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DER WOLFRAM-LEUCHTER“
 
Nicht sonderlich christfromm war die Zeit,
der Papst erprobte die pfäffische Macht,
Herr Heinrich gab ihm gebührend Bescheid,
wie es sein Vater nicht anders gedacht.
 
Des Reiches Ritter marschierten nach Rom,
Hoyer von Mansfeld, der Feldhauptmann,
griff sich den Papst im Sankt-Peters-Dom,
so ward er gezwungen zu lösen den Bann.
 
Dann kam jener Kampftag am Welfesholz,
die Ostsachsen boten dem Kaiser Trotz
da war’s, dass Hoyers Glück zerschmolz,
ihn durchbohrte Wiprecht, der Eisenklotz.
 
Die Sachsen siegten im blutigen Sturm,
zu End’ war des römischen Glaubens Qual,
sie brachen der Harzburg Mauern und Turm
und erbauten ihr Thiodut-Siegesmal.
 
Hinweg mit dem christlichen Gottes-Spuk,
der echte Gott Thiu kam wieder zur Ehr’,
der reine Quelltrank aus sauberem Krug !
So klang des Landvolkes heißes Begehr’.
 
Da war ein Priester, der war kein Schurk’,
der wusste die Kunde der Weistümer noch,
sein Name war Wolfram von Magdeburg,
und er predigte gegen das kirchliche Joch.
 
Die Bauern trafen sich wieder zum Thing,
 manch' Edelmann war gern’ dabei,
die Gilden schworen im heiligen Ring,
das Glauben und Hoffen ward frei, so frei !
 
Des Wolframs Ansehen wuchs hinauf,
er wurde als heidnischer Bischof geehrt,
sein Weckruf lief rund im schnellen Lauf,
so gütig und kraftvoll hat keiner gelehrt.
 
Ein Bronze-Meister goss Wolframs Bild,
gerad’ wie er gelebt in Ehsagas Gewand,
das Bild stand in Magdeburgs Weihe-Gefild,
bis an den Tag von des Tempels Brand.
 
Es drehen sich Wetter so wie die Uhr -,
ein Enkel des Wolframs kam in die Not,
als Büßer verschenkt’ er die Wolfram-Figur,
für drei Seelen-Messen nach seinem Tod.
 
Also ward’ sie zum Erfurter Dom-Besitz.
Einst sprach er in Tius Namen das Recht,
längst machte man seine Würde zum Witz,
er wurde geschändet zum Kerzen-Knecht.
 
 
 
Die Gestalt des sogenannten „Wolfram-Leuchters“ im Dom zu Erfurt nimmt die gleiche Körperstellung ein wie der HERRGOTT VON BENTHEIM Es handelt sich dabei, wie ich nachweisen konnte, um die Ziu/Tiu-Rune des germanischen Himmels- und Rechtsgottes, des „Fosite, Forseti“ / „Tingsus“, des „Vorsitzenden des Things“. Er nimmt nicht nur die Körperhaltung des „Herrgott von Bentheim“ ein, vielmehr trägt er auch in Grundzügen die gleiche Kleidung, nämlich die des germanischen Priesters, des Parawaris (mögl. „Gebot-/Sitten-Hüter“) oder Ehwarts (Gesetzeswahrer): Den langen Rock mit eng anliegenden Ärmeln, darüber die ärmellose Weste, die Gürtelschnur und die beiden vorne herabhängenden Stolen, eine liturgische Bekleidung in Form langer, schmaler, manchmal mit Ornamenten versehenen Stoffstreifen. Das Indiz, dass es sich dabei zweifelsfrei um einen Priester des Altglaubens handelt, geht zusätzlich aus seiner langen Haartracht hervor, die gedrehten oder geflochtenen Zöpfchen des Bartes und der Stirnfransen. Man vergleiche dazu auch das belegende Bildmaterial in meinem Artikel Unsinnsdeutungen am Externstein Wie erklärt sich nun die Gestalt eines Heidenpriesters im Dom zu Erfurt ?
 
 
Inschrift des Wolfram-Leuchters
 
Der bronzene Wolfram-Leuchter, der auf 1160 datiert wird, ist die Stiftung eines Mannes namens Wolfram und seiner Ehefrau Hiltiburc, so ist es auf dem herabhängenden Gürtel der Gestalt vermerkt. Wer waren jenes Stifter-Paar ? Mit ihren Namen haben sie sich verewigt und uns das Rätsel hinterlassen. Vollständig lautet die Inschrift übersetzt: „Wolfram: Bete für uns, heilige Gottesgebärerin, Hiltiburc: dass wir würdig werden der Gnade Gottes !“ Das klingt sehr mariengläubig-christlich, also nach einem Demutsbekenntnis gegenüber der kirchenchristlichen Gottesmutter Maria. Die Stifter wollten etwas wieder gutmachen, sich offenbar für ihren vorausgegangenen Rückfall ins Altheidentum entschulden. Aber die Sprache der Widmung bleibt offen, die großen heidnischen Göttinnen konnten ebenso als „Gottesgebärerinnen“ bezeichnet werden. Es werden keine kirchenchristlichen Namen genannt. Ebenso hätte das Stifterpaar auch die Göttin Isis meinen können, deren Kult bis hinauf nach Skandinavien nicht unbekannt war, wie wir von einem Brakteaten-Fund mit einer Isis-Anrufung wissen. Die Glaubensstrukturen der Menschen des Mittelalters waren nicht so homogen wie man das gemeinhin laienhaft anzunehmen geneigt ist. Der kirchlich angeschobene Marienkult zehrte von der Volksreligion an die geheiligten gallogermanischen Mütter und Matronen. Er versuchte die Mutterreligiosität des Volkes zu kanalisieren und aufzusaugen. Aber vielfältige Schattierungen und sog. „abergläubige“ Normabweichungen lebten fort. Somit können wir nicht einmal ganz sicher sein, dass es im Sinne der Stifter lag, streng kirchengläubig mit ihrer Widmung, die „Mutter Maria“ gemeint zu haben. Sicher können wir aber damit sein, dass die Wolfram-Figur KEINEN Christen darstellen kann, vielmehr einen altheidnischen Kultleiter ! Kein kirchlicher Funktioner, kein Mönch und kein eifernder Laie hätte sich die Stirn- und Nackenzöpfchen gezwirbelt, denn die Haare hatten allein für die Heidenpriester eine kultisch-symbolische Bedeutung. Christen hätten derartigen Hauptschmuck als eitlen Tand verabscheut.
 
Der Leuchter gehört er zu den ältesten freistehenden romanischen Bronzeskulpturen Deutschlands. Spätere Zusätze sind die beiden Kerzenhalter, ursprünglich mag die heidnisch motivierte Figur auf ihren Handtellern die Symbole für feste und flüssige Nahrung, also einen Krug und ein Brot, getragen haben. Ebenfalls ein christenkirchlicher Zusatz ist das Postament, also die vier Füße in Gestalt von Drachenhäuptern, welchen Figürchen aufsitzen, welche auf die Sünden hinweisen könnten, von denen sich der büßende Betrachter abzuwenden hat. Bezeichnend ist auch, dass die Gestalt wie eingekerkert in einer zinnenbewehrten Burganlage steht. Der Heidenpriester wird mithin als Gefangener demonstriert, welcher als knechtischer Kerzenhalter der Kirche zu dienen gezwungen ist. Dass wir mit dem „Wolfgang“ ganz außer Frage einen Vertreter des Altheidentums vor uns haben, erkannten bereits Autoren vor mir, ohne so weitreichende Schlüsse ziehen zu können und exakte Erklärungen abzugeben wie ich sie hier vorführe. (Siegfried Auermann, „Germanenglaube im Christenglauben“, 2004)
 

„Wolfram“-Kopf mit offenen deutschen Augen und der geraden deutschen Nase

Der ursprünglich heidnische „Wolfram“ passt sehr gut in Zeit und Ort seiner Entstehung hinein. Arbeitshypothetisch nenne ich ihn „Wolfram von Magdeburg“, nach seinem späteren Stifter, der möglicherweise ein Nachfahr des Dargestellten gewesen ist, womit sein Besitzrecht an der Figur erklärbar wäre. Die Sachsen waren rebellisch. Schon im Frühjahr 1074 war die „Hartesburg“ / Harzburg Kaisers IV. von aufgebrachten Bauern der Umgebung geplündert und mitsamt ihrer Stiftskirche vollkommen zerstört worden. Daraufhin erfolgte die geglückte Strafaktion am 09.06.1075 mit der Schlacht bei Homburg an der Unstrut. Wieder wurden die unzufriedenen Sachsen am 09.03.1113 bei Warnstedt, nahe Quedlinburg, vom kaiserlichen Heer, unter Feldmarschalls Hoyer von Mansfeld, geschlagen. Etwa in der Wegsteckenmitte von Magdeburg nach Erfurt liegt das Welfesholz, heute ein Ortsteil der Stadt Gerbstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz / Sachen-Anhalt. Hier fand am 11. Februar 1115 die - wie es damalige Chronisten formulierten - größte Schlacht des Jahrhunderts statt, als sächsische Bauern und Edelleute das kaiserliche Heer von Heinrich V. so vernichtend schlugen, dass von diesem Augenblick an die Machtstellung des Kaisers in Sachsen dauerhaft gebrochen wurde. In der„Schlacht am Welfesholz“ verlor der kaiserliche Feldhauptmann Hoyer von Mansfeld - der wenige Jahre zuvor mit eigener Hand den Papst Paschalis III. in Rom ergriffen hatte - durch den Sachsen Wiprecht von Groitzsch Kriegsglück und Leben. Der Hass des sächsischen Bischofs Reinhard von Halberstadt war so krass, dass er den gefallenen Kaisertreuen ein christliches Begräbnis verweigerte, womit ihre Seelen auf ewig verdammt bleiben sollten. Die kaiserfeindliche Koalition wurde angeführt vom ostsächsischen Adligen Lothar von Süpplingenburg, er herrschte unumschränkt, ohne dass die königliche Gewalt imstande gewesen wäre, etwas dagegen zu setzen. Nun war Kaiser Heinrich V. alles andere als ein kirchenfrommer Mann, doch er musste Rücksichten auf den europaweit einflussreichen und begüterten Reichsklerus nehmen. Solche Rücksichten verfielen zunächst im sächsischen und namentlich im ostsächsischen Großraum, in dem die Reichsgewalt mit Legislative und Exekutive - an der das Stimmrecht des Klerus entscheidenden Anteil hatte - ihren Einfluss verlor. Das niedergeknüppelte und niedergehaltene Altheidentum erhob nach diesem Sieg wieder das Haupt, wie es mehrfach geschah wenn staatlich-kirchlicher Zwang nachlässt. Der Chronist Heinrich von Herford (um 1300-1370), berichtete vom Rückfall der Sachsen in ihren alten Glauben im Jahre 1114, aus Dankbarkeit für ihren Triumph über die Franken ließen sie dem Schwertgott Ziu eine „Bildsäule", den „Thiodut“ als Siegesmal errichteten, in Gestalt eines Kriegers mit dem Schwerte auf einer Säule. Der Begriff Thiodut für eine Weihestätte, möglicherweise Gerichtsstätte, der Gott Tiu/Ziu im Altgauben vorstand, kann sich im Verlauf von Jahrhunderten in „Jedutenhügel“ (Jeduten-, Jodutenberg) umgeformt haben. Sie finden sich in Landkreisen Frieslands, der Wesermarsch, Cuxhaven und der Stadt Bremerhaven, ein Dünenhügel vor dem Doventor in Bremen trug gleiche Bezeichnung. „Die Kult- und Dingplätze sind eins mit der Gottheit selbst. In ihnen wohnt jene unpersönliche göttliche Macht, die unsere Altvordern verehrten", schreibt  Prof. Herbert Meyer, Göttingen, in der Ztschr. d. Akad. f. Deutsch. Recht, 1935“.
 
So ist also meine Vermutung nicht abwegig, dass der reuemütige Nachfahr eines heidnischen Parawaris (Opferpriester) oder  Ehsagas/Ehwarts (altsächsischer Gesetzessprecher) die Bronzefigur dem Dom zu Erfurt gestiftet hat, für die Gegenleistung - wie das so üblich war - einiger nach seinem Tode zu lesenden Seelenmessen. Die Domwerkstätten bildeten dann die Figur zur heutigen Form eines demutsvollen Kerzenhalters um. Seine Körperhaltung der Tiu-Ziu-Rune weist ihn jedoch unverwechselbar - genau wie der „Herrgott von Bentheim“ - als Vertreter des Altheidentums bzw. als Priester des deutschen Rechtsgottes Tiu/Ziu aus. Nur im ostsächsischen Raum - dem Magdeburg und Erfurt angehörten - konnte noch im 12. Jahrhundert, aus den von mir dargelegten historischen Entwicklungen, ein solches Kunstwerk entstehen. Mit den siegreichen Sachsenkriegen gegen die Salier Heinrich IV. und dessen Sohn Heinrich V. ging ein bezeugter örtlicher Rückfall einher, man könnte ihn besser ein befreites Aufleben der Heimatreligion nennen. Es ist anzunehmen, obwohl die mönchischen Quellentexte aus verständlichen Gründen dazu keinerlei Auskünfte geben, dass sich wieder die alten Thinggenossenschaften gebildet haben müssen, mit ihren gewählten Gesetzessprechern. Einer davon könnte überregionale Bedeutung erlangt haben, so dass ihm zu Ehren die Plastik des „Wolfram“ in einer Magdeburger Bronzegießerei für die uns unbekannte altgläubige Weihestätte geschaffen wurde -, bis auch diese von unduldsamen mönchischen Fanatikern zerstört und verbrannt worden ist.
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