DER WANDALEN-ZUG

 
 
 
DER WANDALEN-ZUG
 
Ein Wandale bin ich aus Silinger-Blut,
im Zobten-Wald stand meine Wiege.
Mein Vater war Ehwart am Heiligtum,
dort im Hain an der Felsenstiege.
 
Dort ehrt man die Zwillinge-Götter,
der Alkes hilfreiches Jünglingspaar.
Als wir fortzogen, fernhin in die Welt
wurd' ich ihrer Gestalten gewahr.
 
Ich sah mit eigenen Augen den Glanz,
sie ritten auf schimmernden Rossen.
Wir zogen mit Rinderwagen zum Rhen,
mit den Weibern der Reisegenossen.
 
Und jene die blieben im alten Land,
sie mussten uns treulich beeiden,
die Gaurechte geben wir niemals auf,  
auch wenn wir jetzo uns scheiden.
 
Es ist beschworen mit schwerem Eid,
ein Recht auf Schläsing muss währen,
das halten wir fest, wir kehren zurück,
noch den Enkeln sollt ihr’s bescheren.  
 
Der Rhen gefroren, ein eisiger Steg,
Gallien wollten die Götter uns geben.
Keiner hielt uns bis zum Pirini-Gebirg‘,
das wurd‘ ein wildwonniges Streben.
 
Danach durch Iberia der Südsonne zu,
über Ibar, Odiel zu den Meeren.
In blutigen Kämpfen ums Ackerland
mussten wir uns der Goten erwehren.
 
Beilzeit, Wolfszeit und Blutzeit war’s,
es erschlugen sich Vettern und Brüder,
bis uns einte der Heerführer Geiserik
zum mächtigen Heerbann erst wieder.
 
Da erlebten wir den Wandalen-Rausch,
durch Blut-Staub sind wir gezogen,
die Meerfahrt wurde uns jetzt vertraut,
wir bezwangen wankende Wogen.
 
Nach Afrika rüber stand unser Sinn,
in die reichsten Römer-Provinzen,
in Kämpfen voran bis nach Karthago,
glänzend geschmückt wie die Prinzen.
 
Das Blondhaar war mir längst ergraut,
mein Leib von Narben durchwoben,
der Schwertarm wurde müde und matt,
doch ritt ich in seidenen Roben.
 
Stand oft am Steuer im langen Skip,
Wandalen beherrschen die Küsten
und Alkes-Zwillinge immer voran,
ihre Siegesgewissheit in Brüsten.
 
Im Sterbebett lieg‘ ich hagerer Greis,
mein starker Sohn kam gesprungen:
„Vater, wir haben Roma geschatzt,
der Völkerfeind wurde bezwungen.
 
Keiner Jungfrauen Ehre gekrümmt,
nur römisches Raubgut gepfändet,
Wandalen übten Gerechtigkeit,
von Göttern sind wir gesendet !“
 
So gehe ich gern, das Leben war voll,
mein Od-Gott, jetzt hol‘ mich hinüber,
bei Dir in der Walhall ist es gut sein,
doch in Schlesien wär' ich noch lieber !
 
 
Auf dem Deutschen Kulturfest in Breslau - HEIMAT -
Wir wurden auf das Deutsche Kulturfest in Breslau, Schlesien eingeladen,
wo ich auf die unterschiedlichsten, spannenden Menschen traf
und meine Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. Doch sehet und höret selbst !
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Die Wandalen-Wanderung
 
Die Wandalen (auch Vandali, Vandili, Vandilier, Vanduli, aber im Germanischen gibt es kein „v“) waren ein germanisches Volk das zu Zeiten des Cornelius Tacitus zunächst im nordöstlichen Großgermanien („Germania magna“) siedelte, sich später weiter ausbreiteten und zum Gotenreich - von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und der Krim - gehörte. Die „Silingen“ (Silinger, Sillingen, lat. Silingae) waren eine Untergruppe der Wandalen in Schlesien. Ein zweiter Volksteil nannte sich Asdingen (auch „h“-Anlaut: Hasdingen), möglicherweise nach der runischen Asenreligion, die den Od-Gott Wodan-Wodin (Geist-Seelengott) in den Mittelpunkt der Verehrung stellten. In der Zeit des röm. Kaiser Flavius Valerius Constantinus (270-337) siedelten Asdingen-Hasdingen auch in Pannonien bzw. Ungarn und Rumänien. Am „Zobtenberg“ (Zobten, Zotabarg, Siling), in Niederschlesien, mit seiner Höhe von 718 m, lag das silingisch-wandalische Hauptheiligtum, etwa 35 km südwestlich von Breslau. Die Bergbezeichnung „Siling“ leitet sich ab von den dortigen germanisch-wandalischen Bewohnern, den „Silingern“. Der zweite Hauptgipfel ist der 573 m hohe Geiersberg. Der Zobten wird auch in der vierten Strophe des „Heimatliedes der Schlesier“ von Eduard Becher besungen: „O du Heimat, lieb und traut“, wo es heißt: „Wo des Zobtens mächt'ger Bau - steigt empor zum Himmelsblau - und des Wetters Unbestand -weit im Umkreis macht bekannt - da bist du, mein Schlesierland.“ Das Zobten-Massiv ist in Nord-Süd-Richtung etwa 10 km lang und in West-Ost-Richtung etwa sechs km breit. An seiner Nordostflanke liegt die Stadt „Zobten am Berge“. Auf dem Berggipfel befand sich die genannte schon bronzezeitliche Kultstätte des Götterpaares der „Alcis“ (Alkes, Alken), die als Hirsch-Brüder verehrt wurden. In den ODING-Runen erscheinen sie als 10. Stab, des sog. Algiz-Buchstabens, der das „z“ am Ende eines Wortes vertritt. Sie sind in der gesamten indogermanischen Mythenwelt zu finden, die Griechen und Römer nannten sie Dioskuren (Göttersöhne). Als ihre Schwester galt die Schöne Helena, wohl in alter Zeit eine Erscheinungsform der Erdmutter. Der Römer Tacitus, ca. 98 n.0, erwähnt die Wandalen-Kultstätte in seiner „Germania“. Auch dem Thietmar von Merseburg (975-1018) war das Heiligtum noch bekannt. Er gab an, dass sich der Name des Gaues „Slensane“ (Schlesien) vom Bergnamen herleiten würde. Aus dem Jahre 1148 ist der Berg als „mons silecii“ (Schlesier-Berg) überliefert.
 
Im Zuge der Hunnen-Einfälle aus Innerasien, ab dem Jahre 375, gärte der germanische Osten, auch wanderfrohe Scharen der Wandalen machten sich in Richtung Westen mit Frauen und Kindern auf den Weg. Die zurückbleibenden Stammesgenossen mussten den Aufbrechenden beeiden, dass die ihre zurückgelassenen Landrechte nicht verlieren würden. Der Rheinübergang erfolgte zum Jahreswechsel 406/407 bei zugefrorenem Fluss. Mit den großen wandalischen Auswandererverbänden zogen auch Alanen (mittelöstl. Indogermanen) und Sueben (Schwaben) mit nach Gallien und Hispanien. Die Wanderscharen drangen ins weströmisch beherrschte Gallien ein, durchschritten es und standen im Jahre 409 vor den Pyrenäen und dem römischen Hispanien. Die Überwindung der Berge, dann des Flusses Ebro und die Kämpfe gegen feindliche Scharen der Einheimischen, der Römer und germanischer Konkurrenten, die den Weg zu versperren versuchten, waren zweifellos verlustreiche Unternehmungen, in deren Verlauf manche Verheerungen geschahen. Die Sueben siedelten sich um 410 in Gallaecia (Galicien) an, einer Landschaft im Nordwesten des heutigen Spanien, wo sie bis ins Jahr 585 ihrem Königreich die Unabhängigkeit zu bewahren wussten; danach übernahmen es die Westgoten. Die Wandalen siedelten sich schließlich als römische Foederaten an, wobei den Silingen die Südprovinz Baetica durch Losentscheid zufiel. Aus arab. „A-Andalus“ wurde Andalusien mit der Bedeutung „Land der Vandalen“. In den Jahren 416-418 wurden die Silingen von den einrückenden Westgoten besiegt, dezimiert, so dass sich die Überwundenen den asdingischen Volksgenossen unterstellten. Die Asdingen dominierten nun und zogen, dem westgotischen Druck nachgebend, unter ihrem König Geisarik (389-477 - „Speerfürst“) im Jahre 429 nach Afrika ab, wo sie bis zum Jahre 533 das Königreich der Wandalen errichteten. Prokopios, der Geheimschreiber des Feldherrn Belisar, bezifferte sie mit insgesamt um 80.000 Menschen. Geisarik konnte ab 435 einen offiziellen Bündnisvertrag mit weström. Machthabern erwirken. Am 19. Oktober 439 besetzen Wandalen die Metropole Karthago. In Nordafrika nahm Geisarik die Kaisergüter in eigenen Kronbesitz, tastete römisches Privateigentum jedoch so gut wie nicht an. Im Jahr 441 scheiterte ein röm. Rückeroberungsversuch. Die wandalische Flotte eroberte Sardinen, Korsika und die Balearen. Im Jahr 442 wurde König Geisarik als erster Herrscher eines „germanischen Reiches“ auf dem Boden des Imperiums vom weströmischen Kaiser Valentinian III. als eigenständiger Herrscher anerkannt. Geisarik erklärte dem weström. Usurpator und Vertragsbrecher Petronius Maximus den Krieg, brach mit seiner Flotte gegen Rom auf, das er vom 2. bis zum 16. Juni 455 zwang, sich unter gewissen Bedingungen schatzen zu lassen. Die Vandalen führten bedeutende Reichtümer aus Rom nach Karthago, auch den Jerusalemer Tempelschatz, den die Römer nach ihrem Sieg im Jüdischen Krieg - 71 n.0 - nach Rom verbracht hatten. Es kam zu keinen Verwüstungen, Feuersbrünsten und Frauenschädungen, nachdem Papst Leo I. den Wandalen die Widerstandslosigkeit Roms zugesichert hatte. Schon kurz nach Heimfahrt der Sieger begingen die röm. Großstädter wieder ihre gewohnten Zirkusspiele, als sei nichts geschehen, da ja auch wirklich nur ein Teil des römischen Raubbesitzes in die Hände neuer Räuber gefallen war. Die Herleitung des sprichwörtlichen „Wandalismus“ aus blinder Zerstörungswut ist historisch also nicht wirklich korrekt. Wenn man an die barbarische Zerstörungswut der Römer denkt, die das prachtvolle punische Karthago bis auf seine Fundamente ausradierten, müsste die Zerstörungswut eigentlich nicht „Vandalismus“ heißen, sondern Römerismus.
 
Eigentumsrechte am Silingerland
 
Prokopius von Caesarea (500-562) berichtet in seinem „Vandalenkrieg“, Kap. 1,22: „Das Vandalenvolk besann sich auch auf eine andere alte Geschichte, jetzt, da es an sich selbst erfahren hatte, dass der Mensch weder an einer Hoffnung verzweifeln noch auf einen sicheren Besitz hoffen darf. Wie sich diese Geschichte zutrug will ich erzählen. Als die Vandalen einst, von Hunger getrieben, ihr Heimatland verlassen wollten, blieb ein Teil von ihnen, der Godegisel nicht folgen mochte, in den alten Sitzen. Mit der Zeit hatten die Zurückgebliebenen reichliche Ernten, und Geiserich war mit den Seinen in den Besitz Afrikas gekommen. Jene freuten sich, dass für sie nun das hinlänglich Nahrung bot, konnten sich aber der Besorgnis nicht erwehren, dass die Eroberer Afrikas oder ihre Nachkommen dieses Land einmal verlassen und in ihre Stammsitze zurück kehren würden - die Römer konnten ja Afrika unmöglich ganz aus den Augen verlieren -, und schickten daher Gesandte dorthin, die bei Geiserich erklärten, sie freuten sich herzlich über die günstige Lage ihrer Brüder, seien aber nicht imstande, das Land das jene aufgegeben, ihnen länger aufzuheben. Sie sprachen daher die Bitte aus, ihnen diese Ländereien, wenn sie ferner keinen Wert darauf legten, umsonst zu überlassen, damit sie als unbestrittene das Ganze als ihr Vaterland gegen jeden Angriff verteidigen könnten. Schon wollten Geiserich und die Seinen, die den Vorschlag vernünftig und gerechtfertigt empfanden, so tun, wie die Gesandten wünschten, da erhob sich ein Greis von adeliger Abkunft und großer Weisheit und sprach sich dahin aus, man dürfe keineswegs darein willigen, denn auf festem Grund steh kein menschlich Werk, für die Zukunft sei vom Bestehenden nichts sicher, in der Zukunft aber sei nichts unmöglich. Dem stimmte Geiserich bei und ließ die Gesandten unverrichteter Sache heimkehren. Er und jener Alte, die so Unwahrscheinliches mit in Betracht zogen, wurden damals von allen Vandalen verlacht; als aber alles richtig eintraf, lernte dieses Volk die Natur der menschlichen Verhältnisse kennen und sah ein, wie weise jener Greis geredet hatte.“ Die Eigentumsrechte am Silingerland gab König Geiserich nie auf und keiner seiner Nachfolger hat bis zum heutigen Tage durch freie wandalische oder deutsche Volksentscheidungen dieses Besitzrecht aufgegeben.