PAPST ALEXANDER DER VI.

 
 
 

Deutsche-Schule-Malerei des 14. Jhs. Alexander VI.
 
 
PAPST ALEXANDER DER VI.
 
War er der Ärgste, wir wissen es nicht,
er wurde einst Papst -, ein irrer Wicht.
Wer meint, „Gottes Stellvertreter“ zu sein,
ist geistig nimmermehr klar und rein.
 
Es hieß Roderic Llançol de Borja,
eine spanische Stadt sein Geburtsort war.
Als Gauner und Kleriker wurde er reich,
sein Tiara-Kauf, ein Spitzbuben-Streich.
 
Er kaufte sich in die Pfründe der Macht,
ein Hurenbock war er Nacht für Nacht.
Tagsüber fromm und nachts ein Schwein,
für keine schlimme Intrige zu fein.
 
Das „Borjas-Gift“ räumte Gegner hinfort,
einfallsreich war der päpstliche Mord;
würgen, erstechen, ersäufen im Tiber,
der Borja-Clan war so wie im Fieber.
 
Sie wollten ein römisches Imperium,
die gläubigen Massen, stumm und dumm,
und das eitle Blendwerk vom Vatikan
benutzten die Borjas für ihren Plan.
 
Besessen von Gier nach Macht und Geld,
agierte der Papst wie ein Herr der Welt.
Er teilte den Globus in die Hälfen, zwei,
für Portugal und die Spanische-Tyrannei.
 
Ist‘s wirklich unfassbar aus heutiger Sicht,
dass ein vatikanischer Popanz so spricht,
er hurend und mordend im Tempel weilt,
er Erdteile mit ihren Völkern verteilt ?
 
Hat sich wirklich viel geändert bis heut‘ ?
Mit Sicherheit nicht die christlichen Leut‘ !
Die gucken mit blöden Augen nach Rom
und erhoffen ihr Heil aus dem Petersdom.
 
Alexander VI. (eigentlich Roderic Llançol i de Borja) italienisch Rodrigo Borgia (1431-1503) war von 1492 bis 1503 Papst. Er war einer der brutalsten und bedenkenlosestes Intriganten und Machthaber während der Renaissance. Jahrzehntelang arbeitete Roderic de Borja darauf hin, die Papstkrone, die Tiara, zu ergaunern, bis er sein Ziel am 11. August 1492 durch unfassbar hohe Bestechungsgelder erreicht hatte. Rodrigo hatte den Familiennamen Borgia angenommen, als sein Onkel Alonso de Borja, zum Papst gewählt wurde. Dieser regierte als Papst Kalixt III. von 1455 bis 1458 und ebnete Rodrigo de Borja den Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie, von ihm erhielt er zahlreiche Ämter und lukrative Pfründe auf Lebenszeit. Rodrigo stand etwa 30 Bistümern als Titularbischof vor die ihn zu einem der reichsten Männer Europas machten. Er war ein geiler Hecht, wie viele der kirchlichen Würdenträger, was sich bis heute nicht geändert hat. Das virulente Sexualleben der „frommen Herren“ ist ja immer wieder Anlass für Untersuchungen und Skandale. Es sind zahlreiche Schilderungen über Orgien und Verbrechen an Borgias Hof durch den deutschen Zeremonienmeister und Vatikanschreiber Johannes Burckard festgehalten worden („Liber notarum“). Seine Schilderungen über die Zustände am Hofe des Papstes Alexander VI. gelten als bedeutende Quelle für den Nachweis von dessen Dekadenz. Burckard stammte aus Niederhaslach im Elsass. Eine der dauerhaften Sex-Gespielinnen des Papstes wurde die 15jährige Giulia Farnese, die darauf drang, ihren 25jährigen Bruder Alessandro Farnese, zum Kardinal aufsteigen zu lassen. Der schien es noch schlimmer getrieben zu haben als der Chef-Bulle Rodrigo. Das römische Volk verhöhnte den jungen Mann mit Bezeichnungen wie „Cardinale Gonella“ („Kardinal Röckchen“) und „Cardinal Fregnese“ („Kardinal Möse“). Er wurde 30 Jahre später selbst Papst als Paul III.. Rodrigo ernannte seinen Sohn Cesare zum Bischof und Kardinal von Valencia. Viele Verwandte und Bekannte aus Spanien bekamen ihre Pöstchen zugeschachert. Seinen Sohn Juan ernannte er zum Herzog von Benevent. Mit seiner Tochter Lucrezia soll er ein sexuelles Verhältnis gehabt haben. Lästige Rivalen haben die Borgias mit dem berüchtigten „Borgia-Gift“ aus dem Weg geräumt. Der wortgewaltige Redner und Dominikanermönch Girolamo Savonarola, in Florenz, sagte: „Diese Kirchenführer haben das Gesicht einer Hure, ihr Ruhm schadet der Kirche sehr. Ich sage euch, diese halten nichts vom christlichen Glauben.“
 
Im Jahr 1494 teilte der Borgia-Papst im Vertrag von Tordesillas die Welt zwischen den beiden Seemächten Portugal und Spanien auf. Grenzlinie zur Einteilung der beiden Hoheitsgebiete wurde vom Nordpol zum Südpol durch den Atlantischen Ozean gezogen. Alle Territorien, die westlich dieser Linie lagen (Amerika), wurden den spanischen Königen und ihren Erben zur Ausbeutung zugesprochen, alle Gebiete östlich davon (Brasilen, Afrika und Asien) fielen an die Portugiesen. Nach zahllosen Morden, Überfällen, Eroberungen des Kirchenstaates, mit dem Ziel eine Erbmonarchie der Bogias in Italien aufzurichten, verging das blutige Machtgewebe nach dem Tod Rodrigo Borgias innerhalb weniger Wochen.
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