DER DEUTSCHE GRUSS - Königswahl Otto I.

 
 
Etwas zu tief gehaltener „Deutscher Gruß“ der Bevölkerung im Dritten Reich.
Richtiger ist Hochhaltung der offenen, unbewaffneten Hand.
 
 
DER DEUTSCHE GRUSS
 
Das war der alte „Deutsche Gruß“,
mit hohem Arm und freier Hand,
die waffenlos dem Nächsten zeigt:
„Ich bin als Freund Dir zugewandt !“
 
Die offene Segenshand heißt „Heil“,
das kannten auch die Römer schon,
sie riefen „salve“ - „seid gesund !“;
friedvoller Menschen schönster Ton.
 
Einer der größten deutschen Kaiser,
Heinrich I. Sohn, „Otto der Große“,
wurd‘ in der Aachener Pfalz gekürt,
in männlich stolzer Herrscherpose.
 
Am 7. Ernting 936 war die Krönung,
Reichsfürsten standen in der Reih‘,
mit Handschlag sagten die Vasallen,
dass Otto jetzt ihr König sei.
 
Da hat die ganze deutsche Menge,
von Amt und Würd‘ in bunter Tracht,
mit ihren hoch erhobenen Händen
den alten „Heil-Ruf“ ausgebracht.
 
So war es fester deutscher Brauch,
bis in die jüngste Zeit hinein,
in der ein junger deutscher Führer
schuf neuen Reiches Glorienschein.
 
Zwölf Jahre währte nur die Pracht,
dann bombte sie der Feind hinfort.
Verboten wurd‘ der „deutsche Gruß“,
„Heil“ blieb hinfort ein „böses“ Wort.
 
Heillos gedieh die Zeit seitdem,
der Volkstod klopft schon an die Tür,
wo „Heil und Sieg“ geächtet wird,
vergeht für’s Leben das Gespür !

 

Wahl und Königskrönung Otto I.

Der deutsche König und Kaiser Otto I. (ursprüngl. Lautung: Otho) setzte zum einen die Reichseinigungspolitik seines Vaters Heinrich I. fort, zum anderen bemühte er sich erfolgreich darum, eine europäische Hegemonie des ostfränkischen, also deutschen Reiches zu erlangen. Die Tatsache, dass es nach dem Tode seines Vaters am 2. Juli 936 lediglich fünf Wochen dauerte, bis Otto I. in Aachen zum König gewählt und gekrönt wurde, beweist uns, dass die von Heinrich I. getroffene Nachfolgeregelung von allen Reichsfürsten akzeptiert wurde. Heinrich hatte schon auf einem Hoftag in Quedlinburg im Jahre 929 eine Hausordnung über die „Unteilbarkeit des Reiches“ festgelegt, welche die Führungsnachfolge in Gestalt seines ersten Sohnes aus seiner zweiten Ehe mit Zustimmung der Großen beinhaltete. Hinzu kam die Königswahl durch die Reichsfürsten, die jedoch bis zum Ende der Stauferdynastie durch das Geblütsrecht und die darauf beruhende Wahlempfehlung des Nachfolgers eingeschränkt war. Somit stellte das ottonische Königtum ein Erbkönigtum mit formeller Wahl des vom Vater designierten Sohnes dar (Erbwahlmonarchie). Kurz vor seinem Tode ließ sich Heinrich auf einem Hoftag in Erfurt 936 die „Designation Ottos“ bestätigen. Gemäß der Nachfolgezusagen der Fürsten erfolgte am 7. August 936 in der Aachener Pfalz in einer glanzvollen weltlich-geistlichen Doppelzeremonie die offizielle Wahl und Königskrönung Ottos mit Huldigung bzw. dem Lehnseid der Reichsfürsten, Ausrufung, Salbung und Krönung sowie Thronbesteigung und Krönungsmahl. Selbstbewusst, als wahrer König und Herrscher von Gottes Gnaden trat Otto dabei auf.

Ganz bewusst hatte er die Lieblingspfalz und den Sterbeort des Frankenkönigs Karl - den die Kirche zum „Großen“ ausrief - mit der Pfalzkirche, dem heutigen Aachener Münster, zum Ort der Krönungsfeierlichkeiten gewählt. Die Rechtsgrundlagen und das Selbstverständnis des frühen deutschen Königtums hat der Geschichtsschreiber und Mönch Widukind von Corvey (um 925-973) in seiner „Sachsengeschichte“ mit der Schilderung der Aachener Königserhebung Ottos anschaulich dargestellt, wodurch wir erstmals eine Beschreibung des auch für weitere Königswahlen und Krönungen maßgebenden Wahl- und Weiheaktes erhalten haben. Demnach setzte sich Otto in dem sich westlich an die Pfalzkirche anschließenden Säulengang auf einen dort errichteten Thron. Nunmehr reichten ihm die vier Stammesherzöge von Bayern, Franken, Alamannien und Lothringen und die übrigen Reichsfürsten ihre Hände zum sog. Handgang, um ihm Vasallentreue zu geloben und versprachen ihm dadurch, seine Sache gegen alle Feinde zu unterstützen. So machten sie Otto nach ihrer Sitte zu ihrem König. Im Mittelpunkt der Königserhebung stand nachfolgend der geistliche bzw. kirchliche Vorgang der Königskrönung. Dafür gingen Otto und die weltlichen Fürsten in das Innere der Basilika, wo ihn die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln mit dem gesamten Klerus und erschienenen Untertanen erwarteten. Als „Königsmacher“ trat Erzbischof Hildebert von Mainz auf. Er empfing Otto am Eingang der Kirche, ging mit ihm in die Mitte des Raumes und forderte die Erschienenen auf, der Wahl des Königs durch eine Akklamation zuzustimmen. „Darauf rief die ganze Menge dem neuen Herrscher mit erhobener Hand … ,Heil‘, so schildert es Widukind.
 
Anschließend schritt der Erzbischof mit dem König hinter den Altar auf dem die königlichen Insignien lagen, das Schwert mit dem Wehrgehänge, der Königsmantel, die Armspangen, Stab und Szepter sowie die Krone. Alle die Kleinodien waren gewirkt mit Silber und Gold und besetzt mit Edelsteinen. Man sprach ihnen übernatürliche Kräfte zu, die sie ihrem Träger verliehen. Nachdem der Erzbischof dem König die Insignien einzeln gegeben hatte, salbte und krönte er ihn zusammen mit dem Erzbischof von Köln, wobei er mit wohlriechenden Gewürzen veredeltes Olivenöl benutzte - ein uralter Akt der Magie, der dem Gesalbten Kraft versprach. Schließlich geleiteten beide Erzbischöfe den König zum Marmorthron „Karls des Großen“, von dem aus er alles sah und von allen gesehen werden konnte. Die sieben Stufen zum Thron entsprechen der angenommen Sphärenzahl (sieh Wochentage) der Planetenbahnen, um die Erde herum. Der Thron war damit ein Symbol der „Weltherrschaft“ und das Sitzen auf dem Thron gleichbedeutend mit „Besitzen“. Übrigens befinden sich die Reichskleinodien in der Schatzkammer der Wiener Hofburg und können dort besichtigt werden.
 
Bei Widukinds Schilderung über das Krönungsmahl in der Palastaula, heißt es: „Als die erhabenen Laudes verklungen und das feierliche Hochamt zelebriert worden waren, begab sich der König in den Palast und nahm … an einer königlich geschmückten Marmortafel Platz. Die Herzöge leisteten bei Tisch die Ehrendienste.“ Der Lothringer Gieselbert, in dessen Herzogtum Aachen lag, war als Kämmerer für die Gestaltung der Feier zuständig, der Franke Eberhard als Truchsess für die Speisen, der Schwabe Hermann als Mundschenk für die Getränke und der Bayer Arnulf als Marschall für die Unterbringung der edlen Gäste und die Versorgung ihrer Pferde. Das fünfte, sächsische Stammesherzogtum besetzten die Ottonen selbst. Ein derartiges Krönungsmahl war neu, die Tradition jedoch uralt. Denn sie kam aus altgermanischer Zeit, wo der älteste Sohn über die Erbschaft seines verstorbenen Vaters erst verfügen durfte, nachdem er das feierliche Totenmahl mit dem „Erbbier“ veranstaltet hatte. So präsentierte sich die Krönungsfeier in Aachen als eine eindrucksvolle Bekundung der Macht des jungen Reiches, in dem Königtum, Adel und Kirche als die bestimmenden Kräfte zusammenwirkten. Deswegen sollten die Anwesenheit aller vier Stammesherzöge, ihr Treuegelöbnis sowie ihre Ehrendienste die einhellige Anerkennung von Ottos Königtum und vorrangige Königsmacht sowie dadurch die hierarchisch gestaltete Einheit des Reiches zur Geltung bringen. Mithin ist anzunehmen, dass Otto die Tradition des Krönungsmahles auch deswegen wiederbelebt hatte, weil er den Herzögen gegenüber sein innerpolitisches Ziel demonstrieren wollte, dass sie nicht nur die Ersten und Vornehmsten im Reich seien, sondern zugleich des Reiches und des Königs erste Diener. Nur unter einer starken Zentralgewalt kann das Reich der Deutsche in der gefährdeten Mitte Europas bestehen !
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