DER WUNSCHRING

 

DER WUNSCHRING
 
Der Ring, der Ring, ein magisch’ Ding,
zwingt Erdenkraft ins Geister-Thing-;
dann steh’n die dunklen Mächte stille,
zu beugen sich des Ringes Wille.
 
Wohl dem der einen Wunschring trägt,
irdisch’ Begehr’ im Herzen hegt --;
er dreht den Ring zur Geisterstund’,
bald wird ihm Wunscherfüllung kund.
 
Ein solches Kleinod war mein Gut,
ich kaufte es mit List und Blut -;
der Geist Saturns war mir erschienen,
ihm wollt’ ich bis zum Tode dienen.
 
Er ist der Herr der Bodenschätze,
weiß er doch Gold- und Silber-Plätze
und will, dass jener sie ergreif’,
der ehrt des Daimons Fingerreif.
 
Der muss ihn ehren im Betragen,
sich von dem Christos los zu sagen
und allen geistigen Trabanten,
der Christenkirche Lug-Gesandten.
 
Den Schmied zu suchen war geheim,
ich fand ihn in Altklingenheim -;
er war von Wielands Meister-Art,
ein Gnom mit feuerrotem Bart.
 
Um Wunschheilkräfte zu erwecken,
schuf er das Ringlein mit zwölf Ecken;
er stach hinein, nach Schwarzer Mess’,
den Satz: „NAINE-MI-X-PS”
 
Das meint: „Ich sag’ zum Christos nein !“
Ob Sonnenglanz, ob Mondenschein -,
ich bleib’ den ird’schen Göttern treu,
tausch` nimmer Weizen gegen Spreu.
 
Mein Glücksringlein, mein Amulett,
weil’s Heil und Kraft zu fangen hätt’,
trägt weiteres Wort im weisen Witz,
das meint Genussjagd, heißt "GENITZ".
 
Ich grub im Herz des Sachsenland's,
bei Oschatz nach des Schatzes Glanz,
tät mich mein Lebtag gut dran laben,
den Rest mitsamt dem Ring vergraben.
 
Wohl an fünfhundert Silberstücke,
vergrub ich an der Elbarm-Brücke
bei Pusteniz in einem Krug -;
ich hat’ des Lebens längst genug.
 
Im Tod ging ich zum neuen Werde,
traf meinen Herrn tief in die Erde;
leb’ unbeschwert im Land der Seelen,
umglänzt vom Schimmer der Juwelen.
 
Auch dies’ ist besser als beim Christ,
wo keusche Einfalt Sitte ist --;
ich fand als geist'ger Antipode,
das bess’re Los auch noch im Tode !
 
PS: Im Jahre 1898 wurde in Paußnitz/Pusteniz (heute Ldkr. Riesa) ein Münzschatz von um die 500 Silber-Brakteaten in einem kleinen Keramikgefäß gefunden, dazwischen lag der zwölfeckige Ring aus nahezu reinem Silber. Abnutzungsspuren zeigen, dass er für längere Zeit getragen wurde. Mit einem Innendurchmesser von 18,8 mm ist er groß genug für eine Männerhand. Er ist mit seltsamen zunächst unverständlichen Schriftzeichen versehen. Sie Münzen datieren in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der gesamte Schatz muss kurz nach 1150 vergraben worden sein. Es handelt sich um die Zeit der Sachsenkriege Heinrich V., in denen sich noch eindeutige Anzeichen des wiedererstarkten ostsächsischen Heidentums zeigten.
 
Die Inschrift ist in mittelhochdeutscher Sprache, in frühgotischen Majuskeln und Buchstaben der damals schon nicht mehr gebräuchlichen irisch-angelsächsischen Zierkapitalis abgefasst und beinhaltet offenbar antichristologische Bezüge. Die Inschrift lautet: NAINE MI XPS, in wörtlicher Übersetzung: „Verneine mich Christus“. Das überflüssig auszuschreibende, stillschweigend dazuzudenkende Personalpronomen „ich“ des Ringträges, lässt den Sinn „ich verneine Christus“ hervortreten. Die angelsächsischen Zierkapitalis lassen uns in den nordwestgerm. Sprachraum schauen: dort bedeuteten die Begriffe ags. „naes“ und „naenig“ „durchaus nicht“ bzw. „kein“. Die indogermanischen Worte „na“, „no“, ahd. „neo“, „nio“, nhd. „nie”, stehen für „nie, nicht, nein”. Der mittelhochdeutsche Ringtext „naine mi“ ist konkret nicht anders zu übersetzen als: „nicht für mich“, „nichts für mich“, „nicht meine Sache“, - oder auch „verneine mich“, „verschone mich“, „lasse mich in Ruhe“, „bleibe mir fern“. Diese Aussage bezieht sich auf schon erwähnte folgende Ringgravur „X-PS“, die als Abkürzung für „Christus“ zu deuten wäre. Dass es sich nicht um den Ring eines weltflüchtigen christlichen Asketen gehandelt haben kann, geht schon zwingend aus dem Umstand hervor, dass der Ring zusammen mit 500 Silbermünzen des sächsischen Großraumes im Keramikgefäß lag.
 
Alle die von mir in dem Gedicht genannten Ortschaften sind im engen Umkreis - im „Herzen Sachsens“ - real vorhanden !
 
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