EIN EHRENWERTER SOZI

Kurt Schumacher spricht auf dem Frankfurter Römer am 27.06.1946
 
 
KURT SCHUMACHER
 
Das war ein wahrer Sozialist,
wie er gerecht befunden ist !
Der erste Mann der Opposition,
rügte K. Adenauer schon.
 
Kurt Schumacher war ein Fanal
im nachkriegsdeutschen Jammertal.
Der erste, wahre Konstruktive
und letzte unabhängig Objektive.
 
Ein wahrer deutscher Demokrat,
bat weder Ost noch West um Rat,
wies seinen Weg - sozial und frei -
ganz ohne Marx und Klerisei.
 
Dem Ami nicht und nicht Iwan,
folgte der deutsch-soziale Plan,
den der Kurt Schumacher vertrat;
was anderes hielt er für Verrat.
 
Wie vor so nach dem NS-Reich,
erkannt‘ er Kommunisten gleich,
als Feinde seines Vaterlands,
nichts als der Sowjets Hundeschwanz.
 
So sei dem Mann die volle Ehr‘,
kein „Sozi“ gelte mehr als er !
Er wär‘ ein bessrer Kanzler worden,
leider ist er zu früh gestorben.
 
 
KURT SCHUMACHER
EIN EHRENWERTER SOZI
 
Kurt Ernst Carl Schumacher (1895-1952) war ein SPD-Mann und Parteivorsitzender der SPD. In der Zeit von 1945 bis 1949 wirkte er am Wiederaufbau der SPD in Westdeutschland mit. Es heißt: „Auch wenn Schumacher langfristig mit seinen politischen Vorstellungen zum größten Teil scheiterte, gehörte er doch zu den Gründervätern der BRD.“ Nach seiner Promotion in Rechtswissenschaften stellte er seine Schaffenskraft in den Dienst der SPD. Kurz nach Beginn des Weltkriegs I. meldete sich der Westpreuße als Freiwilliger an die Front, sah er doch seine eigene Vaterstadt Culm in akuter Gefahr vor der russischen Dampfwalze. Culm lag nur 30 km von der Grenze des russischen Teils Polens entfernt. Der Draufgänger wurde schon im ersten Kriegsjahr verwundet, so dass ihm der rechte Arm amputiert werden musste. Für den Verlust seines rechten Arms erhielt er das „Eiserne Kreuz“ II. sowie eine monatliche Rente von 33,75 Mark zuzüglich einer Kriegszulage von 15 Mark und der einfachen Verstümmelungszulage von 27 Mark.
 
Culm fiel - trotz seinem hohen Anteil deutscher Bürgerschaft - an Polen. Die Entscheidung war von heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Stadt begleitet. Teile von Schuhmachers Familie zogen ins verbleibende Deutsche Reich, andere blieben in Polen. Nach der „Novemberrevolution“ wurde die SPD zur tragenden Partei im Staat und musste ihn, den sie bisher bekämpft hatte, nun selbst gestalten. Schumacher versuchte, dieses SPD-Dilemma in seiner Doktorarbeit durchzudenken. Darin stellte er die beiden grundlegenden Theoretiker der Sozialdemokratie, die Juden F. Lassalle und K. Marx vergleichend nebeneinander: Marx, der „den Staat aus dem Endziel hinwegphilosophiert“ habe, während Lassalle im „Arbeiterstaat“ das „höchste Menschheitsideal“ sehe. Schumacher neigte den Theorien Lassalles zu, er forderte die Notwendigkeit „der Festigung der Staatsgesinnung und der Stärkung des Abwehrwillens, vor allem gegen Russland.“ Er wurde als Intellektueller der SPD ein bedingungsloser Kritiker gegenüber dem Kommunismus wie dem Nationalsozialismus. Nach Schumachers korrekten Erkenntnissen hatten die Aufstände und weiteren Machenschaften der KPD die Reaktionen der politischen Rechten erst herausgefordert und damit den Spielraum für eine wirkliche demokratische Revolution verhängnisvoll verhindert.
 
Die KPD bekämpfte nach ihrer Bolschewisierung die SPD als ihren „Hauptfeind“ und setzte Sozialdemokratie und Faschismus als „Zwillingsbrüder“ gleich. Schumacher dagegen hielt der in seinem Stuttgarter Umfeld vergleichsweise starken KPD vor, dass sie über keinerlei innerparteiliche Demokratie verfüge und vollkommen aus Moskau gesteuert sei, ihr Verhältnis zur Demokratie und zur Gewalt sei dem der NSDAP gleich. Eine Zusammenarbeit mit der KPD war für Schumacher daher nicht sinnvoll bzw. unverantwortlich. Nach der sog. „Machtergreifung Adolf Hitlers“ war er einer der wenigen Parlamentarier, die sich aktiv gegen das „NS-Ermächtigungsgesetz“ wandten, mittels dem Hitler Volk und Staat zu sanieren und zu reformieren gedachte. Nach dem Verbot der SPD wurde Schumacher, nachdem er an einem konspirativen SPD-Treffen im Schwarzwald teilgenommen hatte, in Berlin verhaftet. Schumacher bekam die Chance, eine Verzichtserklärung auf politische Betätigung zu unterschreiben und sich damit seine Freiheit zu erkaufen. Er lehnte aber ab und musste sich daraufhin für ca. neun Jahre in diversen Lagern internieren lassen. Er lehnte auch im Konzentrationslager jeglichen Kontakt zu kommunistischen Gefangenen ab, da er sie für mitschuldig an der Machtübernahme der Nationalsozialisten ansah.
 
Im Frühjahr 1943 wurde der Kettenraucher als kranker Mann nach Hannover entlassen. Nach dem Attentat auf A. Hitler vom Juli 1944 wurde Schumacher inhaftiert und vernommen, dann war er wieder in Hannover, bis die Stadt 1945 durch alliierte Truppen besetzt wurde. Sein linkes „Raucherbein“ musste aufgrund arterieller Durchblutungsstörungen Ende 1948 amputiert werden. Doch sein schier „unbeugsamer Willen wirkte auf viele seiner Zeitgenossen und Gesprächspartner wie ein lebendes Symbol moralischer Aufrichtigkeit und des unbeugsamen Kampfes für einen freiheitlichen Sozialismus.“ Sofort begann Schuhmacher mit dem Wiederaufbau der SPD. Als „wahrer Volkstribun, mitreißender Redner, Führer, an den glaubte, wer zur SPD gehörte“ beschrieb ihn Peter Lösche. Bald stieg er zur unangefochtenen Führungsfigur der Sozialdemokratie in den westlichen Besatzungszonen auf. Er agitierte rigoros gegen die KPD und erklärte sie zur reinen Interessenvertretung einer „auswärtigen Macht“. Diese Macht bezeichnete er klar als Russland und sprach von einem „Zusammenstoß so ganz andersartiger Kulturen“. 1946, vier Wochen nach der von ihm heftig bekämpften Beseitigung der Sozialdemokratie in der SBZ durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED, wurde Schumacher zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt.

Bekannt sind Kurt Schumachers Bezeichnungen der Kommunisten - vor und nach dem Dritten Reich - welche nichts anderes „als rotlackierte Nazis“, „rotlackierte Doppelausgabe der Nationalsozialisten“, „rotlackierten Faschisten“ seien. Für Schumacher war die KPD auch bei ihrer Neugründung 1945 ein willenloses Vollstreckungsorgan der sowjetischen Außenpolitik. In ihren Beschwörungen von Demokratie und deutscher Einheit sah er nur raffinierte Taktik. Mit einer neo-nationalistischen Sprache, die „gleich der des alten Nazismus“ sei, betreibe die KPD und später die SED eine „nationalrussische Politik mit nationaldeutschen Phrasen.“ Auf ein Verhandlungsangebot der „Volkskammer“ reagierte er am 30. Januar 1951 im Bundestag mit seiner ätzenden Schärfe: „Die deutschen Demokraten können nur mit Deutschen über Deutschland verhandeln, aber nicht mit Gesinnungsrussen, deren Deutschtum eine bloße Äußerlichkeit ist.“ So unbeirrbar Kurt Schuhmacher zur sozialen Gerechtigkeit stand, so stand er auch zu seinem Vaterland. In einem Aufruf aus dem Jahr 1945 schrieb er: „Mag das Verbrechen des deutschen Nazismus an der Welt noch so schwer sein, das deutsche Volk kann und darf nicht darauf verzichten, sein Reich […] als nationales und staatliches Ganzes zu behaupten. Für die arbeitenden Massen sind Idee und Tatsache des Deutschen Reiches nicht nur nationalpolitisch, sondern auch klassenpolitisch eine Notwendigkeit. Ihr politischer und wirtschaftlicher Befreiungskampf ist ohne diese Grundlage zur Erfolglosigkeit verurteilt.“ Der gebürtige Westpreuße - der seine Heimat an Polen verloren hatte - war fest davon überzeugt, es sei einer der schwersten Fehler der „Weimarer Linken“ gewesen, die nationalen Grundlagen den Konservativen und Nationalsozialisten zu überlassen. Nie wieder solle die SPD als national illoyal diskreditiert werden können. Weitsichtig profilierte sich Schuhmacher im „Bundestag“ als scharfer Gegner der Politik der Westeinbindung von Konrad Adenauer. Er bezeichnet Adenauer als „Bundeskanzler der Alliierten“ (woraufhin er für 20 Sitzungstage aus dem „Bundestag“ ausgeschlossen wurde). Schumacher entlastete auch die Wehrmachtssoldaten und die Angehörigen der Waffen-SS von kollektiven Schuldvorwürfen und setzte sich für ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft ein. Wikipedia: „Kritisch gegenüber Frankreich, Großbritannien und erst recht den von ihm als kapitalistische Vormacht empfundenen USA, verweigerte er sich den Schritten, die eine Westbindung konkretisiert hätten. Verglichen mit den Werten der Aufklärung und eines freiheitlichen Sozialismus empfand er die faktische Situation in diesen Ländern als zutiefst unbefriedigend und konnte sich nicht zu einer echten Zusammenarbeit mit ihnen überwinden.“
 
Für ihn galt seine Partei nicht in erster Linie als „Arbeiterpartei“, sondern als die „Partei von Freiheit und Gerechtigkeit“. Seine ausgewogenen Positionen, besonders sein deutscher Patriotismus, öffneten der SPD auch Wähler- und Mitgliederkreise, die ihr bisher abgeneigt gewesen waren. Sein Einfluss auf die Entwicklung der SPD weg von der Klassenpartei mit marxistisch geprägtem Programm hin zur pluralistischen linken Volkspartei war im guten Sinne wegweisend. Im Gegensatz zu seinen parteiinternen Kontrahenten - die es auch gab - hatte Schumacher die Vorteile klar auf seiner Seite. „Er besaß ein kohärentes politisches Konzept für die Nachkriegszeit, er hatte die Achtung und den Respekt der Parteimitglieder, den politischen Durchsetzungswillen sowie eine Organisation, um diesen Willen auch durchzusetzen - alles Faktoren, die den anderen fehlten.“ Konrad Adenauer wurde erster BRD-Bundeskanzler und Kurt Schumacher wurde als erster BRD-Oppositionsführer. Im Gegensatz zur Praxis in der gescheiterten „Weimarer Republik“ begriff er die Oppositionsrolle immer als hilfreich und konstruktiv. Die Opposition solle nach Schumachers Meinung nicht in erster Linie die Regierung nur kritisieren, sondern selbst in der Lage sein, bessere oder zumindest gleichwertige Konzeptionen zu liefern. Mit dieser parlamentarischen Stiländerung hinterließ Kurt Schuhmacher sein wichtigstes positives Vermächtnis für das Nachkriegsregime Deutschlands.
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