WEISSES FLEISCH FÜR AFRIKA

Räuberstaaten
 
 
 
 
WEISSES FLEISCH FÜR AFRIKA
 
Als blut‘ger Tropfen aus blutiger Haut
stürzt die Sonne des Maghreb ins Meer,
Piraten-Schebecken, mit Beute gefüllt,
peitscht nach Algier der Vendaval her.
 
Die schwarzen Segel knattern im Sturm,
der Schirokko bestürmt sie von Luf;
er führt von der Küste, zerrissen heran,
zum Gebet eines Muezzins Ruf.
 
Gebete und Tränen verwehen im Nichts,
gerad‘ wie Sklaven in Afrikas Glut -;
die sind nur lebendiges Lösegeld,
und ein leicht verderbliches Gut.
 
Sie siechen dahin unter Hieben der Hatz,
die Körper geschunden und wund,
ihre Ehre zudem verspottet durch
die Schmähung als „ungläub‘ger Hund“.
                                           
Der Bey und der Pascha von Tripolis
bieten Gnaden und lohnenden Preis,
für Harems-Weiber besonderer Art,
mit Leibern von schimmerndem Weiß.
 
Die Räuber-Flotte kehrt heim ins Nest,
gefüllt sind die Planken vom Raub,
an Kanonen gefesselt der Weiber Pulk,
für ihr Jammern sind Kaperer taub.
 
Der Maghreb ist ein Korsaren-Reich,
Allahs Weihen sind ihm gewiss,
schon Mahomed lobte die Räuberei
und Schwertes und Feuers Biss.
 
Die Küsten Europas sind in Gefahr,
frech greift die arabische Gier
nach fernen Stränden bis Island hin,
treibt Sklavenjagten selbst hier.
 
Dann bieten Basare die Weiber feil,
für den schwarzäugig gaffenden Tross:
Weißhäutiger Nachschub für Afrika,
neben Eseln, Kamelen und Ross.
 
 
 
 
Des Maghrebs Barbareskenstaaten
 
Seit dem 17. Jahrhundert bildete der nordafrikanische Maghreb mit Algier, Tunis und Tripolis ein Korsaren-Imperium, also ein Räuberrevier das zwar dem Osmanischen Reich unterstand, aber hauptsächlich von Piraterie und Tributerpressungen lebte, ebenso wie das Königreich Marokko. Man nannte diese Räuberstaaten Barbaresken-Länder. Diese führten einen permanenten religiös verbrämten Krieg gegen die christlichen Mittelmeermächte, insbesondere gegen deren Schifffahrt und deren Küsten. Haupteinnahmequelle der Barbareskenstaaten war die Kaperei und damit einhergehend Menschenraub, Frauenschacher, Sklavenhandel und Lösegelderpressung, weshalb diese Staaten zurecht als Piraten- oder Seeräuberstaaten bezeichnet wurden. Modernen Schätzungen zufolge wurden in den Barbareskenstaaten zwischen 1530 und 1780 etwa 1,25 Millionen Menschen versklavt, die meisten davon durch Raubzüge an den Küsten Italiens, Spaniens und Portugals. Der türkische Sultan wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts zum Oberherrn von Nordafrika (mit Ausnahme Marokkos). Algier, Tunis und Tripolis waren formal osmanische Provinzen, sie wurden erst Anfang des 18. Jahrhunderts wieder unabhängig von der Türkei. Ursprünglich hatte der Sultan in Istanbul die statthaltenden Paschas in Algerien und Tunesien bestimmt, doch schon bald setzten die Militärbehörden der Janitscharen vor Ort und die Piraten die Deys (Regierungschefs) als Herren auf Lebenszeit ein. Die Janitscharen-Korsaren verstanden es mit ihren Schiffen und Waffen die Bevölkerung dieser Länder unter Kontrolle zu halten. Mischlingssöhne aus türkisch-berberischen Ehen, sogenannte Quloglis oder Kulogullari, nahmen die Mittlerstellung in den Strukturen von Verwaltung, Handwerk und Landwirtschaft ein. Für die Raubfahrten wurden hauptsächlich schlanke und schnelle Schebecken gebaut, sie hatten einen Rumpf mit scharfem und über Wasser weit vorspringendem Bug und Heck. Die Takelage bestand aus zwei oder drei geneigten Masten, an denen man dreieckige Segel führte. Eine Schebecke konnte aber auch gerudert werden. Manche Schebecken waren als Kriegsschiffe mit 20 bis 40 Zwölfpfünder-Kanonen bewaffnet. Kaum eine europäische Küstenregion war vor den Maghreb-Piraten sicher. Selbst Küstenorte von Irland und Island waren betroffen. Der Anführer bei einigen Island-Unternehmen war Murad Reis, der selbst in Piratengefangenschaft geratene, zum Islam übergetretene und zum Admiral beförderte holländische Seefahrer Jan Janszoon van Haarlem. Mit drei Schiffen wagte er 1627 die Raubfahrt. Verschiedene Ort der isländischen Küste wurden überfallen und 400 Gefangene fortgeführt. Davon berichtet der französische Priester Pierre Dan, der 1635 zum Freikauf christlicher Gefangener nach Nordafrika reiste. Auch bei weiteren Kaperfahrten nach Island wurden mehrere hundert Gefangene an Land und von dänischen Schiffen gemacht und nach Nordafrika bzw. Algier entführt.
 
Während der Kriege in die der französische Aggressor Napoleon Europa verwickelt hatte, versuchten sich Frankreich wie auch Großbritannien der Piratenschiffe aus dem Maghreb zu erwehren durch eine unzureichende Palette aus Geheimdiplomatie, besänftigenden Geldzahlungen und militärischen Abwehrmaßnahmen. Handelsschiffe aus den britischen Kolonien in Nordamerika, welche das Mittelmeer befuhren, standen bis zum Amerikanischen Befreiungskrieg gegen England natürlich unter dem Schutz der „Royal Navy“. Während des Krieges wurde dieser Schutz zuweilen von Frankreich gewährleistet, das die US-Kolonien gegen England unterstützte. Im Juli 1785 nahm der Dey von Algier zwei US-amerikanische Handelsschiffe und deren Mannschaften als Geiseln und verlangte für deren Freilassung 60.000 US-Dollar. Die amerikanische Politik lehnte die Erpressungen zwar ab, trotzdem wurden in den folgenden 15 Jahren bis zu einer Million Dollar pro Jahr für die Sicherheit US-amerikanischer Schiffe bzw. für Geiselbefreiungen, Lösegeld- und Tributzahlungen an die Piraten-Staaten bezahlt, so dass im Jahr 1800 die Schutzgelderpressung ca. 20 Prozent der jährlichen Staatseinkünfte der USA ausmachte. Als schließlich die US-amerikanische Marine im Jahr 1794 in Dienst gestellt wurde, beschlossen die USA, die Zahlungen einzustellen. Als Thomas Jefferson 1801 Präsident der Vereinigten Staaten wurde, verlangte der Pascha von Tripolis 225.000 Dollar als Tribut von der neuen Regierung. Jefferson verweigerte jedoch, entsprechend seiner bisherigen Haltung, die Zahlung. Daher erklärte der Pascha im Mai 1801 den USA den Krieg, indem er den Fahnenmast vor dem US-amerikanischen Konsulat fällen ließ. Marokko, Algier und Tunis schlossen sich diesem Schritt an. 1807 setzte Algier wieder US-amerikanische Schiffe fest. Erst ab 1815 erreichten die USA im sog. „Zweiten Barbareskenkrieg“ einen dauerhaften Erfolg.
 
Die von den Barbareskenstaaten ausgehende Piraterie endete erst, nachdem 1827 Frankreich begann, den Hafen von Algier zu blockieren, 1830 Frankreich Algerien eroberte, 1835 das Osmanische Reich Tunis und Tripolis wieder stärker direkter Verwaltung unterstellte und 1844 Frankreich auch Marokko zur Einstellung der Piratenaktivitäten zwang.
 
 
Bilder: Zweimal „Sklavenmarkt“ und „Sklavenhändler“ von Otto Pilny (1866-1936) - Otto Pilny war ein deutscher Maler der sich mit Bildern aus dem Orient einen Namen machte. Er kannte den Orient durch verschiedene Reisen aus eigener Anschauung und war Hofmaler des Vize-Königs von Ägypten.
 

   

 

https://www.youtube.com/watch?v=XuXBUt_WG7E
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