EIN „HEILIGER“ HETZER

 
EIN „HEILIGER“ HETZER -
BERNHARD VON CLAIRVAUX
 
 
Um die Kirche zu durchschauen
als des Thursen-Teufels Werk,
muss man sich zu schau‘n getrauen,
hinter ihren Lügen-Berg.
 
Wem, in dieser Unheils-Kirche,
gab man Vorbild-Funktion ?
Dieses gilt es zu studieren,
alsbald sieht man klarer schon.
 
Viele, viele „heilige“ Spinner,
tummeln sich im Kirchen-Pool,
aber Bernhard von Clairvaux
hockt auf einem Ehren-Stuhl.
 
Er war ein besonderer Hetzer,
immer laut und vorne dran.
Als gewiefter Besserwisser,
und der Päpste Hampelmann.
 
Größensinnig war er sicher,
doch er lechzte auch nach Blut,
wie so oft bei den Asketen,
wallte wahnhaft seine Wut.

Heiden sämtlich zu vernichten,
galt ihm als ein heiliger Plan,
und er brüllte in die Menge:
„Fanget damit endlich an !
 
Säubert jetzt, Ihr lieben Brüder,
unsere Erde von dem Schmutz
nur wir Christen dürfen leben,
nur ein Christ erhalte Schutz !
 
Heiden allesamt und Juden,
kriechen doch zu Kreuz einmal,
die Erde muss der Kirche dienen,
keiner hat da freie Wahl !“
 
Dieser Bernhard gilt als heilig,
zu der Christenkirche Schand‘.
Doch ich frag‘ mich endlich eilig:
War der außer Rand und Band ?!

 

Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) war ein vom kirchenchristlichen Wahn umfangener Eiferer der von außerordentlicher Emsigkeit das Geschäft der Papstkirche betrieb. Mit Besserwissen, Maßregeln, Rügen, Ermahnen und Hetzen bestimmte er sein eigenes Leben und seine Epoche. Im Jahre 1174 wurde er von Papst Alexander III. „heiliggesprochen“, 1830 erfolgte seine Ernennung zum „Kirchenlehrer“ durch Papst Pius VIII.. Für seine Zeitgenossen war er ein höchst umstrittener Mensch, er fachte allerorten Streitgespräche an. Die einen brachten ihm wegen seiner zuweilen honigsüßen Schmeichelworte kindische Verehrung entgegen, andere hassten ihn bitter wegen seiner gnadenlosen Verurteilungen. Seine maßlose Streitlust und sein überhebliches, anmaßendes Wesen haben ihn bekannt gemacht. Seine Fähigkeit, die Menschen durch Hetzreden ins Unglück zu peitschen, namentlich mit dem Aufruf zum zweiten Kreuzzug (1147 bis 1149), haben ihm ein dauerhaftes Denkmal aus Blut und Tränen erschaffen. Bernhards Auftraggeber war Papst Eugen III., der erste Zisterzienserpapst. Ein signifikanter Ausspruch des närrischen Schreibtischtäters Bernhard: „Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus.“ Oder: „Im Tod des Heiden sucht der Christ seinen Ruhm, weil Christus verherrlicht wird...“ Mit seiner ungezügelten Wortdämonie entfachte der Abt - von Nordfrankreich ausgehend - in fast ganz Europa einen Sturm der Kreuzzugswut, durch die dem Kontinent Abertausende junger, blühender Menschen verloren gingen, um im fernen Sande des Morgenlandes sinnlos zu verkommen. Der Würzburger Annalist beschreibt z.B. das Schicksal der mitgezogenen waffenlosen Pilger: „Dort gerieten sie in solches Elend, dass sie ausgedörrt von Hunger und Durst die Pferde, Kamele und Esel, die ihnen noch als Lasttiere verblieben waren, töteten und das Fleisch des Zugviehs zur Stillung ihres Hungers, das Blut zum Löschen des brennenden Durstes nicht ausreichten. Als schließlich fast alle dahinsiechten und auch viele durch Hunger, Durst, Krankheit und tägliche Mühe gestorben sind, da stürzen die Sarazenen [Türken] ... plötzlich gegen sie hervor, zerfleischen sie widerstandslos, zerstreuen sie und töten die Älteren. Die Jüngeren führen sie in Gefangenschaft, um sie mit erbarmungswürdiger Knechtschaft zu bedrücken.“ Zehntausende, die Bernhards Aufrufen gefolgt waren, sind nicht mehr heimgekehrt. Nach dem völligen Scheitern des Unternehmens geriet die Kreuzzugsidee in Europa in eine wohlverdiente Krise. Bernhards Ruf war enorm beschädigt, denn viele Menschen ziehen ihn zurecht falscher Versprechungen. Bernhard verteidigte sich uneinsichtig offensiv und sah die Schuld an dem gescheiterten Unternehmen nicht bei sich selbst, sondern in der angeblichen Unmoral der Teilnehmer, die Gott auf diese Weise gestraft habe, als hätte es jemals einen moralisch sauberen Kreuzzug gegeben. Die Öffentlichkeit hatte die großsprecherischen Worte Bernhards noch gut im Ohr, der einen weltweiten Siegeszug des Christentums vorausgesagt hatte. Doch das vom Abt von Clairvaux prophezeite beglückende Heilsereignis blieb aus. Dazu der Mediävist Hans-Dietrich Kahl: „In der Welt der Tatsachen wurde der Kreuzzug der verheerendste Misserfolg, den die abendländische Christenheit je erfahren hatte. Nur ein Bruchteil der Ausgezogenen kehrte ruhmlos zurück, und heftigste Kritik wandte sich gegen den Mann, der sich dermaßen öffentlich unter ausgesprochenen Segensverheißungen mit dem Unternehmen identifiziert hatte. Zweifellos traf den Abt von Clairvaux wesentliche Schuld: gar zu viele Realitäten hatte er falsch eingeschätzt." Kaum war das Desaster des Zweiten Kreuzzuges geschehen, führte der Hetzer erneut Klage über die mangelnde Bereitschaft der Fürsten zu einem neuerlichen Eroberungsversuch. Doch Bernhard von Clairvaux bemühte sich diesmal vergeblich.
 
Bernhard war einer der bedeutendsten Mönche des selbstquälerisch strengen Zisterzienserordens, für dessen epidemischer Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. Der Abt von Clairvaux gab nicht nur Ratschläge zu kirchenpolitischen Fragen, vielmehr beteiligte sich - obgleich er kein Schultheologe war - auch immer liebend gern an der Erörterung theologischer Streitfragen. Die ganze abgründige Verschrobenheit dieser Pfaffen tritt köstlich deutlich zutage bei der Betrachtung ihrer Sorgen bezüglich der „unbefleckten“ oder doch „befleckten Empfängnis“ der saduzäischen Dienstmagd Maria, die man per Beschluss zur Gottesmutter hochstilisiert hatte. Als die Diskussion über die „unbefleckte Empfängnis“ Marias aufkam, und Kanoniker in Lyon eigens ein neues kirchliches Fest dafür einführten, warf ihnen Bernhard vor, mit diesem Ritus entgegen der kirchlichen Tradition zu handeln. Obwohl auch Bernhard höchste Anerkennung für die angebliche Heiligkeit der sog. Gottesmutter hatte, lehnte er jedoch die Vorstellung ab, nach der sie „unbefleckt“ empfangen worden sei. Er gab an: „Maria ist ebenso in Sünde empfangen worden wie alle anderen Menschen. Auf sie darf nicht übertragen werden, was allein dem Sohn zukommt. Gern wird Maria auf diese falsche Ehre verzichten.“ Als könnte eine menschliche Befruchtung irgend etwas mit „Sünde“ zu tun haben ! Diese pfäffischen Diskutanten hatten sich allesamt in einen Irrsinnskokon eingesponnen und nicht wenige Menschen leben bis auf unsere Tage darin.
 
Die Kreuzzugs-Psychose bezog sich zu B. Clairvaux Zeiten keineswegs auf die Verteidigung der Stadt Jerusalem und die Kreuzfahrerstaaten allein, sondern wurde auf sämtliche heidnischen Ziele auch in Europa übertragen. Der christliche Hass auf „das Andere“, „das Fremdgläubige“ wurde von diesem Fanatiker dermaßen angeheizt, dass er sein gerüttelt' Teil daran hatte, wie die Kreuzfahrerhorden, aus Frankreich kommend, in die deutschen Rheinstädtchen einfielen und sich zuerst über die heidnischen Juden hermachten, um sich an deren Reichtümern zu bereichern. Schon vorher hatten sie beispielsweise den Talmudgelehrten Rabbenu Tam im nordfranzösischen Dorf Ramerupt angegriffen. In Würzburg tobten deutsche Haufen gegen Juden und die kirchlichen Obrigkeiten. Bernhards Brief 457 aus dem Jahr 1147, in dem er einen Kreuzzug gegen die Wenden forderte, ist der berühmteste Aufruf zum religiösen Krieg, neben dem Kriegsaufruf gegen die Türken aus der Feder Martin Luthers. Anlässlich eines Reichstags in Frankfurt lenkte Bernhard die Kreuzzugsidee gegen die Gebiete der Wenden [wandalisch-ostisches Mischvolk heidnischen Glaubens] mit solchen Reden: „Wir verlangen auf den Rat des Herrn Königs und der Bischöfe und Fürsten hin, die in Frankfurt versammelt sind, dass die Heeresmacht der Christen gegen sie bewaffnet werde und das Heilszeichen nehme, um jene Heiden völlig zu vernichten oder sicher zu bekehren. Wir verheißen ihnen dieselbe Sündenvergebung, wie jenen, die nach Jerusalem aufgebrochen sind... Wir untersagen auf jeden Fall, mit den Heiden auf irgendeine Weise ein Bündnis zu schließen, weder für Geld noch Tribute, bis mit Gottes Hilfe ihr religiöser Brauch oder ihr Volk vernichtet ist.“ So hatte Clairvaux einem Teil der deutschen, dänischen und polnischen Kreuzfahrer auf die „heidnische Bedrohung an ihren unmittelbaren Grenzen“ scharf gemacht und sie gegen die Elbe- und Oder-Wenden in Marsch gesetzt. Dieser „Wendenkreuzzug“ wurde am 13.04.1147 mit der päpstlichen Bulle „Divini dispensatione“ als solcher anerkannt und den Teilnehmern der Sündenablass versprochen. Die Gewalthorden brachen zu ihren Heidenschlächtereien im August 1147 von Magdeburg aus auf. Wenn Dieter Hehl meint, dass hier Bernhard „vermutlich als erster dem Gedanken der Gewaltmission einen Platz in der Kreuzzugsgeschichte“ einräumte, so ist das nicht ganz korrekt, denn schon der 30jährige karolingische Krieg gegen die heidnischen Sachsen hatte derartige Formen angenommen. Im besagten Brief betonte der perfide Bernhard den Aspekt der Sündenvergebung als Belohnung für die Teilnahme an einem religiösen Krieg, auch wenn er nicht als Kreuzzug gilt. Pfäffische Sündenvergebung also für Mord und Totschlag an den Feinden der Kirche -, perverser geht’s nimmer ! Ein Rüdiger Achenbach hat die Chuzpe, Bernhard von Clairvaux als „Verteidiger der Juden“ zu bezeichnen, weil er nach den beschämenden Geschehnissen die Übergriffe der Kreuzfahrer gegen Juden gegeißelt hatte. Aber er war es doch der die zunächst gänzlich kreuzzugsunwilligen Massen Frankreichs und dann Deutschlands betört und aufgehetzt hatte, alle Feinde der Christenheit anzugreifen. Er ließ weder europäische Heiden noch die orientalischen Juden-Heiden in Frieden leben. Alle sollten sich bekehren oder untergehen. Juden, wie die Heiden im fernen Orient und im Osten Europas, sollten vor dem Weltende christianisiert sein. Clairvaux war, genau besehen, so wenig ein Beschützer der Juden wie er einer war der irgendeine Form des Heidentums toleriert hätte. Tod oder lebendig wolle er letztlich die gesamte Menscheit dem Christianismus einverleiben. Ein derartiges Denken ist nichts weniger als ein Symptom des hochgradigen Irrsinns ! Bernhard von Clairvaux verfasste deshalb ein Rundschreiben an alle Gläubigen, in dem er auch deutlich machte, was mit den Heiden geschehen sollte, die sich der Christianisierung widersetzen: „Es ist bereits bekannt, wie Gott Könige und Fürsten dazu entflammt hat, Rache an den Heidenvölkern zu nehmen und von der Erde die Feinde des Christentums auszurotten. Die Heidenvölker müssen deshalb vollständig liquidiert oder unwiderruflich bekehrt werden. Es ist ein Ärgernis, dass die Heidensöhne - wie ich sagen möchte - mit eurer Erlaubnis von der Christenmacht schon zu lange toleriert wurden.“ Dass solche geisteskranken christlichen Hetzapostel bis zum heutigen Tage als „Kirchenlehrer“ ihre Gültigkeit behalten dürfen, ist nichts weniger als ein Skandal unserer Zeit !
 
Bernhard hat in seinem Leben an vielen Fronten außerhalb der Klostermauern gekämpft. Er war zweifellos eine imposante geistliche Autorität in seiner Zeit, aber er hat schließlich im Laufe der Jahre erkennen müssen, dass er fundamental zu irren fähig war und dass sein Stern zu sinken begann. Hans-Dietrich Kahl schreibt: „Gerade im Kardinalskollegium war man Bernhards müde geworden als eines ewigen Rechthabers und Schulmeisters, der die ihm als Abt zukommenden Grenzen nicht zu wahren vermochte.“ Am 20. August 1153 ist Bernhard von Clairvaux dann im Alter von 63 Jahren in seinem Kloster gestorben.

 
Abbildung aus Peter Dinzelbacher, „Bernhard von Clairvaux - Leben und Werk des berühmten Zisterziensers“, 2012
 
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Zweiter Kreuzzug - Bernhard von Clairvaux: „Tod oder Taufe“
https://www.youtube.com/watch?v=wE97Npr7ENk
 
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