ATLANTIS - HYPERBOREA - HELGOLAND

Copyright © Gerhard Hess - Mai 2016
 
Meine nordischen Felsbild-Abriebe
mit Blattgrün-Farben auf Offsetdruck-Papier
Abb. 1 - Hafen und Königshalle von Atlantis (?) 
im Felsbild Leirfall - Nord-Trøndelag / Norwegen
Abb. 2 - Stierjagd mit Bogen und Hacke auf Atlantis (?) 
im Felsbild Bottna - Bohuslän / Schweden
Abb. 3 - Stieropfer vor Weltensäule von Atlantis (?) 
im Felsbild Kasen / Bohuslän / Schweden
Abb. 4 - Pflügender Bauer im Zeichen der Sonnen-Spirale
im Felsbild Finntorp / Bohuslän / Schweden
Abb. 5 - Schiffe und Rennwagen - Leidenschaften der Atlanter
im Felsbild Gisslegärde / Bohuslän / Schweden
Abb. 6 - Fette Rinder u. Fruchtbarkeitsriten
im Felsbild Loveröd, südl. Tanum / Bohuslän / Schweden
Abb. 7 - Reitertruppe mit Schild und Speer
im Felsbild Tegneby / Bohuslän / Schweden
Abb. 8 - Sport- und Kampfwagen der Atlanter -
Kivik-Grab - Skåne / Schweden
 
 
ATLANTIS - HYPERBOREA - HELGOLAND
Was sagt uns die Forschung
über unsere frühgermanischen Vorfahren ?
 
 
Der Altphilologe Felix Jacoby erfasste „Die Fragmente der Griechischen Historiker (FGrHist)“, in der Hekataios von Abdera - der griechische Geograph und urteilssichere Historiker - unter Nr. 264 aufgeführt ist. Die Fragmente 7-14 beinhalten die bei Jacoby gesammelten Fragmente der Schrift „Über die Hyperboreer“. „Hyperboreioi“ heißt „[Völker] jenseits des Nordwindes“.
 
DIE QUELLEN
 
Wir erfahren bezüglich der hyperboreeisch-europäische Nordküstenkultur, dass der Kaufmann Aristeas von Prokonnesos, welcher im 8./7. Jh. v.0 selbst die Länder nördlich der Skythen bereiste, die Hyperboreer als letztes Volk im hohen Norden am Nördlichen Ozean bezeichnete. Herodot von Halikarnassos (490/480 - 424 v.0) spricht (4, 32-36) von den glücklichen, sittenreinen Hyperboreern, deren Wohnsitze im hohen Norden lägen und gute Beziehungen zum griechischen Delos unterhielten. Sein Wissen beruht möglicherweise auf dem Reisegedicht des Aristeas von Prokonnesos. Der Kaufmann und Entdecker Pytheas von Massalia - ein Marco Polo der Antike - schrieb um 322 v.0 einen Bericht „Über den Ozean“, in dem er von Marseille aus, seine Reise in die Nordländer schilderte. Er umsegelte Bretannike (Britannien) - dessen Form er korrekt als dreieckig angab - und will sogar Ultima Thule (nördlichste Insel des Nordens) erreicht haben. Ob er die Westküste Norwegens, oder Island meinte, bleibt unklar. Er erwähnte auch die Insel „Basileia“ (Königsinsel), also Helgoland. Seine Reiseroute kann rekonstruiert werden. Sie führte entlang der Küste des südlichen Galliens und östlichen Iberiens zur Straße von Gibraltar, den „Säulen des Herakles“, dann die Westküste Galliens hinauf zur Bretagne, nach Cornwall im Südwesten Britanniens, einer Landschaft die das Zinn in den Mittelmeerraum exportierte, an Irland im Westen vorbei, hinauf nach Schottland, dann 6 Tagereisen weiter Richtung Norden nach Thule -, von dort in Richtung nach Osten zur kontinentalen Festlandküste, wo er als Händler jedenfalls die Bernsteingründe erforschen wollte. Dort, in der [Deutschen-]Bucht namens Metuonis (germ. matta = Marschland) mit einer Ausdehnung von 6.000 Stadien (1,110 km) glaubte er die Mündung des Tanais (Don) gefunden zu haben, weil die Griechen damals weit entfernt davon waren, eine nur vage geographische Vorstellung von den nordöstlichen germanischen Gauen zu haben, die sie als „Skythenländer“ bezeichneten. Pytheas Angaben über die Beschaffenheit besagter Bucht finden wir bei Plinius dem Älteren, der angab, Pytheas hätte berichtet, ein germanischer Stamm der Guionen lebe an der Wattenmeer-Bucht und eine Tagereise von der Buchtküste aus, also von der Flussmündung entfernt, liege die Insel Abalus, wo der Bernstein im Frühling angetrieben werde, den sie den benachbarten Teutonen verkauften. Die Angaben passen nur auf die Helgoländer Bucht vor der Elbmündung, wenn auch die Streckenangabe etwas hochgegriffen ist. Auch Timaios von Tauromenion (ca. 350-260 v.0) traute den Angaben über die „Bernsteininsel“ von Pytheas (Plin., Nat. Hist. 4,94) der die Insel Baunonia dem Festland eine Tagesreite vorgelagert beschrieb. Diodor selbst nannte die Insel, wie Timaios, Basileia. Nach Zusammenschau der von Plinius dem Ält. und Diodor überlieferten Berichte, wurde Helgoland im Zeitenlauf unterschiedlich benannt: Abalus, Basileia, Baunonia. (siehe dazu Klaus-Peter Johne, „Die Römer an der Elbe im geographischen Weltbild“, S. 30 ff, 2006)
 
Um das Jahr 300 v.0 verfasste der griechische Autor Hekataios von Abdera eine Schrift über die Hyperboreer, die leider auch nur in Fragmenten vorliegt. Der griechische Gelehrte Apollonius von Rhodos II. (295-215 v.0) schrieb in den Scholien, es gäbe drei hyperboreische Völker. Der schon erwähnte Diodor von Sizilien (um 30 v.0) beschrieb das Land der Hyperboreer als einen Ort, wo es einen Tempel des Apollon gäbe. Auch nannte er die bernsteinreiche Insel Basileia, die gegenüber von Skythien läge, was verständlich wird wenn man berücksichtigt, dass die Griechen die blonden Skythen von Germanen nie zu unterscheiden wussten und den gesamten ostgermanischen Raum als Skythien bezeichneten. Bei dem großen Geographen des 2. Jh. n.0, Ptolemaios von Alexandria, wurden die Hyperboreer ganz selbstverständlich nördlich der sarmatischen Gebiete verzeichnet, gleichzeitig nicht weniger korrekt der Ozean nördlich von Irland als Hyperboreischer Ozean angesehen. Man sieht also, dass die Hyperboreer im Laufe der Zeit, nach den geographischen Neuentdeckungen, auf den Karten unverändert, immer exakter als im höchsten Norden lebend, bezeichnet wurden.
 
Das Fragment 7 (Diod. 2, 47, 1-7.) geht auf die „Hyperboreer-Sagen“ des „Hekataios und einigen anderen Mythographen“ ein, „dass inmitten des Okeanos eine Insel gegenüber dem Keltenlande existiere, welche nicht geringer als Sizilien sei. Ihre Lage sei nördlich und ihre Bewohner seien die sogenannten Hyperboreer. Diese heißen so, da man ihre Wohnsitze weit über den Nordwinden hinaus vermutet. Der Boden auf der Insel sei dermaßen fruchtbar, so dass dort alles gedeihe. Man könne dort zweimal im Jahr ernten, da das Klima dieser Insel äußerst wunderbar sei. Es heißt, diese Insel sei der Geburtsort der Leto. Aus diesem Grunde würden die Einwohner Apollo von den gesamten übrigen Göttern als Hauptgottheit verehren. Als sogenannte Priester dieses Gottes sollen sie ihn tagtäglich in beständigen Gesängen preisen und ihm ansonsten äußerst große Ehren zollen. Es sei auf dieser Insel ein eindrucksvoller heiliger Bezirk dieser Gottheit vorhanden samt einem, in kreisförmiger Form angelegten, Tempel, der mit einer Vielzahl von Weihgeschenken versehen ist. Außerdem liege daselbst eine Stadt, die man völlig allein diesem Gott geweiht habe. Deren Bewohner seien überwiegend Kitharaspieler, welche im Tempel andauernd den Gott mit ihren Instrumenten besingen sowie dessen Taten glorifizieren würden. Die Hyperboreer sollen eine eigene Volkssprache haben, aber zu den Griechen, überwiegend zu den Bewohnern von Athen und Delos, gute Beziehungen pflegen. Diese Freundschaft soll seit der ältesten Zeit bestehen. Sie berichten ebenfalls, dass manche Griechen die Hyperboreer erreicht hätten; sie sollen daselbst Weihgeschenke, welche sie mit griechischen Buchstaben beschrifteten, hinterlassen haben. Aus dem Lande der  Hyperboreer sei auch Abaris zu den Griechen gelangt, welcher die Erneuerung von Freundschaft und Blutsbrüderschaft mit den Bewohnern von Delos anstrebte. Von dieser Insel aus sei der Mond so deutlich und nah zu erkennen, dass man auf ihm eine Art Gebirge sehen könne. Man sagt, die Wiederkehr des Gottes auf die Insel erfolge alle neunzehn Jahre innerhalb eines Zeitraumes, bei dessen Ende die Sterne in ihre Ausgangsstellung zurückkehren. Aus diesem Grund heißt bei den Griechen ein Zeitraum von neunzehn Jahren das Meton-Jahr. Der Gott halte sich dort von der Frühlingsgleiche bis zum Beginn der Pleiaden auf. In dieser ganzen Zeit soll er beständig singen, Reigentänze vollführen und sich an seinem Wohlergehen erfreuen. Diejenigen, welche man die Boreaden [Söhne des Nordwindes] nennt, beherrschen die Stadt und haben zudem noch die Aufsicht über den heiligen Hain inne. Diese seien die Nachfahren des Boreas und gaben die Herrschaft innerhalb ihrer Familie durch  Erbfolge weiter.“ - Da Diodor „gegenüber dem Keltenlande“ sagt, kann er England nicht gemeint haben, welches seit Pytheas Reisebericht und Cäsars Zeiten als Keltenland bekannt war. Gegenüber Gallien (Frankreich) lag das andere Keltenland; da er aber sagte „gegenüber dem Keltenland“, kann er nur gegenüber England gemeint haben, dort liegt die Deutsche Bucht, liegt Jütland, oder Süd-Norwegen. Die Bezeichnung „Keltoi“ für keltische Völkerschaften war etwa seit dem Jahre 500 v.0 in Gebrauch, als der Geograph Hekataios von Milet seine „Erdbeschreibung“ in zwei Büchern verfasste. Dass Diodor die Fruchtbarkeit des Landes erwähnt, ist nicht als abwegig zu betrachten, da der Golfstrom und ein Klimaoptimum für wärmere Temperaturen als heute sorgten. Tacitus (58-117 n.0), der römische Historiker, hat es der Nachwelt überliefert, zu seinen Zeiten soll man in England auf rund 500 Weinbergen geerntet haben. Olivenbäume, Weinreben und anderes, was man eher aus wärmeren Regionen kennt, warfen vor 2.000 Jahren auf britischem Boden gute Erträge ab. In der Deutschen Bucht, auf der damals großen Inselfläche Helgolands kann es nicht anders gewesen sein. Mit der Insel Helixoia, etwa so groß wie Sizilien, wird er Jütland gemeint haben.
 
Im Fragment 8 (Strab. 7, 3, 6.) wird die von Hekataios erwähnte Stadt der Kimmerier (Kimbern in Nordjütland) erwähnt. Fragment 10 (Schol. Apoll. Rhod. 2, 675.) informiert, dass Museas bekundete, „noch heutzutage [würden] die [befreundeten] Delphier „Hyperboreer“ genannt werden.“ Und „Bei den Hyperboreern verehrt man jedoch Apollon. [… ] Es gibt drei hyperboreische Völker: Epizephyrioi, Epiknemidioi, Ozolai.“ Fragment 11 (a + b): Helixoia, eine Insel im Lande der Hyperboreer, nicht geringer als Sizilien, jenseits des Flusses Karambykas [die Eider ?]. Hekataios von Abdera benennt diese Inselbewohner nach diesem Fluss Karambykai.“ Da zur Zeit des Hekataios Helgoland als Halbinsel wohl noch an der jütländischen Landmasse hing, konnte die Gesamtgröße von Jütland mit der von Sizilien laienhaft verglichen werden. Fragment 12 (Aelian. nat. anim. 11, 1.): „Das Volk der Hyperboreer und die Ehren, welche sie dem Apollon zollten, werden von den  Dichtern besungen und von den Geschichtsschreibern gerühmt; zu diesen gehört Hekataios, aber nicht der aus Milet, sondern der aus Abdera. […] Dieser Gott hat als Priester die Söhne des Boreas und der Chione, drei an der Zahl und gebürtige Brüder mit einer Höhe von sechs Ellen. Wenn sie also zur üblichen Zeit das festbestehende Ritual des oben genannten Gottes durchführen, fliegen dort Schwäne scharenweise, kaum zählbar, hinab auf das, was man das Rhipäische Gebirge nennt. Nachdem sie den Tempel umkreist haben, so als ob sie ihn durch ihren Flug reinigten, fliegen sie in den Tempelbezirk herab; dies ist ein Bereich von enormer Größe und von unbegreiflicher Schönheit. Wann immer nun die Sänger ihre Hymnen an den Gott singen und die Harfenspieler den Chor mit ihrer harmonischen Musik begleiten, nehmen kurz darauf auch die Schwäne übereinstimmend am Gesang teil; sie singen nicht ein einziges Mal eine misstönende Note oder eine falsche Melodie. Sie singen vereint mit den Einheimischen, die hinsichtlich der geheiligten Melodien ausgebildet wurden, so als ob ihnen der Dirigent die Tonart angegeben hätte. Wenn dann die Hymne beendet worden ist, fliegen die oben genannten Chorknaben nach ihrem üblichen Ehrendienst für den Gott und nach dem ganztägigen Singen und Feiern seiner Ruhmestaten fort.“ Zu Fragment 12 (Aelian. nat. anim. 11,1.) Claudius Aelianus (um 170-223 n.0): Darin heißt es, Hekataios von Milet sei ein bedeutender Geograph um 500 v.0 gewesen, der eine Erdbeschreibung in zwei Büchern (Europa / Asien) mit einer Erdkarte verfasste. Die beschriebene Größe der Hyperboreer scheint deutlich übertrieben, denn sechs Ellen betragen ungefähr 2,74 m. Es fragt sich freilich, nach welchem Ellenmaß gemessen wurde. Zwar galten die Nordvölker schon im Altertum, aufgrund ihres hohen Wuchses, als furchterregend. Auch Kimbern und Teutonen werden von röm. Autoren als hünenhaft beschrieben. Der polnische Altertumsforscher Marek Winiarczyk hat nachgewiesen, dass man in der griechischen Welt „Schwäne […] mit dem Apollon-Kult mindestens seit dem 7. Jh. v.0 eng verbunden“ hatte. Fragment 14 (Plin. nat. hist. 4, 94.): „Jetzt ist es angebracht, weiterzugehen, damit die Gebiete des äußeren Europa besprochen werden können. Man überschreitet [im Geiste] das Rhipäische Gebirge, hält sich an der Küste des Nordozeans links, bis man in Gades anlangt. Es wird überliefert, dass an diesem Ort namenlose Inseln vorhanden seien. Timaios berichtet von ihnen, dass eine Tagesfahrt entfernt vor Skythien eine liege, welche Baunonia heißt; auf dieser soll während der Frühlingszeit, bedingt durch die Fluten, Bernstein ausgeworfen werden. Die übrigen Küsten des Nordozeans kennt man nur durch unzuverlässiges Hörensagen. Der Teil vom Flusse Parapanisos an, wie er noch Skythien bespült, heißt bei Hekataios ,Amalkios‘, was in der dortigen Volkssprache „von Eis erstarrt“ bedeutet.“  Auch  Gaius Plinius der Ältere (23-79 n.0) beschreibt in seiner „Naturalis Historia“ (4, 94) ein Gebiet an der Nordseeküsteals Baunonia; variierende Lesarten sind Rauronia, Rauroniam und Raunomiam. Zu Fragment 14 (Plin. nat. hist. 4, 94.): Diese Texte befindet sich im 4. Buch von Plinius d. Ä. erwähnten „Naturkunde“. Es steht im Zusammenhang der geographischen Beschreibung Nordeuropas [Nordatlantik, Nordsee]. Gades war auch zur Zeit des Plinius noch eine bedeutende Handelsstadt an der südwestspanischen Atlantikküste; ursprünglich wurden sie von den Phönikern gegründet. Timaios von Tauromenion / Sizilien (um 345-250 v.0) verfasste ein Werk über Geschichte und Geographie des griech. Westens und seiner Randgebiete. Skythien galt den Griechen bekanntlich als ein ungenauer Name der Länder Europas östlich der Kelten, schloss also lange Germanien ein. Der Bernstein-Handel von den Nordvölkern zu den Griechen vollzog sich über die sogenannte „Bernsteinstraße“, deren Existenz sich  bis in die minoisch-mykenische Zeit zurückverfolgen lässt.
 
Wichtige Aussagen des Hekataios von Abdera
 
Hekataios erzählte von der Hyperboreer-Insel Helixoia (bzw. Elixoia), sie soll hoch im Norden, jenseits des „Rhipäischen Gebirges“, im „Oceanos Amalcius“ liegen. Von dem bezeichneten Gebirge hatten die Griechen in geschichtlicher Zeit nur eine sehr verschwommene Vorstellung, mit zunehmender geographischen Kenntnis, rückte es für die Autoren immer weiter in den Norden hinauf. Die Erwähnung des „Rhipäischen Gebirges“, welcher Gebirgszug damit auch gemeint sein mag, der vor Erreichung der nordeuropäischen Küsten zu überwinden sei, verbietet es, das Land der Hyperboreer mit Britannien gleichzusetzen. Um England anzusteuern, muss kein Gebirge überwunden, sondern eine Meerüberfahrt des Ärmelkanals unternommen werden ! Die Erwähnung „Amalcius oceanus“ soll nach Hekataios von Abdera bei Plin. IV 95 (Solin. 19) das äußerste Nordmeer geheißen haben; Plinius übersetzt es mit „mare congelatum“ und bezieht es auf das „geronnene Meer“ des Pytheas. Doch genaue Übersetzung bedeutet vielmehr das „ungefrorene“ Meer der jenseits des Boreas selig lebenden jütländischen Nordsee-Hyperboreer, im Gegensatze zu dem unter rauerem östlichen „Boreas“ (Nordwind) gelegenen, wirklich gefrorenen „Meere der Skythen“, nämlich der leicht zufrierenden Ostsee, die schon deshalb leicht zufriert, weil sie keine Gezeiten kennt. Der einheimische frühgermanische Namen der „Deutschen Bucht“ könnte aus angelsächs. āmel = „heiliges Gefäß“ abgeleitet werden. Mit dem „Heiligen“ in diesem heiligen Meer dürfte die heilige Bernsteininsel Basileia - unser heutiger Inselrest Helgoland - gemeint sein. Fraglich bleibt, ob Helgolands Bezeichnung auch Helixoia war, als ein Teil der großen jütländischen Halbinsel. Dieses griechische Wort bedeutet Wendel- oder Spiralen-Land. Erklärbar ist er durch die schon bronzezeitlichen Wendelgang-Heiligtümer des Nordens, die man allgemein Trojaburgen nennt. In ihren Spiralgängen liefen die Gläubigen in einer Art Sonnen-Meditation, im rituellen Nachvollzug des jährlichen Sonnenweges, in den Norden hinauf und wieder hinab in den Süden. Sie stammen eindeutig aus dem Lichtkult des nordischen Gottes, den die Griechen Apollon nannten. Der Begriff Apollon / Apoll ist aus der griechischen Sprache nicht zu erklären, er dürfte mit der gesamten Gottesvorstellung aus dem Urgermanischen übernommen worden sein, und zwar als sprachliche Übertragung von Abold = „Ewiges Licht“, aus ā / ō = „je, immer, beständig, ewig“ und „bold, bald“ = (wie Willibald, Theobald, Balduin, Leopold) mhd. balde und ahd. baldo (engl. Verb bold) = beherzt, furchtlos, mutig, mannhaft, klar -, wie es auch dem Namen des germ. Gottes Balder / Baldur zugrunde liegt. Man könnte die Spirale das Leitmotiv des nordischen Lichtkultes nennen. Auch die steinzeitliche matriarchalische Kultur Maltas benutzte bereits Spiralmuster, doch die überwältigende Fülle, der noch heute erhaltenen „Trojaburg“-Spiral-Kultstätten Schwedens und die entsprechenden Felsbildgravuren Nordeuropas, bezeugt ihren nordischen Urspung. Die irischen Megalith-Heiligtümer Newgrange, Dowth und Knowth führen geradezu exzessiv den solaren Spiralkult vor Augen. Newgrange wurde um 3.150 v.0 erbaut, Knowth ist noch älter. Das Urzentrum der Megalitbauweise und seiner nautischen Kultur ist im untergegangenen Doggerland in der Nordee zu suchen.
Die Aussage des Hekataios über die Nordseeinsel, oder (zu seiner Zeit noch) nur inselähnliche helgoländer Landzunge, lautete weiter: Die Herrschaft über diese Stadt Helixoia sowie die Aufsicht über den heiligen Hain obliegt den Apollon-Priestern. Man nennt sie die Boreaden, weil sie als Nachfahren des Boreas und der Chione gelten. Sie geben die Herrschaft innerhalb ihrer Familie durch Erbfolge weiter. Es üben auf Helixoia drei Brüder, welche deutlich über 2 m groß sind, das Priesteramt des Apollon-Kultes aus. Diese Priester verehren Apollon, indem sie ihn  jeden Tag in beständigen Gesängen preisen und ihm ansonsten äußerst große Ehren zollen.“ Hekataios erwähnte als nördlichste Stadt eine „Stadt der Kimmerier“, der nordgermanischen Kimbern auf Jütland. Pytheas erwähnte auch die Insel Basieia. Ebenso wie Diodor (um 30 v.0), der die bernsteinreiche Insel Basileia nennt, die gegenüber von Skythien läge, was erst verständlich wird, wenn man berücksichtigt, dass die Griechen die blonden Skythen von Germanen nie zu unterscheiden wussten und den gesamten ostgermanischen Raum als Skythien bezeichneten.
 
JÜTLAND - HELIXONIA - SONNENKULTLAND
 
Im Jahre 1977 führten Geophysiker der Universität Kiel mit dem Forschungsschiff „Poseidon“ Untersuchungen des Nordseebodens durch und erkannten „Aufschuppungen“ des Gesteins, die aus 100 m Wassertiefe aufragen und heute meist um die 20 m unter Wasser liegen. 18 Seemeilen nördlich von Helgoland wurden bis zu zehn dieser Erhöhungen aufgefunden. Zwischen ihnen liegen Abstände von 500 m bis 1 km („Süddt. Zeitung“, 22.04.1977 ). In der Deutschen Bucht hat es nicht allein massiven Landverlust im Verlauf der Küstenlinien gegeben, auch Inseln im Bezirk vom heutigen Helgoland sind untergegangen.
 
Der Name der Insel oder der jütländischen Halbinsel „Helixonia“ (griech. Spiralen- / Wendelland) ist die griech. Übersetzung einer germ. Landesbezeichnung oder der griech. Bezeichnung für eine markante Auffälligkeit die der Berichterstatter in diesem germ. Land wahrgenommen hatte. Dass es sich dabei um die Spiralheiligtümer - sog. Labyrinthe - des alten Nordens handeln muss, steht außer Frage. Die Spirale und der kultische Spiralgang beziehen sich auf den Sonnengott, der jährlich nach Norden und wieder zurück in den Süden zu wandeln schien, in seinem vermeintlichen Wendelgang um die Erde. In der griech. Mythologie war „Helios“ (altgr. Sonne) der Sonnengott, der mit Gottvater Zeus und dem nordischen Apollon gleichgesetzt wurde. So dürfte sich der Namen „Helixonia“ auf Helios und Helix gleichermaßen beziehen. Das Trojaborg-Labyrinth ist der älteste bekannte Labyrinthentypus, man kannte ihn schon in der Bronzezeit (d.h. vor 3.000 bis 4.000 Jahren). Das älteste genau datierbare Labyrinth-Abbild wurde auf einem Tontäfelchen des 12. Jh. v.0 bei der mykenischen Burg Pylos (Peleponnes) gefunden, wo die aus dem Norden eingewanderten Griechen ihre frühgriechische Kultur entwickelten. Die Labyrinthe werden zumeist mit dem Namen „Trojaburg“ bezeichnet, was sich ableitet vom Verb germ. drelle, got. trajan und so viel bedeutet wie drehen, verwinden, wie es sich auch im Stadtnamen Trelleburg findet. In Schweden werden diese Kultplätze „Trojaborg“, „Jungfrudans“, „Dronning Kristinas ridebane“ genannt, in Island „Völundarhus“, in Deutschland gelten sie als „Zauberkreis“, „Windelbahn“, „Wendeberg“, in England „The City of Troy“, „Julian's Bower“ oder „Troy Town“, in Wales „Caerdroia“. Es sind Gebilde, bestehend aus Steinsetzungen in Form unverzweigter Labyrinthe von faust- bis kopfgroßen Felsbrocken. Die Durchmesser dieser Steinsetzungen betragen zwischen fünf und zwanzig Meter. In den skandinavischen Ländern ist die höchste Zahl von erhaltenen Großlabyrinthen bekannt. In Schweden gibt es über 200, in Norwegen 20, in Finnland 141, in Russland etwa 60 historische Labyrinthe. Deutschland weist noch sieben Labyrinthe auf, z.B. die von Graitschen, Steigra, Hannover, Kaufbeuren sowie die Trojaburg von Calbe / Sachsen-Anhalt, wo sich am südlichen Stadtrand der Flurname „Wunderburg“ erhalten hat. Es war eine Rasen-Spirale, 1446 erstmalig erwähnt, die heidnischen Ritualen gedient hat, welche im 17. Jh. verboten wurden. Auch die uralte Götterburg der germ. Mythologie hat man sich derartig vorgestellt. In der 9. Strophe der Gylfaginning, des Edda-Autors Snorri Sturluson, heißt es in Bezug auf die Entstehung der Welt: „Als nächstes schufen sie [Borrs Söhne] sich die Burg in der Mitte der Welt, die Asgard genannt wird. Das nennt man Troja. Dort wohnten die Götter und ihre Sippen…“.
 
Wenn dieses jütländische Land von dem griechischen Besucher „Helixonia“ genannt wurde, müssten sich dort Labyrinth-Kultplätze erhalten haben. Tatsächlich gibt es nahe der heutigen deutsch-dänischen Grenze, etwas nördlich der Stadt Tondern, die Gemeinde Wiesby (dän. Visby Sogn). Der Name Visby (nord. „vi“ = Opferplatz) deutet darauf hin, dass der Ort vorchristliche Bedeutung hatte. Die davon westlich liegende Trøjborg (deutsch: Troiburg) ist die Ruine eines Wasserschlosses das von zwei Gräben umgebene Gebäude, wurde in der ersten Hälfte des 14. Jh. auf einer künstlich angelegten Erhebung erbaut. Sie ist etwa 30 mal 30 Meter groß. Der Name weist darauf  hin, dass die Troiburg auf einer alten Trojaburg errichtet wurde. Nur ca. 70 km von Trøjborg südlich liegt die Gemeinde Sankt Peter-Ording (früher Ulstrup), an der heutigen Westküste der Eiderhalbinsel, wo der Bernstein-Fluß, die Eider, einmündet. Bedeutsam ist, dass es lediglich einen weiteren Ort des gleichen Namens gibt, nämlich Visby, die Stadt an der Westküste der schwed. Ostseeinsel Gotland. Deren Trojaburg liegt unterhalb des Galgenberges etwas außerhalb der alten Hansestadt Visby. Dieses klassische, sehr bekannte Labyrinth mit 11 Umgängen ist um 2.500 Jahre alt. Der schwed. Astronom Curt Roslund erklärte, dass das Labyrinth mit der Maßeinheit der sogenannten megalithischen Elle angelegt worden ist. Verschiedene skandinavische Sagen weisen die Trojaburgen als Platz für Kultdramen aus. Dabei bekämpft ein Held im Frühling den Winterdämon, um die Sonnen-Jungfrau aus dem Labyrinth-Schloss zu befreien und so die Fruchtbarkeit zu sichern. Volksforscher des 19. Jahrhunderts berichteten von skandinavischen Jugendspielen um die Trojaburgen bzw. Jungfrudanse. Dabei stand im Mittelpunkt des Labyrinths ein Mädchen, das von jungen Männern geholt oder befreit wurde. Auf den beiden Ostseeinseln Schwedens besagt die lokale Tradition, dass ein Steinlabyrinth jedem Glück bringt, der den richtigen Weg durch die geschlängelten Gänge des Labyrinths findet, ohne die Steine anzustupsen.
 
Abaris - hyperboreeischer Heiler und Priester des Apollon
 
Es heißt auch: „Man sagt, die Wiederkehr des Gottes auf die Insel erfolge alle neunzehn Jahre innerhalb eines Zeitraumes, bei dessen Ende die Sterne in ihre Ausgangsstellung zurückkehren. Aus diesem Grund heißt bei den Griechen ein Zeitraum von neunzehn Jahren das Meton-Jahr.“ Diese Information spricht für die genaue Gestirnsbeobachtung der Hyperboreer. In ihrem Tempel würden zahlreiche Weihegaben aufbewahrt, von denen einige griechische Inschriften zeigten, denn die Griechen - insbesondere Athener und Delier - hätten in der Vergangenheit die Insel angesegelt. Die Hyperboreer seien den Griechen seit langem freundlich gesinnt. Einmal sei Abaris nach Delos gekommen, um die Freundschaft zwischen den beiden Inseln neu zu bekräftigen -; wörtlich: „Dieser strebte die Erneuerung von Freundschaft und Blutsbrüderschaft mit den Bewohnern von Delos an.“ Von Abaris, dem Apollo-Priester und Wundertäter, berichteten auch Pindar und Herodot, so soll Abaris die ganze Erde bereist haben, ohne Nahrung zu sich nehmen zu müssen. Er trug stets einem Pfeil aus dem Apollo-Tempel in der Hand, mit dem der Gott einst die Zyklopen getötete haben soll. Platon erwähnt die Zaubersprüche des Abaris. Platon (Charmides 158 b) nennt den Hyperboreer Abaris im Zusammenhang mit Zalmoxis, einer Gottheit der thrakischen Geten, welche den Verstorbenen das ewige Leben schenkt. Abaris sei als Heiler von Krankheiten aufgetreten, die dieser mit Hilfe von Zaubersprüchen bzw. Besprechungen abgetan habe. Der Redner Lykurgos von Athen (um 390-324 v.0) berichtete, Abaris sei - während in seiner Heimat eine Hungersnot ausgebrochen war - nach Griechenland gekommen und erst hier in die Dienste Apollons getreten. Habe von ihm die Kunst der Weissagung erlernt und wäre wahrsagend durch ganz Hellas gezogen. Den Spartanern, so wurde gesagt, habe er einen Tempel der „Kore-Soteria“ gebaut und Abwehropfer gegen die Pest empfohlen, die tatsächlich bewirkten, dass die Stadt nie wieder von der Pest betroffen wurde. Andere Zeugnisse - z.B. Strabon (63 v.0 - 23 n.0) - hielten Abaris für einen tugendhaften Skythen - der bei den Griechen stets gern aufgenommen worden sei - was nicht weiter verwunderlich ist, da die späten Griechen blonde Germanen und blonde Skythen nicht auseinander zu halten vermochten. Die Neuplatoniker Porphyrios und Iamblichos berichteten übereinstimmend von einer Begegnung des Abaris mit Pythagoras. Diese Schilderungen sollen auf griechischen Philosophen Herakleides Pontikos (390-322 v.0) zurückgehen, der als Erster die Abaris-Legende ausgestaltet habe. Demnach war Abaris Priester des hyperboreischen Apollon, der Pythagoras begegnet wäre und in ihm Apollon erkannte, da er seinen goldenen Schenkel erblickte. Daraufhin habe Abaris seinen Pfeil, auf dem er durch die Lüfte geflogen sei, dem Apollo-Pythagoras zurückgegeben und sei dessen Jünger geworden. Das sind weitreichende nachdenklich machende Aussagen, denn die altgermanische ODING-Runenlehre - wie ich sie erkannte und beschrieb - kommt nicht aus ohne das pythagoreische Buchstaben-Zahlendenken (siehe dazu die Runeninschrift des Goldhorns von Rosengaard-Gallehus)   
 
Das Seefahrervolk der Phäaken
 
Homers (12./9. Jh. v.0) Phäaken-Bericht im VI. Gesang seiner „Ilias“ erinnert den Leser intuitiv an die Hyperboreer, an die Schilderungen die wir von ihrer Hauptstadt besitzen und ebenso an Atlantis. Homer muss hier legendär ausgeschmückte Informationen über ein Seefahrervolk aus dem höchsten Norden eingeflochten haben. Folgt man seinen dichterisch verklärten Segelanweisungen für Odysseus, gelangt man unweigerlich aus dem Mittelmeer hinaus in den Ozean und hinauf in Richtung der Hyperboreer, also der schiffefrohen Frühgermanen. Der Irrfahrer Odysseus landet, durch einen schweren Sturm verschlagen, an der felsigen Küste, nahe einer Flussmündung, der im Nebel liegenden Phäaken-Hauptstadt Scheria (Schäre = Felseninsel). Die Tochter des dortigen Königs namens Alkinoos war Nausikaa, in der sich die blauäugige Göttin Athene verkörpert hatte. Die Hauptstadt war von hohen Mauern umgeben. In ihrer Nähe lagen zwei Häfen, von denen schmale Zugänge in die Stadt führten. In der Nähe der Häfen befand sich ein Heiligtum für Poseidon. Da war ein Marktplatz auf dem Versammlungen, Spiele und Tänze abgehalten wurden. Der Palast befand sich in der Stadt, zwischen den Häusern der anderen Phäaken, deren hohe Mauern mit Pfählen verstrebt waren. Der Palast überragte durch Größe und Pracht die übrigen Häuser. Die Fassaden waren mit Erz verkleidet, die umlaufenden Simse waren mit Schmelzglas überzogen (mittels verflüssigten Bernsteins ?) Scheria wurde von 12 Fürsten regiert, die in ihren Gebieten freie Hand hatten-, Alkinoos gewissermaßen der Erste unter Gleichen. Die Phäaken waren berühmt für ihre Schiffe, deren Schnelligkeit Homer wiederholt betont. Sie kamen ohne Steuerruder aus, da sie sich von den Gedanken der Besatzung lenken ließen und auch bei Nebel sicher ihr Ziel fanden. Als der entfernteste Ort, den die Phäaken anfuhren, wurde „Euboia“ (Land der wohlgenährten Rinder) angegeben.
 
Auch die frühen Helden der Griechen erreichten zu Schiff das Phäakenland. Apollonios von Rhodos (295-215 v.0) war ein griechischer Dichter und Gelehrter, der die „Argonautika“, eine epische Version der Argonautensage verfasste. Diese Legende handelt von der Fahrt des Helden Jason und seiner Reisegenossen, mit dem Schiff Argo, auf der Suche nach dem „Goldenen Vlies“. Der Kern der Sage muss älter sein als Homers Lieder (wenn sie uns auch erst aus dem 3. Jh. v.0 bekannt wurde), denn in ihr erscheinen Helden deren Söhne bei der Eroberung Trojas mitwirken. In diese Abenteuergeschichte sind die Episoden so aneinander gehängt, dass eine konkrete Reiseroute nicht nachvollziehbar ist, weil der Verfasser von der Geographie Europas keine genaue Vorstellung besaß. Die Einzelstücke aber sind informativ. Auf der Rückfahrt - nach Erreichung ihres Zieles - müssen die Argonauten viele Abenteuer bestehen: „Die Argonauten aber schifften an mancherlei Gestaden und Inseln vorüber […] als Hera, welche die Pläne des erzürnten Zeus fürchtete, einen Sturm gegen sie erhob, der ihr Schiff mit Ungestüm an die unwirtliche Insel Elektris trieb. […] das Schiff aber schoss weiter bis in die innerste Bucht des Eridanos, da wo einst Phaëthon verbrannt vom Sonnenwagen in die Flut gefallen war. Noch jetzt schickt er aus der Tiefe Rauch und Glut aus seiner brennenden Wunde hervor. Kein Schiff kann mit leichten Segeln über dieses Gewässer hinfliegen, sondern es springt mitten in die Flamme hinein. Ringsumher am Ufer seufzen, in Pappeln verwandelt, Phaëthons Schwestern, die Heliaden, im Winde und träufeln lichte Tränen aus Bernstein auf den Boden, welche die Sonne trocknet und die Flut in den Eridanos hineinzieht. Den Argonauten half zwar ihr starkes Schiff aus dieser Gefahr, aber alle Lust nach Speise und Trank verging ihnen; denn bei Tage peinigte sie der unerträgliche Geruch, der aus den Fluten des Eridanos vom dampfenden Phaëthon aufstieg, und bei Nacht hörten sie ganz deutlich das Wehklagen der Heliaden und wie die Bernsteintränen gleich Öltropfen ins Meer rollten. An den Ufern des Eridanos hin kamen sie zu der Mündung des Rhodanos (Rhodanus = Rhône - entspringt in Westalpen und mündet ins Mittelmeer - Gemeint ist vielleicht Rhenus = Rhein) und wären hineingeschifft, von wannen sie nicht lebendig herauskommen sollten, wenn nicht Hera plötzlich auf einer Klippe erschienen wäre und mit furchtbarer Götterstimme sie abgemahnt hätte. Diese hüllte das Schiff schirmend in schwarze Nebel, und so fuhren sie an unzähligen Keltenvölkern viele Tage und Nächte vorbei, bis sie endlich das tyrrhenische Ufer erblickten und bald darauf glücklich in den Hafen der Insel Kirkes einliefen.“ Wieder werden sie von Stürmen verschlagen und gelangen jetzt zur Meerenge von „Skylla und Charybdis“, der zur Bronzezeit sehr viel engeren Straße von Dover-Calais - zwischen dem Atlantik und der Nordsee. Wenn sie an „unzähligen Keltenvölkern vorbei fuhren“, müssten sie vorher den Ozean erreicht haben und - vor oder nach Auffindung der Bernstein-Inseln - die enge Passage durchfahren haben. Eine andere Meerenge als den Ärmelkanal gibt es an der europäischen Westküste nicht. Der Ärmelkanal ist wegen seines großen Tidenhubs beim Wechsel der Gezeiten, der bis zu 14 m betragen kann, der starken Nordströmung und des oft sehr kräftig vom Atlantik blasenden Winds, seiner tückischen Untiefen und der Kanalinseln wegen, ein schwieriges Segelrevier. Die durch den Ärmelkanal wandernde Atlantikflutwelle trifft vor London auf die von Norden um die britischen Inseln kommende Flutwelle und endet in einem Wirbel vor der belgisch-niederländischen Küste. Die griech. Mythologie verarbeitete die unverdauten uralten Seefahrererzählungen zur Gestalt des Ungeheuers „Charybdis“, das an einer Meerenge gelebt haben soll. Es wurde erzählt: „Sie saugt dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog geraten, sind verloren, nicht einmal der Meeresgott Poseidon vermag diese Schiffe zu retten.“ Beschrieben wird der Anschauungsunterricht von Ebbe und Flut, der in der Regel aber nur zweimal täglich erfolgt. Die Stelle der Sage im deutschen Wortlaut: „Die Argonauten […] kamen in eine Meerenge, wo auf der einen Seite der steile Fels der Skylla in die Fluten hinausragte und das Schiff zu zerbrechen, auf der andern Seite der Strudel der Charybdis die Wasser in die Tiefe riss und das Schiff zu verschlingen drohte. Dazwischen irrten unter der Flut vom Grunde losgerissene Felsen, wo sonst die glühende Werkstätte des Hephaistos ist; jetzt aber rauchte sie nur und erfüllte den Äther mit Finsternis. Hier begegneten ihnen von allen Seiten die Meernymphen, des Nereus Töchter; im Rücken des Schiffes fasste die Fürstin derselben, Thetis selbst, das Steuerruder. Alle miteinander umgaukelten das Schiff, und wenn es sich den schwimmenden Felsen nähern wollte, so stieß es eine Nymphe der andern zu, wie Jungfrauen, die Ball spielen. Bald stieg es mit den Wellen hoch empor zu den Wolken, bald flog es wieder in den Abgrund hinab. Auf dem Gipfel einer Klippe sah, den Hammer auf die Schulter gelehnt, Hephaistos dem Schauspiele zu und vom gestirnten Himmel herab des Zeus Gemahlin, Hera; diese aber ergriff Athenes Hand; denn sie konnte es ohne Schwindel nicht mit ansehen. Endlich waren sie den Gefahren glücklich entgangen und fuhren weiter auf der offenen See, bis sie zu einer Insel kamen, wo die guten Phäaken und ihr frommer König Alkinoos wohnten.“ Es galt lange unglaubhaft, dass bronzezeitliche Schiffsreisende aus dem Mittelmeer bis in die Deutsche Bucht gelangt sein könnten. Die neue Fundlage veranlasst nun zum Umdenken. Der Wissenschaftler Hans Peter Duerr suchte mit Studenten und Mitarbeitern der Universität Bremen im Wattenmeer vor der nordfriesischen Küste nach Überesten der untergegangenen Stadt Rungholt. Was sie fanden waren u.a. griechische Münzen aus dem 4./3. v.0, Reste eines phönizischen Kochtopfs, Scherben minoischer Keramik, eine Bügelkanne, einen Schiffsanker, von ca. 1.300 v.0. Das Bonner Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik hat die Scherben einer Neutronenaktivierungsanalyse unterzogen. Ergebnis: Die Scherben im Watt stammen „mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der zentralkretischen Region um Knossos und Phaistos“ - und sind wirklich etwa 3.500 Jahre alt.
 
HELGOLAND - ATLANTIS ?
 
Wenn die einstige große Halbinsel oder Insel, die wir Helgoland nennen, im Laufe der Jahrhunderte mehr oder minder nachweisbar mit unterschiedlichen Namen belegt wurde, wie Abalus, Basileia, Baunonia, Scheria, Elektris, möglicherweise auch Helixoia, dann bleibt es am riskantesten sie mit der Atlantis aus dem entsprechenden Bericht Platos gleichzusetzen, obschon einige Argumente dafür zu sprechen scheinen. Mit Helixoia - das etwa so groß wie Sizilien gewesen sei - muss Jütland gemeint sein, dem Helgoland vorgelagert ist und mit dem die heutige kleine Insel einstmals als größere Landmasse verbunden war. Wer die Argumente für die Gleichsetzungen von Helgoland und der Atlantis kennenlernen will, muss nur die diversen Erörterungen des Forschers Jürgen Spanuth auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüfen. Ich habe mich einige Jahre lang bemüht, im skandinavischen bronzezeitlichen Felsbildergut nach Motiven zu suchen, die typische Darstellungen aus dem Atlantis-Bericht wiedergeben würden, denn die Menschen der Deutschen Bucht, der Kimbrischen Halbinsel bzw. Jütlands, Südschwedens, Südnorwegens gehörten ein und derselben Kult- und Kulturgruppe an. Was in einem hypothetischen bronzezeitlichen Helgoland-Atlantis an sakralen Riten und volklichen Brauchtümern üblich war, muss in den verwandten Regionen rundum genauso geübt worden sein. Die Felsenbilderritzer - besondes die von der südwestschwedischen Provinz Bohuslän - hielten in tausenden Bildern den bronzezeitlichen Alltag bis in religiöse Bereiche fest. Ich fand Felsbild-Nachweise die sich mit Schilderungen aus dem Atlantis-Bericht decken könnten. Diese Felsbilder müssen nun nicht konkret Darstellungen aus dem Leben der Insel Atlantis sein, aber sie zeigen, dass im nordischen Kulturkreis Derartiges - ringförmige Kultstätten (Abb. 1), Stierjagden in der Nähe einer kultischen Sonnen-Stele (Abb. 2) und Stieropfer vor der Göttersäule/Irminsul (Abb. 3) - vorhanden war.  
 
In seinen Dialogen „Timaios und Kritias“ beschrieb der griechische Philosoph Platon (427-347 v.0) das Atlantische Königreich. Kritias berichtete von einer Überlieferung, die auf Solon (640-594 v.0), einem der „Sieben Weisen” Griechenlands, er habe bei einem Besuch im ägyptischen Sais, von dem dortigen Priester namens „Sonchis, Pet-en-Neith“, die Kunde über Atlantis empfangen. Deren See-Reich habe jenseits der „Säulen des Herakles“ (Straße von Gibraltar) gelegen und hätte viele Küstengebiete und Inseln beherrscht, bis es „während eines einzigen schlimmen Tages und einer einzigen schlimmen Nacht” in einer Flutkatastrophe untergegangen sei.
 
Auszüge des Wortlautes vom Atlantis-Bericht,
übersetzt von Franz Susemihl (1826-1901)
 
Die Frage drängt sich auf, wie ist es zu den folgenden teils vernünftigen, ja weisen und korrekten, andererseits fantastischen Schilderungen von der nordischen Gesellschaft, aus dem Munde der ägyptischen Priester zu Sais, gekommen -, die Solon und Kritias weitergaben ? Der Atlantis-Bericht basiert offenbar auf den Aussagen von gefangenen Nordleuten, die in die Verhörprotokolle der vernehmenden Tempel-Behörden von Ramses III. (um 1221 - 1156 v.0) Eingang fanden. Also von Nordleuten selbst, die derartige überzogene, verherrlichende, auch ihr Verhängnis erklärenden Aussagen bezüglich ihrer Heimatwelt, gemacht haben.
 
Der Atlantis-Bericht den Kritias vortrug ist zweifellos, was die Idealität der atlantischen Staatskonstruktion betrifft, im Sinne eines schönen Vorbildes ausgemalt, während die historischen und geographischen Darstellungen, zum Gutteil nachprüfbar, auf einem wahren Kern beruhen. Dieser lautet verkürzt folgendermaßen: Es sei die gewaltige Streitmacht des nordisch-atlantischen Seereiches ausgezogen - zusammen mit seinen Verbündeten Völkern in Nordafrika (Temehu), iberische Stämme, Sardinen Korsika - um auch das östliche Mittelmeergebiet, mitsamt Ägypten, in die Gewalt zu bekommen. Während die Feldzugsoperationen abliefen, geschahen Naturkatastrophen im Nordseeraum und ebenso in Griechenland sowie dem Nahen Osten, so dass der Nachschub unterbrochen war, sich Verwirrung und Uneinigkeit entwickelte, das Kriegsziel nicht erreicht, jedoch u.a. Kreta, Zypern und Palästina besetzt werden konnte.
 
Kritias: „(24e) […] Unsere Bücher erzählen nämlich, eine wie gewaltige Kriegsmacht […] übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom atlantischen Meere heranzog. Damals nämlich war das Meer dort fahrbar, denn vor der Mündung, welche ihr in eurer Sprache die Säulen des Herakles heißt, hatte es eine Insel [vage Vorstellung der Kimbrischen Halbinsel], welche größer war als Asien und Libyen zusammen, und von ihr konnte man damals nach den übrigen Inseln [dänische, schwedische Inseln] hinübersetzen, und von den Inseln auf das ganze gegenüberliegende Festland, (25a) welches jenes recht eigentlich so zu nennende Meer [Atlantik] umschließt. Denn alles das, was sich innerhalb der eben genannten Mündung [Gibraltar] befindet [Mittelmeer], erscheint wie eine [bloße] Bucht mit einem engen Eingange, jenes Meer aber kann in Wahrheit also und das es umgebende Land mit vollem Fug und Recht Festland heißen. Auf dieser Insel Atlantis nun bestand eine große und bewundernswürdige Königsherrschaft, welche nicht bloß die ganze Insel, sondern auch viele andere Inseln und Teile des Festlands [Nordischer Kreis] unter ihrer Gewalt hatte. Außerdem beherrschte sie noch von den hier innerhalb [Gibraltars] liegenden Ländern (25b) Libyen bis nach Ägypten und Europa bis nach Tyrrenien hin. Indem sich nun diese ganze Macht zu einer Heeresmasse vereinigte, unternahm sie es, unser [Land Ägypten] und euer Land [Griechenland] und überhaupt das ganze innerhalb der Mündung liegende Gebiet mit Einem Zuge zu unterjochen. […] (25c) […] Späterhin aber entstanden gewaltige Erdbeben und Überschwemmungen, und da versank während eines schlimmen Tages und einer schlimmen Nacht (25d) das ganze streitbare Geschlecht [der Mykener / Athener] bei euch scharenweise unter die Erde und ebenso verschwand die Insel Atlantis, indem sie im Meere unterging. Deshalb ist auch die dortige See jetzt unbefahrbar und undurchforschbar, weil der sehr hoch aufgehäufte Schlamm im Wege ist, welchen die Insel durch ihr Untersinken hervorbrachte [friesisches Wattenmeer].“ Und wieder Kritias: (108e) „Vor Allem nun wollen wir uns zunächst das ins Gedächtnis zurückrufen, dass es im Ganzen neuntausend Jahre her sind [Die Zeitangabe „Jahr“ = „Rundlauf“ bei den Ägyptern kann ebenso „Monat“ bedeuten; legt man diese Erklärung zugrunde, gelangt man recht genau in die Zeit der Seevölkerbewegung des späten 13. Jh. v.0], seitdem, wie angegeben worden, der Krieg zwischen denen, welche jenseits der Säulen des Herakles [im Atlantischen Ozean] und allen denen, welche innerhalb derselben [im Mittelmeerraum] wohnten, entstand, welchen ich jetzt vollständig zu erzählen habe. Nun wurde schon angeführt, dass an der Spitze der Letzteren unsere Stadt [Athen] stand und den ganzen Krieg zu Ende führte, während über die Ersteren die Könige der Insel Atlantis herrschten, welche, wie ich bemerkt habe, einst größer war als Libyen und Asien [zusammen], jetzt aber durch Erderschütterungen untergegangen ist und dabei einen undurchdringlichen Schlamm [Wattenmeer der friesischen Küsten] zurückgelassen hat, (109a) welcher sich denen, die in das jenseitige Meer hinausschiffen wollen, als Hindernis ihres weiteren Vordringens entgegenstellt. Ein Bild nun der vielen [übrigen] nichtgriechischen Völker und sämtlicher Hellenenstämme, welche es damals gab, wird der Verfolg unserer Erzählung im Einzelnen, wie es gerade die Gelegenheit mit sich bringt, entrollen; die Verhältnisse der alten Athener [Mykener] und ihrer Gegner, mit denen sie Krieg führten, das heißt die Macht und Staateinrichtungen von Beiden, dagegen ist es nötig sogleich vorauszuschicken.“ Im Bericht spiegelt sich das traditionell gute Einvernehmen zwischen einerseits Ägypten und andererseits den  Mykenern, die die seit Hyksos-Zeiten verhassten Minoer ablösten.
 
Zum bronzezeitlichen Felsbild - Abrieb-Abbildung Nr. 1
 Ringform der Atlantis-Bauweise
 
Kritias: (113a) Indessen muss ich meinen Berichte noch die Bemerkung unmittelbar voraufschicken, dass ihr euch nicht etwa wundern möget, wenn ihr ungriechischen Männern griechische Namen geben hört, denn ihr sollt den Grund davon erfahren. Da nämlich Solon ja diese Erzählung zu einem Gedichte zu verwenden bezweckte, so forschte er nach der Bedeutung der Namen, und da fand er nun, dass jene [alten] Ägypter, welche sie zuerst aufgezeichnet, sie in ihre eigene Sprache übersetzt hatten, und so nahm er seinerseits [gleichfalls] wieder den Sinn jedes Namens vor und schrieb ihn so nieder, wie er, in unsere Sprache übertragen, lautete. (113b) Und diese Aufzeichnungen befanden sich denn auch bei meinem Großvater, und ich besitze sie noch, und sie sind von mir in meinen Knabenjahren sorgfältig durchgelesen worden. Wenn ihr daher eben solche Namen hört, wie hier zu Lande, so lasst euch das nicht Wunder nehmen, denn ihr wisst jetzt die Ursache davon. Von der langen Erzählung lautete der Anfang nun damals ungefähr folgendermaßen.
 
Wie [schon] im Obigen erzählt wurde, dass die Götter die ganze Erde unter sich teils in größere, teils in kleinere Teile verteilt (113c) und sich selber ihre Heiligtümer und Opferstätten gegründet hätten, so fiel auch dem Poseidon die Insel Atlantis zu, und er verpflanzte seine Sprösslinge, die er mit einem sterblichen Weibe erzeugt hatte, auf einen Ort der Insel von ungefähr folgender Beschaffenheit. Ziemlich in der Mitte der ganzen Insel, jedoch so, dass sie an das Meer stieß, lag eine Ebene, welche von allen Ebenen die schönste und von ganz vorzüglicher Güte [des Bodens] gewesen sein soll. Am Rande dieser Ebene aber lag wiederum, und zwar etwa sechzig Stadien vom Meer entfernt, ein nach allen Seiten niedriger Berg. Auf demselben nun wohnte einer von den daselbst im Anfange aus der Erde entsprossenen Männern, (113d) Namens Euenor, zusamt seiner Gattin Leukippe, und sie hatten eine einzige Tochter, Kleito, erzeugt. Als nun dies Mädchen in das Alter der Mannbarkeit gekommen war, starben ihr Mutter und Vater, Poseidon aber ward von Liebe zu ihr ergriffen und verband sich mit ihr.
 
Er trennte [deshalb] auch den Hügel, auf welchem sie wohnte, rings herum durch eine starke Umhegung ab, indem er mehrere kleinere und größere Ringe abwechselnd von Wasser und von Erde um einander fügte, und zwar ihrer zwei von Erde und drei von Wasser, und mitten aus der Insel gleichsam herauszirkelte, so dass ein jeder in allen seinen Teilen gleichmäßig von den anderen entfernt war; (113e) wodurch denn der Hügel für Menschen unzugänglich ward, denn Schiffe und Schiffahrt gab es damals noch nicht. Für seine Zwecke aber stattete er die in der Mitte liegende Insel, wie es ihm als einem Gotte nicht schwer ward, mit allem Nötigen aus, indem er zwei Wassersprudel, den einen warm und den anderen kalt, dergestalt, dass sie aus einer gemeinsamen Quelle flossen, aus der Erde emporsteigen und mannigfache und reichliche Frucht aus ihr hervorgehen ließ.
 
An männlicher Nachkommenschaft aber erzeugte er fünf Zwillingspaare und zog sie auf, zerlegte sodann die ganze Insel Atlantis in zehn Landgebiete und teilte von ihnen dem Erstgeborenen des ältesten Paares (114a) den Wohnsitz seiner Mutter und das umliegende Gebiet, als das größte und beste, zu und bestellte ihn auch zum König über die anderen (Söhne); aber auch diese machte er zu Herrschern, indem er einem jeden die Herrschaft über viele Menschen und vieles Land verlieh. Auch legte er allen Namen bei, und zwar dem ältesten und Könige den, von welchen auch die ganze Insel und das Meer, welches ja das atlantische heißt, ihre Benennungen empfingen; nämlich Atlas ward dieser erste damals herrschende König geheißen. (114b) Dem nach ihm geborenen Zwillingsbruder ferner, welcher den äußersten Teil der Insel, von den Säulen des Herakles bis zu der Gegend welche jetzt die gadeirische heißt und von der damals so genannten diese Bezeichnung empfangen hat, als seinen Anteil erhielt, gab er in der Landessprache den Namen Gadeiros, welcher auf griechisch Eumelos lauten würde und auch jene Benennung des Landes hervorrufen sollte. Von dem zweiten Paare sodann nannte er den Einen Ampheres und den Andern Euämon, von dem dritten Erstgebornen Mnaseas und den folgenden Autochthon, (114c) von dem vierten den Ersten Elasippos und den Zweiten Mestor, von dem fünften endlich empfing der Frühergeborene den Namen Azaёs und der Letztgeborne den Namen Diaprepes. Diese Alle nun samt ihren Abkömmlingen wohnten hier viele Geschlechter hindurch und beherrschten auch noch viele andere Inseln des Meeres, überdies aber, wie schon vorhin bemerkt wurde, auch noch die hier innerhalb Wohnenden bis nach Ägypten und Tyrrenien hin."
 
(114d) „Vom Atlas nun stammte ein zahlreiches Geschlecht, welches auch in seinen übrigen Gliedern hochgeehrt war, namentlich aber dadurch, dass der jedesmalige König die königliche Gewalt immer den ältesten seiner Söhne überlieferte, viele Geschlechter hindurch sich den Besitz dieser Gewalt und damit eines Reichtums von solcher Fülle bewahrte, wie er wohl weder zuvor in irgend einem Königreiche bestanden hat, noch so leicht künftig wieder bestehen wird, und war mit Allem versehen, was in der Stadt und im übrigen Lande herbeizuschaffen nötig war. Denn Vieles ward diesen Königen von auswärtigen Ländern her in Folge ihrer Herrschaft [über dieselben] zugeführt, das Meiste aber bot die Insel selbst für die Bedürfnisse des Lebens dar, (114e) zunächst Alles, was durch den Bergbau gediegen oder in schmelzbaren Erzen hervorgegraben wird, darunter auch die Gattung, welche jetzt nur noch ein Name ist, damals aber mehr als dies war, nämlich die des Goldkupfererzes, welches an vielen Stellen der Insel aus der Erde gefördert und unter den damals lebenden Menschen nächst dem Golde am höchsten geschätzt ward [Es wird Bernstein gemeint sein.]. Ferner brachte sie Alles, was der Wald zu den Arbeiten der Handwerker darbietet, in reichen Maße hervor und nährte reichlich wilde und zahme Tiere. [...] Indem nun Atlas und seine Nachkommen dies Alles aus der Erde empfingen, gründeten sie Tempel, Königshäuser, (115c) Häfen und Schiffswerfte, und richteten auch das ganze übrige Land ein, wobei sie nach folgender Anordnung verfuhren. Zuerst schlugen sie Brücken über die Ringe von Wasser, welche ihre alte Mutterstadt umgaben, um sich so einen Weg von und zu der Königsburg zu schaffen. Dieselbe errichteten sie nämlich gleich im Anfange eben auf jenem Wohnsitze des Gottes und ihrer Vorfahren, und so empfing sie der Eine von dem Anderen, indem ein Jeder ihre Ausstattung erweiterte und nach Kräften seinen Vorgänger darin überbot, (115d) bis sie denn endlich diesen ihren Wohnsitz durch die Größe und Schönheit ihrer Werke zu einem staunenswerten Anblicke gemacht hatten: [Zuerst] nämlich gruben sie einen Kanal von drei Plethren Breite, hundert Fuß Tiefe und fünfzig Stadien Länge vom Meer aus bis zu dem äußersten Ringe hin, und machten so eine Einfahrt vor der See in denselben wie in einen Hafen möglich, indem sie die Einmündung in ihn weit genug zum Einlaufen für die größten Schiffe brachen. Sodann durchbrachen sie aber auch die Kreiswälle von Erde, welche die Wasserringe von einander trennten, unterhalb der Brücken in einer solchen Breite, (115e) dass für einen einzelnen Dreiruderer die Durchfahrt von dem einen durch den anderen möglich ward, und überbrückten dann wieder den Durchstich, so dass die Schifffahrt hier eine unterirdische war; die Ränder der Erdwälle hatten nämlich eine Höhe, welche hinlänglich über das Meer emporragte. Es war aber der weiteste von den Ringen, welche einst aus dem Meere gebildet waren, drei Stadien breit, und eben so der zunächst auf ihn folgende Wallring, von den beiden nächsten Ringen aber der aus Wasser bestehende zwei, und eben so war ihm wiederum der aus Erde aufgehäufte an Breite gleich, endlich der unmittelbar um die Insel herumlaufende ein Stadium, (116a) und die Insel selbst, auf welcher die Königsburg stand, hatte fünf Stadien im Durchmesser. Diese selbst nun umgaben sie rings herum, und ebenso die Ringe und die Brücke, welche ein Plethron breit war, von beiden Seiten mit je einer steinernen Mauer, und errichteten bei den Brücken nach beiden Seiten hin Türme und Tore gegen die Durchfahrten vom Meere zu.
 
Die Steine dazu aber, welche teils weiß, teils schwarz und teils rot waren, (116b) brachen sie unten an [den Abhängen] der in der Mitte gelegenen Insel rings herum, und ebenso unten an den Wallrändern nach außen und nach innen zu, und dadurch, dass sie sie dort herausschlugen, erlangten sie zugleich innerhalb derselben auf beiden Seiten Höhlungen zu Schiffsarsenalen, welche den Felsen selber zur Decke hatten. Auch [andere] Gebäude errichteten sie (aus jenen Steinen), und zwar teils einfarbige, teils auch bunte, indem sie sie aus verschiedenfarbigen Steinen zum Genuss [für das Auge] zusammensetzten und denselben dadurch ihren [vollen] natürlichen Reiz gaben. Die Mauer endlich, welche um den äußeren Wall herumlief, fassten sie ihrem ganzen Umfange nach mit Erz ein, indem sie dasselbe gleichsam wie ein Salböl anwandten, die um den innern aber umschmolzen sie mit Zinn, (116c) endlich die Burg selbst mit Goldkupfererz, welches einen feuerähnlichen Glanz hatte. [Damit ist offenbar Bernstein gemeint]“
 
Zu bronzezeitlichen Felsbildern - Abrieb-Abbildungen Nr. 2 + 3
Stier-Jagd der Könige + Stier-Opfer an der heiligen Säule
 
„[...] Die Verhältnisse der obrigkeitlichen Gewalt und der Staatswürden aber waren vom Anbeginn her folgendermaßen geordnet: Von den zehn Königen herrschte ein jeder in dem ihm überkommenen Gebiete von seiner Stadt aus über die Bewohner und stand über den meisten Gesetzen dergestalt, dass er strafte und hinrichten ließ, wen immer es ihm gut dünkte. Die Herrschaft über sie selbst aber ward gegenseitig und gemeinschaftlich geführt nach den Anordnungen des Poseidon, wie sie ein Gesetz ihnen überlieferte, welches von ihren Vorfahren auf eine Säule von Goldkupfererz [Bernstein ?] eingegraben war, die in der Mitte der Insel, nämlich im Heiligtum des Poseidon, stand. Hierher kamen sie denn auch abwechselnd bald jedes fünfte und bald jedes sechste Jahr zusammen, um der geraden und der ungeraden Zahl ein gleiches Recht angedeihen zu lassen, und berieten sich auf diesen Zusammenkünften teils über die gemeinsamen Angelegenheiten, teils hielten sie Nachforschung danach, ob einer von ihnen irgend eine Übertretung begangen, und saßen darüber zu Gericht. Wenn sie aber zum Gerichte schritten, so gaben sie einander zuvor folgendes Unterpfand der Treue: Nachdem sie zu dem Gotte gebetet, dass es ihnen gelingen möge, das Opfertier, welches ihm genehm sei, zu fangen, stellten sie zehn ganz allein unter den Stieren, die da frei im Heiligtume des Poseidon weideten, eine Jagd ohne Eisen bloß mit Knitteln und Stricken an, und denjenigen von den Stieren, welchen sie fingen, brachten sie oben auf die Säule hinauf und schlachteten ihn dort unmittelbar über jener Inschrift. Auf der Säule befand sich aber außer dem Gesetze noch eine Schwurformel, welche gewaltige Verwünschungen über diejenigen aussprach, welche ihm nicht gehorchten. Wenn sie nun so nach ihren Bräuchen beim Opfer dem Gotte alle Glieder des Stieres geweiht hatten, so richteten sie einen Mischkessel zu und warfen in diesen für jeden einen Tropfen geronnenen Blutes; alles übrige aber warfen sie ins Feuer, nachdem sie die Säule ringsherum gereinigt hatten. Hierauf schöpften sie mit goldenen Trinkschalen aus dem Mischbecher, und während sie dann aus ihnen die Spenden ins Feuer gossen, schwuren sie dabei, nach den Gesetzen auf der Säule zu richten und es zu strafen, wenn einer von ihnen zuvor einen Frevel begangen, und ebenso wiederum in Zukunft keine von jenen Vorschriften absichtlich zu verletzen und weder anders zu herrschen, noch einem andern Herrscher zu gehorchen als dem, welcher nach den Gesetzen des Vaters regierte. Nachdem ein jeder von ihnen dies für sich selbst und für sein Geschlecht gelobt hatte, trank er und weihte sodann die Becher als Geschenk für das Heiligtum des Gottes, und sodann wandten sie sich zum Mahle, um auch den Anforderungen ihres Körpers Genüge zu tun. Sobald es aber dunkel ward und das Opferfeuer verglomm, dann kleideten sich alle sofort in ein blaues Gewand von der aller höchsten Schönheit, und so, bei der Glut der Eidesopfer auf der Erde sitzend, indem sie gänzlich das Feuer im Heiligtume auslöschten, empfingen und sprachen sie Recht bei der Nacht, wenn etwa der eine von ihnen den andern irgend einer Übertretung anklagte. Nach vollzogenem Urteil aber schrieben sie die Richtersprüche, sobald es Tag ward, auf einer goldenen Tafel auf und weihten diese samt jenen Gewändern zum Denkzeichen. Es gab aber noch viele andere Gesetze, welche die Rechte der Könige für einen jeden im besonderen bestimmten; über allen jedoch stand dies, dass sie niemals gegen einander die Waffen führen, vielmehr einander insgesamt Hilfe leisten sollten, wenn etwa einer von ihnen in irgend einer Stadt das königliche Geschlecht auszurotten versuchte, und dass sie nach gemeinsamer Beratung, gleichwie ihre Vorfahren, ihre Beschlüsse über den Krieg und alle anderen Angelegenheiten fassen und ausführen, den Vorsitz und Oberbefehl dabei aber dem Geschlechte des Atlas überlassen sollten. Die Vollmacht, einen seiner Verwandten hinrichten zu lassen, sollte ferner einem Könige nicht zu Gebote stehen, es sei denn, dass über die Hälfte von den zehn es genehmigt hätte.“
 
Zum bronzezeitlichen Felsbild - Abrieb-Abbildung Nr. 4
Ackerender Bauer in Helixoia
 
(111e) Also war nun das übrige Land von Natur beschaffen und ward auch in gehöriger Weise angebaut von Ackerleuten, die in Wahrheit diesen Namen verdienten und sich eben nur hiermit beschäftigten und dabei pflichteifrig und von tüchtigem Schlage waren, so wie ihnen denn auch der schönste Boden und Wasser in reicher Fülle und in der Luft die trefflichste Mischung der Jahreszeiten zu Teil geworden war.
 
Zum bronzezeitlichen Felsbild - Abrieb-Abbildung Nr. 5
Schiffe und Rennwagen
 
(117c) In der Nähe dieser Wasserleitungen wurden denn auch Heiligtümer vieler Götter, ferner viele Gärten und Übungsplätze angelegt, und zwar besondere für die auf den menschlichen Körper beschränkten Übungen und besondere für die mit dem Wagengespann aus jeder von beiden aus den Wällen bestehenden Inseln, und überdies besaßen sie auch in der Mitte der größeren Insel eine ausgesuchte Rennbahn, welche ein Stadium breit und deren Länge im ganzen Umkreis zum Wettkampfe für die Rosse eingerichtet war. Um dieselbe herum lagen auf beiden Seiten die Wohnungen (117d) für die Mehrzahl der Trabanten. Die zuverlässigeren unter ihnen aber hatten ihre Wache auf dem kleineren und näher an der Burg gelegenen Wallring, den vor allen anderen an Zuverlässigkeit Ausgezeichneten endlich waren ihre Wohnungen auf der Burg selber um den Königspalast herum gegeben. Die Schiffsarsenale aber waren voll von Dreiruderern und von Allem, was zu der Ausrüstung von Dreiruderern gehört, wovon Alles in reichem Maße in Bereitschaft gehalten wurde.
 
Zum bronzezeitichen Felsbild - Abrieb-Abbildung Nr. 6
Fette Rinder - Kuh und Stier
 
(114e) […] Ferner brachte sie [die Insel] alles, was der Wald zu den Arbeiten der Handwerker darbietet, in reichen Maße hervor und nährte reichlich wilde und zahme Tiere….“ - (118b) […] „Die Berge aber, welche ihn [den Teil der ebenen Südseite] umgaben, […] indem sie viele Flecken mit einer reichen Zahl von Bewohnern, ferner Flüsse, Seen und Auen, welche allen möglichen zahmen und wilden Tieren ausreichendes Futter darboten, sowie auch Waldungen in sich fassten…“
 
Zum bronzezeitlichen Felsbild - Abrieb-Abbildung Nr. 7 Reitertruppe mit Schild und Speer - und Kivik-Grabplatten-Abrieb Nr. 8 Kampfwagen
 
(118e) „[…] Was aber die Zahl [der Bewohner] anbetrifft, so bestand die Anordnung, dass in der Ebene [selbst] an kriegstüchtigen Männern (119a) jedes Grundstück einen Anführer zu stellen hatte; die Größe eines jeden Grundstückes aber betrug gegen hundert [Quadrat-] Stadien und die Zahl von ihnen allen sechzigtausend; auf den Gebirgen dagegen und im übrigen Lande zählte man eine unsägliche Menschenmasse, alle jedoch waren nach ihren Ortschaften und Flecken je einem dieser Grundstücke und Führer zugeteilt. Die Führer nun aber hatten die Verpflichtung zum Kriege ihrer sechs zusammen einen Kriegswagen zu stellen, so dass deren insgesamt zehntausend wurden, ferner ein jeder zwei Rosse und Reiter, (119b) dazu noch ein Zwiegespann ohne Sessel, welches mit einem Krieger bemannt war, der einen kleinen Schild trug und auch herabsteigend zu Fuße kämpfte; außer diesem Wagenkämpfer aber mit einem Lenker für die beiden Rosse, ferner zwei Schwerbewaffnete und an Bogen- und Schleuderschützen je zwei, und ebenso an Stein- und Speerwerfern ohne Rüstung je drei; endlich vier Seeleute zur Bemannung von zwölfhundert Schiffen. So war das Kriegswesen in dem königlichen Staate angeordnet, in den anderen neun Staaten aber auf verschiedene Weise, deren Erörterung [zu] lange Zeit in Anspruch nehmen würde“
 
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Kritias: (120d) „[…] Diese Macht von solcher Art und Ausdehnung, wie sie damals in jenen Gegenden bestand, führte der Gott, indem er sie zusammentreten ließ, nun auch gegen unser Land [Ägypten], wozu, wie es heißt, ungefähr folgende Verhältnisse Anlass gaben. (120e) Viele Geschlechter hindurch, so lange noch irgend die Natur des Gottes in ihnen wirksam war, waren sie den Gesetzen gehorsam und zeigten ein befreundetes Verhalten gegen das ihnen verwandte Göttliche. Denn sie besaßen wahrhafte und durchgehends große Gesinnungen, indem sie eine mit Klugheit gepaarte Sanftmut allen etwaigen Wechselfällen des Schicksals gegenüber, so wie gegen einander an den Tag legten, und da sie eben deshalb alles andere außer der Tugend für wertlos ansahen, so achteten sie alle vorhandenen Glücksgüter geringe (121a) und betrachteten mit Gleichmut und mehr wie eine Last die Masse ihres Goldes und ihrer übrigen Besitztümer und nicht kamen sie, berauscht von den Schwelgen in ihrem Reichtum, so dass sie durch ihn die Herrschaft über sich selbst verloren hätten, zu Falle, sondern erkannten mit nüchternem Scharfblick, dass dies Alles nur durch die gemeinsame Freundschaft im Verein mit der Tugend sein Gedeihen empfängt, durch den Eifer und das Streben nach ihm dagegen nicht bloß selber entschwindet, sondern auch jene mit sich zu Grunde richtet. In Folge dieser Grundsätze und der fortdauernden Wirksamkeit der göttlichen Natur in ihnen gedieh ihnen denn das Alles, was ich euch vorhin mitgeteilt habe. Als aber ihr Anteil am Wesen des Gottes durch die vielfache und häufige Beimischung des Sterblichen [von untauglicher Rasse] in ihnen zu schwinden begann, und die [ungute, niedere ] menschliche Art überwog, (121b) da erst waren sie dem vorhandenen Reichtum nicht mehr gewachsen und entarteten und erschienen dem, welcher es zu erkennen vermochte, niedrig, indem sie von Allem, was in Ehren zu stehen verdient, gerade das Schönste zu Grunde richteten; denen aber, die ein wahrhaft zur Glückseligkeit führendes Leben nicht zu erkennen im Stande waren, schienen sie damals erst recht in aller Herrlichkeit und Seligkeit dazustehen, als sie ungerechten Gewinn und ungerecht erworbene Macht im Überfluss besaßen.
 
Der Gott der Götter aber, Zeus, welcher nach den Gesetzen herrscht und solches wohl zu erkennen vermag, beschloss, als er ein treffliches Geschlecht [so] schmählich herunterkommen sah, ihnen Strafe dafür aufzuerlegen, (121c) damit sie, durch dieselbe zur Besinnung gebracht, zu einer edleren Lebensweise zurückkehrten. Er berief daher alle Götter in ihren ehrwürdigsten Wohnsitz zusammen, welcher in der Mitte des Weltalls liegt und eine Überschau aller Dinge gewährt, welche je des Werdens teilhaftig wurden, und nachdem er sie zusammenberufen hatte, sprach er […]“ An dieser Stelle bricht der Bericht des Kritias abrupt ab, aber man weiß ja was kommt, nämlich die Verhängung der Überflutungs-Strafe. 
 
 
LITERATUR:
Hans Peter Duerr, „Rungholt - Die Suche nach einer versunkenen Stadt“, 2005
Klaus-Peter Johne, „Die Römer an der Elbe im geographischen Weltbild“, S. 30 ff, 2006)
Marek Winiarczyk, „Die hellenistischen Utopien“, 2011
Raffael Joorde, „Die Schrift „Über die Hyperboreer“ des Hekataios von Abdera (um 300 v. Chr.): Übersetzung der Fragmente mit einem historischen Kommentar“, 2015 - Den Übersetzungen von Joorde ist wohl mit Anerkennung zu folgen, nicht aber seinem krampfhaften Bemühen, das Hyperboreerland nach Großbritanien verlegen zu wollen, was zu unübersehbaren Widersprüchen führt, verzerrende unsinnige Wegbeschreibungen antiker Autoren und auch ihre eindeutigen Aussagen umzudeuten, oder zu verschweigen erzwingt.
 
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„Helgoland im Abendlicht“ 
Carl Wilhelm Hugo Schnars-Alquist (1855-1939)
 
 
ATLANTIS - AHNENLAND
 
Die Nordsee-Dünung, düster und schwer -;
wir Hyperboreer, wo kommen wir her ?
Lauscht nur dem wispernden Wogen-Gang,
hört aus den Gründen der Ahnen Gesang.
 
Die Urheimat dämmert im tiefen Grund,
so ward die Nachricht der Ahnen kund.
In Ägirs-Kessel, dem Deutschen-Meer,
da schlummert Atlantis seit Urzeit her.
 
Und Ägirs Töchter mit Mütterchen Rán
umtrauern ihr Ziel auf gezirkeltem Plan.
Ihre Flossenarme, gar zierlich und fein,
ranken zum ehrenden Reigen sich ein.
 
Meerkönig Ägir thront abseits und grollt,
er war den Atlantern so gar nie hold.
Sie galten ihm hochmütig, frank und keck,
ihre Opfer geschahen zum Vorteilszweck.
 
Da braute der Meergott ein arges Gebräu,
er schwur, dass ihn nimmer die Tat gereu‘,
und schickte die Hochflut in einer Nacht,
da sank der Paläste prahlende Pracht.
 
Drum achtet der Lehren in eurer Zeit,
nagt an den Göttern der Tiefe der Neid,
gegen ein sonniges, starkes Geschlecht,
ist denen die Rache der Sintflut recht.
 
Gar viele Hoffnungen wurden zerstört,
da jählings sich chthonisches Chaos empört',
doch bremste das nie der Atlanter Lauf -;
wir sind Hyperboreer, wir geben nie auf !
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