Der Meteoriteneisen-Buddha und Nicolas Roerich

 
 
 
 
DER METEOR-BUDDHA
 
Ein Buddha aus Meteor-Gestein,
mit Schweifkreuz auf der Brust
ist gar nicht so absonderlich,
kein Anlass für gelenkten Frust.
 
Zum Buddha passt das Sonnenbild.
Er gleicht der Sonnenwirbelbahn,
für seine gläubigen Verehrer
hält er das Rad des Sterbens an.
 
Vom fernen Indien bis Germanien
ehrt‘ man des Hakenkreuzes Sinn;
auch des Wodans Jünger-Scharen
erhofften einstmals Heilsgewinn.
 
Im Blickpunkt alter Religion
stand immerzu die Sonnen-Huld,
deren uralte Heils-Metaphern
sind tief und rein und ohne Schuld.
 
Und wer sie heute schuldig meint,
benimmt sich wie ein Don Quijot‘,
dem Ritter - traurig von Gestalt -
dem wenig mehr gebührt als Spott.
 
Vor Missbrauch ist kein Ding gefeit,
ein Messer nützt zu Heil und Mord;
das Messer ist nie zu verdammen,
und nur ein Närrlein wirft es fort.
 
Wir woll‘n getrost das Alte ehren,
im uralt-schönen, frommen Geist,
der auch des Sonnenkreuzes Reine
durch die Jahrtausende uns weist.
 
 
Gotländischer C-Brakteat aus Djupbrunns (IK 44) -
Wodan-Kopf mit Runenschrift „ALU“ = „Seelenheil“
über Rosskörper u. Schweifkreuz - Zeitstellung: 7./8. Jh.
 
 
Der Meteoriteneisen-Buddha und Nicolas Roerich
 
Eine nachdenklich machende Buddha-Statue beschäftigt seit einigen Jahren Wissenschaftler und interessierte Laien. Sie wurde von einem Russen zum Verkauf angeboten. Die üblichen „Nazi“-Albernheiten der Systempresse begannen. Sie soll von den SS-Forschern der „Ernst-Schäfer-Expedition“ (1938/39) in Tibet geklaut (!) worden sein. Schnell war man bei der Hand das Objekt reißerisch „Nazi-Buddha“ zu bezeichnen. Wie unsinnig diese Klassifizierung ist, wird jedem klar dem bekannt ist, dass der Buddha in seinen zahllosen indischen Abbildungen sehr oft ein Hakenkreuz/Schweifkreuz (Swastika) auf der Brust trägt. Abgesehen davon, dass ein Diebstahl mit den Grundsätzen eines staatlichen NS-Unternehmens in Friedenszeiten unvereinbar gewesen wäre, gibt es exakte Auflistungen der Einkäufe Schäfers in Tibet, mit den dafür aufgewendeten Geldausgaben. Die Tibet-Expedition wurde nur scheinbar vom „Deutschen Ahnenerbe“ bzw. dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler nach Zentraltibet entsandt, wo sie Anfang 1939 als erste Deutsche in der „verbotene Stadt“ Lhasa anlangten und erste diplomatische Kontakte zwischen dem Deutschen Reich“ und den Tibetanern knüpften. Ernst Schäfer erhielt dort ein Sendschreiben des tibetanischen Regenten mit auf die Heimreise, worin dieser erklärte: „Nehmen Sie nun, Euer Exzellenz, König Herr Hitler, zu diesem Verlangen nach gegenseitiger Freundschaft [...] unsere Zustimmung.“ Die fünf Forscher dokumentierten die Tier- und Pflanzenwelt des Himalaya und sammelten Materialien und Daten über die Beschaffenheit der tibetische Bevölkerung. Insgesamt wurden über 2.000 Objekte durch das fleißige Forscherteam von Tibet nach Deutschland gebracht. Die mitgebrachten Materialien wurden in der „Ahnenerbe-Forschungsstätte für Innerasien“ ausgewertet. Aus dem Filmmaterial der Expedition entstand der 1943 uraufgeführte Volksaufklärungsfilm „Geheimnis Tibet“, mit seinen wunderschönen Bildern der zentralasiatischen Bergwelt. Die Uraufführung fand im Januar 1943 im Münchner „Ufa-Palast“ statt.
 
Was lange leichtfertig drauflosgelogen wurde, dass nämlich der „Hakenkreuz-Buddha“ aus Beständen des NS-Forschers Hans Schäfers bzw. der NS-Forschungsstelle „Ahnenerbe“ stammte, hat nun die deutsche Historikerin Isrun Engelhardt dementiert. Sie schreibt: „Als erste wissenschaftliche deutsche Tibet-Expedition überhaupt wurde diese von der tibetischen Regierung offiziell nach Lhasa eingeladen. Eine kleine Sensation angesichts der strikt ablehnenden Politik der tibetischen Regierung gegenüber einreisewilligen Ausländern in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. … Himmler hing einer seltsamen Mischung von mystischen und esoterischen Vorstellungen an. Durch seinen Glauben an Karma und Reinkarnation, der zu seiner Vorstellung einer zyklischen Wiederkehr der Geschichte gehörte, hatte er ein genuines Interesse an Tibet. Als Schäfer davon sprach, dass er gerne eine eigene deutsche Expedition nach Tibet organisieren würde, nahm Himmler die Idee begeistert auf und schlug vor, das ,Ahnenerbe‘ solle die Organisation übernehmen, ein 1935 von Himmler gegründetes Institut, das sich anfänglich mit germanischer Frühgeschichte, Runenforschung und dem Atlantismythos befasste. … [dazu kam es aber nicht !] Die Expedition wurde also weder von der SS noch vom Ahnenerbe finanziert, und die immer wiederholte Gleichsetzung von Himmlers pseudowissenschaftlichen Ideen mit den Zielen Schäfers und seiner Expedition entbehrt jeder Grundlage. Schäfer beschaffte die Mittel für die Expedition völlig selbständig. 80 Prozent sponserte der Werberat der Deutschen Wirtschaft, den Rest die Deutsche Forschungsgemeinschaft, große deutsche Firmen und Brooke Dolan.“ … Himmler ordnete aber am 8. Februar 1938 an, dass die Expedition unter der Bezeichnung ,Deutsche Tibetexpedition / Dr. Ernst Schäfer ausgesandt vom ›Ahnenerbe‹ / Schirmherr Reichsführer SS‘ laufen müsse. Dieser Briefkopf bereitete Schäfer nach seiner Ankunft in Indien große Schwierigkeiten bei den dortigen britischen Behörden. Eine weitere Bedingung war, dass alle Expeditionsteilnehmer SS-Mitglieder wurden. Die Expedition bestand aus fünf Mitgliedern: Schäfer als Zoologe und vor allem Ornithologe, Ernst Krause, Entomologe, Photograph und Kameramann, Bruno Beger, Anthropologe und Ethnologe, Karl Wienert, Geophysiker, und Edmund Geer, technischer Leiter.“ Allein B. Beger war ein glühender Verehrer der NS-Ideologie. Von einer „SS-Expedition“ verächtlich zu reden, um ihre Ernsthaftigkeit und Wissenschaftlichkeit abzuwerten, wie das in einigen Gazetten üblich war, ist absolut nicht korrekt. Zu den Zielen der Unternehmung gehörte die Suche nach kälteresistenten Getreidearten und einer robusten Pferderasse für die deutsche Wirtschaft sowie nach Indizien für die Hypothese, in der Abgeschiedenheit des Himalaya hätten sich Reste ur-arischer Völker erhalten, was dem Irrtum entsprang, die nordisch-arische Rasse sei ursprünglich aus Innerasien gekommen und nicht dem nordeuropäischen Großraum der Glockenbecher-Kultur erwachsen.
 
„Es gibt eine sehr genau geführte Liste mit Datum, Ort und Wert der gekauften Objekte“ erklärte Forscherin I. Engelhardt. In dieser Liste sind einige Statuen aufgeführt, aber keine der Beschreibungen passt zu der oben erwähnten Buddha-Statue. Des Weiteren sind verschiedene Merkmale der Statue, wie die Form von Hose und Schuhwerk, der einzelne Ohrring und auch der Bart des Mannes, untypisch. Experten vermuten eine Entstehung zwischen 1910 und 1970. Typisch für den Brustschmuck Buddhas ist das Schweif- oder Sonnenkreuz das im Buddhismus in beiden Drehrichtungen vorkommt. Von einem „gespiegelten Hakenkreuz“ zu reden ist Unsinn. Es gibt kein gespiegeltes Hakenkreuz, es gibt nur links- oder rechtsdrehende Schweifkreuze ! Gewiss ist, die Figur wurde ins relativ weiche Meteoriten-Metall gearbeitet (mit Hammer und Meißel ?) und nicht etwa gegossen. „Der hohe Anteil an Nickel, rund 15 Prozent, machen das Material spröde und bearbeitbar für einen Bildhauer“, sagt Fachmann E. Buchner. Gesicherter Forschungsstand ist seit dem Jahr 2012, dass es sich um Eisen des Chinga-Meteoriten handelt, der vor etwa 20.000 Jahren im Norden der Mongolei niedergegangen war. Die Fachfrau Isrun Engelhardt widerspricht also in ihrem aktuellen Aufsatz in der „Revue d’Etudes Tibetaines“ der haltlosen „Nazi-Buddha“-Theorie. Nach neuesten Erkenntnissen soll es sich um eine Fälschung des russischen Malers, Schriftstellers, Archäologen, Wissenschaftler Nicolas Roerich (eigentlich Nikolai Konstantinowitsch Rerich - 1874-1947) handeln, die dieser von tibetanischen Handwerkern hat anfertigen lassen. Roerich hatte schwedisch-baltische Ahnen. Die Figur soll ihn als 25. Herrscher des verborgenen „Königreichs Shambhala“ darstellen. „Roerich bezeichnete sich selbst in einem Brief an den Dalai Lama als den kommenden König von Shambhala“, schreibt die Forscherin Engelhardt. Demnach sei die Statue nicht tausende Jahre alt, sondern höchstens 100. Laut Frau Engelhardt handelte es sich bei dem Verkäufer um einen Russen namens Igor Kaledin, der 2007 auf Priv.-Doz. Dr. Elmar Buchner (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Georessourcen- und Georisikoforschung Koordinator Technologienetzwerk Bayerisch-Schwaben) zukam, um von ihm eine Materialanalyse des Buddhas zu erbitten, sie auch gleichzeitig für einen hohen Betrag zum Verkauf anbot. Schließlich kaufte dem Russen 2009 der vermögende Gero Kurat, Geologe am Naturhistorischen Museum in Wien, die Statue ab. Kurat wollte offenbar nicht, dass die Statue zurück nach Russland und „verloren geht“. Die Statue befindet sich heute immer noch im Besitz der Familie Kurat in Wien.
 
Vor den Bolschewiken emigrierte der vielseitig schillernde N. Roerich nach den USA, wo er 1921 das „New Yorker Master Institute of United Arts“ gründete. 1923 gelangte er nach Indien und Tibet, reiste bis China, Sibirien und in die Mongolei. Von Indien aus unternahm er ausgedehnte Reisen nach Tibet. Die Vermutung, dass sich der Tausendsassa selbst habe als Buddha abkonterfeien lassen, ist allerdings wenig glaubhaft, denn Roerich trug weder einen Ohrring, noch hatte er Mandelaugen. Er wies runde europide Augen auf und nicht die unverkennbar geschlitzten des besagten Buddha-Figürchens. Über siebentausend Bilder, unzählige literarische Werke - Bücher, Aufsätze, Artikel, Tagebücher - sind Zeugen der Schaffenskraft von Nicholas Roerich. Seine Bekanntschaft mit dem philosophischen Gedankengut des Fernen Ostens spiegelt sich in vielen seiner Werke wider. Während in den frühen Werken des Künstlers noch das alte heidnische Russland mit bunten Bilder des Volksepos und unberührter Natur vorherrschten, so traten bereits kurze Zeit später die Themen Indien und Ferner Osten in den Mittelpunkt seiner Bilder und literarischen Werke. Auf einer informativen Weltnetzseite heißt es: „Nicholas Roerich gehört zu den wenigen Denker des zwanzigsten Jahrhunderts, die die wahre Bedeutung von Kultur und ihrer entscheidende Rolle in der Entwicklung der Menschheit verstanden haben. ,Kultur ruht in Schönheit und Wissen‘ - schrieb er. Und er wiederholte einen berühmten Satz des Dichters Dostojewskij in abgewandelter Form: ,Das Bewusstsein für Schönheit wird die Welt retten.‘ Dieser Satz erklärt praktisch die ganze Bedeutung der kosmischen Evolution, die vom Chaos übergeht zur Ordnung, vom Einfachen zum Komplizierten, von einem System zur Schönheit. Der Mensch erkennt Schönheit nur durch die Kultur, deren untrennbarer Bestandteil das Schaffen ist. Dies wird auch in den Büchern der Lebendigen Ethik beschrieben, an denen die Roerichs unmittelbar beteiligt waren. [Seine Ehefrau und Inspiratorin] Helena schreibt, und Nicholas Roerich verewigt die kosmischen Ideen der Lebendigen Ethik in künstlerischen Werken.“
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