RUSSLANDs MEISTER-TÖTER

W.M. Blochin, der Mann für die „schwarze Arbeit“,
wie es Stalin ausdrückte.
 
 
RUSSLANDs MEISTER-TÖTER
 
Russland, Russland ist gewaltig,
gewalttätig ist es auch !
Ungestalt und ungebärdig,
bläht sich dort ein Riesen-Gauch.
 
Närrisch, unreif, enthusiastisch,
pendelt Russlands Seelenstrick,
produziert die Gegensätze
vom Büßer bis zum Bolschewik,
 
Vom Heiligen zum Massenmörder
taumelt Russlands Pendelschlag,
in extremer Überspitzung,
wie es sonst kein Volk vermag.
 
Ist es das Mongolen-Erbe,
das in Russlands Blutstrom gärt,
das zu den Gewalt-Exzessen
asiatisch-wilde Triebe nährt ?
 
Unbeschreiblich war das Grauen,
das der Kommunismus schuf,
aus des „Gulags“ Todesmühlen
drang kein Schrei, kein Jammerruf.
 
Leo Trotzki wollt‘ ihn züchten,
seinen Übermenschen-Typ,
die „Parasiten“ sollten sterben,
im ungeheuren Rüttel-Sieb.
 
Zahllos waren Massen-Schlächter,
zahllos rote Sprüche-Klopfer,
zahllos im Westen ihre Helfer
und zahllos die Millionen-Opfer.
 
Einer war der Meister-Mörder,
Wassili Michailowitsch Blochin,
zwei-dreihundert in der Nacht
machte er per Kopf-Schuss hin.
 
Hochgeehrt schied er von hinnen,
hochgeehrt blieb er bis heut’,
und sein Ehrengrab in Moskau
wird noch liebevoll betreut.
 
 

Das Grab der Eheleute W.M. Blochin

 
Wassili Michailowitsch Blochin (1895-1955) war ein sowjetischer NKWD-Offizier, der als Stalins Vertrauter die geplanten „Säuberungen“ zu einem Teil selbst vollzog und zu einem der grausamsten Vollstrecker bolschewistischer Massenmorde wurde. Er starb hochgeehrt. Der aus bäuerlicher Familie stammende Blochin war einfacher Hirtenjunge aus dem Dörfchen Gawrilowskoje. Er schloss sich nach der sog. „Oktoberrevolution“ ab 1918 der „Roten Armee“ an, die zunächst im russischen Bürgerkrieg gegen die zaristische „Weiße Armee“ kämpfte, wobei es bereits zu unsäglichen Misshandlungen und Folterungen des Gegners, sowie unschuldiger Landbewohner kam, welche das Pech hatten, in irgendeiner Art und Weise „dem Feind Vorschub geleistet“ zu haben. Der Schöpfer der „Roten Armee“ war Volkskommissar Leo Trotzki (bürgerlicher Name: Lew Dawidowitsch Bronstein - 1879-1940). Er hat sowohl das Instrument des „weltrevolutionären“ Terrors aufgebaut und geführt, wie auch den Vernichtungsapparat „Gulag“, ein Arbeits- und Todeslager-System, durch welches einerseits sog. „Parasiten und volksschädliche Elemente“ eliminiert werden sollten, wie auch gleichzeitig die für die geplante „Weltrevolution“ benötigte Schwerindustrie aus dem Boden gestampft wurde. Dieses größenwahninnige, jegliche Menschlichkeit beiseite schiebende Programm kostete mehreren Dutzend Millionen ukrainischer und russischer Menschen das Leben. Für Lenin und Trotzki, den Theoretikern und Praktikern der nie endenden Revolution, war diese schauerliche Vision eine Aufgabe von globalem Ausmaß. Trotzki hoffte durch systematische Beseitigung von „volksschädlichen Elementen“ und durch Schaffung eines sozialistischen Bewusstseins der Übriggebliebenen ernstlich, eines Tages würde sich der durchschnittliche bürgerliche Mensch „zum Niveau eines Aristoteles, Goethe oder Marx“ erheben können. Das Prokrustesbett dazu sollten diverse Terrorapparate sein, wie „NKWD“ (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten), die „Tscheka“, welche die Bolschewiki selbst „den bewaffneten Arm der Diktatur des Proletariats“ nannten, die „GPU“ (Bezeichnung der sowjetischen Geheimpolizei) und das „KGB“ (Komitee für Staatssicherheit. Während des russischen Bürgerkriegs entwickelte die „Tscheka“ Foltermethoden, deren unbeschreibliche Grausamkeit als bezeugte Tatsachen feststehen, ab 1921 „GPU“, später unter anderem „NKWD“, „MWD“, dann „KGB“ und heute „FSB“ genannt. Die Zahl ihrer Opfer ist nicht seriös zu beziffern; im Bürgerkrieg starben 1917 bis 1923 insgesamt mindestens acht Millionen Russen und Angehörige anderer Völker in den umkämpften Gebieten. Wie viele davon direkt auf das Konto der „Tscheka“ gingen, die bei ihrer ersten Umbenennung und Neuorganisation 280.000 Mann stark gewesen sein soll, lässt sich kaum erahnen. Außer Leo Trotzki waren für den ideologischen Wahn von der „permanenten Revolution des Proletariats“ zahllose weitere erbarmungslose Menschenschinder am Werk.
 
Zwischen 1930 und 1953 wurden, nach den Unterlagen des NKWD, 18 Millionen Menschen in diesen Gulag-Lagern inhaftiert. Die höchste Zahl der gleichzeitig Inhaftierten wurde mit 2,5 Millionen im Jahr 1951 erreicht. Anfangs - unter Lenin - waren die Insassen überwiegend „Bourgeois“, Industrielle, Offiziere und Priester gewesen. Unter Stalin änderte sich das. Jeder beliebige Sowjetbürger konnte unter irgendeiner Beschuldigung inhaftiert werden, damit die jeweils für ein Gebiet festgelegte Zahl von abzuliefernden Häftlingen erreicht wurde. Die meisten Insassen waren nicht politisch aktiv gewesen; es waren Bauern und Arbeiter, auf die der berüchtigte Paragraph 58 („antisowjetische Agitation“) angewandt wurde. Während des Krieges kamen Angehörige von Nationalitäten (vor allem Ukrainer, Polen, Balten und Deutsche) hinzu, die man des Antisowjetismus verdächtigte. Nach Kriegsende wurden zurückgekehrte Kriegsgefangene in die Lager eingeliefert, denen allein aufgrund des Umstands, dass sie sich den Deutschen ergeben oder geholfen hatten (Hiwis / Kosaken), „Spionage“ vorgeworfen wurde. Die Zahl der Todesopfer ist nicht mehr genau zu ermitteln. Während des „großen Terrors“ 1937/38 wurden ungefähr 800.000 Menschen hingerichtet; ein Teil davon (ungefähr 350. 000) im Gulag. Die Massenmorde erfolgten so, dass die „Delinquenten“ in größeren Gruppen in einen Wald geführt und dort mit Maschinengewehren erschossen wurden. Die meisten Opfer kamen aber durch Krankheiten, Verhungern, Erschöpfung und aufgrund von Misshandlungen ums Leben. In den Lagern lag die Todesrate aus diesen Ursachen bei bis zu 60 %. Viele Insassen starben an Skorbut und Tuberkulose. Da der Nachschub mühelos zu organisieren war, hatten die Lagerkommandanten kein Interesse daran, ihre Häftlinge am Leben zu erhalten.
 
Die Ströme von Blut entfesselten schon Lenin und Trotzki selbst, wenn auch Stalin erst zum perfekten Vollstrecker und Massenmörder werden sollte. Einer seiner in Akkordtätigkeit arbeitenden Henker war Wassili M. Blochin, welcher die meisten Vollstreckungen eigenhändig ausgeführt hat. Bereits 1921 kam er zur „Tscheka“. Von 1924 bis zu Stalins Tod im März 1953 war er mit sog. „Hinrichtungen“ von unliebsamen Menschen betraut, die man als „Staatsfeinde“ deklarierte. Wie eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ ergab, war Blochin persönlich mit der Erschießung von Spitzenfunktionären und Intellektuellen befasst, die Stalin verschwinden lassen wollte. Anfang der 1930er Jahre befehligte er ein Killerkommando, dem ein fester Stamm von einem halben Dutzend Geheimpolizisten angehörte. Während des „Großen Terrors“ der Jahre 1936-1938 wurden fast alle Mitglieder des Spezialkommandos selbst zum Tode verurteilt, Blochin persönlich erschoss eiskalt seine früheren Kameraden. 1937 befehligte er die Exekution der zum Tode verurteilten Mitglieder der obersten Militärführung, darunter Michail Tuchatschewski und Iona Jakir. Auch eigenhändig erschoss er seine beiden früheren NKWD-Chefs Genrich Jagoda und Nikolai Jeschow, sowie zahlreiche bekannte Intellektuelle und Künstler. Stalin hielt bis zuletzt seine schützende Hand über seinen nützlichen Meister-Mörder. Blochin, trug bei seinen Exekutionen immer lederne Metzgerschürzen, um seine Uniform zu schonen. Er hat im Frühjahr 1940 mit einer deutschen „Walther-Pistole“ - weil sie auch bei stundenlangen Erschießungen nicht heiß lief - im Keller des „NKWD“-Sitzes von Kalinin mehrere Tausend kriegsgefangene polnische Offiziere und Intellektuelle persönlich erschossen, die zuvor im Lager Ostaschkow interniert waren. Er kam auf eine Quote von 200 bis 350 Opfern pro Nacht. 1945 stieg er durch die Beförderung zum Generalmajor in die Führung der Geheimpolizei auf. Der Rekordhenker im Generalsrang hat nach Berichten noch am Tag nach Stalins Tod seine letzten Exekutionen eigenhändigen vorgenommen. Der Chef der Staatssicherheit Berija, höchstpersönlich, versetzte Blochin, unter Anerkennung seiner „hervorragenden Dienstauffassung“, in den Ruhestand.
 
Selbst der Reformer Gorbatschow hatte bis zuletzt versucht, zu tricksen und Dokumente über den wahren Umfang der bolschewistischen Massenverbrechen zurückzuhalten. Die Konzentrationslager für politische Häftlinge wurden 1986/87 durch ihn abgeschafft. Als dieser aber daran ging, das Verbrecherische des kommunistischen Systems zu beseitigen, gab er zugleich diesem System selbst - eigentlich ungewollt, denn er war bekennender Leninist - den Todesstoß. Dieses System war von Anfang an auf Verbrechen gegründet und ohne Staatsverbrechen überhaupt nicht lebensfähig.
 
Im Zuge der vorausgegangenen Chruschtschow Ära aber wurden Blochin seine Auszeichnungen, sein Rang und die Rente aberkannt. Er soll daraufhin in schwere psychische Erkrankung versunken sein, sich dem Alkoholismus hingegeben haben und schließlich - entgegen diverser fabrizierter Gerüchte - ganz banal an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben sein. In den 70er Jahren bekam er allerdings alle seine Orden und Ehrungen, inklusive des Generalsranges, posthum wieder zuerkannt. Außerdem steht er im Guinessbuch der Rekorde des Jahres 2010, als der „produktivste Henker“. Sein Grab zeigt einen Grabstein mit seinem Portrait, in vollem Prunk als General. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie - schreibt ein Autor - dass dieses Grabmal nur einen Steinwurf von dem berüchtigten Massengrab entfernt ist, in welches man anonym die Asche vieler Hingerichteter streute.
 
Mann mit der ledernen Metzer-Schürze + Katyn
 
Der Chef des NKWD in der Oblast Kalinin (heute Twer), Dmitri Tokarjew, berichtete: „Auf unserem Weg ... erblickte ich den ganzen Schrecken… Blochin hatte seine Spezialkleidung dafür: eine braune Lederkappe, eine lange braune Lederschürze, braune Lederhandschuhe mit Stulpen, die bis über die Ellbogen reichten. Das machte auf mich einen gewaltigen Eindruck. Ich hatte einen Henker vor mir !” Unter Blochins Aufsicht wurden in Kalinin im Frühjar 1940 über 7.000 polnische Kriegsgefangene exekutiert. Diese Exekutionen waren Teil des Massakers von Katyn. Die Gefangenen wurden dazu in einen rot gestrichenen Vorraum geführt, angeblich zur Feststellung der Identität, bevor sie ergriffen und gefesselt in den Exekutionsraum geschafft wurden. Dieser Raum war schalldicht präpariert und mit einem Ablauf für das Blut ausgestattet. Dort wurden die Gefangenen von Blochin in Empfang genommen. Dieser erwartete in oben erwähntem Aufzug, also Lederschürze, Mütze, Handschuhe und Gummistiefel, hinter der Tür die Gefangenen, welche dann mit einem Schuss in den Schädel, ohne weitere Formalitäten, exekutiert wurden. Dazu verwendete er Pistolen des Herstellers „Walther“. Davon hatte er mehrere in einer Aktentasche dabei. Er bevorzugte dieses Fabrikat, weil es beim intensiven Gebrauch zuverlässig war und außerdem den Vorteil bot, dass bei einer späteren Entdeckung der Leichen, es einfacher war die Hinrichtungen den Deutschen anzulasten. Etwa 30 Mitarbeiter des NKWD waren an der Operation beteiligt. Die Exekutionen wurden meist nachts durchgeführt. Auch wenn er teilweise abgelöst wurde, zog es Blochin vor, den größten Teil der Exekutionen eigenhändig auszuführen. Er war in seinem Element, er scheint es genossen zu haben.
 
Unter Duldung der West-Alliierten beschuldigten die Sowjets deutsche Soldaten die Polen-Exekutionen durchgeführt zu haben. Der massenmörderische Stellvertreter des sowjetischen Hauptanklägers Generalleutnant Roman Rudenko war Oberst Juri Pokrowski (einer der Massenmörder von Katyn), hatte die Unverfrorenheit, während des Nürnberger Schauprozesses den Generaloberst Alfred Jodl zu fragen: „Womit kann man erklären, dass Sie einen führenden Posten in der Militärmaschinerie des deutschen Reiches annahmen, nachdem ein Mann, den Sie selbst als einen Scharlatan bezeichneten, zur Macht gekommen war ?“ Jodl antwortete: „Weil ich mich im Laufe der Jahre überzeugt hatte - wenigstens in den Jahren 1933 bis 1938 -, dass er kein Scharlatan war, sondern eine gigantische Persönlichkeit, die letzten Endes dann allerdings zu einer infernalischen Größe geworden ist.“ Im Frühjahr 1940 hatten Stalins Tschekisten in Katyn, Charkow und Twer begonnen, mehr als 20.000 polnische Offiziere und Beamte hinzurichten. Für die unmittelbare Vorgeschichte des Massenmordes liegt das Tagebuch des polnischen Majors Adam Solski vor. Er wurde in Katyn getötet, doch beim Verscharren übersahen die Helfershelfer der Mörder die Kladde, die 1943 wiederentdeckt wurde. Angesichts der systematischen und hartnäckigen russischen Vertuschungsversuche und der damit zu begründenden schlechten Quellenlage ist es bemerkenswert, wie detailliert Thomas Urban („Katyn 1940 - Geschichte eines Verbrechens“, 2015) die Tötungsaktion beschreiben konnte. Doch wichtiger ist ihm die so heftig umstrittene Nachgeschichte des Massakers: Die aussichtslose Suche der Verwandten nach ihren verschollenen Angehörigen. Die Wiederentdeckung der Leichen wenigstens im Wald von Katyn - die meisten weiteren Massengräber mit ermordeten polnischen Offizieren wurden erst in den 90er-Jahren gefunden, und manche, etwa nahe der weißrussischen Hauptstadt Minsk, werden von örtlichen Geheimdienstfunktionären bis heute gedeckt, schreibt „die Welt“ am 02.04.2015.
 
Die Bürgerrechtlerin, 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrte Vera Lengsfeld, schreibt auf ihrer Netzseite: „Mehr als ein halbes Jahrhundert verbreitete die sowjetische Führung erfolgreich die Lüge, die Polen wären Opfer einer nationalsozialistischen Gräueltat gewesen. Die ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion, die schon im Krieg die Wahrheit erfuhren, Churchill und Roosevelt, stellten diese Geschichtsfälschung nie in Frage. Während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses ließen sie sogar zu, dass der sowjetische Chefankläger Wehrmachtsoffiziere wegen der Verbrechen in Katyn anklagte. Es kam allerdings zu keiner Verurteilung, denn die Argumentation der Sowjets stand auf zu wackligen Füßen.“ Sehr wohl aber kam es in der Sowjetunion und der DDR zu etlichen Hinrichtungen deutscher Soldaten, denen man das Verbrechen von Katyn wider besseren Wissens angelastet hatte. 
 
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Stalin einverleibte am 02.11.1939 seinem Reich 200.036 Quadratkilometer von Polen. Nach der russischen Besetzung Ostpolens verhaftete das „NKWD“ 110.000 meist polnische Bürger Ostpolens wegen „antisowjetischer“ Aktivitäten. Diese Maßnahmen standen in der Tradition geheimer „nationaler Operationen“ des NKWD in der Zeit von 1937-1939. Unter diesem Vorwand waren in 14 Monaten 143.000 Sowjetbürger polnischer Herkunft, mit polnisch klingenden Namen oder Kontakten nach Polen verhaftet worden; 111.091 davon wurden als „liquidiert“ registriert. Am 18. September 1939 unterstellte das Politbüro der KPdSU etwa 125.000 polnische Kriegsgefangene der Zuständigkeit des NKWD und entzog sie damit dem völkerrechtlichen Schutz.
 

Das NKWD installierte ein Spitzelsystem in den Lagern, unterteilte die Gefangenen in Kategorien wie „Volksfeind“, „Spitzel“, „Saboteur“, „Terrorist“ oder „Verschwörer“ und ließ einige dieser Gruppen näher beobachten, um „Konterrevolutionäre“ herauszufiltern. Als „Volksfeinde“ galten polnische Sozialdemokraten, Narodowa Demokracja / Nationaldemokraten, Piłsudski-Anhänger, höhere Offiziersränge, russische Flüchtlinge sowie Initiatorenvon Selbsthilfegruppen und deren Teilnehmer im Lager. Die Spitzel ermittelten Personen, die religiöses Leben und Bildung unter den Gefangenen organisierten, und protokollierten patriotische, prowestliche und antisowjetische Aussagen. Sie deuteten auch unpolitische Vorträge als Deckmantel für konterrevolutionäre Tätigkeit. Wie aus ihren Berichten hervorgeht, ließen sich die Gefangenen nur zur Selbstversorgung des Lagers zwingen und waren kaum dazu bereit, bei Polens „Befreiung“ mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten. Bis zum 10. Februar 1940 erhielt die „erste Sonderabteilung“ des NKWD unter Leonid Baschtakow alle Verhörergebnisse aus den Lagern. Eigens entsandte Schnellgerichte des NKWD verurteilten etwa 600 Offiziere im Lager Ostaschkow bis Mitte Februar 1940 nach Art. 58, § 13 des sowjetischen Strafgesetzbuchs zu drei bis zehn Jahren Zwangsarbeit im Gulag. Am 28. Februar forderte das NKWD per Eilboten fünf Akten von Verurteilten an, die Beria Stalin am 3. März vorlegte. Bei diesem Treffen wurde wahrscheinlich entschieden, alle Häftlinge der Speziallager durch eine zentrale Troika (NKWD) / Troika verurteilen und als Staatsfeinde ermorden zu lassen. Als Grund wird vermutet, dass Stalin Beria seinen Wunsch signalisierte, die Führungselite Polens auszuschalten, dass aber das bisherige Verfahren dafür zu zeit- und personalaufwändig erschien und sich die Mordabsicht bei nur wenigen Entscheidungsträgern besser geheim halten ließ. Anfang März 1940 legte Beria Stalin einen für das Zentralkomitee der KPdSU bestimmten vierseitigen Befehlsentwurf vor. Der Text führte aus: Die in NKWD-Lagern sowie Haftanstalten der Westukraine und Weißrusslands befindlichen polnischen Offiziere, Polizisten, Spione, Angehörige nationalistischer konterrevolutionärer Parteien, Grenzverletzer und andere seien „geschworene Feinde der Sowjetmacht, hasserfüllt gegenüber der sowjetischen Ordnung“. In den NKWD-Lagern seien „14.736 ehemalige Offiziere […], ihrer Nationalität nach über 97 Prozent Polen“, in den Haftanstalten weitere 10.685 Polen und weitere 1.207 ehemalige Berufsoffiziere. Eine detaillierte Liste schlüsselte diese Gesamtzahlen nach militärischen Graden, sonstigen Berufen oder Funktionen, Parteizugehörigkeiten und Sozialstatus auf. Dem NKWD sei „vorzuschlagen“, über diese 14.700 ehemaligen Lagergefangenen und 11.000 anderen Häftlinge „in Sonderberatungen zu entscheiden und dabei die Höchststrafe - Tod durch Erschießung / Erschießen - anzuwenden“, „ohne die Inhaftierten vorzuladen, ohne … Anklage zu erheben.“  Beria schlug eine Troika (NKWD) / Troika für die „Sonderberatungen“ vor und setzte sich selbst, Wsewolod Merkulow und Leonid Baschtakow als Mitglieder ein. Am 5. März 1940 unterzeichneten die vier Politbüromitglieder Josef Stalin, Kliment Jefremowitsch Woroschilow, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow und Anastas Mikojan diesen Beschluss. Die Zustimmung von Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch und Michail Iwanowitsch Kalinin wurde mit „Dafür“ notiert. Dieser Mordbefehl gilt nach Art und Ausmaß als einzigartig: Alle sechs Unterzeichner hatten höchste, teils mehrere Staatsämter inne, so dass das Politbüro nicht eigens zusammengerufen wurde. Da das Dokument keine der sonst häufigen Spuren einer Bearbeitung Stalins trägt, gilt es als vorher mit ihm abgesprochen. Das Todesurteil für 26.000 Menschen war vorgegeben, die individuellen Urteilsgründe - erspitzelte, ungeprüfte und unprüfbare Aussagen, aus denen auf unverbesserliche, gefährliche sowjetfeindliche Einstellung gefolgert wurde - wurden der Troika nachträglich vorgelegt. Jeder Rechtsschutz für die Verurteilten fehlte. Laut erhaltener Aktennotiz gab Merkulow seine Kopie „Nr. 41“ am 28. März 1940 an die Kanzlei des ZK zurück: Demnach waren trotz der Geheimhaltung mindestens 41 Personen schriftlich über den Exekutionsbeschluss informiert. Pjotr Soprunenko gehörte nach Aussage seiner Tochter dazu. Das Originaldokument wurde in einem auf Stalins Befehl eingerichteten Sonderarchiv des ZK aufbewahrt. Es befand sich in dessen Sektion 6 in einem versiegelten Umschlag im selben Ordner wie das geheime Zusatzabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt. Da auf dem Umschlag vermerkt war, dass der spätere Staatschef Juri Wladimirowitsch Andropow ihn 1981 geöffnet hatte, nehmen Historiker, die das Dokument untersuchten, eine Einsichtnahme aller KPdSU-Generalsekretäre seit Stalin an. Bei einer Konferenz in Moskau am 3. und 4. März 1940 befahl die NKWD-Zentrale den Lagerkommandeuren, die baldige Evakuierung der Lager vorzubereiten, und verbot ihnen streng, Urteile der Schnellgerichte vor dem Abtransport bekanntzugeben. Man brauche Raum für neue Kriegsgefangene aus dem sowjetischen Winterkrieg gegen Finnland (November 1939 bis März 1940). Um die Mordvorbereitungen zu kaschieren, wurde den Polen ihre Verlegung in Arbeitslager angekündigt. Auf Befehl Berias vom 7. März 1940 wurden am 13. April etwa 60.000 Ehegatten, Kinder sowie im Haus mitlebende Eltern der zu exekutierenden 26.000 Polen nach Kasachstan deportiert. Ihre Wohnungen wurden Rotarmisten und KP-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Das war die zweite von vier großen Deportationen von Polen im Jahre 1940/41. Sie wurden nach Richtlinien ausgeführt, die Iwan Alexandrowitsch Serow erstellt hatte. In den Tagen nach dem Mordbeschluss befahl das NKWD 15 bis 20 Beamten aus den beteiligten Regionalverwaltungen von Charkow, Twer / Kalinin und Smolensk, den Staatsmassenmord so wie beschlossen streng geheim auszuführen. Bogdan Kobulow weihte unter anderem Dmitri Tokarjew, dessen Stellvertreter Wassili Pawlow und den „Kommandanten“ (Scharfrichter, Henker) Andrej Rubanow ein. Am 15. und 16. März 1940 befahl Soprunenko den nach Moskau vorgeladenen Lagerkommandeuren und Leitern der Spezialabteilungen in den Lagern die „Organisierung des Abtransports der Kriegsgefangenen nach ergangenem Urteil“. Dabei wurde der ganze Ablauf festgelegt: Amtliche Befehle zum Abtransport sollten den Gefangenen vor ihrer Übergabe verlesen werden. Die Übergabeorte an Wachpersonal und Transportbegleiter wurden bestimmt. Die Waggons sollten jeweils mit Gruppen aus gleichen oder benachbarten Regionen besetzt werden, um ihnen ihre Entlassung vorzutäuschen. Fragen nach dem Transportziel sollten einheitlich mit „zur Arbeit in ein anderes Lager“ beantwortet werden. Aus verlässlichen NKWD-Angehörigen wurden Truppen zur Abholung von den Zielbahnhöfen, von dort zu den Hinrichtungsplätzen, Fotografen der Exekutionen, Todesschützen, Bestatter und weitere „Liquidatoren“ bestimmt. Ab dem 16. März 1940 war den Lagerhäftlingen jeder Briefverkehr verboten. Sonderfahrpläne für die Transportzüge wurden erstellt. Bis Ende März wurden alle Wachmannschaften detailliert eingewiesen. Ab 1. April erhielten die Lagerkommandeure die ersten schematischen Listen mit jeweils 70 bis 300 Vor- und Nachnamen, Geburtsjahr – kein Tagesdatum - und Aktennummern von Häftlingen, die sofort an die jeweilige NKWD-Stelle der Zielregion zu „verlegen“ seien. Absender und Unterzeichner waren Baschtakow oder sein Stellvertreter Arkadi Gerzowski, die die Troika-Urteile durch Listeneinträge umzusetzen hatten. Dazu erhielt die Troika zuvor entsprechende Listen aus den Lagern mit den Gefangenenakten. Die Leitung der Gesamtaktion oblag Merkulow. Die Gefangenen wurden vom 3. April bis 19. Mai 1940 in fensterlosen Waggons an ihre Hinrichtungsorte transportiert und dort direkt ermordet. Die Gefangenen aus Koselsk kamen nach Katyn, die aus Starobelsk nach Charkow und die aus Ostaschkow nach Kalinin (heute Twer). An vorgesehenen Stellen waren zuvor mit Baggern nachts und streng geheim Gruben ausgehoben worden. In Gnjosdowo bei Katyn mussten nach Zeugenaussagen von Überlebenden je etwa 30 Ankömmlinge vom Zug direkt in schwarz lackierte Busse mit weiß getünchten Scheiben umsteigen. Der Umsteigeplatz war von Truppen mit aufgepflanzten Bajonetten eng umstellt. Der Bus fuhr die Gefangenen an den etwa 15 km entfernten Hinrichtungsort im Wald. Dort wurden sie jeweils einzeln mit einem Genickschuss getötet, nur selten einem zweiten, bei aufgesetzter Mündung und einheitlichem Schusswinkel. Die Täter benutzten Pistolen der deutschen Marke Carl Walther GmbH Sportwaffen / Walther und bei Gustav Genschow (Karlsruhe-Durlach) hergestellte 7,65-Millimeter-Patronen, die die Sowjetunion seit 1928 in großen Mengen importiert hatte. Der ungeordneten Lage mancher Leichen zufolge wurden einige direkt am Rand der Gruben erschossen und fielen dann hinein. Vielen hatte man die Arme mit Seilschnüren auf dem Rücken gefesselt, einigen den Mantel über den Kopf gezogen, ihn um den Hals verschnürt und die Zwischenräume mit Sägemehl ausgestopft, um ihre Gegenwehr zu verhindern. Viele wiesen Knochenbrüche und vierkantige Einstiche von Bajonetten auf. Im NKWD-Sitz von Kalinin wurde nach Aussage Dmitri Tokarjews von 1991 jeder Häftling nach Feststellung der Personalien sofort in Handschellen gelegt und in einen schalldicht gedämmten Kellerraum geführt, wo zwei Täter seine Arme festhielten, ein dritter ihm in den Schädel schoss. Der Getötete wurde durch eine zweite Tür in ein Transportfahrzeug gelegt. Manche wurden auch dort am Rand der Gruben erschossen. Nach den Morden eines Tages tranken die Täter Alkohol, nach Abschluss der ganzen Mordserie feierten sie ein Bankett. Die Kommandanten der geleerten Lager mussten alle Personalakten der ermordeten Häftlinge verbrennen und nur ihre Transportlisten an die NKWD-Zentrale senden. Vasilii Mikhailovich Blokhin, Major-General, (1895-1955) (NKVD). Chef des Exekutionskommandos im NKWD. Die für die Ausführung wichtigsten Täter nach den Entscheidern (Politbüro) und Organisatoren (Troika und NKWD-Zentralverwaltung) waren die regionalen NKWD-Behördenleiter Jemeljan Kuprijanow (Smolensk), Pjotr Sergejewitsch Safonow (Charkow) und Dmitri Tokarjew (Kalinin). Sie stellten aus ihren Untergebenen die an den Morden unmittelbar beteiligten Kraftfahrer, Baggerführer, Bestatter, Fotografen, Bewacher und Pistolenschützen zusammen. Weitere Täter gehörten zu dem Bataillon, das die Transporte begleitete, und zu lokalen NKWD-Stellen, so der Gefängnisdirektor Iwan Stelmach aus Smolensk. Die Moskauer NKWD-Zentrale stellte Exekutionskommandos aus Staatssicherheitsbeamten bereit, darunter die Leutnants Josif Gribow, Timofej Kuprij, Nikita Melnik und Andrej Rubanow. Ihr Leiter war der Major Wassili Blochin, der selbst die meisten Häftlinge aus Ostaschkow in Kalinin erschoss. Er soll entschieden haben, 250 Personen pro Nacht zu erschießen. Zu den Ausführenden gehörten auch Agenten und Sonderbrigaden aus den Speziallagern, die der NKWD-Zentrale direkt unterstellt waren, Mitarbeiter der Verwaltungsabteilung für Kriegsgefangene und der Hauptverwaltung Transportwesen. Beria hatte sie schon vor Beginn der Morde motiviert, indem er am 17. März 1940 einmal sechs und zweimal drei NKWD-Funktionäre aus den Regionalbehörden und Lagern beförderte. Sie alle wirkten nachweislich bei den Erschießungen mit. Am 26. Oktober 1940 belohnte Beria laut Aktenfund 124 namentlich genannte Täter „für die erfolgreiche Erfüllung von Sonderaufträgen“ mit einer „Geldprämie in Höhe eines Monatsgehalts“ (43 Personen) oder „800 Rubel“ (81 Personen). Andere wurden befördert. Die oberen Ränge stiegen vielfach rasch in hohe Positionen von Partei, Geheimdienst und Staatssicherheit auf und erhielten den Orden des Roten Sterns. Widerspruch von Tätern gegen die Morde ist nicht bekannt.
 
Eine von Pjotr Soprunenko unterzeichnete, bis 25. Mai 1940 erstellte Statistik zur „Liquidierung“ der „abtransportierten“ polnischen Kriegsgefangenen nannte folgende Zahlen: 4.609 aus Koselsk, 3.974 aus Starobilsk, 6.399 aus Ostaschkow. Von diesen 14.587 Personen seien 395 in das Lager Pawlitschew Bor verlegt worden. Die Statistik belegt somit 14.192 Ermordete aus den drei Lagern, erfasste aber nicht die weiteren aus Gefängnissen, Arbeitslagern und Lazaretten verschleppten Polen. In Unterlagen, die Oberleutnant Zwetuchin (einer der Mörder) befehlsgemäß am 25. November 1940 an Leonid Baschtakow sandte, fanden sich zudem 3.435 alphabetisch geordnete Namen von ermordeten Polen aus Lagern der Ukraine. Diese „ukrainische Katynliste“ wurde nach 1990 gefunden und 1994 dem Generalstaatsanwalt Polens übergeben. Eine Geheimakte der Abteilung Kriegsgefangene des NKWD vom Dezember 1943 dokumentierte abschließend die Leerung der drei Speziallager für andere Behörden. Sie beziffert polnische Militär- und Polizeiangehörige, die zwischen 1939 und 1941 an Regionalbehörden des NKWD überstellt worden seien, auf 15.131. Der KGB-Vorsitzende Alexander Nikolajewitsch Schelepin schrieb am 3. März 1959 an Staatschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, aufgrund eines Beschlusses der Troika des NKWD 1940 habe man 21.857 Vertreter der polnischen Bourgeoisie erschossen, darunter 4.421 im Wald bei Katyn, 3.820 (die aus Starobelsk) bei Charkow 6.311 (die aus Ostaschkow) bei Kalinin, 7.305 aus anderen Lagern und Gefängnissen der Westukraine und Westweißrusslands. Er schlug Chruschtschow vor, alle im NKWD archivierten Personalakten der Ermordeten zu vernichten und nur die Listen der Troika-Urteile zu bewahren. Bisher wurden folgende Gräber mit Mordopfern aufgefunden, die auf den Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 zurückgeführt werden: Wald bei Katyn: 4.410 bis 4.430 polnische Offiziere. Dorf Mednoje: rund 6.300 polnische Armee-, Polizei- und Gendarmerieoffiziere sowie einige Zivilisten. Sie wurden in einem NKWD-Keller in Kalinin ermordet. Wald- und Parkgebiet bei Pjatychatky (Charkiw): 3.739 bis 3.896 Offiziere, ermordet in einem NKWD-Gefängnis in Charkow. Waldgelände Kurapaty: 3.700 bis 4.500 Personen, ermordet wahrscheinlich im NKWD-Sitz in Minsk. Wald von Bykiwnja: vermutlich 3.435 Polen, da einige davon, die identifiziert wurden, auf der „ukrainischen Katyn-Liste“ verzeichnet waren. Es waren überwiegend Zivilisten aus einem Lager in der Ukraine. Sie wurden wahrscheinlich im NKWD-Sitz von Kiew ermordet. Das Grab wurde 2006 entdeckt. Ermordet in NKWD-Gefängnissen von Lwów (Lemberg) im Juli 1941: 2.464 Polen aus Arbeitslagern. Man versuchte, möglichst viele dieser und weiterer Opfer zu identifizieren. Dies erschweren mehrere Faktoren: Vollzugsakten zu 7.305 Ermordeten aus anderen Lagern und Gräber von 3.880 in Weißrussland Begrabenen wurden bisher nicht gefunden. Weißrussische Behörden halten relevante Akten dazu geheim. In Bykiwnja liegen einige polnische Mordopfer von 1940 mit Mordopfern der „Polen-Operation“ von 1937/38 in denselben Gräbern und können daher kaum voneinander unterschieden werden. Dort wird das größte Gräberfeld mit Opfern Stalinistische Säuberungen / stalinistischer Säuberungen in der Ukraine vermutet. Von den maximal 15.131 Ermordeten aus den drei Speziallagern wurden bisher mindestens 14.463 aufgefunden und größtenteils identifiziert. Oft wird eine Gesamtzahl von 22.000 bis 23.000 damals ermordeten Polen genannt. Rund 24.000 bis 25.000 aufgefundene Tote werden auf den Exekutionsbeschluss für bis zu 26.000 Polen zurückgeführt. Hinzu kommen mindestens 7.000 von etwa 40.000 polnischen Häftlingen, die bei Flucht- oder Aufstandsversuchen, besonders nach dem [sogenannten] deutschen Überfall [in Wahrheit Präventivschlag] im Juni 1941, ermordet wurden. Eine unbekannte Zahl kam in Arbeitslagern um. Unter den Toten von Katyn waren die Generäle Bronisław Bohaterewicz, Henryk Minkiewicz, Mieczysław Smorawiński und Konteradmiral Ksawery Czernicki sowie etwa 1.040 höhere Offiziere und über 3.400 Unteroffiziere, darunter etwa 300 Ärzte, über 200 Piloten, mehrere hundert Richter und Anwälte, über 100 Autoren und Journalisten, 43 Beamte, 20 Universitätsprofessoren, sieben Militär- oder Ordensgeistliche und drei Großgrundbesitzer.
 
Im Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges eroberte die deutsche Heeresgruppe Mitte Ende Juli 1941 die Region Smolensk. Polnische Zwangsarbeiter der Organisation Todt stießen im Wald von Katyn auf Menschenknochen, gruben einige Leichen in polnischen Uniformen aus und stellten ein Birkenkreuz bei der Fundstelle auf. Soldaten des im November 1941 nachgerückten Nachrichtenregiments 537 hörten von Dorfbewohnern, auf dem „Ziegenberg“ habe man Menschen erschossen. Sie meldeten dies im Herbst 1942 ergebnislos ihren Vorgesetzten. Oberstleutnant Friedrich Ahrens fand im Januar 1943 beim Birkenkreuz Knochen und vermutete eine Kriegsgräberstätte. Im Februar 1943 entdeckten Wehrmachtssoldaten, namentlich von Gersdorff als I c in der Stabsabteilung der Heeresgruppe Mitte, im Wald von Kozy Gory bei Katyn Massengräber mit den Leichen tausender polnischer Offiziere, die nach Aussagen der einheimischen Bevölkerung im Frühjahr 1940 ermordet worden waren. Nach Frühlingsbeginn zog er den führenden deutschen Gerichtsmediziner Gerhard Buhtz hinzu. Dieser veranlasste am 29. März eine Probegrabung in einem von sieben flachen, mit jungen Kiefern oder Fichten bepflanzten Hügeln des Waldes, bei der man Leichen fand. Ab April mussten sowjetische Kriegsgefangene und Dorfbewohner die Massengräber öffnen: Dabei wurden Hunderte übereinander geschichtete Leichen in polnischen Uniformen sichtbar. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda / Propagandaminister Joseph Goebbels erfuhr am 9. April 1943 von den Funden. Er beschloss sofort, die Leichen polnischen Intellektuellen zu zeigen, um durch deren Berichte das Bündnis von Polen und Russen gegen NS-Deutschland zu zerstören. Frühere Versuche dazu waren gescheitert, weil man behauptete Gräuel von sowjetischer Seite dem Ausland nicht beweisen konnte. Er ließ eine siebenköpfige Delegation sowie einige Kriegsgefangene aus dem besetzten Polen nach Katyn fliegen, die die Gräber vom 10. bis 14. April besichtigten und die polnische Exilregierung in London informierten. Sie weigerten sich jedoch, die deutschen Angaben in Polen zu verbreiten. Am 13. April 1943 meldete das Deutsches Nachrichtenbüro / Deutsche Nachrichtenbüro im Rundfunk, deutsche Soldaten hätten im Wald von Katyn „mehr als 10.000“ Leichen polnischer Offiziere gefunden, die unbezweifelbar im Mai 1940 vom NKWD ermordet worden seien. Die Großdeutscher Rundfunk / reichsdeutschen Rundfunkmeldungen vom 13. April 1943 über die Funde veranlassten die Polnische Exilregierung in London, eine internationale Untersuchung durch das Internationales Komitee vom Roten Kreuz / Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf zu beantragen. Gegen dieses Vorhaben wehrte sich das Sowjet-Regime heftig und brach unter dem Vorwurf einer „Komplizenschaft mit Adolf Hitler” jeden Kontakt zu polnischen Exilanten ab, was auch die sogenannte „Anti-Hitler-Koalition” belastete. Bis dahin hatte die polnische Exilregierung nicht eine Antwort auf ca. 50 offizielle Anfragen zum Verbleib ihrer Militärgefangenen erhalten. Polens Exilregierung verlangte am 15. April Aufklärung des Verbrechens von der Sowjetunion und kündigte an, beim IKRK eine Untersuchung der Funde zu beantragen. Von Goebbels veranlasst, beantragte das Deutsches Rotes Kreuz / DRK am 17. April eine solche Untersuchung beim IKRK; kurz darauf ging auch der Antrag der Exilpolen ein. Am 23. April bot das IKRK eine neutrale Katyn-Kommission an, falls die sowjetische Regierung zustimme. Diese lehnte ab, stellte Polens Exilregierung am 24. April ein Ultimatum, ihren Antrag zurückzuziehen, und brach die Beziehungen zu ihr am 25. April ab. Um die deutschen Angaben trotz der Absage des IKRK international bestätigen zu lassen, lud Goebbels zwölf Pathologie / Pathologen aus Staaten ein, die bis auf die Schweiz mit Deutschland verbündet, von ihm besetzt oder abhängig waren: Reimond Speleers (Belgien), Marko Antonow Markow (Bulgarien), Helge Tramsen (Dänemark), Arne Saxen (Finnland), Vincenzo Palmieri (Italien), Eduard Miloslavić (Kroatien), Herman Maximilien de Burlet (Niederlande), Alexandru Birkle (Rumänien), François Naville (Schweiz), František Šubík (Slowakei), Ferenc Orsós (Ungarn), František Hájek (Protektorat Böhmen und Mähren). Vom 28. bis 30. April 1943 besuchten diese den Fundort, inspizierten die aufgedeckten Massengräber und obduzierten einige unter ihrer Aufsicht exhumierte Leichen, um Todesursachen und Todesdatum festzustellen. Ferner ließ Goebbels die Gräber je zwei britischen und US-amerikanischen Kriegsgefangenen vorführen, die ihren Regierungen später davon berichteten. Die Kommission übergab ihren Abschlussbericht am 4. Mai 1943 an Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti (Arzt) / Leonardo Conti]], der ihn als amtliches Gutachten herausgab. Als Indizien nannte es Aussagen von Einwohnern Katyns für Gefangenentransporte, Tagebucheinträge bis 9. April 1940, den Verwesungszustand von bis dahin 925 exhumierten Leichen, ihre Winterkleidung, fehlende Mückenstiche, vierstrahlige Stichverletzungen durch Bajonette, Jahresringe der Bäume auf den Gräbern und einheitliche Genickschüsse. Das Gutachten folgerte: „Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, dass die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. Auch Vertreter des Polnischen Roten Kreuzes, darunter getarnte Mitglieder des polnischen Widerstands, besuchten Katyn, überprüften den Befund der Gerichtsgutachter und bestätigten ihn als zutreffend. Bis zum 7. Juni 1943 gruben sie 4.143 Leichen aus, von denen man 2.815 identifizierte. Dann ließen die Deutschen die Exhumierungen einstellen.
 
Den Fall Katyn nutzte die deutsche Regierung für ihre Propaganda gegen die Sowjetunion. Berlin veranstaltete direkt nach dem Fund eine öffentliche Exhumierung durch eine kompetente internationale Untersuchungskommission von 12 namhaften Gerichtsmedizinern, darunter Vertreter der polnischen Exilanten und des polnischen Roten Kreuzes. Diese Kommission aus Gerichtsmedizinern aus elf europäischen Staaten (Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederlande, Rumänien, Schweden, Slowakei, Ungarn) begutachtete zwischen dem 28. und 30. April 1943 die bereits aufgedeckten Massengräber und grub exemplarisch weitere Leichen aus dem Boden, auch um das Todesdatum zweifelsfrei festzustellen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte aufgrund der Proteste der Sowjetunion seine Mitarbeit verweigert. In einem gemeinsamen Beschluss veröffentlichte die Kommission ihre Expertise zum Todesdatum, in der sie u.a. zum übereinstimmenden und unwidersprochenen Schluss kam, dass selbiges aufgrund der Feststellungen der Gerichtsmediziner und der bei den Leichen gefundenen Papiere und Briefe, die alle zum selben Zeitpunkt abbrachen, im Frühjahr 1940 gelegen haben muss. Der Deutsche Verlag publizierte 1943 die Ergebnisse als amtliches Gutachten. Darin heißt es: „Die Leichen wiesen als Todesursache ausschließlich Genickschüsse auf. Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, dass die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben. (...)“ Weil sich die Massengräber auf einem Gebiet befanden, das von Frühjahr 1940 bis Juni 1941 von der Sowjetunion besetzt war, war die Täterschaft für alle an der Untersuchung Beteiligten klar. International wurde das Ansehen des Kriegsgegners Sowjetunion dadurch geschwächt. Im Rahmen der Besatzungspolitik in den polnischen Gebieten sollte dem lokalen Widerstand klargemacht werden, dass die Sowjetunion als Bündnispartner ausschied und es sollte der eigenen Bevölkerung die Bestialität des Bolschewismus weiter vor Augen geführt werden. Polens Exilregierung hatte am 14. April 1943 von General Stefan Rowecki, später auch von Sozialfürsorgedirektor Edmund Seyfried, dem Kriegsgefangenen Stefan Mossor und PCK-Delegationsleiter Kazimierz Skarżyński zunehmend exakte, unabhängig von den Deutschen erstellte Berichte aus Katyn erhalten. Sie nannten die deutsche Opferzahl von über 10.000 übertrieben, überschätzten sie anfangs aber ihrerseits auf 8.000. 4.143 Personen seien in Reihen mit dem Gesicht nach unten in acht, davon sieben benachbarten Massengräbern, bestattet worden. Laut mitgetragenen Impfzeugnissen und Tagebuchnotizen handle es sich um polnische Offiziere aus dem Lager Koselsk. Die meisten Opfer seien anhand der bei ihnen gefundenen Gegenstände identifizierbar. Ihr Transportweg von Koselsk über Smolensk und Gnjosdowo bis zum Wald von Katyn sei aus ihren Notizen, besonders denen von „Adam Solski“, klar ersichtlich. Die winterlichen Holzschuhe der Toten in Grab 1 gegenüber den Sommeruniformen derer in Grab 8, Zeitungsausschnitte und Tagebuchnotizen belegten, dass die Gräber zwischen Mitte März und Anfang Mai 1940 angelegt und gefüllt worden seien. Russische Zeugen („Parfeon Kiseljow“, „Sacharow“) hätten damals Ankünfte polnischer Offiziere in Gnjosdowo beobachtet und Schreie und Schüsse im Wald gehört. Nahegelegene, etwa fünf bis 15 Jahre ältere Gräber mit auf dieselbe Weise erschossenen Russen belegten einen seit langem genutzten Hinrichtungsort. Eine im Dezember 1944 in London gegründete Kommission trug diese Informationen zusammen. Ihr Bericht vermied eine Schuldzuweisung, legte aber anhand der präzise dargestellten Fakten die NKWD-Täterschaft nahe. Henryk Szymański übergab eine Frühfassung davon am 30. April 1943 an das Counter Intelligence Corps der USA und im Nürnberger Prozess 1946 an Verteidiger Otto Stahmer und Hauptankläger Robert H. Jackson. 1948 erschien eine erweiterte Fassung in London, die als vielfach übersetztes und neu aufgelegtes „Polnisches Weißbuch“ zur Hauptquelle der historischen Forschung wurde. Auch Owen O’Malley, britischer Botschafter bei Polens Exilregierung, sammelte Aussagen derer, die Katyn 1943 inspiziert hatten. In seinem Bericht vom 24. Mai 1943 warnte er Außenminister Anthony Eden: Die sowjetische Täterschaft sei fast unbezweifelbar, und ihr Verschweigen könne die Berufung des Westens auf moralische Werte untergraben. Großbritanniens Regierung hielt ihr Wissen jedoch geheim, um die Allianz mit der Sowjetunion nicht zu gefährden, und hinderte bis zum Kriegsende auch die Exilpolen daran, es zu veröffentlichen. Das wurde 1972 nach Freigabe von Akten des „Foreign Office“ bekannt. In den USA fragten Journalisten bis 1945 kaum nach den Tätern von Katyn, sondern nur nach den Folgen für das Kriegsbündnis. Nur William L. Wight betonte in einem Aufsatz, die Winterkleidung der Opfer, die sie auch nach sowjetischer Darstellung trugen, widerspreche dem angeblichen Todeszeitpunkt im Sommer 1941. Ferner sei unerklärlich, dass die Sowjetunion vor der deutschen Invasion jahrelang nichts über den Aufenthaltsort der vermissten Polen gewusst haben wollte. Ihre vorgelegten Beweise für die deutsche Schuld ließen nur eine Frage offen: Wenn die Deutschen die Polen 1941 gefangen hätten, warum habe die Sowjetunion die polnische Exilregierung dann nicht sofort darüber informiert ? Das Medienecho darauf war negativ, da die meisten US-Bürger den Krieg bald beenden und keinen neuen Konflikt mit der Sowjetunion wollten. Das fast zeitgleiche Eintreffen der Anträge Polens und Deutschlands beim IKRK nutzte Stalin für seine Ziele: Er warf Polens Exilregierung ein abgestimmtes Vorgehen mit den Deutschen gegen die Sowjetunion vor und verlangte am 24. April 1943 ultimativ, ihre Forderung nach sowjetischer Aufklärung des Massakers von Katyn zurückzunehmen und die Deutschen dafür verantwortlich zu machen. Um die Anti-Hitler-Koalition zu bewahren, drängte der britische Premier Winston Churchill General Sikorski, auf die öffentliche Aufklärung zu verzichten. Dieser erklärte sich dazu bereit, Polens Antrag beim IKRK zurückzuziehen. Obwohl Churchill dies Stalin am selben Tag übermittelte, brach Stalin am 25. April 1943 die Beziehungen zur polnischen Exilregierung ab. Damit isolierte er diese in der Anti-Hitler-Koalition und stellte die Weichen für ein kommunistisches Nachkriegspolen ohne Rücksicht auf westliche Interessen. Daraufhin einigten sich die seit Oktober 1939 entstandenen polnischen Widerstandsgruppen wie auch die Vertreter vier demokratischer Exilparteien rasch auf das gemeinsame Nachkriegsziel eines nichtkommunistischen, unabhängigen Polens mit der im Frieden von Riga 1921 vereinbarten Ostgrenze. Im August 1943 schlossen sie eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, den polnischen Kommunisten und rechtsnationalen Parteien Polens aus. Dagegen bildeten polnische Kommunisten den Związek Patriotów Polskich / Bund Polnischer Patrioten, den Stalin nun als politischen Partner für ein Nachkriegspolen zwischen Oder und Curzon-Linie unterstützte. … Eine daraufhin eingesetzte Kommission unter Arthur Bliss Lane sollte die Verantwortlichen für das Massaker feststellen und klären, ob US-Regierungsbeamte Akten dazu unterdrückt hatten. Sie befragte 81 Zeugen, darunter Überlebende aus den NKWD-Lagern und fünf Gerichtsmediziner der Katyn-Kommission von 1943, untersuchte hunderte Fundstücke aus den Gräbern und über 100 eingereichte schriftliche Aussagen. Die US-Regierung bat die Sowjetunion um Teilnahme und Übergabe von Dokumenten. Diese lehnte dies als beleidigende Provokation ab und übersandte nur den Burdenko-Bericht. Der Abschlussbericht vom 22. Dezember 1952 bekräftigte, dass die Beweislage für sowjetische Täter eindeutig sei. Viele, auch bundesdeutsche, Medienberichte machten sich diese Darstellung zu eigen. Der Bericht kritisierte in der damaligen McCarthy-Ära politisches Versagen der früheren US-Regierung: Mit Rücksicht auf das Kriegsbündnis und den erwünschten Aufbau einer Armee von Exilpolen auf sowjetischem Boden habe US-Präsident Roosevelt keinen Druck auf die Sowjetunion ausgeübt, den Verbleib der polnischen Offiziere aufzuklären, und selbst nicht an ihre Schuld geglaubt. Die Sowjetunion habe das Massaker bereits im Blick auf die Nachkriegszeit verübt, da die polnische Militärelite den Aufbau eines kommunistischen Satellitenstaates in Polen verhindert hätte. Die Kommission deckte Versuche auf, Tatsachen über Katyn zu unterdrücken: So hatte Roosevelt Botschafter George Howard Earle 1944 beauftragt, Informationen über Katyn zu sammeln, ihm dann aber verboten, das Ergebnis zu veröffentlichen, und ihn versetzt. Das Außenministerium hatte den Bericht des US-Offiziers John van Vliet über seinen Besuch Katyns 1945 als streng geheim eingestuft; er verschwand dann aus den Akten des Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten / US-Verteidigungsministeriums. Als Grund wurde vermutet, dass seine Brisanz den damals verhandelten Eintritt der Sowjetunion in die UNO nicht gefährden sollte. Bei der alliierten Konferenz von Teheran (November 1943) gaben US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill Stalins Wunsch nach, seine aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts eroberten Gebiete in Ostpolen zu behalten, und beschlossen die Westverschiebung Polens. Die Aufklärung des Massenmords von Katyn wurde als Hindernis für diese Einigung betrachtet. Beim Warschauer Aufstand 1944 befahl Stalin der Roten Armee, nicht einzugreifen. Erst nach dem Sieg der Wehrmacht ließ er sowjetische Truppen einrücken und überlebende polnische Widerstandskämpfer verhaften. Historiker erklären dies mit Stalins Ziel eines kommunistischen Polens nach dem Krieg. Ende 1943, nach der Zurückdrängung der Wehrmacht, ließ die Sowjetunion das Massaker angeblich durch die „Außerordentliche Staatliche Kommission / Sonderkommission zur Feststellung und Untersuchung der Umstände der Erschießung von polnischen kriegsgefangenen Offizieren im Katyner Wald durch die deutschen faschistischen Eindringlinge” unter Vorsitz des Chefchirurgen der Roten Armee, Burdenko, untersuchen. Die Kommission, der neben dem Schriftsteller Alexej Tolstoi auch der Metropolit von Kiew und Galizien, Nikolai, der Vorsitzende des ''Allslawischen Komitees'', Gundorow, der Vorsitzende des Exekutivkomitees des „Gesellschaftsverbandes des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds“, Kolesnikow, sowie der Volkskommissar für Aufklärung der „RSFSR'', Potemkin, angehörten, produzierte einen Bericht, der später als Beweisdokument USSR-054 beim ersten Nürnberger Prozess eingeführt wurde. Eine deutsche Übersetzung von USSR-054 ist abgedruckt in: „Trial Of The Major War Criminals Before. Dieses Dokument behauptet, die „sowjetischen Experten” hätten bei den exhumierten Ermordeten verschiedene Gegenstände mit Zeitangaben wie November 1940, März 1941 oder Juni 1941 gefunden, was beweise, dass die Exekutionen von den sogenannten „Deutschfaschisten” durchgeführt wurden. Diese Behauptung wurde von der stalinistischen KPD/ML noch 1979 als ernstgemeintes Argument vorgebracht. Am 15. April 1943 erklärten Radio Moskau und die Prawda, Goebbels verbreite Lügen, um ein eigenes Verbrechen zu vertuschen. Die polnischen Kriegsgefangenen seien im Sommer 1941 bei Bauarbeiten gemeinsam mit sowjetischen Bürgern den „deutschfaschistischen Mördern“ in die Hände gefallen. Diese hätten archäologische Ausgrabungen bei Gnjosdowo verschwiegen. Nach der Rückeroberung von Smolensk im September 1943 sollte eine Sonderkommission den „Tatbestand der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere durch die faschistischen deutschen Okkupanten“ untersuchen. Zum achtköpfigen Leitungsgremium unter Nikolai Nilowitsch Burdenko, dem Chefchirurgen der Roten Armee, gehörten Jefim Smirnow (sowjetisches Rotes Kreuz), Wladimir Petrowitsch Potjomkin (Volkskommissar für Bildung), der Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Tolstoi und der Metropolit Nikolai (Metropolit) / Nikolai. Fünf sowjetische Gerichtsmediziner, sechs Militärsanitäter und unbekannte NKWD-Beamte sollten ihnen zuarbeiten; ausländische Experten fehlten. Der Kommissionsbericht folgerte aus anonymen Zeugenaussagen und Gutachten, ein deutscher „Stab des 537. Baubataillons“ habe die Polen im Herbst 1941 erschießen lassen. Um dieses Verbrechen zu vertuschen und der Sowjetunion unterzuschieben, hätten die Deutschen Russen zu Falschaussagen bestochen, von anderswo geholte Leichen in die geöffneten Gräber gelegt, 500 russische Kriegsgefangene gezwungen, Dokumente und Beweise aus der Kleidung der Leichen zu entfernen, diese dann erschossen, und zwar auf dieselbe Weise wie die Polen per Genickschuss mit Maschinenpistolen mit deutscher Munition, Kaliber 7,65. Gerichtsmedizinisch sei erwiesen, dass man Polen wie Sowjetbürger im Herbst 1941 erschossen habe. Dies zeige der Verwesungszustand von 925 exhumierten Leichen, den man mit anderen exhumierten, zwei Jahre alten Leichen aus Smolensk verglichen habe. Dieser Befund werde durch Fundstücke bestätigt: Die meisten Taschen und Futterale der Uniformen seien aufgerissen oder -geschnitten gewesen, um Beweise gegen Fälschungen auszutauschen. Einige habe man jedoch übersehen: Darin hätten sich Briefe mit Daten zwischen 20. November 1940 und 20. Juni 1941 gefunden.
 
Die Gerichtsmediziner sollen die Leichen vom 16. bis 23. Januar 1944 untersucht haben; der Kommissionsbericht erschien am 24. Januar. Daher nimmt man an, dass nur wenige, schon exhumierte Leichen untersucht wurden. Direkte Belege für die angegebene Gesamtzahl von 11.000 Opfern, den Straßenbau der Polen bis Juli 1941 und ihre Erschießung durch Deutsche fehlten. Ein wortgleicher Bericht Merkulows und seines Stellvertreters über ihren Katynbesuch im Januar 1944 legt nahe, dass sie auch den „Burdenko-Bericht“ selbst verfassten oder überarbeiteten. Auf diese Geschichtsfälschung griffen spätere sowjetische Regierungen immer wieder zurück; sie blieb bis 1990 die offizielle sowjetische Version zu Katyn. In einem Schauprozess in der Sowjetische Besatzungszone / SBZ wurde elf angeklagten Wehrmachtsoffizieren unter anderem das Massaker von Katyn vorgeworfen. Acht davon wurden aus anderen Gründen zum Tod verurteilt und hingerichtet. Der Angeklagte Arno Dühre wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er soll laut sowjetischen Propagandaberichten die „ungeheuerliche Bluttat der Faschisten im Walde von Katyn“ beobachtet und zugegeben haben, dass dort 15.000 bis 20.000 Polen, Russen und Juden ermordet worden seien. Jörg Osterloh, Clemens Vollnhals: „NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit: Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR.“ Der sowjetische Generalstaatsanwalt Konstantin Gorshenin ließ im Sommer 1945 alle erreichbaren Polen festnehmen, die Katyn 1943 besichtigt hatten. Manche wie Edmund Seyfried wurden als Kollaborateure des NS-Regimes inhaftiert, obwohl sie 1943 keine Täter benannt, sondern nur Leichen obduziert und identifiziert hatten. Der Krakauer Staatsanwalt Roman Martini war an ihren Verhören beteiligt, weil er im Auftrag des polnischen Justizministeriums Material für einen Prozess zu Katyn sammelte. Westliche Medien berichteten mit teils fehlerhaften Angaben, er habe nur Belege für die Täterschaft des NKWD gefunden. Martini wurde am 12. März 1946, angeblich nach Übergabe seines Berichts, von zwei Ukrainern ermordet. Sie wurden gefasst, konnten aber aus unbekanntem Grund aus ihrer Haft fliehen. Ein sowjetischer Auftragsmord wegen Martinis Katyn-Untersuchung oder ein polnischer wegen seiner Kollaboration mit der Sowjetunion wurden vermutet.
 
Am 30. Dezember 1945 berichtete die sowjetische Nachrichtenagentur TASS und Anfang 1946 die von der britischen Militärbehörde herausgegebene Zeitung „Nordwest-Nachrichten“, dass zehn deutsche Kriegsgefangene von der sowjetischen Justiz für die Massaker bei Katyn verurteilt wurden. Sieben wurden mit dem Tode „bestraft“ und drei zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945-1946 legte die Sowjetunion das Massaker von Katyn dem „Baubataillon 537“ der Wehrmacht zur Last. Der sowjetische Ankläger Roman Andrejewitsch Rudenko war laut Zeugenaussagen im Jahre 1990 bei Erschießungen von Polen im Jahre 1940 in Charkow anwesend. Die Anklage sollte der Jurist Nikolai Sorja vorbereiten; er wurde am 24. Mai 1946 tot aufgefunden, seine Unterlagen blieben verschwunden. Britische Diplomaten verlangten im Vorfeld Verzicht auf den Anklagepunkt Katyn, da sie fürchteten, eine Beweisaufnahme werde die Sowjetunion belasten und so den Gesamtprozess gefährden. Die polnische Exilregierung übergab ihre Informationen über die Ermordeten, später „Polnisches Weißbuch“ genannt, dem Chefankläger und dem deutschen Verteidiger. Art. 21 des Londoner Statuts ließ Dokumente über bereits von alliierten Regierungen untersuchte deutsche Kriegsverbrechen als nicht zu verhandelnde Beweise zu. Demgemäß reichten die sowjetischen Ankläger den Burdenko-Bericht, der das Massaker von Katyn als konsequent realisierte „deutsch-faschistische“ „Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker“ einordnete, zitiert in der „Nachmittagssitzung 14. Februar 1946“. Als Beweismaterial ein Dokument 054-USSR abgedruckt in IMT: „Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher…“ Band XXXIX, fotomech. Nachdr. München 1989, ISBN 3-7735-2528-1, S. 290–332. Damit erhöhten sie ihre Erstangabe von 925 auf 11.000 Mordopfer. Gegen ihren Protest wertete der Internationaler Militärgerichtshof / Internationale Militärgerichtshof die vorgelegten Beweise als unzureichend und ließ daher je drei Zeugen für Verteidigung und Anklage zu. In der Verhandlung vom 1. und 2. Juli 1946. „Nürnberger Prozess, 168. Tag, 1. Juli 1946“ (weitere Sitzungen siehe dort) berichtete Friedrich Ahrens von russischen Zeugen der Erschießungen im Wald von Katyn. Reinhard von Eichborn und Eugen Oberhäuser bestätigten, dass Ahrens erst Monate nach dem angeblichen Mordzeitpunkt in Katyn eingetroffen war und Soldaten seines Nachrichtenregiments niemand hätten unbemerkt erschießen können. Boris Basilewski, Bürgermeister von Smolensk, bestätigte, dass im Wald bei Katyn vor 1941 sowjetische Geheimpolizei einquartiert war. Marko Antonow Markow, der 1943 zur Ärztekommission in Katyn gehört hatte, gab nun an, er sei zur Unterschrift unter deren Bericht genötigt worden und habe bei seiner Einzelautopsie den Herbst 1941 als Todeszeitpunkt festgestellt. Er bestätigte aber Winterkleidung der Mordopfer. Das Verfahren gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg 1945–1946. Der Anklagepunkt Katyn wurde daraufhin aus Mangel an Beweisen fallengelassen und im Urteil nicht erwähnt. Anders als sonst erhob Rudenko dagegen keinen Einspruch.
 
Im Winter 1945/46 fand im damaligen Leningrad ein Prozess gegen mehrere deutsche Offiziere statt, denen man das Massaker in Katyn im April/Mai anhängte. Bei dieser Prozess-Farce wurden folgende Offiziere der Wehrmacht zum Tode durch den Strang verurteilt: Karl Hermann Strüffling, Heinrich Remmlinger, Ernst Böhm, Eduard Sonnenfeld, Herbard Janike, Erwin Skotki, Ernst Gehrer. 20 bzw. 15 Jahre Zwangsarbeit erhielten in diesem „Prozess“: Erich Paul Vogel, Franz Wiese, Arno Diere. Auch vor dem Nürnberger Tribunal warfen die Sowjets ihre Verbrechen den reichsdeutschen Angeklagten vor. Nürnberger Tribunal: 168. Tag, 1. Juli 1946 & 169. Tag, 2. Juli 1946: „Nuremberg Trial Proceedings“, 1947, Vol. 17 S. 274: „Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg''. Nürnberg 1947, Bd. 17. Dabei trug sich ein Dialog zwischen Otto Strahmer, dem Verteidiger Görings, und Boris Bazilevsky, der gerade als Zeuge der Anklage die Deutschen belastet hatte, zu. Die sowjetischen Ankläger stellten vor dem Nürnberger Tribunal zweifelsfrei fest, dass die  „deutsche Wehrmacht die polnischen Offiziere im Wald von Katyn ermordet hatte“: Nürnberger Tribunal: 59. Tag. Donnerstag, 14. Februar 1946, Nachmittagssitzung: „Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg“. Nürnberg 1947, Bd. 7. 1947 wurde der deutsche SS-Obersturmbannführer Günter Hundt in Düsseldorf als „Katyn-Henker entlarvt”, so die Lizenzzeitung „Abendblatt” Liz. Nr. 117, am 5. Juni 1947. Die osteuropäischen Wissenschaftler, die an der Erstuntersuchung der Leichen beteiligt gewesen waren, und deren Heimatländer nach dem Krieg unter sowjetische Herrschaft gerieten, sahen sich bald Drohungen und Nötigungen der roten Machthaber ausgesetzt und wurden gezwungen, ihre Gutachten als „von den Deutschen erpresst“ hinzustellen und zu widerrufen. In der Deutsche Demokratische Republik / DDR wurden Einwände gegen die offizielle Version als „faschistische Hetze“ verfolgt. Die Informationskontrolle / Pressezensur in der DDR regelte die Sprache der Medien zu Katyn bis ins Detail: Die Aussage „erschossen von den Nazis“ sei erlaubt, Datierung vor August 1941 sei verboten, polnische Häftlinge der Sowjetunion dürften nicht „Gefangene“ genannt werden. Noch 1976 gelang es der Sowjetunion durch scharfen Protest, die Teilnahme britischer Regierungsmitglieder an der Einweihung eines Katyn-Denkmals auf dem Londoner Friedhof Gunnersbury zu verhindern. Wie bereits zuvor in Kriegszeiten gehorchte in England ein verantwortungsloser politischer Opportunismus den Vertuschungsbemühungen der Täter. Obwohl der Regierung bereits seit 1943 die Untersuchungsergebnisse einer kompetenten internationalen Kommission vorlagen, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme: „Es konnte niemals zur Zufriedenheit der Regierung Ihrer Majestät bewiesen werden, wer dafür verantwortlich war.“ Bis 1989 war das sowjetische Bestreben, dieses eigene Kriegsverbrechen den Deutschen anzulasten, erfolgreich. Dies wurde zudem von linksgerichteten Politikern und Medien auch in Deutschland unterstützt, wobei, wie in der Sowjetunion üblich, jede Wahrheitsklärung als „Neonazismus” und „Revisionismus” diffamiert wurde. Von den deutschen Berufsbüßern wurden noch bis ins Jahr 1990 Bußwallfahrten nach Katyn organisiert, um gerade diesem „grauenhaften Verbrechen der deutschen Wehrmacht ein ewiges Schuldbekenntnis entgegenzustellen“. Die Katyn-Lüge. BRD-Exportschlager: Vergangenheitsbewältigung. Im Geschichtsunterricht der DDR wurde das Massaker der Wehrmacht angelastet. Einwände wurden als „faschistische Hetze“ verfolgt. Im September 2012 veröffentlichte das US-Nationalarchiv die Berichte von John van Vliet und Donald B. Stewart, die Katyn als deutsche Kriegsgefangene im Mai 1943 besuchen durften. Sie hielten sowjetische Täter wegen der Verwesung der Leichen und Tagebuchdaten für erwiesen. Roosevelt war früh darüber informiert, ließ entsprechende Hinweise aber unterdrücken. US-Regierungen beharrten also wider besseres Wissen bis 1990 darauf, die sowjetische Schuld am Massaker sei nicht eindeutig bewiesen. 1981 hatte der Central Intelligence Agency / CIA-Offizier Robert G. Poirier originale Luftbildfotografien von 17 Flügen der Luftwaffe / Wehrmacht über die Gegend von Katyn von 1941 bis 1944 analysiert. Sie zeigten keine Eingriffe in das Landschaftsbild während der deutschen Besetzung, aber davor und nach der sowjetischen Rückeroberung im Herbst 1943. Auch Bulldozer, die Gräber planierten, und Personen, die Körper umhertrugen, waren darauf erkennbar. Sein Artikel blieb unbeachtet. Der Kunsthistoriker Wacław Maliszewski las ihn 1990 und fand die Originalfotografien deutscher Aufklärungsflüge über Katyn, Charkow und Mednoje im National Archives and Records Administration|Nationalarchiv der USA. Er sammelte Zeugenaussagen aus der Gegend und schickte seinen Forschungsbericht an Polens Justizministerium. Dieses entsandte ab Mai 1991 Staatsanwälte nach Charkow und Mednoje, die dort mit Hilfe ortsansässiger Zeugen die bisher unbekannten Massengräber fanden. Bis heute (2013) blieb die lückenlose Aufklärung der Vorgänge unmöglich, weil Akten vernichtet oder manipuliert wurden und unter Verschluss gehalten werden. Churchills Verrat an Polen, Laut der am 1. Juli 2011 bei Arte ausgestrahlten Produktion „Churchills Verrat an Polen“ gebe es kaum Zweifel: der Absturz sei ein Anschlag - von Stalin initiiert und von Churchill geduldet. Nach sowjetischen Dokumenten fanden dabei 21.857 Menschen den Tod, nach Angaben Polens waren es ca. 30.000 Personen, laut Brockhaus rund 25.000. Für das Verbrechen verantwortlich war die gesamte damalige bolschewistische Staats- und Parteiführung der Sowjetunion. Die Verbrechen von 1940 gelten als Teil der stalinistischen Eroberungs-, Gleichschaltungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa, die der Hitler-Stalin-Pakt wesentlich ermöglichte. Historiker wie Michael Parrish betonen, dass Stalin und seine ergebenen Helfer die gesamte militärische und intellektuelle Elite Polens auslöschen wollten und dies nur durch Beteiligung aller bürokratischen Ebenen durchführbar war. Die Zeitschrift „Der Spiegel“ schrieb bereits im Januar 1952 (!) die Wahrheit unter der Überschrift: „Katyn - Ein Verbrechen der Sowjets“. Dennoch stellten, trotz erdrückender Indizien für die sowjetische Täterschaft, selbst westliche Geschichtsschreiber bis in die 1980er Jahre hinein die Moskauer Version gleichberechtigt neben der tatsächlichen dar. Bereits am 26. Juli 1956 erging ein Brief von sechs US-amerikanischen Kongressabgeordneten an Chruschtschow. In diesem bis dahin in der Geschichte des VS-amerikanischen Kongresses beispiellosen Vorgang wandten sich die Abgeordneten an den Machthaber eines fremden Staates, um ihn aufzufordern, die Schuld seines Regimes an dem Verbrechen des Katyner Massenmordes endlich zuzugeben. Der Brief an Chruschtschow, in: Zeit online, 27.09.1956] Der Brief beginnt mit den Worten: „Die unterzeichneten ehemaligen Mitglieder des amerikanischen Kongress-Ausschusses zur Untersuchung des Katyner Massenmordes erlauben sich hiermit, Sie zu fragen, warum Sie Stalins und Berijas Schuld an dem Katyner Massenmord von 4.243, es waren tatsächlich etwa 25.000 Mordopfer polnischen Offizieren im Frühjahr 1940, dem Massenmord, der das größte militärische Verbrechen der Neuzeit darstellt, noch nicht zugegeben haben.“ Noch im Jahr 1985 ließ die polnische Regierung unter Jaruzelski ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen. Das Verbrechen belastet bis heute das russisch-polnische Verhältnis. Die Polen verlangen hartnäckig, dass die sowjetischen Täter zur Verantwortung gezogen werden, sofern diese noch am Leben sind. Dazu forderten sie von der BRD die Katyn-Untersuchungsberichte sowie die dazugehörigen Fotos an, welche die nationalsozialistische Staatsführung zur Aufklärung des Verbrechens hatte anfertigen lassen. Im August 2012 wurden von den USA neue Dokumente über das sowjet-bolschewistische Verbrechen an Polen übergeben. Nach Meinung des polnischen Geschichtswissenschaftlers Wojciech Materski können die freigegebenen Archivmaterialien die Version bestätigen, wonach US-Präsident Franklin Roosevelt von der Unschuld der deutschen Wehrmacht an der Massenerschießung von Polen gewusst, jedoch öffentlich das Gegenteil behauptet hatte. Roosevelt hatte offensichtlich Angst, dass Stalin die antideutsche Koalition verlassen würde. Weitere Massengräber sowjet-bolschewistischer Verbrechen finden sich in Bykownia und Kuropaty mit mindestens einer halben Million verscharrter Leichen.
 
Ein Strafverfahren gegen Täter der Mordserie von 1940 hat nie stattgefunden. Auch eine Entschädigung der Opfer unterblieb. Die Haupttäter Beria und Merkulow wurden 1953 aus anderen Gründen hingerichtet; Blochin starb 1955. Zwar nahm das Oberste Militärgericht Russlands im Herbst 1990 Ermittlungen auf und befragte unter anderen Pjotr Soprunenko und Dmitri Tokarjew. Am 21. September 2004 stellte es das Verfahren jedoch ergebnislos ein und erklärte die meisten Ermittlungsakten für geheim. Das Gericht führte die Taten auf Machtmissbrauch einiger NKWD-Leiter zurück und schloss damit sowohl das sowjetische Politbüro als auch die ausführenden Täter aus dem Kreis der Verantwortlichen aus. Es erkannte nur anonyme Massenexekutionen, aber keine namentlich bekannten Mordopfer an. Der Oberstaatsanwalt des Gerichts, Alexander Sawenko, erklärte am 11. März 2005, es sei nur der Tod von 1.803 Insassen der drei Speziallager erwiesen, davon seien nur 22 identifiziert worden. … Am 16. April 2012 urteilte der Gerichtshof: Wegen des Rückwirkungsverbots könne man die russische Behandlung der Taten von 1940 nicht beurteilen, die zu lange zurücklägen. Doch der Umgang der sowjetischen und anschließend der russischen Behörden mit zehn der 15 Kläger, die direkte Angehörige von Mordopfern sind, sei menschenrechtswidrig gewesen. Ihnen sei seit der russischen Unterzeichnung der Menschenrechtskonvention 1998 kein Zugang zu Untersuchungsmaterial gestattet worden. Sie seien nicht in die Untersuchung eingebunden worden, und Russland habe die Gründe für deren Einstellung im Jahr 2004 vor ihnen geheim gehalten. Das russische Militärgericht habe mit der Annahme, die Getöteten könnten aus den sowjetischen Lagern geflohen oder zu Recht zum Tod verurteilt worden sein, die Umstände des Massakers bewusst verschleiert und mangelnde Menschlichkeit gegenüber den Opferangehörigen gezeigt. Russland habe auch gegen Artikel 38 der EMRK verstoßen, indem es dem Gerichtshof die Akten zur Einstellung der Ermittlungen im Jahr 2004 vorenthalten. Am 13. Oktober 2013 hob die Große Kammer des EGMR dieses Urteil großenteils auf: 1998, als Russland der EMRK beitrat, sei die Ermordung der Kriegsgefangenen bereits eine „nachgewiesene historische Tatsache“ gewesen, so dass den Angehörigen das Schicksal der Opfer nicht ungewiss gewesen sei. Daher sei die Einstellung strafrechtlicher Ermittlungen zu den Massenmorden durch die russische Justiz nicht als „unmenschliche Behandlung“ der Opferangehörigen zu beurteilen und begründe keinen Anspruch auf Entschädigungen. Die seit 2004 fehlende Zusammenarbeit der russischen Justiz mit dem EGMR verurteilte dieser weiterhin. Mit der Verbreitung Wikipedias nehmen geschichtsfälschende Darstellungen per Bildunterschrift oder Bildbeschreibung auf „Wikimedia Commons“ (Wikipedias Medienplattform) zu. Dort werden die Bildbeschreibungen gezielt verwendet, um linke Hasspropaganda und geschichtsverfälschende Lügen in Umlauf setzen zu können. Als Beispiel sei hier die vom Bundesarchiv übernommene falsche Beschreibung eines Bildes zum bolschewistischen Massenmord in Katyn.
 
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Der Bericht eines der sowjetischen Henker aus J. Baberowskis, „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“, 2012, lautet: „Am Ende waren wir immer voller Blut, wir wischten uns die Hände an den eigenen Haaren ab … Unsere Arbeit war kein Zuckerschlecken, wenn einer nicht gleich tot war, fiel er um und quiekte wie ein Schwein, spuckte Blut, Gebrüll und Fluchen auf beiden Seiten. Essen durfte man vorher nicht. Am Ende der Schicht brachte man uns zwei Eimer - einen voll mit Wodka und einen voll mit Kölnischwasser. Mit dem Kölnischwasser wuschen wir den ganzen Oberkörper. Blut hat einen intensiven Geruch. Ich hatte einen Schäferhund, der ging mir immer aus dem Weg, wenn ich von der Arbeit kam.“
 
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Massaker im Zweiten Weltkrieg US-Nationalarchiv gibt geheime Dokumente zu Katyn frei

22.000 Tote, eine Schuldfrage: Im Zweiten Weltkrieg bezichtigten sich Deutschland und die Sowjetunion, für das Massaker von Katyn verantwortlich zu sein. Jetzt freigegebene Dokumente legen nahe, dass die Alliierten schon früh die Wahrheit kannten - doch die USA und Großbritannien hielten zu Stalin. Von Christian Gödecke
Die Botschaft, die den US-Geheimdienst 1943 erreichte, war verschlüsselt und doch eindeutig. Abgeschickt hatte sie John van Vliet Jr., ein US-Offizier in deutscher Kriegsgefangenschaft, und der berichtete Grausames. Beim Besuch eines Waldstücks im von Deutschland besetzten Westen Russlands, zu dem ihn Wehrmachtssoldaten gezwungen hatten, seien ihm mehrere Massengräber gezeigt worden. Darin: Tausende, teilweise mumifizierte Leichen in polnischen Offiziersuniformen.

US-Hauptmann van Vliet hatte im Mai 1943 den Ort eines grausamen Kriegsverbrechens besichtigt. Im Wald von Katyn waren mitten im Zweiten Weltkrieg insgesamt 22.000 Menschen per Genickschuss hingerichtet worden, die meisten Angehörige der polnischen Intelligenz - Offiziere und Reserveoffiziere, die im zivilen Leben als Anwälte, Lehrer oder Ärzte arbeiteten. Wer aber war für die Morde verantwortlich ?

Über Wochen lieferten sich Hitler-Deutschland und Stalins Sowjetunion einen bizarren PR-Krieg um die Schuldfrage. Nachdem deutsche Soldaten die Massengräber im April 1943 entdeckt hatten, klagte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels die Sowjets an. Stalin konterte: Die Nazis selbst hätten das Kriegsverbrechen begangen und versuchten es nun zu vertuschen. Hitler-Deutschland stand international isoliert da - nur die polnische Exilregierung schenkte der Goebbels-Version Glauben.

Überwältigende Indizien für die Schuld der Sowjets

Entscheidend war der Zeitpunkt des Massakers - und den bestimmte der Kriegsgefangene Van Vliet in seiner geheimen Botschaft nach Washington ziemlich genau. Der Zustand der Leichen, schrieb der Hauptmann, habe keinen Zweifel daran gelassen, dass die Ermordeten schon sehr lange tot waren. Zudem hätte er bei der Begehung des Waldes Briefe und Tagebücher in Polnisch gesehen, von denen keines später als Frühjahr 1940 datiert gewesen sei. Überwältigende Indizien für die Schuld der Sowjets, denn die Wehrmacht hatte das Gebiet erst 1941 erobert.

Die USA, das belegen jetzt freigegebene Dokumente des US-Nationalarchivs, mussten die Wahrheit über Katyn spätestens seit jener Botschaft des US-Offiziers John van Vliet Jr. gekannt haben - und einer ebenfalls codierten Nachricht seines Kameraden Donald B. Stewart, der wie van Vliet den Wald bei Katyn besichtigt hatte. Aber warum wurde von US-Seite nie offiziell Zweifel an der sowjetischen Version laut ? Schwieg die US-Administration das Kriegsverbrechen tot, um die Anti-Hitler-Allianz mit dem Partner aus dem Osten nicht zu gefährden ?

Diesen Schluss jedenfalls zieht Randy Herschaft. Der Autor der Nachrichtenagentur AP, der die Dokumente vor der Veröffentlichung einsehen konnte, schreibt: „Seit langem gibt es die Vermutung, Franklin Delano Roosevelt habe Stalin nicht verärgern wollen - einen Verbündeten, auf den die Amerikaner im Kampf gegen Deutschland und Japan während des Zweiten Weltkrieges setzten.“ Die Dokumente, so Herschaft weiter, würden diesen Eindruck verstärken. Vertuschung bis in die höchsten Ebenen der US-Regierung habe die sowjetische Schuld in Katyn verschleiert.

Als Beleg führt der AP-Reporter die Botschaften der US-Offiziere van Vliet und Stewart an, die nachweislich in Washington ankamen - aber offensichtlich folgenlos blieben. Zudem wird ein „umfangreicher und detaillierter Bericht“ erwähnt, den Großbritanniens Premier Winston Churchill 1943 an Roosevelt geschickt habe. Darin schreibt der britische Botschafter bei der polnischen Exilregierung, Owen O'Malley, laut Herschaft: „Es gibt jetzt jede Menge Belege, die in der Summe große Zweifel an der russischen Version darüber aufwerfen, wer für Katyn verantwortlich ist.“

Kuschen vor dem Diktator

Auch die britische „Times“ hat die Dokumente ausgewertet - und schreibt über einen weiteren Beleg in den Dokumenten für die mutmaßliche Ignoranz der alliierten Regierungschefs. Dabei geht es um die Forderung der polnischen Exilregierung um General Wladyslaw Sikorski, das Massaker von Katyn durch das Internationale Rote Kreuz untersuchen zu lassen.

Nachdem Stalin gedroht hatte, die Beziehungen zur polnischen Regierung abzubrechen, habe zunächst Roosevelt beschwichtigt. Sikorski habe sich mit seiner Forderung „geirrt“. Dann versicherte auch Churchill gegenüber Stalin, er werde „energisch“ gegen eine Einmischung des Roten Kreuzes vorgehen.

Wie die offizielle Linie in Sachen Katyn aussah, zeigt die ebenfalls verschlüsselte Antwort des US-Geheimdienstes an Hauptmann John van Vliet. Nachdem dieser angeboten hatte, Informationen über Katyn zu liefern, schrieb eine nicht näher bezeichnete Person zurück: Wenn er die „Katyn-Sache“ meine, "sind wir nur an Belegen für eine deutsche Mittäterschaft interessiert".

Laut Izabella Sariusz-Skapska, Präsidentin der Vereinigung der Katyner Familien, belegen die freigegebenen Dokumente, dass die westlichen Alliierten „die genaue Wahrheit“ über Katyn kannten. „Aber unter den gegebenen Umständen des Krieges war die Wahrheit einfach unbequem.“

goe/AP
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Nach dem Krieg tobten sich russiche Untaten
auch in den besetzten europäischen Ländern aus
 
(Verschleppte und hingerichtete Österreicher
in Moskau 1950 bis 1953)
 

Am 18. April 1945 wurden auf Befehl Berias (NKWD-Befehl Nr. 00315) mit dem Ziel der „Säuberung des Hinterlandes der kämpfenden Truppen der Roten Armee von feindlichen Elementen im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands“ (SBZ) unter der Leitung von Iwan Serow und Michael Swiridow „Speziallager“ eingerichtet. Sie wurden als Teil des Gulag-Systems in erster Linie genutzt, um Personen auszuschalten, die als gefährlich für die Etablierung des sowjetischen Systems in den besetzten Gebieten angesehen wurden.
 
„Ein von Schmerz und Kummer gezeichneter junger, arbeitsfroher Mensch bittet Sie um Gnade und Vergebung seiner vom Hohen Militärgericht ausgesprochenen Todesstrafe." Wilhelm Eichele war 25 Jahre alt, als er diese flehentlichen Worte an das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR richtete. Zu Weihnachten, am 25. Dezember 1951, hatte ihn das Sowjetische Militärtribunal (SMT) 28990 in Baden bei Wien wegen „antisowjetischer Spionagetätigkeit“ zum „Tod durch Erschießen“ verurteilt. Weder die Beteuerung „Als 14. Kind einer armen Arbeiterfamilie entstammend, lernte ich mein ganzes Leben lang nur Not und Elend kennen“, konnte seine „Richter“ milde stimmen, noch sein Gnadenappell: „Ich bitte Sie daher, üben Sie Gerechtigkeit, lassen Sie Ihr Herz sprechen, für einen armen, jungen, zum Tode verurteilten Menschen, der nur das Gute wollte, und ich glaube und vertraue auf Sie ! Ich denke an die Worte unseres ,größten Mannes', Generalissimus Stalin.“ Am 22. Februar 1952 bestätigte das Oberste Gericht der UdSSR das Todesurteil. Eichele wurde am 28. März 1952 in Moskau erschossen, eingeäschert, seine Asche in einen Blechkübel gekehrt; diesen entleerte man ins wenige Schritte entfernte Grab Nr. 3, das „Massengrab mit nicht abgeholter Asche aus den Jahren von 1945 bis 1989“, unter dem es auf dem Friedhof des Donskoje-Klosters heute offiziell bekannt ist. 1998 rehabilitierte ihn die russische Hauptmilitärstaatsanwaltschaft. Von 2.201 Zivilisten, die sowjetische Organe in Österreich verhafteten, erhielten mehr als tausend hohe Haft- und Lagerstrafen. 132 Personen verurteilte das SMT in Baden zum Tode, 39 in den Jahren 1945 bis 1947 und 93 zwischen 1950 und Stalins Tod am 5. Februar 1953. Niemand in Österreich wusste, dass in Baden derartige „Prozesse“ stattfanden, in denen die Beschuldigten keinen Rechtsbeistand hatten. Die Anklage war stets dieselbe: „Antisowjetische Spionagetätigkeit“. Und das Urteil stets gleichlautend: Tod durch Erschießen. Das Delikt, das den in die Kellerräume einer Badener Villa Geschafften, wo das SMT tagte, zur Last gelegt wurde, konnte in jenen Jahren gerade im Wien des „Dritten Manns“, also der Drehscheibe der Spionageaktivitäten von Ost und West, viel umfassen oder wenig. In den meisten Fällen waren es Lappalien, deren sich die Verhafteten schuldig gemacht hatten, getrieben aus schierer materieller Not und vom Willen, die widrigen Zeitläufte zu überstehen. Das wirkliche Schicksal all derer, die unter diesen Umständen und auf dieselbe Weise ums Leben kamen, war noch bis vor vier Jahren gänzlich unbekannt. Der entscheidende Hinweis kam von Arsenij Roginskij, Chef der einst von Andrej Sacharow gegründeten Bürgerrechtsorganisation „Memorial“. Er kontaktierte den Grazer Historiker Stefan Karner, Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, der sich nicht nur durch die Erforschung des Schicksals aller österreichischen Kriegsgefangenen im Gewahrsam der Sowjetunion, sondern auch der dahinter stehenden GULag-Verwaltung einen Namen gemacht hat. Ihm und seinen Mitarbeitern war es dann in Kooperation mit dem Moskauer Staatsarchiv auch möglich geworden, die Schicksale dieser besonderen Gruppe unter den letzten Opfern Stalins zu rekonstruieren und in der vorliegenden Publikation mustergültig zu dokumentieren - und zwar durch Strafprozessakten aus dem einstigen KGB-Archiv, Gerichtsbescheide aus dem russischen Staatsarchiv sowie die Gnadengesuche der Hingerichteten. Während sich im ersten Teil des Buches österreichische, deutsche und russische Historiker diesem dunklen Kapitel der späten Stalinzeit widmen, werden im zweiten Teil die Biografien der Opfer nachgezeichnet. In Moskau war Wassilij Michailowitsch Blochin zwischen 1924 und 1953, mithin in der gesamten Periode von Lenins bis Stalins Tod, für die Erschießung von „Staatsfeinden“ zuständig. Viele der Exekutionen nahm der mit Stalin persönlich bekannte Generalmajor des NKWD (Vorläufer des KGB) persönlich vor. Dabei trat er bisweilen auf, als wollte er die Delinquenten eher köpfen, als ihnen den Genickschuss verpassen. Er legte oft die Montur eines Schlächters an: braune Schirmmütze, lange Lederschürze und Handschuhe, die bis über die Ellbogen reichten. Kurz nach Stalins Tod wurde er seines Amtes enthoben, im Zuge der unter Nikita Chruschtschow eingeleiteten „Entstalinisierung“ ging er seines Generalsrangs verlustig, kurz darauf verstarb er. Blochins gepflegtes Grab befindet sich übrigens nahe dem Eingang zum Donskoje-Friedhof, keinen Steinwurf von den dortigen Massengräbern entfernt. In den Jahren des Terrors (zwischen 1932 und 1938) darbten ungefähr 30.000 Häftlinge in der Butyrka, in der eigentlich nur für tausend Platz war und wo, wie in der Lubjanka, dem Sitz des KGB, „Volksschädlinge“ und „Staatsfeinde“ ihrer Aburteilung respektive Urteilsvollstreckung entgegensahen. Von Kriegsende bis zu Stalins Tod wurden 7.000 Menschen in der Butyrka erschossen, unter ihnen mehr als 900 deutsche und jene 104 österreichischen „Spione“, von denen das vorliegende Buch handelt. Dabei hatte Stalin, der „weise Vater der Völker“, die Todesstrafe 1947 ausgesetzt. Angesichts innerer Wirren, Stalins Phobien (Stichwort: „jüdische Ärzteverschwörung“) und des immer eisiger werdenden Kalten Kriegs führte er sie 1950 wieder ein. Heute weiß man, dass spätestens vier Tage nach Ablehnung der Gnadengesuche die Exekutionsanordnung erlassen wurde; in den Akten ist nur die Urteilsvollstreckung festgehalten, nicht jedoch der Ort. In den Moskauer Einäscherungsprotokollen scheint lediglich die Unterschrift des Ausführenden auf, die Exekutierten blieben namenlos. Erst seit der FSB, Nachfolger des KGB, die Türen in seine Archive des Grauens einen Spalt öffnete, konnten Forscher den Opfern die Namen wiedergeben und deren Angehörigen die Gewissheit." Autor: Reinhold Olt - Stafn Karner/Barbara Stelzl-Marx (Herausgeber), „Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschossene Österreicher in Moskau 1950-1953"
 
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Wikipedia:  „Massaker von Katyn - Ausführende
 
Die wichtigsten Täter nach Politbüro, Troika und NKWD-Zentrale waren die Leiter der regionalen NKWD-Behörden Jemeljan Kuprijanow (Smolensk), Pjotr Safonow (Charkow) und Dmitri Tokarew (Kalinin). Sie wählten als Kraftfahrer, Baggerführer, Bestatter, Fotografen, Bewacher und Pistolenschützen geeignete Untergebene aus. Weitere Täter gehörten zu dem Bataillon, das die Transporte begleitete. Sie kannten auch die traditionellen, zum Teil schon seit den 1920er Jahren genutzten Erschießungsorte.
 
Die Erschießungen in Smolensk und Katyn führten über 50 NKWD-Männer aus der Region aus. Ihr Leiter war der Gefängnisdirektor Iwan Stelmach. Die Morde in Charkow leitete der Verwaltungschef Timofei Kuprin. Das dreiköpfige Moskauer Exekutionskommando für Kalinin leitete Major Wassili Blochin. Er meldete die Mordquoten, die er sich auferlegt hatte, täglich nach Moskau, erschoss anfangs selbst 300 Gefangene pro Nacht und entschied später, die Mordrate auf 250 Personen pro Nacht zu senken.
 
Schon vor Beginn der Morde hatte Beria am 17. März 1940 einmal sechs und zweimal drei tatbeteiligte NKWD-Funktionäre aus den Regionalbehörden und Lagern befördert. Am 26. Oktober 1940 belohnte er 124 namentlich genannte Täter „für die erfolgreiche Erfüllung von Sonderaufträgen“ mit einem zusätzlichen Monatsgehalt (43 Personen) oder 800 Rubeln (81 Personen). Viele Tatbeteiligte stiegen bald in höhere Ämter der Partei oder der Staatssicherheit auf und erhielten den Orden des Roten Sterns. Widerspruch von Tätern gegen die Befehle ist nicht bekannt.“
 
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