FLIEGER, SPION UND BIGAMIST

Bildzeitungs-Titel
 
CHARLES LINDBERGH
 
Das ist so eine Sache mit den Helden,
was später Medien über Helden melden,
passt oftmals nicht zu ihren Orden,
mit denen sie berühmt geworden.
 
Oft finden sich auf weißen Hemden
paar dunkle Flecken die befremden,
auch da sie ihren Glanz nicht ganz verlieren,
es reichen Flecken doch, zu irritieren.
 
So steht es auch mit einem großen Flieger,
dem Super-Flieger der US-Sieger,
dem Charles Lindbergh, dem gelobten,
dem durchtrainierten, sicher ungedopten.
 
Zum Volksheld‘n ist der Charles gediehen,
höchste Ehren wurden ihm verliehen.
Doch dann verstieg er sich zu klagen,
Unsägliches verirrt‘ er sich, zu sagen.
 
Ein US-Star, der sich enorm bekleckste,
wer weiß, wer seinen Sinn verhexte ?
Er wagte selbst Kritik an Kriegstendenzen,
er überschritt dabei so manche Grenzen.
 
Weitere Grenzen hat er überschritten,
es ging dabei um Treue und um Sitten.
Er war Artist im Doppelleben-Führen,
wie viele Frauen trauten seinen Schwüren ?
 
Neben der Hauptfrau hatte er noch dreie,
Zweit-, Dritt-, Viert-Familien in langer Reihe.
Und hauptberuflich tät er spionieren,
deutsches Know-how erneut zu eruieren.
 
Die Frage, „war der Charles ein Schurke ?“,
ist gerad‘ so simpel wie ‘ne grüne Gurke.
Er nutzte skrupellos der Dollar-Scheine Mittel
und die Potenzen der Hoden und der Titel.
 
 
Charles Augustus Lindbergh, jr. (1902-1974) war ein schwedisch-stämmiger US-Pilot der vom 20. bis 21. Mai 1927 den Ohnehaltflug von New York nach Paris flog, was die „erste Alleinüberquerung des Atlantiks“ bezeichnet wurde. Die erste „Nonstop-Atlantiküberquerung“ von Amerika nach Europa mit einem Flugzeug war bereits im Juni 1919 John Alcock und Arthur Whitten Brown geglückt. 1922 brach Lindbergh nach knapp zwei Jahren wegen schlechter Leistungen ein Maschinenbaustudium ab und absolvierte eine Pilotenausbildung die eine Mechanikerausbildung mit einschloss. Einige Monate lang tat sich Lindbergh für Flugvorführungen mit einem anderen Piloten zusammen, wobei er jedoch nicht selbst flog, sondern nur Fallschirmsprünge unternahm. Danach kaufte er sich ein eigenes Flugzeug, eine „Curtiss JN-4“, mit der er die noch fehlende Erfahrung erwarb und bis 1924 als Kunstflieger durchs Land zog. In diesem Jahr trat er den US-amerikanischen Heeresfliegern bei, wo er eine gute Flugausbildung bekam. Nach anfänglichen Schwierigkeiten machte er im März 1925 seinen Abschluss als Jahrgangsbester. Da zu jener Zeit für Militärpiloten wenig Bedarf bestand, wurde Lindbergh Postflieger. Ab 1926 beschäftigte er sich mit der Idee des „Nonstopflugs“ von New York nach Paris. Im Mai 1919 hatte ein in Frankreich geborener US-Amerikaner, der es vom Busschaffner zum wohlhabenden Hotelbesitzer gebracht hatte - einen Preis über 25.000 US-Dollar für den ersten Nonstopflug zwischen den beiden Städten, egal in welcher Richtung, ausgesetzt. Einige Piloten waren bereits an dieser Aufgabe gescheitert. Lindbergh kontaktierte den Flugzeugbauer „Ryan Airlines“ in San Diego und fragte dort, ob man eine einmotorige Maschine für diese Strecke bauen könne. Ryan nahm die Herausforderung an, und bereits am 28. April 1927 war das Flugzeug fertig, die „Spirit of St. Louis“ („Geist des heiligen Ludwig“) getauft wurde. Am 20. Mai 1927 um 7:54 Uhr startete Lindbergh vom „Roosevelt Field“ in New York zu seinem Alleinflug, dessen Strecke 5.808,5 km betrug. Als engagierter Freimaurer trug er während des Flugs das Freimaurersymbol auf seiner Jacke als Glücksbringer, auch das Flugzeug trug das Freimaurersymbol seiner Loge. Aus Gewichtsgründen hatte Lindbergh zugunsten maximaler Treibstoffzuladung auf Funkgerät und Sextant verzichtet und musste sich deshalb mit Armbanduhr, Karten und Kompass begnügen. Größte Probleme bereiteten ihm ein Schneesturm bei Neufundland, das er nach New York und Neuschottland überflog, sowie die Überwindung der Müdigkeit auf seinem Weg über Südirland und Südengland auf den Kontinent. Es war dann für ihn relativ leicht, an der Küste von Irland und England entlang zu fliegen und über den Ärmelkanal Frankreich zu erreichen. Paris schließlich fand Lindbergh durch die weithin sichtbare Beleuchtung des Eiffelturms. Zu seinen Ehren fand eine Konfettiparade in New York statt. Charles Lindbergh war zum umschwärmten Nationalhelden der USA aufgestiegen.
 
Lindbergh heiratete im Jahr 1929 Anne Spencer Morrow, die Tochter eines Geschäftsmanns und einflussreichen Politikers. Sie begleitete als gute Kameradin ihren Mann auf seinen Flügen als Kopilotin und Funkerin. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden. Am 1. März 1932 geschah das Schreckliche, ein Kind wurde von einem Unbekannten entführt, der 50.000 Dollar Lösegeld verlangte. Das Kind ist tot aufgefunden worden. Aufgrund von Lindberghs Berühmtheit erregte der Fall großes Aufsehen in den US-Medien. Für die Tat wurde der deutschstämmige Bruno Richard Hauptmann verurteilt und hingerichtet. Hauptmann bestritt stets die Tat, und bis heute gibt es Zweifel an seiner Schuld. Zu kritisieren ist dabei Lindberghs Aussage, die Stimme Hauptmanns zweifelsfrei als die des Lösegeldempfängers erkannt zu haben, obwohl er bei der Lösegeldübergabe 70 Meter entfernt in einem Auto saß. Lindbergh sagte einmal: „Dieses Verbrechen haben zwei verübt: der Kidnapper und die Presse“.
 
Das Ehepaar Lindbergh zog nun mit seinen Kindern nach Großbritannien, wo es zunächst in einem kleinen Dorf der Grafschaft Kent lebte und später von dort nach Frankreich ging. Auf Ersuchen des US-Militärs und in seiner Funktion als Oberst des „U.S. Army Air Corps“ reiste Lindbergh in folgenden Jahren mehrmals nach Deutschland, um über die neu anlaufende deutsche Luftrüstung zu spionieren. Dabei traf er auch mit hochrangigen Behördenvertretern und Staatsmännern wie Hermann Göring zusammen, von dem er 1938 das Großkreuz des „Deutschen Adlerordens“ verliehen bekam. Nach der Gründung des „American First Commitee“ (AFC), einer Antikriegs-Bewegung, die die in den Krieg führende aggressiven US-Politik gegenüber Japan und Deutschland anprangerte und die geplante Teilnahme der USA am Weltkrieg II. möglichst zu verhindern versuchte. Lindbergh wurde der bekannteste Sprecher dieser Organisation. Er focht gegen die scheinheilige Neutralitätspolitik der US-Regierung seit 1940. Diese suchte in Wirklichkeit den Pakt mit England und den raschen Eintritt in den Krieg. In den Jahren 1940 und 1941 hielt Lindbergh viel beachtete Radioansprachen und Reden vor Versammlungen mit tausenden von Zuhörern, in denen er - wie zum Beispiel in einer am 4. August 1940 ausgestrahlten Radioansprache - dafür eintrat, dass die USA sich aus dem europäischen Krieg heraushalten und sich mit den neuen Machtverhältnissen in Europa abfinden möge [Übersetzung]: „Kein Einfluss von außen könnte die Probleme der europäischen Völker lösen oder ihnen gar einen dauernden Frieden bringen. Sie (= die europäischen Völker) müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, so wie wir unseres in die Hand nehmen müssen.“ Lindberghs Friedensengagement ist bedingungslos zu bewundern und zu loben. Ebenso erklärte er [Übersetzung]: „Ich glaube, dass es für uns von äußerster Wichtigkeit ist, mit Europa zusammenzuarbeiten. Nur durch Zusammenarbeit können wir die Überlegenheit unserer westlichen Zivilisation erhalten … Weder sie noch wir sind stark genug, alleine die Erde gegen den Widerstand der anderen zu regieren. In der Vergangenheit hatten wir mit einem Europa zu tun, das von England und Frankreich dominiert wurde. In Zukunft haben wir möglicherweise mit einem Europa zu tun, das von Deutschland dominiert wird.“ Darin war Lindbergh geradezu ein Prophet, denn ohne die zweimalige Zerschlagung Deutschlands durch die USA würde Europa in weitaus totalerer Weise von der deutschen Wirtschaftskraft dirigiert werden als es heute in der EU der Fall ist. 
 
Der politische und volkswirtschaftliche Laie Lindbergh war, wie sein Biograf Scott Berg schreibt, überzeugt davon, dass die USA von „blindem Idealismus“ geleitet, nicht erkennen könnten, dass die Vernichtung Hitlers Europa der Barbarei Stalins ausliefere und dadurch möglicherweise der westlichen Zivilisation eine tödliche Wunde geschlagen würde. Es war jedoch nach Aussagen von Spitzenpolitikern der USA weniger moralischer „Idealismus“ als eine „prophylaktische Maßnahme“ zur Verhinderung wirtschaftspolitischer Nachteile. Wäre moralischer Idealismus bestimmend gewesen, hätten die USA und England die sehr bekannten Massenmorde der Sowjetunion nicht tolerieren können und einen blutbesudelten Führer wie Stalin - der zudem die Weltrevolution im Sinne hatte - zum Verbündeten erkoren. Roosevelts Kriegspolitik zielte auf die Ausschaltung eines gefährlich wachsenden Wirtschaftskonkurrenten hin. Zudem muss es für Präsident Roosevelt als die eleganteste Lösung erschienen sein, sein Millionenheer von Arbeitslosen in Uniformen zu stecken und zum Raubzug nach Übersee zu schicken, denn sein großsprecherisch angekündigtes Arbeitsbeschaffungsprogramm „New Deal“ hatte Schiffbruch erlitten.
 
Nachdem Präsident Roosevelt am 25. April 1941 auf einer Pressekonferenz im „Weißen Haus“ angekündigt hatte, dass Lindbergh wegen seiner politischen Ansichten nicht wieder zum Aktivdienst in den Streitkräften einberufen werde, legte dieser am 28. April „mit tiefstem Bedauern“ seinen Rang als Oberst der Luftwaffe nieder. Am 11. September 1941 hielt Lindbergh auf einer AFC-Versammlung in Des Moines, Iowa, seine berüchtigte Rede „Who are the War Agitators ?“, in der er erklärte, die drei wichtigsten Gruppen, die die USA in den Krieg treiben wollten, seien „die Briten, die Juden und die Regierung Roosevelt“. Er sagte zwar, dass die Verfolgung der „jüdischen Rasse“ im Deutschen Reich von niemandem, „dem etwas an der Würde des Menschen liege“, gutgeheißen werden könne, richtete aber gleichzeitig eine deutliche Warnung an die Juden [Übersetzung]: „Doch keine Person mit Ehrlichkeit und Weitsicht kann auf ihre [der Juden] kriegstreiberische Politik blicken, ohne die Gefahren zu erkennen, die solch eine Politik für uns und für sie mit sich bringt. Anstatt für den Krieg zu agitieren, sollten die jüdischen Gruppen in diesem Land in jeder möglichen Weise dagegen auftreten, weil sie die ersten sein werden, die seine Folgen zu spüren bekommen. Toleranz ist ein Wert, der von Frieden und Macht abhängt. Die Geschichte zeigt, dass sie den Krieg und seine Verwüstungen nicht überlebt.“ Schließlich wies er seine Zuhörer auch auf die vermeintlich von den Juden ausgehende „Gefahr“ für die Vereinigten Staaten hin [Übersetzung]: „Ihre [der Juden] größte Gefahr für dieses Land liegt in ihrem großen Besitzanteil an und ihrem Einfluss auf unsere Filmindustrie, unsere Presse, unseren Rundfunk und unsere Regierung.“ Diese Rede war selbstverständlich so quasi sein Todesurteil als politischer Mensch in den USA. Die Zeitung „Des Moines Register“ schrieb, dass diese Rede „ihn [Lindbergh] für jeden Führungsanspruch in politischen Angelegenheiten in dieser Republik untauglich“ mache. (Belegstellen der Zitate in Wikipedia) Nach Beginn des Weltkrieges II. lösten sich solche Verbände die der Politik Roosevelts zuwider standen von selbst auf. Nach dem japanischen „Überfall auf Pearl Harbour“ änderte sich das, es sollten nur noch stramme Patrioten in den Roosevelt-USA geben. Dass die Roosevelt-Administration die Japaner durch ihr Öl-Embargo zu diesem Amoklauf selbst getrieben hatte, „verschwieg der Sänger Höflichkeit“.
 
Um sich zu rehabilitieren, ließ sich Lindbergh mit einigen Mühen an die Pazifikfront gegen die Japaner versetzen, flog etliche Bombereinsätze und es soll ihm auch gelungen sein, einen japanischen Flieger abzuschießen. Danach bzw. nach Kriegsende scheint man ihm höheren Orts seine antijudaistischen Reden verziehen zu haben, denn er war gut zu gebrauchen und zwar auf dem gleichen Sektor auf dem er schon vor dem Weltkrieg II. geglänzt hatte, nämlich der technischen Spionage. Finanzmittel standen ihm als Industriespion - der von nun an in der gesamten Welt herumkurvte - offensichtlich unbegrenzt zur Verfügung. Er nutzte es, um mehrere Geliebte und deren Familien gleichzeitig zu unterhalten. Lindbergh pflegte unter dem Pseudonym Careu Kent eine Beziehung zur Deutschen Brigitte Hesshaimer, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Eine weitere Beziehung unterhielt er zur Schwester der Brigitte, einer Marietta, woraus zwei Söhne hervorgingen. Zudem war er mit seiner Privatsekretärin Valeska verbunden, die einen Sohn und eine Tochter von Lindbergh hatte. Mit seiner amerikanischen Frau hatte er fünf lebende Kinder -; ein beachtlich potenter Mann also. Während Brigitte Hesshaimer mit ihren drei Lindbergh-Kindern an den Ammersee gezogen ist, hat sich ihre Schwester Marietta mit den beiden Lindbergh-Söhnen in der Schweiz niedergelassen, im Wallis. Bis ins Detail soll Lindbergh die familiäre Duplizität vorangetrieben haben: zwei Häuser für die Geliebten mit den jeweiligen Kindern, eines in Bayern, eines in der Schweiz.
 
Lindberghs Industriespionage-Tätigkeit machte sein Doppelleben erst möglich. Seiner Geliebten habe er gestanden, in streng vertraulichen „militärischen Missionen“ unterwegs zu sein. Der Autor Schröck fand heraus, dass Lindbergh drei Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs bereits im Geheimauftrag von US-Regierung und -Militär nach Deutschland unterwegs war. Dort erforschte er den Entwicklungsstand der deutschen Luftfahrt- und Raketenforschung und spürte deutsche Spitzentechniker auf. Das Vertrauen wichtiger Leute zu erlangen fiel ihm nicht schwer, war doch in Deutschland bekannt, dass er sich gegen die Kriegspolitik der Kreise um Roosevelt engagiert hatte. „Er konnte zu jeder Tages- und Nachtzeit jedes amerikanische Flugzeug besteigen und zu jedem Punkt der Erde fliegen - in der ersten Klasse und immer ohne Bezahlung“, schreibt der Autor. (Rudolf Schröck: „Das Doppelleben des Charles A. Lindbergh“, Heyne Verlag, München, 368 Seiten)
Pin It