DIE WIKINGER-WAHRHEIT

 

GEGEN LINDISFARNE
 
Ragnar, der Rote, fasst' Thorgrims Hand:
„Lass' uns fahren gegen Nordhumberland.
Wir schicken elende Schotten zum Thurs,
wir steuern auf Lindisfarne unsern Kurs !“
 
Der hagere Tüsker - aus Hedeby - lacht:
„Den Tanz hätt’ ich gerne auch mitgemacht,
mir springt das Schwert aus der Scheide fast,
hab’ ja  das Christenpack immer gehasst.
 
Die Schneide der Streitaxt jammert nach Blut,
mir staut sich im Herzen unsagbare Wut.
Die Masse der Mönche, fetteste Molche,
schmähen die Götter, die ekligen Strolche.
 
Ich rüste zur Rache für Tochter und Frau,
die gemeuchelte Sippe im Sachsen-Gau -,
den Vetter den sie in Verden erschlugen,
weil sie keine Ehrung des Odin ertrugen.“
 
Kein Nordmann hat sich je aufgespart,
zum sonnigen Sommertag ging es auf Fahrt.
Am Kattegat schlug doch das Wetter um,
ein rasender Sturm bog die Rahen krumm.
 
Steil stemmen sich Böen in’s Segeltuch,
Finnbogi am Steuer zerbiss einen Fluch.
Die Meerdrachen hielten sich wetterfest,
unbeirrbar stießen die Steven gen West.
 
Der Regen peitschte die bärtigen Wangen,
an Mastbäumen haben die Fetzen gehangen.
über Reling-Schilde schäumte die Gischt,
doch Wikinger-Fäuste erlahmen nicht.
 
Und Odin beschirmt seine braven Gesellen,
vor Ägir und Rán und den gierigen Wellen.
Den Tapfersten gönnt er den blutigen Fall,
die holen Walküren hinauf nach Walhall.
 
Dann am achten Lida-Mond war es soweit,
germanisches Nordland Vergeltung schreit.
Zwanzig Kiele kreuzten zur Küste auf,
das blutige Rachewerk nahm seinen Lauf.
 
Es rasten die Recken zum Kloster hin,
dort lockte nicht Ruhm doch barer Gewinn.
Manch’ wertiges Kleinod ward da gefasst,
das die Mönche gescheffelt in Klostermast.
 
Der Ragnar brüllte: „Verbrennt, verbrennt,
all’ die thursischen Texte auf Pergament !“
Die Flammen zerfraßen das Klostergebälk,
da wurde die Schandstätte wüst und welk.
 
Bis heut’ noch wallt in so mancher Ader,
der uralte schlimme, nie endende Hader.
Der fordert die Götter der Heimat zurück,
Geister der Fremde bringen kein Glück !
 
 

Ruinen von Kloster Lindisfarne - Gemälde Thomas Girtin
 
 
 
DIE UNERWÜNSCHTE WIKINGER-WAHRHEIT

 

Über den ersten bedeutenden Angriff der Wikinger im Jahre 793, der dem nordenglischen Küstenkloster Lindisfarne galt, wird selbst von neuheidnischen und wikingerfreundlichen Autoren überwiegend Irreführendes verbreitet. So schreibt ein eigentlich gutwilliger, aber ahnungsloser Netzseiten-Betreiber:
 
„Aber was war wirklich geschehen ? Seefahrer, die wochenlang auf hoher See waren, müssen manchmal an Land gehen, um Verpflegung zu besorgen oder sich auszuruhen. Eine fremde Bevölkerung wird sie nicht freundlich aufnehmen, also müssen Frischfleisch und Wasser mit Gewalt beschafft werden. Die Nordleute handelten an jenem Tag in Lindisfarne zunächst nach ungeschriebenem Seefahrerrecht. Sie erschlugen das Vieh und nahmen es mit. Nach leichter Gegenwehr wurde gebrandschatzt und geplündert. Nach Hause gekommen wurde von dieser Fahrt von leichter Beute berichtet und die Schätze gezeigt von nun an begannen die Eroberungs- und Raubzüge der Wikinger.“
 
Hier wird es so hingestellt, als sei die Überrumpelung von Kloster Lindis­farne gewissermaßen rein zufällig und aus egoistisch-räuberischen Gründen erfolgt. Wer die historische Sachlage derart verzerrt, beweist, dass er die geschichtlichen Abläufe und Vernetzungen nicht durchschaut hat.

 

Wie war es wirklich ?

 

König Edwin (Haus Deira; 616 - 633) hatte den römischen Mönch Paulinus, der als Beichtvater seiner kentischen Braut Edelburg mit ins Land gekommen war, freie Hand gelassen. Der missionierte Nordhumbrien im römischen Sinne und machte sich schließlich zum Bischof in York. König Edwin gab dem Drängen von Frau und Bischof nach und ließ sich 626 taufen, auch nötigte er alle seine Lehnleute, sich zusammen mit ihm taufen zu lassen. Sein Motiv dafür war es wohl, dass er so Oberkönig (Bretwalda) über alle Angeln, Sachsen und Briten werden konnte, was er auch wurde. Gute politische Verbindungen zu den Merowingern standen damit in Aussicht. Als Edwin 633 bei Meicen von einer Union des christlichen britischen Königs Cadwallon und des heidnischen anglischen Königs Penda von Mercien geschlagen wurde, floh Paulinus mit Edwins Witwe nach Kent und sofort lebte in Nordhumbrien die alte Religion wieder auf.
 
Oswald, ein Verwandter König Edwins und Sohn König Ethelfrith von Northumbrien, flüchtete, nachdem sein Vater bei einem Aufstand getötet wurde, in das von Kolumban dem Älteren gegründete Kloster Hye auf Iona (Irland), wo er als unerfahrener Jüngling erneut geistlich bearbeitet wurde, die Taufe empfing und für den römischen Fremdglauben gewonnen werden konnte. Dort lernte er Aidan, den Mönch und späteren Bischof im nahen Clogher kennen. Oswald eroberte 634 mit Unterstützung der zwar noch unbedeutenden aber fanatischen und in der Wahl ihrer Mittel unbedenklichen christlichen Partei sein Land zurück und führte dort, gestützt auf die Hilfe seiner mönchischen Vasallen, das Christentum erneut ein. Schon ein Jahr später gründete er mit Aidan, dem engagierten Kleriker und Freund, das Klosters Lindisfarne. Aidan wurde zum Bischof und bevorrechtigten Glaubensboten bzw. Umerzieher in Northumbrien ernannt.
 
Es bestand also ein gegenseitiges Zweckbündnis zwischen den „Schottenmönchen“ und König Oswald, der mit ihnen seine Herrschaft stabilisierte und schon deshalb darauf bedacht sein musste, die christlichen Eiferer nach Kräften zu unterstützen.
 
Die Legende berichtet von seiner Krönung, dass das Chrisamöl fehlte; ein Rabe hätte das Öl in kostbarem Gefäß gebracht, mit versiegeltem „Brief des Hl. Petrus“, der es persönlich geweiht habe; ein anderer Rabe trug einen Ring herzu. Dieser Rabe vermittelte auch Brief- und Ringtausch mit einer Königstochter, die Oswald nach schwerem Kampf mit deren volksreligiösem (heidnischem) Vater schließlich gewinnen und heiraten konnte. Bei diesem Legendenzug mit den beiden Raben handelt es sich unverkennbar um eine Übernahme aus germanischer Wodin-Odin Mythologie. Mit derlei Legendenübernahmen - besser gesagt Übertölpelungs-Tricks - aus dem angestammten Glauben, versuchte man damals die Bevölkerung für den neuen Glauben zu gewinnen bzw. den Übertritt zu erleichtern.
 
Das als Missionsmittelpunkt gegründete Benediktinerkloster Lindisfarne auf „Holy Island“, wurde bald zum engagierten, aggressiven Zentrum der christlichen Bekehrungsaktivitäten in ganz England. So widmete sich König Oswald nicht nur der neugläubigen Durchdringung seines eigenen Landes, bis er - 38-jährig - beim Angriff auf den volksreligiösen König Penda von Mercien in der Schlacht bei Matherfelth am 5. August 642 umkam. Sein Körper wurde zerstückelt und zur Schau gestellt. Bischof Aidan starb erst am 31.8.651 in Bamborough. Nicht weniger berühmt wurde ein anderer Benediktinermönch namens Cuthbert, geb. um 635 bei Melrose in Schottland, gest. am 20.3.687 auf der Insel Farne. Er ließ sich 685 zum Bischof von Lindisfarne berufen. Zwei Jahre später kehrte er wieder in seine Klause zurück, wo er kurz darauf starb. An seinem Grab ereigneten sich angeblich immer wieder Wundergeschichten, die von den Mönchen als Werbemittel im Rahmen ihrer Überredungsarbeit hervor­ragend vermarktet werden konnten.
 
Durch die berühmten „Schottenmönche" - zumeist irische und schottische Kelten, die als missionierende Glaubensboten nach Deutschland und Frankreich kamen, verbreiteten sich Andenken und Verehrung des angelsächsischen Missions-Königs auch auf dem Kontinent. Besonders in den Alpenländern wurde er als Nothelfer angerufen und gehörte zu den „Wetterherren“. Dortige Bauernregeln lauten: „Der Oswaldtag muss trocken sein, sonst werden teuer Korn und Wein.“„Wenn's an Oswald regnet, wird teuer das Getreid', und wären alle Berge aus Mehl bereit't.“„Wenn Oswald regnet, wird das Getreide teurer, und wenn alle Berge aus Mehl wären.“ Je nach dem herrschenden Wind an seinem Jahrestag richten sich Ernte und Aussaat. Sein Name „Oswald“ = „waltender Ase“ erinnerte in heidnisch-christlicher Übergangszeit an den germ. Geistgott Wodin-Odin, so dass vom unteren Klerus auch das wodinische Windmotiv in sein christengläubiges Patronat aufgenommen wurde.
 
Der im siebten Jahrhundert nahe der schottischen Grenze im hohen Norden gegründete, staatlich massiv geförderte Benediktinerstützpunkt Lindisfarne galt also zu recht als ein Hauptzentrum christlicher Gelehrsamkeit und des skrupellosesten Missionseifers. Es war damals eines der wichtigsten Klöster der sich etablierenden und expandierenden christlichen Welt. Mit Eroberungswillen und absoluter Nichtachtung gegenüber den geistig-kulturellen Strukturen des heidnischen Nordens schufen diese von einer neuen, fremden Heilsidee Besessenen ein Klima unüberbrückbarer Gegnerschaft zu allem bisher Gültigen.
 
Berühmt wurde Lindisfarne nicht zuletzt wegen der Fähigkeiten seiner Mönche bei der Gestaltung von Werbeschriften, den Evangeliarien: Die im siebten Jh. entstandenen „Lindisfarne Gospels“ gelten als außergewöhnlich schöne Arbeiten mittelalterlicher Illustrationskunst. Lindisfarne wirkte intensiv und aggressiv weit hinaus in die heidnische Welt, war also ein ganz wichtiger Meilenstein im Zuge der Zerstörung des nordischen Volksreligionen bzw. des sog. Heidentums und der Christianisierung Europas.
 
Lindisfarne stand auf sog. „Holy Island“ vor der Küste wie auf einem Präsentierteller. In gerader Linie östlich davon liegt Dänemark. Von dort, aus den deutschen Küstenstrichen und aus Skandinavien kamen dann Ende des achten Jahrhunderts die heidnischen Drachenbootbesatzungen, die ganz Großbritannien in Angst und Schrecken versetzten: Wikinger, die mit ihren wendigen Booten sogar die Flüsse hinauffahren konnten, christliche Siedlungen, Städte und Klöster überfielen.

 

Die herausgeforderte nordische Welt schlug zurück !

 

Am 8. Juni 793 eröffneten die Männer des Nordens die Serie ihrer berüchtigten Überfälle auf die angeblich so friedlichen, unschuldigen Stätten des Christentums. Sie gingen vor der Klosterinsel Lindisfarne an Land, überwältigten die mönchischen Schreiberlinge, Hetzer und Heidenfeinde, schlugen und entehrten die verfluchten Andachtsräume dieser Religion, die alles nur menschenmögliche getan hatte, um sich im ganzen heidnischen Norden verhasst zu machen. Die meisten Mönche vermochten leider zu fliehen und ihre religiösen Schätze aufs Festland zu retten. Erst im Jahre 875 zerstörten die Dänen Lindisfarne gründlich und dauerhaft.
 
Dieser Angriff auf das Missionskloster Lindisfarne gilt nur deshalb als der erste Wikingerauftritt der Geschichte, weil es sich um eine christlich geheiligte Stätte handelte und damit der bösartigen kirchlichen antiheidnischen Hetzpropaganda weitere Munition zu liefern fähig war. „Nie zuvor hat Britannien solchen Horror gesehen wie wir ihn nun von dieser heidnischen Rasse erleiden“, schrieb der Gelehrte Alkuin aus Northumbrien am Hofe Karls des Großen über die Wikingereinfälle bei sich zu Hause. „Die Heiden vergießen das Blut der Heiligen um den Altar, trampeln auf den Körpern der Heiligen im Tempel Gottes wie auf Kot in den Straßen“, klagte er. Laut der „Angelsächsischen Chronik“ war das Auftauchen der Wikinger der Höhepunkt mehrerer vorausgegangener böser Omen, wie beispielsweise Wirbelstürme und feuerspeiende Drachen am Himmel.
 
Der Fachwissenschaftler Dr. Alfred Becker schreibt: „Den Grund für die Plünderung der Klöster hat die Kirche selber geschaffen. In ihrer Gier hat sie alle Güter an sich gebracht, auch jene Reichtümer, Landbesitz und Gold, die der König gebraucht hätte, um Lehensleute zu werben und zu belohnen. In Folge dessen gingen die wehrhaften jungen Männer ins Kloster, wo ihr den Eltern abgeschwatzter Erbbesitz ohnehin schon war. In ihrer Habgier hat also die Kirche einen Hort geschaffen, für den es keine Hüter mehr gab. Leichte Beute für die Nordmänner.“
 
Was war konkret dem so oft verketzerten Angriff der angeblich „barbarischen Wikinger“ auf Kloster Lindisfarne vorausgegangen, welche politischen Geschehnisse brachten das heidnische Fass zum Überlaufen, wann riss der Geduldsfaden der jahrzehntelang provozierten heidnischen Nordwelt ? Die engen Beziehungen der stammverwandten Sachsen zum skandinavischen Nordeuropa brachten die Kunde vom blutrünstigen, vernichtungsbesessenen christlichen Frankenreich und den die Tempel schändenden Christenmönchen bis ins fernste nordische Heidendorf. Vom Süden und Westen her dehnte sich immer mehr etwas Fürchterliches nach Norden aus. Das Heidentum sollte umgebracht werden, die alten Götter wurden zu Teufeln gestempelt, die Angst vor etwas Unfasslichem ging um. Junge heidnische Burschen wollten das nicht länger tatenlos hinnehmen; die Wikinger - aus den vielen Buchten, kleinen und großen Häfen der Nordwelt - begannen ihren verwegenen Abwehrkampf gegen die christliche Drachenbrut.
 
Beschauen wir in die historische Chronologie:
 
772 = Überfall des Frankenreiches gegen Sachsen, Zerstörung der Hauptheiligtümer der Eresburg (Obermarsberg) und an den Externsteinen im Teutoburger Wald. Angelsächsische Missionsmönche stellen sich in großer Anzahl in den verbrecherischen Dienst des Frankenreiches, Gewaltmission in zentraleuropäischen Bekehrungsgebieten zu betreiben. Das geschieht in Form von Zweckbündnissen gegenseitiger Vorteilsnahme. Die Mönche legitimieren mit ihrer christianischen Theologie den staatlichen Terror der Land- und Besitzaneignung, während die Mönche im Gegenzug in den eroberten Gebieten staatlich garantierte/geschützte Klosterexistenzen und Pfründe erhalten. 

775-80 = setzt das katholische Frankenreich seine Eroberungspolitik gegen heidnische Länder fort: Eroberung der Sigisburg (Hohensyburg) an der Ruhr.

777 = Erzwungene Massentaufen der Sachsen.

778 = Befreiungsaufstand des Westfalen Widukind durch neue franko­christliche Feldzüge (779 und 780) im Blut erstickt.

782 = Frankenkönig Karl, der Sachsenschlächter, führt mit Grafschafts­verfassung ein fränkisches Terror-Regime mit kollaborierenden Adligen in Sachsen ein.

782 = Das entrechtete, gedemütigte norddeutsche Heidenvolk will sich wehren, es kommt zur Schlacht am Süntel; nach Niederlage flieht Widukind zu den Dänen. Blutorgie in Verden an der Aller: 4.500 (wehrlose / gefangene ) Edelste / Führer / Sippenälteste der heidnischen Sachsen werden an einem Tag hingemetzelt. Erlass des Standrechts „Capitulare de partibus Saxoniae“ für das geknechtete Sachsenvolk. In diesem grauen­haften, allerchristlichsten Blutgesetz wird jeder mit dem Tode bedroht der Heide bleiben will.

785 = Widukind, krank von der gnadenlosen Hetzjagd, gibt selbst auf oder wird gefangen und bleibt danach auf Klosterinsel Reichenau/Bodensee ca. 40 Jahre bis zum Tode in Beugehaft (diesen Sachverhalt weisen die Namens­listen der Mönche aus).

787 = In den Angelsächsischen Chroniken wird bereits für dieses Jahr ein Wikingerangriff gegen England verzeichnet.

789 = Tötung eines überheblichen Abgesandten der christlichen Königin Beorhtic durch heidnische Wikinger.

793 = Eine neue Generation sächsischer und friesischer Freiheitskämpfer vernichtet ein Frankenheer an der Weser. Gnadenlos verfügt Frankenkönig Karl jetzt die Verheerung ganzer Landstriche, Sachsenvertreibungen, Sachsenumsiedlungen im großen Maßstab und Ansiedlungen von „gekristeten“ Franken im Sachsenland.

793 = (8. Juni) Wikingerüberfall auf das Fanatiker- und Missionsklosters Lindisfarne. Der Mönch Simeon in der „History of the Church of Durham“: „Sie erschlugen einige der Brüder, andere führten sie in Ketten fort. Der größten Zahl rissen sie die Kleider vom bloßen Leib, stießen sie zu den Türen hinaus, und einige ertränkten sie im Meer.“ Der Gelehrte Alkuin übertreibt maßlos, weil es sich um nordische Heiden handelte: „Niemals zuvor brach ein solches Entsetzen über Britannien herein.“ Erst 875 verließen Bischof Eardulf und seine Mönche Lindisfarne und gaben das Kloster auf. Erst 1082 kehrten Benediktinermönche zurück und bauten an gleicher Stelle wieder eine Kirche. Im Jahr 1537 wurde das Kloster endgültig aufgelöst. Heute sind nur noch Ruinen erhalten.

795 = Nach dem Bericht der Fränk. Reichsannalen (Annalen Mosellani), werden 10.000 Sachsen nach Frankreich deportiert. Überfall des Klosters Iona (Irland) durch Wikinger.

799 = Wikinger plündern die nordfranzösischen Mündungsgebiete der Loire.

800 = Durch Wikingerheerfahrten zerfallen alle christlich geprägten angelsächsischen Reiche bis auf Wessex.

810 = Die karolingische Provinz Friesland von dänischen Wikingern angegriffen.
 
820 = Erfolgte der erste Großangriff von Wikingern im Frankenreich, betroffen war die Region der Seinemündung, zeitgleich fielen vermutlich andere Wikinger in Flandern ein.
 
822 = Papst Pascal gibt Ebo (Erzbischof von Reims) den Auftrag die nördlichen Gebiete Europas zum Christenglauben zu betören. Im darauffolgenden Jahr besucht Ebo Dänemark.
 
826 = Der Benediktinermönch Ansgar bekommt den Auftrag der Synode von Ingelheim,  zunächst Dänemark zu „missionieren“. Er wird überschwänglich „Apostel des Nordens“ genannt. Die Zeit schien günstig, weil sich kurz zuvor aus rein politischen Gründen einige Dänen um den dänischen Thronanwärter Harald Halfdansson in Mainz hatten taufen lassen, um dadurch die Unterstützung Kaiser Ludwig des Frommen zu erhalten. Ansgar begleitete Harald beim Zug nach Norden, doch Harald scheiterte und mit ihm der Missionierungsversuch. Von Hammaburg (Hamburg) aus war er im Auftrag des Kaisers weiter mit der christlichen Vereinnahme des Nordens beschäftigt. Doch 845 erfolgte in Schweden ein heidnischer Volksaufstand, Wikinger zerstörten die Missionsstationen in Schweden sowie die Hammaburg. Ansgar begann 851 seine missionarische Wühlarbeit aufs Neue. Schon der Name Ansgars, mit dem er sich in den heidnischen Norden einschlich, war eine perfide Maskerade, bedeutet er doch „Asen-Speer“ (ahd. ans = heidnisch: Ase, Gott, Gottheit u. ahd. gēr = Speer, Wurfspeer). Dieser heidnisch-religiöse Namen mochte wie ein erschwindeltes Billet d'entrée im Norden gewirkt haben.
 
Die moderne Urkundenwissenschaft erkannte, dass die Benediktinerabtei Corbie eine regelrechte Fälscherwerkstatt und Ansgar maßgeblich an Falschbeurkundungen beteiligt war. Ihm werden die Stiftungsurkunde der Bremer Bistumsgründung sowie die Schriften zu „Wunderheilungen am Grab Willehads“ als persönliche Fälscherwerke zur Last gelegt. Dass ein Gutteil der gesamten mittelalterlichen Kirchengeschichte glatt erlogen ist, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt. Der Historiker Eric Knibbs, der sich der detaillierten Aufarbeitung der historisch nachweisbaren Fakten angenommen und ein neues Bild von der Frühzeit der norddeutschen Kirchengeschichte gezeichnet hat, belegt, dass Ansgar überhaupt gar kein Erzbistum gegründet haben kann, sondern dass die Idee der Diözese Hamburg-Bremen erst im 10. Jahrhundert ihren eigentlichen Lauf genommen hat. Demzufolge war Ansgar kein Erzbischof, sondern zunächst einfacher Missionar, dem Papst Nikolaus I. aufgrund von Fälschungen, die Ansgar selbst erstellt und ihm vorgelegt hatte, das Pallium verlieh. Ein internationaler und interdisziplinärer Expertenkreis unter der Federführung des Archäologischen Museums in Hamburg sowie Diplomatiker der Universität Bonn bestätigen, dass Ansgar kein Erzbischof und Hamburg kein Bischofssitz war. Hält man diese schmuddeligen Charakterzüge des Ansgar neben den von der Christenkirche verbreiteten Schmus, bekommt man den korrekten Eindruck auch von den moralischen Abgründen dieser Missionare und der Missionsgeschichte, bei der es um Pfründe, Macht und eitlen Schein ging: Angeblich soll der dänische König Horik II., den Ansgar bekehrt haben will, von Ansgar gesagt haben: „In meinem Leben habe ich keinen so edlen Mann gesehen und in keinem Sterblichen so viel Treue gefunden wie in Ansgar.“ Beim Beschau der „treuherzig“ blinzelnden, „frommen“ Urkundenfälscher überkommt uns Heutige - die wir hinter die kirchenchristlichen Lügenkulissen schauen dürfen - ein redlicher Abscheu.  
 
839 = Turges (anord. Thorgisl) war ein norwegisch-irischer Wikinger-König der wahrscheinlich dem königlichen Haus der Yinglingar angehörte. Mit seiner großen königlichen Flotte gelangte er zum nördl. Irland das er sich untertan machte. Er erbaute überall Festungen und Burgen: im Hafen von Dundalk, an der Mündung der Boyne, bei Dublin an der Liffey-Mündung (841) und bei Limerick am Shannon. Sein Ziel war, ein heidnisches Reich zu gründen. Er selbst nahm seinen Wohnsitz in Armagh, dem größten Heiligtum Irlands, und wurde „Abt von Armagh“. Seine Frau, Otta (anord. Auðr), die eine Priesterin (gyðja) war, wohnte in Clonmacnois, und „gab auf dem Altar der Domkirche ihre Weissagungen“. Die Kirchen wurden überall in heidnische Tempel verwandelt. 845 wurde Turges von dem irischen Oberkönig, überwunden und gefangen.
 
845 = Der dänische Wikinger-Fürst Ragnar Lodbrok erobert Paris mit um die 700 Langschiffen; auch das befestigte Hamburg wird von Wikingern zerstört. Die Franken bezahlen das erste „Danegeld“ (7000 Pfund Silber), um sich vor Wikingerzugriffen freizukaufen. Bis zum Jahr 926 sind dreizehn solcher Zahlungen im Frankenreich belegt.
 
863 = eroberten die Nordmänner Utrecht und Nimwegen und errichteten in beiden Städten feste Winterlager, Dorestad wurde bei dem Feldzug restlos zerstört.
 
881 = Im Herbst griffen mindesten drei Schiffe - die in Flandern überwintert hatten - unter ihrem Führer Godefried zahlreiche Ortschaften in der Umgebung der Maas an und brannten die Städte Lüttich, Maastrich, Tongern bis auf die Grundmauern nieder. Im Dezember fuhren sie den Rhein stromaufwärts und brandschatzten die erreichbaren Ortschaften. Arg betroffen waren die Städte Köln, Bonn, Neuss, Jülich und Andernach. Köln zahlte bei ihrem ersten Besuch nach zähen Verhandlungen für den Abzug einen hohen Geldbetrag in Silber. Auf ihrer Rückreise forderte die gleiche Gruppe erneut die Zahlung eines Geldbetrages, den die Kölner nicht mehr aufbringen konnten oder wollten. Die allerchristlichste Stadt wurde daraufhin niedergebrannt. Auch die Kaiserstadt Aachen wurde erstürmt und ihre christenkirchlichen Missionsterrorzentralen - der Dom, die Grabstätte des Heidenvertilgers König Karl, dazu die benachbarte Marienkirche - zu Pferdeställen umfunktioniert. Dann setzten sie die kaiserliche Pfalz und die Thermen in Brand. Ende Dezember 881 plünderten sie das unweit Aachens gelegene Kloster Kornelienmünster sowie die Klöster Stablo und Malmedy in den Ardennen. Regino v. Prüm (840-915), berichtete von den Wikinger-Rachezügen in den Jahren 882 und 892. Auch, dass das Kloster St. Paulin bei Trier von den Nordmännern nicht eingenommen wurde, warum auch immer. Nicht nur die Klöster, auch deren Bibliotheken und Archive fielen den Angriffen zum Opfer. Der christlich-kirchliche Schund der nicht in Sicherheit gebracht werden konnte, verbrannte. Im Verhältnis zu den vorausgegangenen mönchischen Zerstörungen des vorchristlichen Kulturgutes, waren aber die Verluste äußerst gering. Die Maßnahmen in Achen waren unverkennbar heidnische Racheakte für die grauenhaften Heidenverfolgungen „Karls des Sachsenschlächters“ (747-814).
 
06.01.882 = Am „Dreikönigtag“ griffen um 300 Wikinger das fränkische Kloster Prüm in der Eifel an, wo Lothar I., erster Sohn von „Ludwig dem Frommen“ gestorben war. In der dortigen Klosterschule ist der Nachwuchs des fränkischen Hochadels ausgebildet worden. Neben Aachen war das reiche Prüm das kulturelle Zentrum des fränkischen Reiches. Verteidiger wurde restlos niedergemacht, alle Gebäude gingen in Flammen auf. Die Abtei brannte mit ihren christlichen Bibliotheken bis auf die Grundmauern ab, „da niemand mehr lebte, der das Feuer hätte bekämpfen können“. (Regino von Prüm, 882).
 
05.04.882 = Über die Mosel erreichten die Wikinger Trier, das eingenommen und tagelang - besonders gründlich am Ostersonntag - ausgeplündert wurde. Die normannischen Wikinger siegten, drehten dann aber nach Bingen und Mainz ab, während eine andere Gruppe die Schätze Richtung Koblenz in Sicherheit brachte. Dem Erzbischof Berthold von Trier gelang mit wenigen Gefolgsleuten die Flucht. Nachgewiesen sind Beschädigungen im Dombereich (Brandschichten über den karolingischen Estrichen der Kathedrale. Ferner waren die Klöster St. Maximin, St. Eucharius, St. Martin und St. Symphorian nördlich der antiken Stadtmauer zerstört, wobei letzteres nicht wieder aufgebaut wurde. Allein das Stift St. Paulin vor Trier blieb verschont, wo der Bischof schließlich begraben wurde.
 
994 überfallen „Askomannen“, unter König Sven Gabelbart - so nannte die gechristeten Sachsen damals die Wikinger - die Stadt „Stethu“ (Stade bei Hamburg). Thietmar von Merseburg schildert in seiner 1014/1018 aus christlichen Sicht verfassten Chronik: „Nachdem Graf Siegfried der Gefangenschaft der Wikinger entflohen war, drangen diese bei seiner Verfolgung in die nahe dem Ufer gelegene Burg Stade (urbem quae littori vicina stabat Stethu nomine) ein und suchten ihn überall. Als sie ihn nicht fanden, rissen sie den Frauen die Ohrringe ab und warfen am nächsten Tag die Geiseln mit abgeschnittenen Nasen, Ohren und Händen in den Hafen.”

Aus dieser Chronologie geht die historische Wahrheit über die Wikinger­fahrten unzweifelhaft hervor: Es waren, psychologisch und völkerrechtlich gesehen, berechtigte Reaktionen im Sinne von Rache­feldzügen gegen die voraus­ge­gangene kirchenchristliche Verketzerungs-, Entwürdigungs- und Eroberungs­politik.
 
PS: WIDUKIND

Der karolingisch-christliche Bericht, nach dem Herzog Widukind sich zuerst aktiv in den 30 Jahre währenden Konflikt für die Selbstbestimmung der Sachsen eingebracht habe, dann aber plötzlich zu Kreuze gekrochen sei und sich habe taufen lassen, ist unglaubwürdig. Ein Kämpfer, von der Charakterstruktur eines Widukind, kapituliert nicht. Zumindest gibt er sich nicht seelisch geschlagen und lässt sich vereinnahmen mit Haut und Haar. Politisch war es ratsam sich der fränkischen Übermacht zu ergeben, doch eine freiwillige Taufe bzw. ein Christlichwerden, das passt nicht zu diesem Sachsenherzog. Die fränkisch-fremdländische Unterjochung Norddeutschlands war bekanntlich nicht von langer Dauer, schon bald nahmen die Sachsen ihr politisches Schicksal wieder in eigene Hände. Und von einer echten Christianisierung kann keine Rede sein. Wer die Quellen kennt und zu lesen versteht, weiß, dass erst im 12. Jahrhundert eine ziemliche Durchchristianisierung im ländlichen Bereich einigermaßen realisiert wurde.

Aber der Sieger schreibt bekanntlich die Geschichte, die originär heidnischen Dokumente konnten sich nicht erhalten. Deshalb sind wir darauf angewiesen, die christlichen Literaturen auf das zu überprüfen, was zwischen den Zeilen steht. Gerd Althoff ist es in seiner beachtenswerten Arbeit „Der Sachsenherzog Widukind als Mönch auf der Reichenau“ gelungen, das wahre Schicksal Widukinds aufzuklären. Aus den Belegungslisten des Klosters im Bodensee geht hervor, dass Widukind als möchischer Gefangener nach der Zwangstaufe um Weihnachten in Attigny seit ca. 786 vierzig Jahre seines Lebens bis zum Tod dort inhaftiert war. Frankenkönig Karl nutze die Klöster, mit ihm ergebenen Äbten, sehr gern als Haft- und Zuchtanstalten für seine ausgeschalteten politischen Gegner. Widukind ist hochbetagt an Altersschwäche hinter den Mauern seines (un)heiligen Kerkers gestorben.

Karl lieferte Widukind wohl vor seinem Italienzug im Spätjahr 786, als er am Bodensee vorbei über die Graubündener Pässe marschierte, auf der Reichenau ab. Der Name, mit dem der Sachsenfürst auf Reichenau registriert wurde, lautete „dominator“. Im Jahre 786 legte er zwangsweise die Profeß ab, erhielt trotz seines langen Mönchslebens keine einzige kirchliche Weihe. Er verstarb erst nach 825. Seine Zwangstaufe erhielt er also als ca. 30jähriger und erst als ca. 70jähriger ging er in ein besseres Jenseits ein, nach Walhall, zu seinen Heldenvätern.

 

Bild der Wikingerboote: www.balmung-online.com

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