war, es wird sein,
um den Namen Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen.“
(Wilhelm Meisters Wanderjahre II, 2)
 
„Das Märchen [der Bibel] ist Ursache,
dass die Welt noch 10.000 Jahre stehen kann
und niemand recht zu Verstande kommt,
weil es ebensoviel Kraft des Wissens,
des Verstandes, des Begriffes braucht,
um es zu verteidigen, als es zu bestreiten.“
(Goethe,  1749-1832)
 
„Das Christentum steht mit dem Judentum
in einem weit stärkeren Gegensatz als mit dem Heidentum.“
(Maximen u. Reflexionen, Nachlass, Über Literatur und Leben)
 
„Die Germanen brachten uns die Idee
der persönlichen Freiheit,
welche diesem Volke vor allem eigen war.
Die Reformation kam aus dieser Quelle
wie die Burschenverschwörung auf der Wartburg,
Gescheites wie Dummes.
Auch das Buntscheckige unserer Literatur,
die Sucht unserer Poeten nach Originalität
und dass jeder glaubt, eine neue Bahn
machen zu müssen, sowie die Absonderung
und Verisolierung unserer Gelehrten,
wo jeder für sich steht
und von seinem Punkte aus sein Wesen treibt.“
(zu Eckermann, 6.4.1829)
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