„TITANIC“-UNTERGANG - EITELKEIT UND FALSCHER NIMBUS

 
 
„Titanic“ - Deutscher Spielfilm von 1943
 
 
DIE „TITANIC“-EITELKEIT
 
Britanniens Stolz auf allen Meeren
sollt‘ einstens die „Titanic“ werden,
der größte aller Luxusdampfer,
unsinkbar -, frei von Beschwerden.
 
So fuhr sie ab, die Schlote dampften,
an Bord die Reichen und die Schönen,
von Irland ging es Richtung Westen,
des Meeres Urkraft zu verhöhnen.
 
Das größte je gebaute Monster,
würd' allen See-Gewalten trotzen,
auf jeder Nordatlantik-Route,
sollte Englands Technik protzen.
 
Ehrsüchtelei ist eine Schwäche,
wohl war's der Eigner Eitelkeit,
„Titanic“ sollte Bestzeit fahren,
groß und zur Schnelligkeit bereit.
 
Sie stampfte in ein Treibeisfeld,
in den Salons herrscht' Luxus-Treiben,
das Schiff fuhr über zwanzig Knoten,
das Eisenschiff mag Eis zerreiben.
 
Dann plötzlich in der Sternennacht,
bei stiller See und leichten Brisen,
wurd‘ die „Titanic“ zwergenhaft,
vor einem drohend weißen Riesen.
 
Ein Ausweichen ist ihr misslungen,
das Ruderblatt war viel zu klein,
der Eisberg riss die Flanke auf -,
die Sicherheit war falscher Schein.
 
Die Schotten reichten nicht zur Decke,
Eiswasser schwappte in den Rumpf,
es gab zu wenig Rettungsboote,
dem Meer allein blieb der Triumph.
 
Es starben in den Nordmeer-Fluten,
durch das Versagen mancher Leute,
tausendfünfhundert arme Menschen,
als der Naturgewalten Beute.
 
Doch weitaus mehr den Seetod starben
beim „Wilhelm-Gustloff“-Untergang,
neuntausend Deutsche aus dem Osten
wurden des Russen-U-Boots-Fang.
 
Versenkung dieses Flüchtlingsschiffs,
gilt nicht als tragische Verkettung,
 in Kriegszeiten herrscht Massenmord,
vor Hass und Ruhmsucht gibt es keine Rettung.
 
 

Der deutsche Spielfilm von 1943

 
Einer der besten Unterhaltungsfilme überhaupt und ebenso über das Thema „RMS Titanic“ ist der deutsche Film aus dem Jahre 1943 „Titanic“ von Herbert Selpin, fertiggestellt von Werner Klingler. Man fragt sich, wie diese grandiosen Einstellungen des Schiffsuntergangs realisiert werden konnten. In den Hauptrollen agieren die unvergesslichen Schauspieler: Sybille Schmitz, Hans Nielsen, Kirsten Heiberg, Ernst Fritz Fürbringer und Karl Schönböck. Dem Filmwerk liegt ein Drehbuch von Werner Bergold zugrunde, nach dem Roman von Josef Pelz v. Felinau. Die Erzählung beruht auf den Aussagen von Max Dittmar Pittmann, der behauptete, dritter Offizier auf der Titanic gewesen zu sein. Für die Produktion wurden vier Millionen Reichsmark (2016 ca. 17 Millionen Euro) bereitgestellt. Der Film schildert die Katastrophe in Form einer angeblich „antibritischen Propaganda“, was nicht weiter beachtet werden muss, überwog doch in dieser Kriegszeit die Anzahl der antideutschen Propagandafilme bei weitem die deutschen; nur leider keineswegs im Niveau. So wurde der mitschuldige, umstrittene englische Kapitän Edward John Smith, von Otto Wernicke verkörpert, in fairer und würdevoller Art und Weise vorgestellt; da ist aber auch gar nichts von antibritischer Häme zu erkennen. Die Darstellung des deutschen Films, mit der „Titanic“ in Rekordzeit den Atlantik zu überqueren, um die Reederei durch den Ruhm des „Blauen Bandes“ zu gewinnen, kommt der Wahrheit sehr nahe, was allein aus dem Umstand hervorgeht, weil auch der grandiose US-„Titanic“-Film von 1997, unter der Regie von James Cameron, erwähnt, dass die angestrebte extreme Schnelligkeit des Luxusdampfers eine klare Mitschuld an seinem Untergang trägt. Wie gesagt, man hat dem deutschen UFA-Film, im Zuge der antideutschen Nachkriegspropaganda, antibritische Tendenzen untergeschoben, aber schon im US-Amerikanischen Filmdrama von 1953 „Titanic“, unter der Regie von Jean Negulesco, wird in Andeutungen der gleiche Vorwurf wie im deutschen Film erhoben, nämlich, dass die „RMS Titanic“ auf ihrer Jungfernfahrt über die südliche Route zu schnell in die Eisbergregion hineinfuhr. Das geht hervor aus dem Dialog zwischen Kapitän Edward John Smith und Harold Arthur Sanderson, dem britischen Geschäftsmann und Direktor der „White Star Line“. Die dafür Verantwortlichen erhielten 1954 den Oscar für das beste Originaldrehbuch. In ihm sagt Direktor Sanderson zum Kapitän: „Was die Fahrtzeit anbelangt, so lassen Sie selbstverständlich Vorsicht walten, aber meine Privatmeinung, man würde Ihnen einen neuen Rekord nicht übelnehmen.“ Worauf Smith antwortet: „Ich denke, die Maschinen werden mitmachen, sonst noch Anweisungen ?“ Sanderson: „Ich glaube, die erübrigen sich hier.“ Das Schiff war das größte seiner Zeit und sollte obendrein beweisen, dass es - zum Erstaunen des Weltpublikums - in einer Rekordzeit am Ziel sein könne. Im deutschen Spielfilm erkennt nur der fiktive deutsche Erste Offizier Petersen die Gefahr; seine Warnungen werden aber ignoriert. Während des Untergangs versuchen reiche Passagiere und auch der Reederei-Präsident Sir Joseph Bruce Ismay, den Kapitän zu bestechen, ihnen Plätze in den Rettungsbooten zu überlassen. Im US-Film von 1997 gehen die Bestechungsversuche von dem vermögenden Börsenspekulanten Cal Hockley aus, der von Billy Zane gespielt wird, dessen Verlobte, Kate Winslet, Teil des schnulzigen Liebesdramas mit Leonardo DiCaprio ist. 
 
Untergang der „Titanic“
 
Eines der tragischsten und zugleich mysteriösen Ereignisse des beginnenden 20. Jahrhunderts war der Zusammenbruch des größten Passagierschiffs seiner Zeit, der „Titanic“. Es gibt zahllose Streitschriften über die Gründe ihres Untergangs. Wer trug Schuld an der Katastrophe ? Die Idee, ein riesiges Passagierschiff zu schaffen, entstand im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zwischen den Firmen „White Star Line“ und „Cunard Line“. Das letzte Unternehmen war damals schon in der Lage, mehrere große Interkontinentalliner zu kreieren, die größten für ihre Zeit. Die Firma „White Star Line“ wollte sich nicht abhängen lassen und gebar die „Titanic“-Idee. Der Bau begann im Frühjahr 1909 auf einer nordirischen Werft in Belfast. Mehr als 1.500 Arbeiter nahmen an dem Bau dieses Riesen teil. Im Februar 1912 war das Schiff fertiggestellt und im April in Betrieb genommen. Es war das größte Schiff aller Zeiten. Seine Länge betrug 259,8 m, Höhe, 18,4 m, Breite, mehr als 28 m, Tiefgang, das Gewicht betrug 46 330 Tonnen. Es besaß eine Kapazität von 55 000 PS mit einer Geschwindigkeitsentwicklung von 21 bis 24 Knoten. Es wurden fünfzehn Trennwände, bzw. Schotten eingebaut, die dem Schiff die Illusion der Unsinkbarkeit gaben. Diese Schotten hatten aber nur eine bestimmte Höhe, lief Seewasser darüber, lief Schotte für Schotte voll und das Schiff sank trotz all seiner Abschottungen. Thomas Andrews, Jr. war der verantwortliche Schiffskonstrukteur. Das Schiff vermochte 2556 Passagiere und 908 Besatzungsmitglieder aufzunehmen. Es gab jedoch nur 20 Rettungsboote für insgesamt 1178 Passagiere. Aber es hat niemand gedacht, dass eine Katastrophe auf einem „unsinkbaren“ Schiff passieren könnte. Die Abreise von Southampton nach New York war für den 10. April 1912 angesetzt. Unter den berühmten Passagieren befanden sich Millionäre wie John Jacob Astor, Benjamin Guggenheim, Journalist William Stead, Assistent des amerikanischen Präsidenten Archibald Bath. Während der Reise war das Wetter in Ordnung. Die Passage fand ohne besondere Vorfälle und Abweichungen vom Kurs statt. Am 14. April 1912, nach insgesamt 2.689 Kilometern der Atlantikroute, erreichte das Schiff einen Punkt nahe Neufundland, wo das tödliche Treffen mit dem Eisberg gegen Mitternacht stattfand. Eisberge sind dort ziemlich häufig im April. Wegen der Dunkelheit hatte die Mannschaft den Eisberg nicht rechtzeitig wahrgenommen, sie war also sträflich unaufmerksam. Die Aussicht bemerkte die Gefahr erst als das Schiff 650 Meter vom Eisberg entfernt war. Es wurde Befehl gegeben, den Berg links zu umfahren. Es war zu spät, das Ruderblatt war zu klein konzipiert, so wendete sich der Koloss zu langsam und scharrte mit der Flanke am Eisbergrand entlang. Durch die Kollision wurden sechs Löcher in fünf Fächern aufgerissen. Man erkannte rasch, dass sich das Schiff nicht mehr als eineinhalb Stunde auf der Oberfläche halten könne. Es begann der tragische Untergang mit vielen Versäumnissen und Fehlentscheidungen. Zwei Stunden nach Mitternacht setzte sich das letzte Rettungsboot vom sinkenden Schiff ab. Um 2:20 war das Schiff komplett versenkt. Nach offiziellen Statistiken wurden insgesamt 712 Personen gerettet. Davon sind 212 Besatzungsmitglieder und 500 Passagiere. Der größte Anteil der geretteten Menschen befand sich unter den Passagieren der 1. Klasse, mit 62%., die Überlebenden der 2. und 3. Klasse betrug 42,6% und 25,6%. Getötet wurden 1496 Menschen, das sind mehr als 67%. Einschließlich 686 Opfer unter der Mannschaft und 810 Passagiere. Diese Zahlen zeigen die schlechte Rettungsorganisation von Menschen in Not. Das grauenhafte Unglück wurde damals wahrgenommen und besprochen als im Sinne einer Antwort der unbändigen Naturkräfte auf die ehrsüchtigen Bestrebungen eines Unternehmens und seines  Konstrukteurs, der in seinem Stolz behauptet hatte, ein unsinkbares Schiff geschaffen zu haben.
 
Versenkung deutscher Flüchtlingsschiffe
mit zwanzigtausend Umgekommenen
 
Das deutsche „KdF“-Schiff „Wilhelm Gustloff“ war ein Kreuzfahrt- und Hospitalschiff das zur Zeit des Dritten-Reiches bedürftigen und kranken Bürgern zur Verfügung stand, um ihnen Freude zu bereiten, indem sie - für Tausende erstmalig in ihrem Leben - zu Ferienfahrten an die schönsten Plätze der Welt reisen durften. Das Schiff trug seinen Namen nach dem 1936 von David Frankfurter in Daos/Schweiz ermordeten Wilhelm Gustloff. Ab Kriegsbeginn wurde die „Gustloff“ als Verwundetentransporter bzw. Lazarettschiff genutzt. Es ist am 30. Januar 1945 vom sowjetischen U-Boot „S-13“ vor der Küste Pommerns torpediert und versenkt worden. Die „Gustloff“ sollte sich an der Evakuierung ostpreußischer Menschen beteiligen, die dem einbrechenden russischen Mordterror zu entkommen suchten. Tatsächlich konnten um 2,5 Millionen Zivilisten über die Ostsee nach Westen entkommen. Am 30. Januar 1945 legte das gegen 13:10 Uhr mit bis über 10.000 Menschen an Bord in Gotenhafen ab. Nach Angaben eines Einschiffungsoffiziers wurden offiziell 7.956 Menschen registriert, nach Ende der offiziellen Zählung drängten sich ca. 2.500 weitere verzweifelte Flüchtlinge an Bord, so dass rund 10.300 Menschen an Bord waren: ca. 8.800 Zivilisten, darunter eine große Zahl Kinder, sowie etwa 1.500 Wehrmachstangehörige, darunter 162 Verwundete, rund 340 Marinehelferinnen und 918 Marinesoldaten der 2. U-Boot-Lehrdivision. Als Geleitschutz stand nur das Torpedoboot „Löwe“ zu Verfügung. Nach etwas mehr als einer Stunde, gegen 22:15 Uhr, sank das Schiff. Durch herbeieilende Schiffe konnten nur 1.239 Überlebende gerettet werden, auch den Marinemaler Adolf Beck, dessen Berichte und Bilder später veröffentlicht wurden. Torpedoboot „Löwe“ rettete 472 Menschen, das hinzugekommene Flottentorpedoboot „T-36“ rettete 564. Als es von „S-13“ angegriffen wurde, wehrte es sich mit Einsatz von Wasserbomben, worauf das Russen-U-Boot abdrehte. Die Minensuchboote „M-341“ und „375“ retteten 80 und der Frachter „Göttingen“ 28 Menschen. In der Nacht des Untergangs herrschte eine eisige Außentemperatur von bis zu -20 °C. Das sowjetische U-Boot „S-13“ konnte am 9. Februar 1945 auch die „Steuben“ mit etwa 4.000 Menschen an Bord versenken und U-Boot „L-3“ torpedierte am 16. April 1945 den Truppentransporter „Goya“ mit etwa 7.000 Ostflüchtlingen.
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