Villa del Casale - GERMANEN IN SIZILIEN

 Villa von Casalen -  in Sizilien
 
 
Germane und Römer - unterschiedliche Rassetypen
Germanische Schaukämpfer - Detail der Bodenmosaiken der
„Villa Romana del Casale“ in Sizilien, aus Anfang bis Mitte 4. Jh. n.0
 
 
GERMANEN IN SIZILIEN
 
Das Römerreich war arg lädiert,
wurd‘ bald im Westen abserviert,
Germanen standen an der Front
und stiegen auf am Horizont.
 
Ohne Germanen ging nichts mehr,
in der Verwaltung und im Heer.
Die alten Römer starben aus,
verzehrten sich in Suff und Schmaus.
 
Zu viel Kultur tut niemals gut,
sie schadet dem gesunden Blut.
Nur herbe Luft und Arbeitslast,
bewahren Völker vor der Mast.
 
Wer sich mästet der verkommt,
was nimmer der Gesundheit frommt.
Wohlleben ist der Völker Tod,
wer das nicht merkt ist ein Idiot.
 
Germanen waren jung und stark,
das Südland lockte wie ein Park,
sie drangen ein ins Römerreich,
es brach des Limes Abwehrdeich.
 
Roms Kaiserzeiten ging‘n zu End‘,
schon stand das Kreuz am Firmament
und läutete den Umbruch ein,
da sank der Römer Glorienschein.
 
Jetzt war‘n Germanen überall
wo Männer fehlten, Fall auf Fall -,
in Kriegsdienst, Ämtern, Dienerschaft,
wie auch in Gladiatoren-Haft.
 
Die „Villa del Casala“ zeigt's im Bild,
in Siziliens Nabel Berg-Gefild‘,
blonde Germanen zur Römerzeit,
in Alltags-Motiven bei Freud‘ und Leid.
 
 
Blonde Germaninnen bei Gymnastik-Vorführungen
 
Die römische „Villa von Casalen“, am Fuße des Monte-Mangone, nahe der Stadt Piazza-Armerina in der sizilianischen Zentral-Provinz Enna, birgt wunderbare Schätze der Mosaik-Kunst aus etwa Mitte des 4. Jahrhunderts. Die Bilder, bestehend aus Millionen von Würfelchen in vielen Farbvariationen, zeigen eine Fülle von Motiven die Einblicke ins antike Alltagsleben geben. Das Ornament der „großen Jagd“ beispielsweise, besteht aus einem 60 Meter langen Fries, der aufzeigt, wie in den entferntesten Gegenden des Römerreiches wilde Tiere eingefangen und verschifft werden, um dann bei den blutigen Spielen in den Amphitheatern des „Impero romano“ - zur Belustigung des Publikums - ihr Leben zu beschließen.
 
Etliche der dargestellten Menschen sind an ihrer Blondheit als Germanen bzw. Nordlandbewohner zu erkennen. Besonders die sog. langgliedrigen, Gymnastik treibenden „Bikini-Mädchen“ gehören dazu. Es handelt sich um zehn junge Frauen in sportlichen Posen. Eine Diskuswerferin, zwei Läuferinnen, zwei Ballspielerinnen, eine Weitspringerin mit Hanteln und die Szene einer Siegerehrung. Am zerstörten linken Oberrand war wohl einmal eine Speerwerferin zu sehen. Es könnt sich um eine Gymnastikanleitung für junge Damen handelt, oder um eine Animationsvorführung gefangener Germaninnen in den Thermen der Männer. „Diese Darstellung ist einzigartig“, sagt Karl-Wilhelm Weeber, Professor für Alte Geschichte an der Universität Wuppertal. „Ein solcher Zweiteiler als Sport- oder Badebekleidung ist in der gesamten Antike sonst nirgendwo bezeugt.“ Vielleicht sehen wir also hier eine Auswahl altdeutscher Sportbekleidungen oder Unterwäsche der Frauen. Die echten Römerinnen sind auch zum Sonnenbaden nicht im Zweiteiler an den Strand gegangen, zumindest nicht die Angehörigen der Oberschicht. Diese versuchten im Gegenteil alles, um möglichst hellhäutig zu erscheinen. Auch der mit der Leier spielende Apollo ist blond, die Reiterkrieger sind blondlockige Germanen, die Kinder und Eroten sind blondhaarig, wie auch die Seefahrer, die Nashorn-, Elefanten-, Stier- und Straußen-Wärter (Fänger ?) und der Wildschweinjäger. Wir erkennen daran, wie außerordentlich hoch der Anteil der deportierten Germanen in der römischen Provinz gewesen ist. - Ob die Villa dem Senator Lucius Aradius Valerius Proculus gehörte ist ungewiss. Er war von 327 bis 331 Gouverneur Siziliens und 340 Konsul.
 
Germanen waren in der Mitte der 4. Jahrhunderts im gesamten Römischen Reich anzutreffen. Um hundert Jahre zuvor hatten die Alamannen den Limes erstmalig überwunden, sie heerten bis tief nach Italien hinein. Ohne germanischen Soldaten, Herrscher-Leibwachen, Beamte ging es nicht mehr, und ohne die zahllosen Sklaven und Dienerschaften, unter den auch viele Germanen waren, ging es sowieso nicht im römischen Sklavenhaltersystem. Das Römerreich war im 3. Jahrhundert in eine Krisenzeit geraten in welcher der Druck auf die Grenzen ständig zunahm. An Rhein und Donau sorgten verschiedene Germanenvölker für Unruhe. Mehrmals drangen ihre plündernden Gruppen auf römisches Gebiet vor, wie es zuvor die Römer getan hatten.
 
Die römischen Sklavenjäger
 
Über Jahrhunderte hinweg versorgten sich die Römer mit den für ihre Volkswirtschaft nötigen Sklaven auch bei ihren nördlichen Nachbarn. Sie schickten Sklavenfänger-Truppen nach Germanien. Die Germanien-Beutezüge des römischen Kaisers Caracalla (188-217) sind bekannt. Der recht negativ beurteilte Kaiser, von punisch-syrischer Abstammung, hatte ein extrem gespaltenes Verhältnis bezüglich der Germanen. Auf Feldzügen trug er den gallogerm. Reitermantel (Caracalla), der ihm seinen Spitznahmen eintrug. Auch trug er, laut röm. Historiker Herodian, seiner Glatze und der germ. Leibwache zuliebe, mitunter eine rotblonde Perücke, die nach germ. Art frisiert war. Der Senator Cassius Dio (163-229), Zeitgenosse des Caracalla, beschrieb den Kaiser so: „Drei Rassen gehörte Antoninus an, besaß aber überhaupt keine einzige ihrer guten Eigenschaften, vereinigte vielmehr in sich deren sämtliche Fehler: die Unbeständigkeit, die Feigheit und die Verwegenheit der Gallier, die Härte und Grausamkeit der Afrikaner und die Verschlagenheit der Syrer, von denen er mütterlicherseits abstammte.“ Im Sommer 212/213 unternahm er einen kurzen Terrorfeldzug nach Germanien gegen die Alamannen. In den „Arvalakten“ (des Priesterkollegiums) wird das Ziel der Expedition umrissen, die Germanen sollen wieder einmal mit „Stumpf und Stiel“ ausgerottet werden. Wie der Historiker Cassius Dios („Röm. Geschichte“, 77. Buch) angibt, lockte er unter dem Vorwand, Söldner anzuwerben, die waffenfähige Jugend in einen Hinterhalt und ließ sie von seinen Legionären niedermachen. Aus den Dörfern ließ er die Frauen einfangen, denen er die Wahl überließ, ob sie wünschen, seine Sklavinnen zu sein, oder ob sie getötet werden wollten. Diese waren lieber bereit zu sterben. Als man trotzdem begann, sie den Sklavenhändlern zu verkaufen, töteten sich die meisten selbst. Bald darauf stieß seine Armee auf ein Kontingent von „Cennen“ (wohl Chatten). Der Kaiser scheute die Feldschlacht und erkaufte sich den schmählich freien Abzug und hatte dadurch Ruhe an den Grenzen für einige Jahre. Zu den Göttern von denen Caracalla Hilfe gegen seine Leiden erhoffte, gehörten Apollon und der kelt. Heilungsgott Grannus der weithin als Apollo-Grannus auch im Heiligtum von Faimingenim Donauried gepriesen wurde. Der Kaiser hatte hier einen Kuraufenthalt. Als die Alamannen von seinem schlechten Gesundheitszustand hörten, der mit Wahnvorstellungen einherging, verbreiteten sie, ihre Frauen hätten bestimmte Zaubermittel angewendet, um ihm den Verstand zu rauben. Schließlich starb er bei der Notduftverrichtung unter den Wurfspießen seiner germ. Leibwächter.
 
Bis ins späte 4. Jahrhundert werden in den Quellen immer wieder römische Feldzüge in das rechtsrheinische Gebiet erwähnt. Was lange Zeit kaum beachtet wurde beweisen jetzt die eindeutigen Funde: Noch Kaiser Maximinus Thrax führte 235/36 n.0 ein Eroberungs- und Sklavenfangheer tief in germanisches Gebiet bis an die Elbe. Der griechische Geschichtsschreiber Herodian, der ein Zeitgenosse der Ereignisse war, berichtet: „Maximinus drang tief in germanisches Gebiet vor, machte viel Beute und überließ seinen Truppen alles Vieh, dessen man habhaft wurde. […] Er drohte und war entschlossen, alle germanischen Stämme bis hin zum Meer zu besiegen und zu unterwerfen. Stolzgeschwellt  schickte Maximinus Thrax 236 n.0 folgenden „Tätigkeitsbericht“ an den Senat: „Auf einer Strecke von 300 - 400 Meilen [440 bis 590 km] haben wir die Dörfer der Germanen niedergebrannt, die Getreidefelder verheert, die Herden weggeführt, Bewaffnete niedergemacht und eine Schlacht im Sumpf geschlagen.“ Doch auf seinem Rückmarsch zwangen germanische Verbände, in einem Engpass am Harzhorn, den Tross der römischen Armee in eine Verteidigungsschlacht, wohl um ihre gefangenen Brüder und Schwestern zu befreien. Die Stelle war gut gewählt, auch heute noch stellt das Harzhorn einen Engpass für die Hauptverkehrslinie von Norddeutschland über die hessische Senke in die Wetterau dar. Wie die Auseinandersetzung genau verlief wissen wir nicht, doch werden die Römer Einbußen erlitten haben. Das Fundgebiet befindet sich etwa einen Kilometer nordöstlich von Wiershausen auf dem etwa zwei Kilometer langen und bewaldeten Höhenzug des Vogelberges, der in Ost-West-Richtung verläuft. Bisher wurden in der historischen Forschung derart weiträumige militärische Unternehmungen der Römer für diese Zeit und in diesem Raum nicht für möglich gehalten. Mehr als 2.700 überwiegend militärische Fundstücke belegen, dass das Harzhorn Schauplatz eines blutigen Gefechts zwischen Einheimischen und römischen Eindringlingen im 3. Jahrhundert nach Null gewesen sein muss. Zu den Funden gehören zahlreiche Angriffswaffen, Fragmente von Schutzpanzern, Sandalennägeln, Radnaben, Anschirrungszubehör und Bruchstücke von Sklavenfesseln.
 
Der heidnische Kaiser Flavius Claudius Iulianus (331-362), der die erfolgreiche Allemannen-Abwehr organisierte und die Rheingrenze wieder befestigte, wird eine Masse gefangener Germanen nach Sizilien als Landarbeiter verbracht haben. Er hatte im Sommer 357 die Schlacht von Straßburg geschlagen, wobei er Gefangene gemacht haben muss. Aber 358 verheerten alamannische Juthungen schon wieder die römische Provinz Raetia. Der aus Spanien stammende röm. Kaiser Theodosius I. (347-395) war der letzte Herrscher des Gesamtreiches. Er galt als „Gotenfreund“; im Jahre 382 siedelte er eine große Gruppe von Germanen als autonomer Verband unter eigenen Herrschern auf dem Boden des Reiches an. Viele germanische Karrieristen stiegen zu einflussreichen Posten auf. Beispielsweise der Halbwandale Flavius Stilicho (um 362-408) war ein röm. Heermeister und Politiker. Am Ende seiner Zeit war Sizilien in der Hand der Wandalen unter König Geiserich (389-477). Der Heruler-König Odoaker kaufte in den Jahren 485/486 einen Teil Siziliens den Wandalen ab. Dann wurde dieser sardische Besitz Teil des Ostgotenreiches und danach gelangte er unter die Regie Ostroms. Schließlich begann im 11. Jahrhundert die normannische Eroberung von Sizilien und Süditalien. Diese ausgedehnten Inbesitznahmen schlossen das „Königreich Sizilien“, sowie fast den gesamten Süden der italienischen Halbinsel und Maltas ein.
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