ATLANTIS - ATLANTER - SEEVÖLKER I.

Copyright Gerhard Hess / Mai 2016
 
Visionäre Atlantis-Vorstellung - M. Friedel, St. Hulbe
 
 
THULE - ATLANTIS ?
 
Wo lag die verschollene Heimat,
wo lag Thule -, wo Atlantis,
wer durchdringt den Zeiten-Nebel,
weist uns Wege der Erkenntnis ?
 
Unter Nordseewellen schlummern,
viele schlimme Untergänge -,
dämmern dort gelobte Reiche,
künden davon die Gesänge ?
 
Nimmersatte Wogenkämme,
wandern ihre ewigen Straßen,
über wunder-reiche Länder,
die sie in der Frühzeit fraßen.
 
Glücklich dehnten sich die Auen,
bis zum Horizont, den Rossen,
mählich grasten Ur und Wisent,
durch die Flüsse tanzten Flossen.
 
Menschen waren hoch und edel,
friedlich, gütige Geschlechter.
Ihrer Sitten Sinn und Ordnung
waren löblich und gerechter.
 
Golden war ihr Haupt gelichtet,
himmels-blau ihr Aug‘ verliehen,
rechtwinklig an Leib und Seele -,
nach Apollons Art gediehen.
 
Einmal kam das große Fluten,
turmhoch stürzten Wasserwände,
griffen nach dem Glück der Insel
Meeres grüne Krallen-Hände.
 
Sank Atlantis -, sank auch Thule,
nur ins Meer, nie ins Vergessen -,
jeder wahre Nordland-Stämmling
ahnt bis heut‘ was er besessen.
 
 
„Atlanter“ nach zyprischen Funden
gemalt von Giuseppe Raval
 
 
ATLANTIS - ATLANTER ?
 
 
Schiffskämpfe in den Nilmüdungen auf der Nordwand von Medinet Habu
 
 
Bei Ausgrabungen von Philister-Friedhofs von Yavne u. Aschkelon (11./08. Jh. v.0) stieß man auf viele Skelette, worunter solche bis zu 1.80 m Höhe waren. Die Durchschnittsgröße damaliger Kanaaniter lag um die 1.65 Meter. Univ.-Prof. Dr. theol. Wolfgang Zwickel zu Aschkelon-Funden: „Das US-Team hat Nachkommen der Philister in der neunten oder zehnten Generation ausgegraben.“ Die in Aschkelon freigelegten Skelette stammen laut Zwickel aus einer Zeit, zu der sich die ursprünglichen Philister längst mit den einheimischen Kanaanitern vermischt hatten.
 
DIE NORDIT-EUROPÄISCHE UR-ACHSE
 
Studieren wir die Funde der europäischen Frühgeschichte, schält sich die Erkenntnis von dem heraus, was man die „Indogermanische Achse“ oder „Nordit-Europäische Achse“ nennen könnte. Zwei starke Herde der sog. indogermanischen bzw. indoeuropäischen Volkskräfte lassen sich nachweisen: Einmal der „Nordische Kreis“ mit seinen Zentren: Brandenburg, Mecklenburg, Jütland, Däneninseln, Schonen, Gotland, Baltenküsten. Und der südosteuropäische „Nordbalkan Kreis“, mit dem Achsenzentrum: Donau-Deltagebiet, Schwarzmeer-Westküstenrand, Schwarzmeer-Nordraum, Karpatenbecken, Böhmisches-Becken, Mitterer-Donauraum. Als Verbindungsstraße des Südraumes fungierte die Donau, die Fernstraßen zwischen Süd-Nord-Nord-Süd waren Oder und Elbe. Ohne die atlantisch-thrakische Zuneigung, belebt durch Gesandtschaftsaustausche, einem astronomischen und metallurgischen Wissenschaftstransfer und dem traditionellen Bewusstsein einer ethnisch bestimmten Seelenverwandtschaft, hätte es zu der kraftentfaltenden Stoßgewalt in den Süden bis vor die Tore Ägyptens gar nicht kommen können. Hätten sich die thrakischen Stämme dem Nordvölkerzug nicht angeschlossen, wäre es zu gewaltigen Erschütterungen im Nordbalkanraum gekommen; davon ist archäologisch nichts zu sehen. Die Zerstörungshorizonte beginnen erst in Anatolien.      
 
ATLANTIS-BERICHT UND RAMSES-BERICHT
 
In Platos (428-348 v.0) Atlantis-Bericht gibt der Gesprächspartner Kritias Kunde von dem was die ägyptischen Priester dem weisen Solon mitgeteilt hatten: „Ihr seid alle jung an Geiste, erwiderte der Priester, denn ihr tragt in ihm keine Anschauung, welche aus alter Überlieferung stammt, und keine mit der Zeit ergraute Kunde.“- Der Priester gab Bericht vom Stier- und Weltsäulenkult der Atlanter: „In dem heiligen Bezirk trieben sich der Gottheit geweihte Stiere herum. Nun veranstalteten die Zehn [atlantischen Könige] allein bleibend, nach einem Gebet zu Gott, sie möchten ein ihm genehmes Opfer ergreifen, indem sie ohne Eisengerät, nur mit Stricken und Holzknüppeln, eine [rituelle] Jagd veranstalteten. Denjenigen von den Stieren, die sie fingen, schafften sie auf die Säule hinauf und schlachteten ihn auf der Höhe derselben (katà koryphèn autes), so dass das Blut auf die Inschrift hinunterfloss. Auf der Säule aber befand sich außer den Gesetzen auch noch eine Eidesformel, die schwere Verwünschungen über die Ungehorsamen herabrief [welche sich an die heiligen Verträge nicht halten würden].“ Ich fand im schwedischen Bohuslän (Region Udevalla / Kasen) ein bronzezeitliches Felsbild welches exakt diesen Vorgang der Stieropferung vor der Sonnenspiral-Säule / Weltsäule - deren Bezeichnung im mittelalterlichen Sachsen „Irminsul“ (All-Säule) war - ins Bild setzt. Damit ist der Beweis für den bronzezeitlichen Stier- und Säulenkult des europäischen Nordens erbracht.
 
In Platos Atlantis-Bericht heißt es aus dem Munde Kritias: „(24e) […] Unsere [ägyptischen] Bücher erzählen nämlich, eine wie gewaltige Kriegsmacht […] übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom atlantischen Meere heranzog. […] Auf dieser Insel Atlantis nun bestand eine große und bewundernswürdige Königsherrschaft, welche nicht bloß die ganze Insel, sondern auch viele andere Inseln und Teile des Festlands [Nordischer Kreis] unter ihrer Gewalt hatte. Außerdem beherrschte sie noch von den hier innerhalb [Gibraltars] liegenden Ländern (25b) Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrenien hin. Indem sich nun diese ganze Macht zu einer Heeresmasse vereinigte, unternahm sie es, unser [Land Ägypten] und euer Land [Griechenland] und überhaupt das ganze innerhalb der Mündung liegende Gebiet mit Einem Zuge zu unterjochen. […] (25c) […] Späterhin aber entstanden gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen, und da versank während eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht (25d) das ganze streitbare Geschlecht [der Mykener / Athener] bei euch scharenweise unter die Erde und ebenso verschwand die Insel Atlantis, indem sie im Meere unterging.“
 
Wie jüngste Datierungen annehmen lassen, genügten rund 50 Jahre, etwa von 1.230 bis 1.170 v.0, um die Staaten des Vorderen Orients völlig umzukrempeln. Viele Erdbebenstöße und die Seevölker-Invasoren erschütterten und zerstörten alle bis dahin bekannten politischen Strukturen, bis auf jene Ägyptens. Auch an der deutschen Nordseeküste muss es zu verheerenden Überschwemmungen gekommen sein. Die Geologen haben festgestellt, dass während des Zeitraums um 1200 v.0., zum Beginn der „Bronzezeit IV“, in Norddeutschland die sogenannte „Senkung III“ erfolgte, eine Erhöhung des Meeresspiegels, die in mächtigen Sturmfluten weite Land- und Inselgebiete des westlichen Schleswig-Holstein unter der Oberfläche des Meeres verschwinden ließ. Viele vorspringende Geestrücken wurden weggerissen und an andernorts langgestreckte Strandwälle aufgeworfen. Der längste dieser Strandwälle, 20 Kilometer lang und bis zu 8 Metern hoch, entstand die „Lundener Nehrung“, die die Eiderbucht absperrte. Sowohl auf diesen Strandwällen als auch auf den „Kleffs“, den Resten der abgerissenen Geestrücken, fehlen die üblichen bronzezeitlichen Funde. Jedoch finden sich dort Zeugnisse der sich anschließenden Eisenzeit. Das darf als Beweis gelten, dass die Zeit um 1200 v. 0 die Zeit des Beginns der Wanderung der „Seevölker“, auch die Zeit der großen Sturmfluten war, welche manche nordischen Küstenstämme heimatlos machten und zur Abwanderung veranlassten. Die dortigen Küstenvölker machten sich auf den Weg in scheinbar sicherere Lebensräume. Sie rissen südlichere Stämme aus Donau- und Nordbalkanregionen auf ihrer Wanderung mit. Wie die Berichte bekunden, hatten sich die Führer etlicher Völker sorgfältig besprochen, gemeinsam das fruchtbare, große Land am Nil zu erobern und als letztes Ziel ihrer Unternehmungen anzusteuern. Das frühgriechische Mykene, die tonangebende Macht in der Ägäis, wurde bereits um 1.250 v.0 schwer zerstört und ging um 1.190 v.0 völlig unter. Als der Kollaps kam verschwanden ganze Städte. In Anatolien gaben die Hethiter ihre Hauptstadt Hattuscha verloren, das Großreich war ohne Zentralgewalt und zerbrach. Gleichzeitig versanken die hethitischen Städte Alaca Höyük, Masat Höyük, Mersin, Tarsus, Kayalipinar und Kusakli. Gleiches geschah in Griechenland. Dort ging das mächtige Mykene ebenso unter wie Tyrins, Pylos, Theben, Katsingri, Korakou, Iria und Messenia. Die Orte Berbati, Zygouries, Gonia und Eutresis wurden verlassen. Die Archäologen fanden Spuren von Naturgewalten und menschlicher Angriffsgewalten im Trümmerschutt der Brandhorizonte: Pfeilspitzen und zerbrochene menschliche Knochen.
 
Die legendenhaft anmutenden Atlantis-Berichte spiegeln sich in den historischen Geschehnissen von denen altägyptische Tempelwände und Papyri Zeugnis ablegen. Die Nordatlanter hatten - wie es der Atlantis-Bericht festgehalten hat - ein weltweites Bündnis urstammverwandter Insel- und Seevölker geschmiedet gegen das Goldland am Nil. In einer Zeit der Naturkatastrophen, der Hungersnöte und Seuchen schien Ägypten wie eine begehrenswerte Oase der Ruhe und des Reichtums. In diesen Umbruchszeiten des Ausgreifens der Nord- und Seevölker, die durch die gewaltigen Leistungen Einzelner und ganzer entbehrungsgewohnter Heerscharen ertrotzt wurden, erwuchsen aber auch den Ägyptern großartige abwehrfähige Führergestalten in Gestalt der Ramessiden. Das waren keine Rasseägypter, vielmehr hellhäutige, hellhaarige Nordmenschen, die sich aus dem Wagenkämpfer-Söldneradel an die Führungsspitze gearbeitet hatten. Die königliche Blutslinie der Ramessiden verlief folgendermaßen: Ramses I. > Sethos I. > Ramses II. > Merenptah > Sehos II. (wohl identisch mit Sethos-Merenptha) > Sethnacht > Ramses III. > Ramses IV. Der erste Ramesside, Ramses I. (starb 1.290 v.0) kam aus dem Kreis der Offiziere des „Kriegsministers“ Haremhab unter Amenophis-Echnaton. Er war ein über 1.70 m großer Mann. Dessen Sohn Sethos I. (1.323 -1.279 v.0), war der „Vorsteher der Pferde“, also Oberbefehlshaber der gefürchteten Streitwagentruppe, welche die Ägypter nach den hethitischen und mykenischen Vorbildern aufgebaut hatten. Dessen Sohn war Ramses II., „der Große“ (1.303 -1.213 v.0). Er musste einzelne unkoordinierte Angriffe der Fremd- und Seevölker abwehren. Beispielsweise jenes mit der ägyptischen Schreibweise „Šrdn“, das von der Forschung vokalisiert wird als Scherden od. Schardana od. Šardanu und ursprünglich aus Sardinien stammt. Schon in den „Amarnabriefen“ - während der 18. Dynastie, um Mitte des 14. Jhs. v.0 - wurden die Scherden in einem Brief des Königs von Byblos an den Pharao als Leibwache erwähnt. Dorthin, nach Sardinien, hatte Ramses ein höchst provozierendes Flottenunternehmen unternommen und führte Kriegsgefangene hinfort, um sie als seine Sklaven-Soldaten in ägyptischen Regionen anzusiedeln, zu kasernieren und der eigenen Armee zu verpflichten. Mindestens seit dieser Zeit kämpften mit Stierhörnerhelmen ausgerüstete Sardinier für die Pharaonen. Auch in der Schlacht bei Kadesch (Qadeš) zwischen Ägyptern und Hethitern (1.274 v.0), am Fluss Orontes in Nord-Syrien, kämpften wohl zwangsverplichtete Scherden auf ägyptischer Seite mit. Ein Relief-Detail des Tempels von Abydos des Ramses II. zeigt ägyptische Sarden-Söldner, mit Hörner-Helmen, wie sie z.B. gefangenen hethitischen Wagenkämpfern die Hand absäbeln. Um sie von ihren gegnerisch gebliebenen Stammesbrüdern unterscheiden zu können, bekamen die pro-ägyptischen „Šrdn“ einen Aton-Sonnen-Ball (oder -Scheibe) zwischen die Helmhörner montiert. Dieser Feststellung scheint allerdings ein Relief in Medinet Habu zu widersprechen, wo ein gefesselter bärtiger Häuptling der „Sherden des Meeres“ den Hörnerhelm mit dem Sonnenball trägt.
 
Gefangener heller Keftiu bzw. mykenischer Kreter vom Abydos-Tempel, Ramses II.
 
Ramses II. dritter Sohn war Pharao Merenptah, der von 1.213 bis 1.204 v.0. regierte. Er hatte bereits in seinen ersten Regierungsjahren Unruhen im syrischen Raum erfolgreich niedergeschlagen, er war also kriegserfahren und von zupackender Natur. Er begann Festungswerke an der ägyptischen Nordflanke zu errichten, weil erfahrungsgemäß die Gefahren aus dem Norden immer akut waren. Doch in seinem 5. Regierungsjahr (1.208 v.0) musste er zunächst im „Libyerkrieg“ die massiven Angriffe aus dem Westen abwehren. Die Libyer griffen ihre östlichen Nachbarn an. Schon in den vorherigen Zeiten hatte es Scharmützel und kleinere Raubzüge gegeben, doch nun gingen die Libyer aufs Ganze, sie wollten das reiche Land am Nil endlich erobern. Auf Inschriften in Karnak und Athribis aus dem 5. Jahr des Pharao Merenptah ist die Schlacht bei Sais geschildert. Dort zog eine Vereinigung aus Libyern und „Seevölkern“ gegen Ägypten. Libyer-König Meria führte sein Heer an, das von Hilfstruppen der Šardana, Šekeleša, Aqi-waša, Luka, Turiša, Mešweš, Tjehenu und die Tjemehu unterstützt wurde. Beteiligte am libyschen Eroberungskrieg waren die erwähnten nordafrikanischen Stämme der Tiemehu, Tiehenu und Meschwesch. Sie kamen aus den alten Megalith-Gebieten Nordwestafrikas und scheinen als frühe nordeuropäische Einwanderer einem helleren Menschentyp angehört zu haben, denn noch ihre späten Nachfahren - die Guanchen, Berber, Tuareg - waren/sind von heller Art. Für den Angriff auf Ägypten stellten die Verbündeten Hilfskontingente. Das waren die Eqweš/Aqi-waša (Ahhijawa = Achäer-Mykenier), die Turiša (Tyrsener = Nordwestküste der Apennin-Halbinsel), die Sekeleš und den Šardana / Scherden (Sardinier), die Luka (Lukka-Länder = Küste westliches Südkleinasien). Die Libyer selbst hatten alle waffenfähigen Männer zum Heeresdienst einberufen. Doch sie scheiterten am Ramessiden Merenptah.
 
Der spitzbärtige kniende gefesselte Philister-Fürst (auf dem Sockel des Osiris-Pfeilers in der nördlichen Kolonnade Medinet Habus) trägt eine festsitzende Kappe die sich in der Mitte über seinem Haupthaar hochwölbt. Der Horusfalke setzt sein Siege-Schwert-Zepter auf den Kopf des Unterworfenen.
 
Der massivste Angriff der „Fremdvölker-Seevölker“ erfolgte unter Ramses III., in dessen 8. Regierungsjahr, wie es auf den Wänden seiner Nekropole von Medinet Habu geschrieben steht (nach Wolfgang Helck, „Die Seevölker in den ägyptischen Quellen“ in „Jahresber. d. Inst. f. Vorgesch. d. Uni. Frankf. A.M.“, 1976, S. 11ff): „Die nördlichen Fremdländer - die auf ihren Inseln sind - beben [förmlich im Eifer] am ganzen Leibe. Die Pulasata und Sikkar [beides Philister-Bezeichnungen] trennten sich von ihrem Land, nachdem ihre Macht und ihr Lebensinhalt zunichte geworden war, und kamen als Teher [mykenisch-philistrische Freibeuter] zu Meer und zu Land. Die zu Land kamen [mit Frauen u. Kindern in Ochsenkarren] wurden abgeschlachtet und die [mit Schiffen] in die Nilmündungen eindrangen, wurden wie Vögel im Netz gefangen und zerstampft.“ - An anderer Stelle werden die fünf angreifenden Volksgruppen aufgeführt: „Tjeker/Sikkar, Peleset/Philister, Danuna/Danun, Weschesch/Wasas, Schekelesch/Sakalus.“ (Die unterschiedlichen Lesearten entstehen wegen fehlender Vokalzeichen der ägypt. Inschriften.)
 
Die Medinet-Habu-Inschriften des Ramses III. vom 8. Regierungsjahr vermelden: „Ich [Ramses] wehrte die Neunbogen-Völker [vom äußersten Norden] ab, die sich von ihren Inseln trennten, und zerstreute sie. Kein Land vermochte [zuvor] ihnen standzuhalten, [beginnend] mit Hatti [Anatolien], Karkemisch [Südanatolien], Arzawa [Kreta] und Alasia [Cypern] wurden sie entwurzelt wie auf einen Schlag. Abgeschnitten von ihrem Land, schlugen sie [alle] zusammen im Innern von Amurru [Syrien / Kanaan] ein Lager auf und vernichteten die Leute und das Land als sei es nie gewesen. Sie kamen nun - indem die Flamme vor ihnen herbrannte [wissenschaftl. belegte damalige Naturkatastrophen, Erdbeben] - voran gegen Ägypten, [das sie als] ihre Zwingburg [ansahen]. Die verbündeten Philister, Zikar, Sakalus, Danu und Wasas, legten ihre Hände auf alle Länder bis ans Ende der Welt, indem ihre Herzen voll Vertrauen [zu sich selbst] waren und sich zuversichtlich besprachen: ,Unser Plan wird gelingen !‘ Doch…“ Während dieser zweiten großen Seevölker-Angriffswelle hat sich die Zusammensetzung der Angreifer aus der Zeit des Merenpthah verändert, es fehlen die Akijawascha und die Lukka, auch die Serdana-Schirdanu sind in der Aufzählung nicht mehr genannt, treten aber in den Abbildungen der Seeschlacht auf.
 
„Die sich von ihren Inseln trennten“, „entwurzelt auf einen Schlag, abgeschnitten von ihrem Land“. Diese Sätze können sich beziehen - wie es Jürgen Spanuth angenommen hat - auf die Atlanter und ihre untergegangene Königsinsel Atlantis -, heißt es doch im Atlantis-Bericht des Plato: „Während eines einzigen schlimmen Tages und einer einzigen schlimmen Nacht” sei in einer Flutkatastrophe Atlantis untergegangen. Es könnte sich ebenso beziehen auf Mykenier und Inseln der Ägäis, wie es die offizielle Wissenschaft vermutet. Der Brand des Kornspeichers in Mykene, der um 1.125 v.0 datiert wurde, scheint zum endgültigen Verfall der dortigen Herrschaft geführt zu haben. Doch welche Ägäis-Inseln sind in dieser Zeit untergegangen und von welchen Inseln könnten die Mykenier auf einen Schlag abgeschnitten gewesen sein ? Der Santorin-Ausbruch lag Jahrhunderte zurück, er geschah im 16. Jh v.0. Der Deutungsversuch des J. Spanuth, der Bericht fuße auf den Aussageprotokollen gefangener und vernommener Nordleute aus Atlantis, ist nicht von der Hand zu weisen ! 
 
Eine andere Übersetzung der Texte vom 8. Regierungsjahr des Ramses III. lautet: „Ich, Ramses III., schütze Ägypten, indem ich die Angreifer abwehrte. Die Fremdländer vollzogen alle zusammen die Trennung von ihren Inseln. Sie zogen fort und verstreut sind im Kampfgewühl die Länder auf einen Schlag. Nicht hielt irgendein Land vor ihren Armeen stand; und die Länder von Hatti, Qadi, Qarqemiš, Arzawa, und Alasia an waren entwurzelt auf einen Schlag. Es wurde ein Lager aufgeschlagen an einem Ort im Inneren von Amurru. Sie vernichteten seine Leute und sein Land, als sei es nie gewesen. Sie kamen nun, indem die Flamme vor ihnen bereitet war, vorwärts gegen Ägypten …. Die Pelest, Sikeler, Šekeleš, Danunäer und Wašaš, verbündete Länder, legten ihre Hände auf alle Länder bis ans Ende der Welt; ihre Herzen waren zuversichtlich und vertrauensvoll: Unsere Pläne gelingen.“ (Gustav Adolf Lehmann, „Die ,Seevölker‘-Herrschaften an der Levanteküste“, in „Jahresber. d. Inst. f. Vorgesch. d. Uni. Frankf. A.M.“, 1976) Die ägyptischen Berichte von der „Verschwörung“, dem „Plan“ und der „Siegeszuversicht“ der nordischen und westmittelmeerischen Angreifer-Allianz rufen spontan die ähnlich lautenden Passagen des Atlantis-Berichtes in Erinnerung. Auch dessen konkrete Aussage, dass die „Atlanter“, außer ihrem eigenen atlantischen Stammland „vor den Säulen des Herakles“ auch noch weisungsbefähigt waren über westmittelmeerische Völker, stimmt mit ägyptischen Berichten aus der Ramses-Zeit überraschend überein. Im Atlantis-Bericht heißt es: Außerdem beherrschte sie noch von den hier innerhalb liegenden Ländern Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrhenien [Nordwestküste Italiens / Sardinien, Korsika] hin.“
 
Der „Papyrus Harris“, zum Tod von Rames III. verfasst, berichtet: „Die Fremdländischen verschworen sich auf ihren Inseln, doch sie wurden auf einen Schlag zerstreut und vertrieben. Vorher konnte kein Land ihren Waffen trotzen.“ Der Text beschreibt geradezu eine Massenflucht verzweifelter und gut bewaffneter Menschen, denen es sogar gelang, das Hethiterreich hinwegzufegen, welches jahrhundertelang der Erzfeind Ägyptens war. Bei den Flüchtlingen handelte es sich um ein Bündnis verschiedener Völker, die der Papyrusschreiber gewissenhaft auflistet: „Peleset (Philister), Tjeker (möglicher Weise verwandt mit den Teukroi aus Troas), Schekelesch (Sikaner aus Sizilien), Weschesch (ungewisse Herkunft) und Denjen oder Dardanj (Danaern / Mykenier).
 
Ein weiterer Auszug aus Ramses III. fingierter Rede auf Medinet-Habu-Wänden über den Krieg gegen die Seevölker lautet: „Nun geschah es durch Gott, den Herrn der Götter, dass ich mich vorbereitet und bewaffnet hatte und sie [die Fremdvölker] wie Wildgeflügel [zusammenfing]. Er [Gott] ließ meine Kraft und meinen Pläne gedeihen. Ich ging hinaus, um diese wunderbaren Ereignisse zu lenken. Ich rüstete und vorbereitete meine Grenze in Zahi. Vor den adligen Führern und Offizieren der Infanterie ließ ich die Flussmündungen auszurüsten, wie eine starke Wand, mit Kriegsschiffen, Galeeren und Schuten. Die [Schiffe] waren [vollständig] besetzt vom Bug bis zum Heck mit tapferen, waffentragenden Kriegern, alle [waren] auserlesenste Soldaten Ägyptens, [die] wie brüllende Löwen auf Berggipfeln waren. Die Wagenlenker waren Krieger und alles gute Offiziere, [sie waren] bereit Hand [anzulegen]. Ihre Pferde zitterten [vor Tatendrang] in allen ihren Gliedern [und] bereit, die [Fremd-] Länder unter den Füßen zu zerquetschen. Ich war der tapfere Month, bevor sie stationiert [waren], dass sie [den] Hand-zu-Hand-Kampf meiner Arme erblicken könnten. Ich, König Ramses III., wurde [wie] ein mächtig ausschreitender Held, im Bewusstsein seiner Macht, [der] seine Armee tapfer machte in den Tagen der Schlacht, [sie vorbildlich] zu führen. Diejenigen, die meine Grenze erreichten, [vermochten] ihr Saatgut nicht [in den Boden zu senken]; ihr Herz und ihre Seele [ist] für allezeit erledigt. Für diejenigen, die [sich] vor ihnen auf dem Meer versammelt hatten, wirkte die volle [Vernichtungs-] Flamme in ihren vorderen [Reihen und schon] vor den Flussmündungen [stand wie es wie] eine Wand aus Metall an der Küste, [die] sie [die Feinde] umgab. Sie [die gegnerischen Schiffe] wurden geschleppt, umgeworfen und umgeworfen auf den Strand gelegt; [ihre Besatzungen wurden] getötet und [man] machte Haufen von Heck ihrer Schiffe niederzulegen, während alle ihre Sachen auf dem Wasser schwammen. [So] drehte ich das Wasser wieder Ägypten zu erinnern; wenn sie meinen Namen in ihrem Land nennen, kann es sie niederbeugen, während ich auf dem Thron [von] Harakhte sitze, und das Schlangen-Diadem ist auf meinen Kopf fixiere, wie Re [die Sonne]. Ich erlaube [ihnen] nicht die Länder [und] Grenzen Ägyptens zu sehen [-] [unter] ihnen. Wie für die [Fremdvölker der] Neun-Bögen, habe ich ihr Land und ihre Grenzen erobert; sie sind meinen hinzugefügt [worden]. Ihre Führer und ihr Volk [kommen zu] mir mit Lob. Ich führte die Pläne des All-Herrscher [aus], dem göttlichen Vater und Herrn der Götter.“
 
Die Aufzählung der überrollten Länder weist unbestreitbar auf eine Invasion vom Balkan herunter, über die ägäischen Inseln, Kreta, Cypern und Amurru-Kanaan, bis ins ägyptische Grenzgebiet hin. Die symmetrischen, geschnäbelten Schiffe der Philister weisen auf die typischen Schiffskonstruktionen des skandinavischen Nordens hin. Diese Schiffe haben keine Ruder, im unverständlichen Gegensatz zu den ebenfalls abgebildeten ägyptischen Schiffen. Weil das absolut unmöglich ist - kein damaliges Kriegsboot konnte sich allein auf den unzuverlässigen Wind verlassen - erkennen wir daran, dass die Reliefs keineswegs als 100 % korrekte Wiedergaben betrachtet werden dürfen. Es sind Propaganda- und Eigenlob-Hymnen. Die aufgezählten Seevölker-Namen erweisen die erwähnten Angriffsabsprachen zwischen vom Norden hergezogenen „Atlanter-Dorer-Mykenier-Philister“ und den vorher schon bekannten „Seeräuber-Seevölkern“ der westmittelmeerischen Inseln. Die „Flamme die vor ihnen herbrannte“ erweist sich als eine Reihe verheerender Erdbeben (Ugarit, Tiryns, Ägypten) in dieser Zeit, die nicht nur die Zerstörung von Städten, sondern auch Hungersnöte mit sich brachten. Die Wissenschaft bestätigt das passende Zeitfenster. Zu den minoischen, und denen sie ablösenden mykenischen Kretern, hatte Ägypten in guten Handelsbeziehungen gestanden, nicht aber mit den sie wiederrum überlagernden Neuankömmlingen, den Dorern. Die syrischen Buckelrinder-Karren zeigen, dass man sich für die letzte Etappe landesübliches Zugvieh beschafft hatte, aber auch, dass es sich um landsuchende Völker gehandelt haben muss.
 
Die aufgezählten Ländereroberungen berichten, dass die Seevölker-Angreifer von den südlichen Insel-Garnisonen Kreta und Zypern aus mittels Marineattacken gegen ägyptische Küstenplätze vorgingen. Die Rosshaar-Schutzhelme der Philister zeigen, dass es sich um Krieger von frühgriechischer Art handelte, trugen diese doch stets den variierenden Rosshaar-Helmschmuck. Auch hethitische Kampfwagenrösser hatten - wie ein Bildrelief zeigt - einen Rosshaarbogen-Kopfschmuck. Die „Fremdvölker“ (Philister) tragen auf den Abbildungen der Tempelwände von Medinet Habu Helme mit Nackenschutz, mehrfach mit Kinnriemen. Ihre Bewaffnung besteht aus Lanzen, Rundschilde, kurzen und langen Stechschwertern -, auch Wagenkämpfer sind abgebildet, mit einem Lenker u. zwei Mann Besatzung mit Speeren, aber ohne Bogenschützen. Die symmetrisch gebauten Segel-Schiffe der „Seevölker“ haben an Steven und Heck den gleichen auffälligen Vogelkopf, ähnlich der bronzezeitlichen Schiffe auf schwedischen Felsbildern, urnenfelderkulturellen Sonnenschiffsabbildungen und der späteren Wikingerschiffe. Die Hörnerhelme der Schiffsmannschaften beweisen die erwähnte Beteiligung von Soldaten aus Sardinen, wo diese Helme noch im 9./6. Jh. v.0 üblich waren. Zwar waren diese Helme den „Atlanter“-Philistern aus Skandinavien seit alters vertraut, doch trugen sie sie nicht auf ihrer Südwanderung. Die Bekleidung der Philister-Kämpfer von den Reliefs in Medinet Habu irritiert, manche tragen eine Oberkörperrüstung, nach Art der Urnenfelder-Kriegerrüstungen, die die Schulterhöhen einbezieht, darunter so eine Art Schottenrock der vorne zusammengeschlagen war und dort etwas spitz nach unten auszipfelte, dazu am unteren Saum mit Zierquasten versehen war. Aber auch die Sarden, mit den Hörnerhelmen, und die Ägypter ähnlich, tragen in etwa die gleichen Röcke. Einen ähnlichen Rock hat der hethitische Wettergott auf seinem Relief vom nordsyrischen Aleppo, das um 1.100 v.0 wieder renoviert bzw. aufgebaut worden ist, was die hieroglyphen-luwische Inschrift ausweist. Der „Philister-Rock“ der Medinet-Habu-Reliefs entspricht ebenso der mykenisch-kretischen Männer-Bekleidung, wie ein aktualisierend übermalter Kreter-Rock aus dem Grab des Thebener Vorstehers Rechmire - von ca. 1445/40 - beweist. (Wolfgang Helck, „Ägypten und die Ägäis im 16. Jh. v. Chr. - Chronologisches u. Archäologisches“ in „Jahresber. d. Inst. f. Vorgesch. d. Uni. Frankf. A.M.“, 1977, S. 11)
 
PLAUSIBLES VERSTÄNDNISMODELL
 
Nach archäologischem Befund ist es wahrscheinlich, dass es im 12. Jh. v.0 eine spätmykenische fremde Zuwanderung aus dem Nordbalkan- und Donauraum gegeben hat, die im Zusammenhang mit der Urnenfelderbewegung zu deuten ist. Im mitteleuropäischen Raum hatte sich ein großer Aufschwung der Metallurgie bemerkbar gemacht, mit einer überlegenen Technik der Herstellung von Schutz- und Angriffswaffen. Man kann von einer Tendenz der Aufrüstung sprechen. Wenn man sich beispielsweise das urnenfelderzeitliche bzw. seevölkerzeitliche herrliche Kultwagen-Bronzerad von Haßloch (Krs. Bad Dürkheim / Pfalz) anschaut (Durchmesser 30 cm), mit der exakten Felgennut, dann weiß man, welches technologische Niveau diese süddeutsche Kultur erreicht hatte und folglich auch, welche schlagfähige Perfektion ihre militärische Rüstung gehabt haben muss (Hist. Mus. Speyer). Dazu kam eine starke Besiedelungsdichte, also ein Überbevölkerungsdruck, der sich schließlich in den Süden Europas ergoss. Das haben u.a. die Archäologin und Althistorikerin S. Deger-Jalkotzy, auch W. Kimmig verständlich gemacht (siehe Buchhinweise). Allein die massive Südwanderung von Gruppen aus Norddeutschland und der Nordseeküste bleibt hypothetisch. Dafür sprechen allein die Indizien wie sie Jürgen Spanuth (1907-1998) in vielen seiner Schriften plausibel machte. Er war ein ganz wunderbarer Streiter für die Vertiefung unserer deutschen Nationalgeschichte. Er argumentierte in den Hauptfragen schulwissenschaftlich, er zitierte und arbeitete mit den Ergebnisseen anerkannter Wissenschaftler. Eindeutige archäologische Beweise beizubringen, blieben dem Forscher aber versagt. Das war das zentrale Thema der Gespräche die ich mit ihm führte. Ich machte ihn auf die bronzezeitlichen skandinavischen Felsbilder aufmerksam, von denen er keine unmittelbare Kenntnis besaß und auf nicht immer korrektes Sekundärmaterial angewiesen war, wie dem von Lauritz Baltzer. Wie wir alle, so war auch J. Spanuth irrtumsfähig, er hatte auf dem Gebiet der Ikonographie starke Informationslücken, so kam er beispielsweise über den Horizont der irrigen Irminsul-Projektion des Wilhelm Teudt leider nie hinaus. In allen seinen Publikationen stellte er die altorientalische Lebensbaum-Palmette vom Externstein-Kreuzabnahmerelief als falsche All-Säule bzw. Irminsul an den Nordpunkt seines Weltkartenschemas. Als ich meinen hochgeschätzen Freund auf diesen Fauxpas aufmerksam machte, war es schon zu spät für eine Änderung seiner Publikationen. Ich konnte ihm machen Freundesdienst erweisen und erhielt auch manches schöne Geschenk von ihm, wie beispielsweise seine gesamte Dias-Vortragsserie zu Atlantis. Unsere gemeinsamen Überlegungen waren es, die mich zur intensiven Suche nach Atlantis-Beweisen im Felsbildmaterial anspornten. Ich suchte nach kreisförmigen Darstellungen, so wie die Stadt Atlantis - nach den Berichten des Solon - geschildet wird. Ich suchte ebenso nach Bestätigungen des Säulenkultes, der All-Säule, die als „Irminsul“ in die karolingischen „Fränkischen Annalen“ eingegangen ist. Mit meinem Fund der bohusläner (Region Kasen) Stieropfer-Platte habe ich den Beweis vorführen können, dass der Stieropfer-Säulenkult für Poseidon, wie ihn der Atlantis-Bericht schildert, für den bronzezeitlichen hohen Norden als gesichert betrachtet werden muss. Die Menge der von J. Spanuth fleißig vorgelegten argumentatorischen Versuche brachten es leider mit sich, dass sich darunter eben auch eine Menge hohler Nüsse befinden. Das muss klar ausgesprochen werden.
   
 Poseidon - der Schutzgott von Pylos (Südwestspitze Peleponnes) - ist auf spätmykenischen Linea-B-Tontäfelchen von Pylos in der Lautung „po-se-da-o“ als oberster Gott der vom Norden eingewanderten Frühgriechen bezeugt. Zu Pylos, im Palast des trinkfreudigen und weisen Nestor, fanden sich tausende Bernsteinperlen. Die Verbindung zum europäischen Norden ist greifbar. Poseidon war für seine vielen Liebschaften bekannt. Er zeugte fünf Zwillingspaare mit der Atlanterin Kleito, die er zu den 10 Königen von Atlantis machte. Das erstgeborene Zwillingspaar waren Atlas und Gadeiros -; Atlas, der Zuerstgeborene übernahm von Poseidon die Herrschaft über die atlantische Hauptinsel und war also der Erste unter Gleichen im einträchtigen Regieren des altantischen Großreiches. Der von den Griechen als blauäugig bezeichnete Poseidon, einer der 12 „olympischen Gottheiten“, „Bruder des Zeus“, dem „Beherrscher der Meere“, der „Rossebändiger“, dem das Pferd heilig war, dem Stiere und Rosse geopfert wurden, war zweifellos ursprünglich ein Gott der nordeuropäischen Küsten, denn im mittel- und süddeutschen Raum ist seine Entstehungsheimat undenkbar. Das „trojanische Pferd“, von dem Homers „Ilias“ berichtet, wurde von den seebeherrschenden „blonden Achäern“ als verführerische Weihegabe an Poseidon den Trojanern angeboten. Erika Simon erklärt es in „Der frühe Zeus“ und Chr. Pescheck gibt an: „Der Kult des Zeus ist mit den frühesten griechisch sprechenden Einwanderern in die Ägäis gekommen; die heilige Eiche in Dodona, von der er weissagt hat nur nördliche Parallelen, ebenso sein Aschenaltar in Olympia. Bis Dodona wird für Zeus noch seine nordische Dione überliefert.“ Schon die mykenischen Griechen des 16./15. Jh. v.0 - zumindest ihre Herrenschichten - müssen aus dem hohen Küstennorden gekommen sein, ebenso wie einzelne bestimmende Gruppen der Wanderscharen des 12. Jh. v.0, die wir dann als „Seevölker“ in Erscheinung treten sehen. Jürgen Spanuths Atlantis-These, die Bernsteininsel Helgoland sei als Königsinsel der Atlanter zu verstehen, ist gut fundiert und doch bleibt sie, bis zu eindeutigen Funden im Nordseeboden, nur eine Arbeitstheorie. Der griech. Historiker Timaeus von Tauromenion (345-250 v.0) bezeichnete Helgoland als „Basileia“ (Königsinsel). Und der griech. Geograph und Seefahrer Pytheas von Massalia (380-310 v.0) befuhr den hohen Norden, gelangte zu einer Insel namens Thule, segelte von dort in südlicher Richtung und erreichte die Insel Abalon / Abalus, an deren Stränden im Frühling Bernstein angespült werde. Also war Abalon ein weiterer Name Helgolands. Ein Freund aus St. Peter Ording teilt mit: „Ja, meinem Gefühl nach ist es so, dass wir im Frühjahr verstärkt Ostwinde haben.“ Die Anwohner, die Gutonen, würden ihn wie Feuerholz benutzen und ihn an die benachbarten Teutonen verkaufen. Wenn es tatsächlich im Gebiet der Deutschen Bucht, auf bedeutend größerer damaliger Inselfläche, einen bronzezeitlichen Fürstensitz gegeben hat, von dem aus ein mächtiges See-Reich beherrscht wurde, dann darf man ihn sich keinesfalls in der prunkvollen Art des ägyptischen Atlantis-Berichtes vorstellen. Der Ringwall den Spanuths Taucher auf dem Meeresboden bei Helgoland fand, ist als faktisches Argument für Atlantis zu dürftig. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, was uns die Archäologie an kommender Aufklärung anzubieten hat.  
 
Aufbruch der Urnenfelder-Bewegung bis nach Ägypten
 
Der Wissenschaftsjournalist Ernst Probst, gewährt einen Blick über „Die Urnenfelder-Kultur“, er informiert: „Die Urnenfelder-Kultur gilt in Europa als eine der wichtigsten Kulturen der Spätbronzezeit. Sie bestand von etwa 1.300/1.200 bis 800 v. Chr. und vermochte sich vom nördlichen Balkan über die Donauländer bis zur Oberrheinregion auszubreiten. In Deutschland war sie in Baden-Württemberg, Bayern, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Teilen Nordrhein-Westfalens (Nieder-rheinische Bucht) und südlich des Thüringer Waldes heimisch. … Nach Ansicht der meisten Prähistoriker war die Urnenfelder-Zeit ein unruhiger Abschnitt der Urgeschichte. Damals setzten vermutlich in vielen Gebieten Europas große Völkerwanderungen ein, die vielleicht im mittleren Donauraum ihren Ausgang nahmen. Sie erreichten wahrscheinlich nicht nur Süddeutschland, sondern auch den Balkan und die östliche Mittelmeerregion. Sogar die Ägypter mussten sich der Eindringlinge mit Waffengewalt erwehren.“ Der Prähistoriker Richard Pittioni vertrat „die Ansicht, in der Lausitz zwischen Sachsen, Brandenburg und Schlesien habe im 13. Jahrhundert v. Chr. eine große Abwanderung eingesetzt. Aus der Begegnung der wandernden Gruppen mit den älteren einheimischen Kulturen in verschiedenen Teilen Europas seien als Folge lokale Urnenfelder-Gruppen entstanden, die im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. über fast den gesamten Kontinent verbreitet gewesen seien. … „Laut Pittioni waren die Urnenfelder-Leute Alteuropäer, die weite Teile Europas in Besitz nahmen.“ … Nach Auffassung des Prähistorikers Wolfgang Kimmig „führten die Wanderungen der Urnenfelder-Leute über Griechenland, die ägäischen Inseln bis nach Syrien, Palästina und Ägypten. Demzufolge wären europäische Fremdlinge in den Mittelmeerraum eingedrungen und hätten dort ähnliche Unruhen ausgelöst wie in Mitteleuropa, Italien, Frankreich, Spanien und sogar England.“ Die Bewegung blieb nicht auf den mitteldeutschen oder nordbalkanischen Ausgangsaum begrenzt, was von einigen Autoren gern übersehen wird. Auf der Stader und der Bremerhavener Geest endete die älterbronzezeitlichen Sitte, den Toten bronzene Waffen oder Schmuckstücke mit ins Grab zu geben, ziemlich unvermittelt mit dem Beginn der mittleren Bronzezeit um 1.200 v.0, anschließend lässt sich die Stader Gruppe kaum noch nachweisen (Ernst Probst, S. 305). Wir sehen an diesem einen Beispiel, dass nicht allein im mitteldeutschen und donauländischen Bereich ein tiefgreifender Glaubensumschwung stattfand und mit Abwanderungen einherging, sondern ebenso bis an die deutsche Küste hinauf. Was die nüchterne Wissenschaft anhand von zumeist dürftigen Bodenfunden zu rekonstruieren versucht, füllt der Atlantis-Bericht mit legendenhaften Ausschmückungen und die Berichte von Pharao Ramses III. mit den Protokollen über schicksalhafte, blutige Realitäten.
 
DIE VERBÜNDETEN WEISSEN STÄMME
 
Für die Ägypter waren die hellhäutigen Temehu-Libyer „Nordländer“, die ein sehr auffälliges Aussehen hatten. Informative Darstellungen der Temehu finden sich im Grabmahl von Sethos I. aus der Zeit um 1.280 v.0. Mit entweder kalkweißer Haut, oder die Gefangenen braungebrannt, wurden sie in den ägyptischen Malereien mit rotblonden Haaren dargestellt, da und dort mit noch erkennbaren blauen Augen. Die Männer trugen Bärte und trugen eine oder mehrere hochstehende Federn am Kopf. Charakteristisch ist auch ihre geflochten Locke, die von der rechten Kopfseite vor dem Ohr herunter hängt. Aus dem Grab des Haremhab in Sakkara (Beginn 13. Jh. v.0) ist die Abbildung eines Temehu mit Seitenzopf bekannt, welcher einem bäuerlichen europiden Mitteleuropäer gleicht. Andere Temehu-Abbildungen zeigen, dass westägyptischen nordafrikanischen Großraum recht unterschiedliche Rassetypen erkennbar sind.
 
   
Temehu / Libyer aus Grab Haremhab zu Sakkara - 
 
   
Weißhäutiger rothaariger Temehu aus Tell el-Yahudia, Brit.-Mus. - Die beiden weiteren Abbildungen aus Grab des Sethos I. 
 
 
Die Haunebut / Minoer / Mykener/ Griechen
 
Es wurde vermutet, das mit der ägyptischen Bezeichnung „Haunebut“ Teile der nordeuropäischen Seevölker bzw. Philister gemeint sein könnten, das ist ein Irrtum: Ahmose I. darf als der „Vereiniger Ägyptens“ betrachtet werden und als Begründer des Neuen Reiches, mit dem die 18. Dynastie beginnt. Schon seine Mutter, die Königin Ahhotep I. (um 1.575-1.530 v.0), betrieb die Befreiungspolitik und wird „Vereinerin Ägyptens, die die Hyksos vertrieb“ geheißen. Auf einem Denkstein im achten Pylon des Karnat-Tempels betitelt Ahmose I. sie als „Königsmutter und Königstochter, die die Würdenträger versammelte“ und „Gebieterin über die Ufer des Haunebut.“ Und: „Preiset die Herrin des Landes, die Fürstin der Uferländer der Haunebut, mit angesehenem Namen in jedem Fremdland…“ Die verhassten vorderasiatischen Hyksos waren eng verbündet mit den minoischen Kretern, deren Kunststil sie bevorzugten, wie bei Ausgrabungen ihrer Hauptstadt Avaris im östlichen Nildelta erkannt wurde. Folglich musste die Herrscherfamilie der Ahmosiden die minoischen Kreter - welche mit großen Flotten die Ägäis beherrschten - als Feinde betrachten und die Urmutter ihres Geschlechtes ehrenhalber als „Gebieterin über die Ufer des Haunebut“ titulieren. Mit den „Ufern der Haunebut“ waren also die kretischen und kykladischen Küsten gemeint. Noch in der Spätzeit, als längst die minoische sich in eine mykenische Seeherrschaft verschoben hatte, insbesondere in der Ptolemäerzeit, ist die Bezeichnung „Haunebut“ als Synonym für „griechische Bevölkerung“ verwendet worden.
 
Die Kampf-Hauben der Frühgriechen / Mykenier/ Philister
 
Sehr zum Verwundern ist das angebliche Rätselraten über die Kampfhauben der Philister auf den Tempelwänden von Medinet Habu, die manche Autoren „Federhelme“, „Schilfblattkronen“ u.ä. nennen. Es scheint fast so, als scheuten sie sich, das Naheliegendste anzudenken und zu benennen, denn gerade diese Helmform ist es, die die Philister recht eindeutig als Frühgriechen der Dorischen Wanderung ausweist. Die Philister-Helme sind zu erkennen als eine Frühform des griech. Hopliten-Helmes mit dem Rosshaar-Helmbusch. Ganz ähnliche Rosshaarbusch-Helme benutzen auch die Hethiter und zierten zn gewissen Zeiten auch ihre Streitwagenrösser mit derartigem Kopfschmuck. Es müsste der Zeithorizont sondiert werden, wer wen diesbezüglich beeinflusst hat. Auf einem Kästchen, Länge 21,9 cm, aus Enkomi / Zypern, Grabkammer 58 (Brit. Mus.) von 1.250-1.100 v.0, läuft ein Philister mit der typischen Rosshaar-Haube hinter einem Jagdwagen her. Die schwarzfigurige korinthische „Chigi-Kanne“ (Name nach Hersteller-Inschrift) ist eine protokorinthische Kanne (um 640 v.0), die in Veji / Etrurien gefunden wurde. (im Museum der Villa Giulia / Rom). Ihre Bebilderung zeigt die älteste bekannte farbige Darstellung einer Hopliten-Phalanx.
 
 
Hethitischer Krieger und Streitwagenpferd mit Rosshaarkopfzier - Wandrelief aus der Werkstatt Ikizler in Avanos /Türkei
 
 
Philister-Krieger mit Rosshaarhelmzier von Medinet Habu
 
Philister auf Elfenbein-Spiel-Kästchen (L. ca. 30 cm) mit geschnitzten Dekoration von Grab 58, Enkomi / Zypern (1.250-1.100 v.0, Brit. Mus.)
 
 
Griechischer Hoplitenhelm mit Rosshaarkamm - Die schwarzfigurige korinthische „Chigi-Kanne“ (um 640 v.0) zeigt die älteste bekannte farbige Darstellung einer Hopliten-Phalanx. - Aus der Rosshaarbüschel-Kappe hatte man den Rosshaarbüschel-Helm entwickelt.
 
Stierhörnerhelm-Leute / Šardana / Scherden / Sarden
 
Die Texte und Reliefs vom Totentempel für Ramses III. in Medinet Habu geben Kunde über die „Koalition des Meeres“ der „Fremdvölker“ bzw. Seevölker, die gegen Ägypten vorgingen. „Die von den Inseln“, heißt es und dann werden fünf verschiedene Völkernamen  aufgezählt. Die Texte für das 8. Regierungsjahr des Ramses - etwa 1190/84/77 v.0 - informieren über das ethnische Aussehen und die Ausrüstungen der verschiedenen Gruppen. Das Relief von der Seeschlacht im östlichsten Nildeltaarm zeigt jedoch, dass es sich um die Allianz von zwei hauptsächlichen Seefahrernationen handelte, den Peleset-Philistern und den Shardana-Sarden. Die ersteren trugen die frühgriechischen Rosshaarkamm-Helme, Oberkörperrüstungen, Schwerter, Speere und Rundschilde. Die Zweiten trugen gleiche Bewaffnung, oft die exakt gleichen knielangen Röcke, doch Stierhörner-Helme. Eine Menge von ca. 30 solcher Schwerter aus ca. 1.600 v.0 wurden in einer Grabhöhle in der Nähe von Sant'Iroxi auf Sardinien gefunden. Ramses III. hat, nach eigener Bekundung, zu ihrer Insel Sardinien einen Marineangriffs unternommen, in dessen Verlauf eine Menge Gefangene gemacht, kaserniert und angesiedelt wurden. Sie kämpften auf ägyptischer Seite im „Fremd[See]völkerkrieg“ mit. Um diese sardisch-ägyptischen Söldnertruppen von den freien sardischen Angreifern zu unterscheiden, hatten ägyptische Werkstätten auf deren Helme Kugeln oder runde Scheiben - möglicherweise Aton-Symbole - angebracht. Die freien Sarden hatten mit Sicherheit bereits mit Mykeniern Kontakt, was die „Kriegervase“ des 12. Jh. v.0 konkret zu beweisen scheint (Mus. Athen). Sie zeigt eine Reihe von Hörnerhelm-Soldaten auf dem Abmarsch in den Krieg, während ihnen eine Frau (ganz links) zum Abschied nachwinkt (s. Abb.). Es muss sich dabei aber nicht unbedingt um Mykenier handeln, es könnten Sarden ins Bild gesetzt worden sein. Zwei bronzene Stierhörner-Helm-Statuen aus Enkomi / Zypern wurden gefunden. Und zwar aus 1.200/1.150 Jh. v.0 die sog. „Gehörnte Gottesstaue“ (s. Abb. - Zypernmuseum / Nikosia), sowie der etwa gleichzeitige „Bärtige Barren-Gott“, der auf einem ochsenhautförmigen Kupferbarren steht (s. Abb.). Er trägt die gleiche Ausrüstung wie die sardischen-Seesoldaten des Reliefs von Medinet Habu, nämlich eine konische Kappe mit zwei Hörnern, Beinschienen, in den Händen Speer und Schild (s. Abb. - Zypernmuseum / Nikosia). Beachtlich ist, dass Sarden und Korsen, als großteils Träger der „Haplogruppe I1“, mit Nordeuropäern eng verwandt sind. 
 
Im Süden der Insel Sardinien entwickelte sich eine Megalith-Kultur (3.500 - 1.600 v.0), um 1.600 v.0 entstand die Torre-Kultur, oder Nuraghen-Kultur (genannt nach den Steintürmen) die sich durch Dolmen, Menhire, Statuenmenhire und Gigantengräber präsentiert. Die Nuragher standen mit den Mykeniern in florierenden Handelsverbindungen. Als die mykenische Kultur kurz nach 1.200 v. durch Naturkatastrophen und die gleichzeitigen Angriffe der sog. Seevölker bzw. der Dorer/Philister aus dem Norden zusammenbrach, schlossen sich die Nuragher den Seevölkern zum Stoß auf Ägypten an. Zwar schuf die Nuraghen-Kultur die interessanten Bronzefiguren - z.B. jene des Hörnerhelm-Kriegergottes (s. Abb.) - erst ca. im 6. Jh. v.0, doch ist dieser Umstand deshalb unwesentlich, da die Krieger der Nuragher-Sarden schon im 12. Jh. v.0  Hörnerhelme trugen. Auch die benachbarte Kultur Korsikas kannte Statuen mit angesetzten Stierhörnern. Das bedeutet, die Dorer-Philister werden die Sitte des Stierhörnerhelms nicht erstmals nach Sardinen vermittelt haben. Dass spätbronzezeitliche Felsbilder Schwedens ebenfalls Männer mit Hörnerhelmen zeigen, dass zwei wunderbar gearbeitete Hörnerhelme bei Veksø (ca. 800/400 v. 0) in Dänemark gefunden wurden, wie auch die dioskurische Götter-Bronze vom dänischen Graevensvaenge (s. Abb.), weist auf die kulturelle und genetische Urverwandtschaft der „Seevölker” hin, die sich in der Übereinstimmung ihrer Haplogruppen bis heute widerspiegelt.    
 
Mit Philistern alliierte Hörnerhelm-Sarden der mykenischen „Kriegervase“ - 1.200-1.150 v.0 (Phase SH III C mittel)
 
 
Abb. 1 = Krieger von der mykenischen Kriegervase - Abb. 2 +3 = bronzezeitl. Krieger-Figuren von Zypern - Abb. 4 = spätbronzezeitl. Krieger-Gott der Nuraghen-Kultur / Sardinien - Abb. 5 =  spätbronzezeitl. Gottheit von Graevensvaenge / Seeland, Dänemark 
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