ORIGENES

Quelle: Roman de la Rose, France 15th century,
Bodleian Library, MS. Douce 195, fol. 122v.

 

ORIGENES

Peinlich - lächerlich - verschroben,
wie man sich mit Fleiß erblödet,
die „Kirchen-Heiligen“ zu loben,
die schon bei Lebzeit angeödet.
 
Es füllen heut‘ noch Kirchendiener,
die dicksten Enzyklopädien,
mit den Thesen der Schlawiner,
die da einstmals sind gediehen.
 
Was vor fast zweitausend Jahren
solch ein Kirchen-Fuzzi meinte -,
müssen wir noch heut‘ erfahren,
was der sich zusammenreimte ?
 
Ein ganz besonders feder-froher,
streitlustiger Tinten-Ritter
war Origenes -, ein gar roher,
arg verwirrter Penis-Schnitter.
 
Um sich voll zu konzentrieren
auf die Christengottes-Suche,
tät er selber sich kastrieren -;
wurd‘ nicht milder als Eunuche.
 
Bis zu seinem Lebens-Ende
blieb Origenes stets am Keifen.
Ist es Wahrheit, ist’s Legende ?
Sicher ist fast nichts zu greifen !
 
 
Origenes oder Horigenes (185-254) war ein ägyptischer sog. christlicher Gelehrter, Theologe und Kirchenschriftsteller. Die Werke des Origenes sind zu einem großen Teil nicht im Wortlaut überliefert, jedoch gibt es von einigen Werken eine Übersetzung von Rufinus ins Lateinische, dem jedoch von einigen Zeitgenossen eine ungenaue Übersetzung vorgeworfen wurde. Über ihn wird der stereotype gutmenschliche Schmus der „Heiligen“ erzählt. Im Jahre 203 soll er in Alexandria Unterricht in elementarer Grammatik an der vom Bischof von Alexandria unterstützten Katechetenschule. Schon der junge Lehrer soll während einer Christenverfolgung unablässig die Gefangenen versorgt, ihnen auch vor Gericht beigestanden und die Verurteilten schließlich getröstet haben. Wie hemmungslos die Kirchenschreiber derlei Geschichtchen sich freiweg aus den Fingern saugten, ist hinlänglich bekannt und zum Teil nachgewiesen. Tagsüber soll der „fromme“ Mann unterrichtet haben, den größeren Teil der Nacht widmete er sich dann dem „Bibelstudium“ und lebte zudem noch in strenger Askese. Zu seiner Zeit gab es noch keine Bibel in heutigen Sinne, es waren nur eine Masse von widersprüchlichen Texten vorhanden, die bis heute zum Gutteil von der Kirche verboten sind und als Fälschungen oder Abweichungen von der legitimierten Hauptlinie bezeichnet werden. Des Origenes irrsinniger Fanatismus ging so weit, dass er selbst Hand an sich gelegt haben soll, um sein Gemächte abzuschneiden, wozu ihn die Evangelienstelle des Matthäus 19,12 (Mt 19,12) veranlasst haben soll. Er hat sich demnach entmannt, wie es die durchgeknallten Priester der Kybele - die Galloi - der von ihm verachteten heidnischen Magna-Mater-Region ebenso getan haben. Man erkennt auch daran, dass Unvernunft und Überdrehtheit in allen Religionen vorkommen kann. Seine Streitlust scheint den Origenes auch nach der Selbstbeschneidung nicht verlassen zu haben. Auch ohne erregende Testosteronschübe, aus den nicht mehr vorhandenen Hoden, stritt er sich unablässig mit vermeintlichen Gegnern, wie dem Clemens von Alexandrien, dem Demetrius und Häretikern, herum. Seine Besserwisserei und seine angemaßte Lehrbefugnis führten schließlich dazu, dass auf einer Synode des Metropoliten dem Origenes die unerwünschten Belehrungen verboten wurden. Andere Gruppierungen, in dieser wirren Zeit, zogen ihn trotzdem wieder als Unterrichter heran, besonders gern bestellte man ihn als Streitgesprächsführer gegen Abweichler von der Mehrheitskirche. Doch ihm selbst wurde auch von anderer Seite Abweichlertum vorgeworfen. Die gegenseitig hetzenden und sich auch handgreiflich verfolgenden christlichen Fanatiker brachten einen inneren Unfrieden mit sich, der dem röm. Staat immer bedenklicher wurde. Im Jahre 250 griffen die Behörden wieder einmal durch und zogen die Streithähne vor Gericht. Nach Eusebius wurde auch Origenes verhört, er soll auch peinlichen Befragungen unterzogen worden sein, wie es die Christen, nach ihrer Machtergreifung, Unzähligen selbst antaten. Angeblich sei der Eunuche Origenes gepfählt und tagelang an Händen und Füßen gefesselt worden. Da wir uns auf die Korrektheit der frühchristlichen Berichte nicht verlassen können, könnten auch wesentliche Teile des Origenes-Berichtes erfunden worden sein. 
 

(vgl.: Markschies, Christoph, „Origenes und sein Erbe - Gesammelte Studien“, 2007)

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