WERNER BORG

 
WERNER BORG
 
Zahllos, ungezählt die Opfer,
die aus ihren Gräbern schreien,
denen rote Menschen-Metzger
heut‘ noch auf die Särge speien.
 
Sie wollten alle Welt erobern,
Bolschewiken und Genossen,
ohne Beispiel war ihr Morden,
niemals ist mehr Blut geflossen.
 
Waffenfeste Männertreue,
widerstand den Russen-Horden;
ohne Kampf- und Opfergänge,
wär‘ Europa „rot“ geworden.
 
Millionen hat man hingemetzelt,
Millionen durch Betrug gewonnen,
Kollaborateure schmausten,
Stupide sind stets mitgeschwommen.
 
Der SED-Staat war ein Schinder,
ein Organ der Russen-Schlächter,
doch trotz allem Stasi-Terror,
gab es mutige Freiheits-Fechter.
 
Werner Borg gedieh zum Streiter
für die deutschen Menschenrechte,
seine Freunde wurden Opfer
moskowiter Mörder-Knechte.

 

 

Getreu der marxistisch-kommunistischen Doktrin von der „Weltrevolution“, dem „Letzten Gefecht“ und der Aufforderung „Proletarier aller Länder vereinigt Euch [unter Moskaus Diktat]“, dem die bolschewistische Führung der Sowjetunion anhing, wurden unter unsagbaren Opfern der Bevölkerung eine Schwerindustrie aus dem Boden gestampft und eine Angriffsarmee von nie gesehenem Ausmaß geschaffen. Im Jahre 1940 sollte zunächst mit der Eroberung Europas der Große Plan umgesetzt werden. Schon Lenin wie auch Stalin folgten der ausgesprochenen Vorstellung:Wer Deutschland hat, hat Europa und wer Europa hat, hat die Welt“. Der Hitlersche Nationalsozialismus durchkreuzte die russischen Unterwerfungspläne zunächst, dann im Krieg beabsichtigte Stalin über Europa erst dann herzufallen, wenn sich die Europäer untereinander verausgabt hätten. Um willfährige Instrumente in der Hand zu haben, veranlasste Stalin die „Große Säuberung“. Von 1936 bis 1938 wurden jeden Tag in Partei, Verwaltung und Armee etwa 1.000 vermeintlich unsichere Kandidaten ermordet. Die genaue Gesamtzahl der Opfer ist nicht bekannt, doch nach Schätzungen von Historikern handelt es sich bis zu mehr als 20 Millionen Menschen. Auch viele nichtrussische Kommunisten, die im guten Glauben vor den Nazis in die Sowjetunion emigriert waren, wurden umgebracht. Der Hauptverantwortliche - nach dem großen Führer Stalin selbst - für diesen Terror war Nikolai Jeschow als Chef der Geheimpolizei NKWD. Jeschow galt als „idealer Exekutor“ und bei einer Körpergröße von knapp 1,50 als ein „blutrünstiger Zwerg“. Wenn überhaupt Geständnisse vonnöten schienen, wurden sie mittels grausamster Folter erpresst. Auch Jeschow, ein bisexueller Trinker mit exzentrischen sexuellen Neigungen - ließ es sich nicht nehmen, Angeklagte persönlich zu verhören. Die sowjetische Presse lobte die „Jeschowschen stachelbewehrten Fausthandschuhe“. NKWD-Angehörigen hatten die Legitimation ihrer sadistischen Mordlust völlig freien Lauf zu lassen, ohne mit einer Ahndung durch ihre Vorgesetzten rechnen zu müssen. Sein Nachfolger wurde im Jahre 1938 Lawrenti Beria, der für die unüberbietbaren Massenverbrechen bis zum Jahre 1945 verantwortlich zeichnete. So unterstand ihm auch das „Laboratorium Nr. 12“ in dem von Professor Grigori Mairanowski - dem „Experten für Hinrichtungen“ - Menschenversuche zur Entwicklung von nicht nachweisbaren Giften unternommen wurden. In seinem Todeslabor wurden durch KGB-Angehörige Tausende von Menschen unterschiedlicher Nationalität umgebracht, auch sind dort „Experimente“ an deutschen Kriegsgefangenen unbekannter Zahl vollzogen worden.
 
So war das System beschaffen das einen Angriffskrieg plante, mit dem Zweck der Bolschewisierung Deutschlands und Europas, wie es die Erklärung Stalins vor dem Politbüro vom 19.08.1939 (Moskauer Sonderarchiv, Dok. Nr. F.7/op.1/d.1223) dokumentierte. Der Historiker Bogdan Musiał schrieb von der „größten Invasionsarmee aller Zeiten, welche entlang der russisch-deutschen Grenze aufgebaut worden war. („Kampfplatz Deutschland - Stalins Kriegspläne gegen den Westen“, 2008) 20 Jahre lang hatten die Russen ihre „Rote Armee“ vervollkommnet, während Deutschland nur 5 Jahre für den uneingeschränkten Aufbau der Wehrmacht verblieben. Im Vergleich zur „Roten Armee“, mit ihren ca. 30.000 Panzern, war die deutsche Wehrmacht ein Zwerg. Der deutsche Gegenzug kam der roten Dampfwalze nur um 10 Tage zuvor. Nach der Niederwerfung Deutschlands wurden auch Ost- und Mitteleuropa Einflussgebiete der sowjetischen Gewaltmaßnahmen. Die genaue Anzahl der russischen Besatzungsmorde ist nie registriert worden. Mit Hilfe der Kollaborateur-Partei SED besaß die Sowjetunion eine gehorsame und willige Truppe ihre Kriegsziele durchzusetzen. Dabei ging man in traditioneller menschenverachtender Rücksichtslosigkeit vor. Die neuen Machthaber in der sowjetisch besetzten Zone wollten alles andere nur keine demokratischen Zustände in ihrem Unterjochungsgebiet herstellen. Sie begannen eine „rote“ Diktatur zu errichten und füllten ihre Konzentrationslager mit „unliebsamen Elementen“ -; der GULag bekam viele deutsche Zweigstellen.
 
Die verzweifelten und mutigen Kämpfer des deutschen Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 gegen die SED-Diktatur zeigten vor der Geschichte, dass der gesunde Widerstandswille des geknebelten Volkes nicht erloschen war. Nur die sowjetischen Panzer konnten die Führungsriege um den Russenknecht Walter Ulbricht retten. Der Aufstand hatte eine Vorgeschichte, die heute weitgehend vergessen ist, nämlich die Widerstandsaktivitäten von jungen Männern, Mädchen und Erwachsenen. Darunter war der 13-jährige Werner Borg, der in Werder, einer Kleinstadt rund 50 Kilometer südwestlich von Berlin lebte. Er sagte später: „Ich wollte Freiheit, Mitsprache, Demokratie“. Und er stellte fest, dass auch viele seiner Freunde so dachten. Es handelte sich bei den Jungen noch nicht um einen politisch durchdachten Willen zum Widerstand, aber ein Gefühl war da: Was die SED heute macht, ist kaum etwas anderes, als die Hitler-Leute zuvor gemacht hatten. „Wir sollten Parolen aufsagen, marschieren, lügen und das Hemd der Hitlerjugend gegen das der FDJ eintauschen. Wir wollten was tun dagegen.“ Über das, was in den folgenden Jahren geschah, hat Werner Borks Tochter Iris Bork-Goldfield ein Buch geschrieben und einen Dokumentarfilm gedreht: „Wir wollten etwas tun. Widerstand von Jugendlichen in Werder an der Havel 1949-1953“.
 
Werner begann zu handeln, im Kleinen aber öffentlich. Sein Widerstand führt dazu, dass seine Schulnoten herabgesetzt wurden, was ihm verbot, sein Abitur zu machen. Er schloss sich einer freiheitlich gesinnten Theatergruppe an, die sich im Haus eines Freundes traf. Zur gleichen Zeit nahm Werner in West-Berlin an einem Vorbereitungsseminar teil, denn er wollte Politische Wissenschaften studieren, das ging auch ohne Abitur. Er wohnte aber weiterhin in Werder. Bald erwarteten ihn Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, als er nach Hause kam. Sie verhafteten und verhörten ihn vier Tage lang. Werner floh nach West-Berlin, wo er sich gemeinsam mit seinem Freund Herbert Hermann, ebenfalls Mitglied der Theatergruppe, ein Zimmer teilte. Doch die jungen Männer waren nun erst recht angestachelt. Sie begannen, Flugblätter zu drucken und diese nachts in Briefkästen ihrer Heimatstadt Werder und in der Umgebung einzuwerfen oder sie anonym an verschiedene Adressen zu schicken. Als 84jähriger Zeitzeuge gab er an: „Ich wusste, dass das gefährlich war. Aber das war mir egal. Mich hat es verrückt gemacht, dass nicht viel mehr Menschen in der sowjetischen Zone und dann in der neugegründeten DDR so etwas gemacht haben“. Jeder, so glaubt er, hätte etwas tun können. „Wer sich einfach nur dem System verweigerte, wurde nicht gleich erschossen. Das hätten alle machen können. Haben sie aber nicht“. In West-Berlin kamen Werner und Herbert in Kontakt mit der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU). Dabei handelte es sich um eine Organisation, die mit Propaganda, Sabotageakten und Spionage gegen die SED beschäftigt war Sie wurde vom US-Geheimdienst finanziert, am Anfang auch von anderen Organisationen wie dem Roten Kreuz. „Von der KgU bekamen wir Material, das wir in der DDR verteilen konnten“, so Werner Bork. Manchmal schossen sie das Material auch mit Flugblatt-Raketen auf Militärgelände der Roten Armee. Im November 1950 sah Werner abends Licht brennen, als er zum elterlichen Haus in Werder kam. Sofort war ihm klar, dass die Stasi, die inzwischen die Aufgaben des russischen NKWD übernommen hatte, gekommen war, um ihn zu verhaften. Er kehrte um und floh nach West-Berlin. Nicht alle seiner Mitstreiter waren so umsichtig. Im Sommer 1950 wurden die ersten von ihnen verhaftet. Einige blieben Monate lang in Haft. Im Sommer 1951 kam es schließlich zu Massenverhaftungen. 30 junge Menschen aus dem Kreis der Theatergruppe wurden festgenommen. Einige ließ die Stasi nach einiger Zeit wieder frei, nachdem sie unter entwürdigenden Umständen inhaftiert und verhört oder gefoltert worden waren. Sie flohen anschließend in den Westen. Acht der Inhaftierten blieben spurlos verschwunden. Weder ihre Eltern und Verwandten, noch ihre Freunde wussten, was mit ihnen geschehen war. Das änderte sich erst nach dem Fall der Mauer im November 1989. Jetzt klärte sich ihr Schicksal: Sie waren 1951/52 nach Moskau gebracht worden, dort vor ein sowjetisches Militärtribunal gestellt, zum Tode verurteilt und zwischen April und August 1952 erschossen worden. Die jungen Leute waren alle zwischen 22 und 24 Jahre alt.
 
Die Gerichtsverfahren waren eine Farce und hatten mit rechtstaatlichen Grundsätzen nichts zu tun. Die Todesurteile standen - wie üblich im kommunistischen Terrorsystem - vor Beginn der Verhandlungen fest. Ein Teil der Frauen und Männer hatte überhaupt nichts getan. Sie waren nur Bekannte von Werner und Mitglieder der Theatergruppe -, andere hatten Flugblätter gegen die SED verteilt. Im Frühjahr 1953, wenige Wochen vor dem Arbeiteraufstand in der Sowjet-Zone, versuchte man ihn aus West-Berlin in den Osten zu entführen. Das Vorhaben misslang und Werner Borg flüchtete nach Hannover. „Wir konnten gar nichts machen“, sagte er später, aber seinen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte hat er nie bereut. Werner Borg war alles andere als ein Vorbilddeutscher, er war ein irrtumsfähiges Kind seiner verworrenen Zeit, die einen Selbstverständnis- und Werteverlust wie nie zuvor mit sich brachte, aber er behielt einen frischen, tatkräftigen Geist, ohne den keine Menschenfreiheit und Menschenwürde möglich ist.
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