SILVIO GESELL

 
 
SILVIO GESELL
 
Mit unserem Geld stimmt vieles nicht,
das zu verändern ist die Pflicht -,
die Welt versinkt im Schuldenberg,
das ist des Mammons Teufels-Werk.
 
Die Banker sind die Herrn der Welt,
sie tun was ihrer Gier gefällt,
sie bauen Volkswirtschaften auf
und enden anderer Völker Lauf.
 
Dass Kapital durch Zins sich mehrt,
das ist im Grunde schon verkehrt
und Zinseszins als Trug-Gewinn,
zerstört jeglichen Arbeits-Sinn.
 
Klar ist es, dass das Geld erschafft,
es wird erst teuflisch wenn es rafft.
Erst Wucherzinsen bringen Not,
dass immer neu ein Krieg uns droht.
 
Ein Menschheitsfluch-Moralverderb,
ist leistungsloser Gelderwerb -;
den Freigeld- oder Schwundgeld-Plan,
führt‘ Silvio Gesell schon an.
 
Was ist das für ein Welt-Betrug,
wenn mancher mit nur einem Zug,
mit einem einzigen Federstrich,
zieht ganze Völker übern Tisch !
 
Millionen schaffen lebenslang,
tagtäglich ihren Arbeitsgang,
was so ein Bankhai gerad‘so trifft,
mit hingeschmierter Unterschrift.
 
„Freiwirtschaftslehre“ nannte er’s,
die bess‘re Form des Geldverkehrs,
damit - meint‘  Silvio Gesell -
wird Menschenzukunft wieder hell.
 
Über das gleiche Ungemach,
dachte auch Gottfried Feder nach.
Der sah in Zinsknechtschafterlösung
erhofftes End‘ fast aller Bösung.
 
Jetzt streiten sich die Leute rum,
einer schimpft den andern dumm,
keiner gibt dem Nächsten Recht,
derweil die Welt die Zeche blecht.

 

Silvio Gesell (1862-1930) ist Begründer der Freiwirtschaftslehre; er war Finanztheoretiker, Volkswirtschaftler und Sozialreformer, dazu vertrat er eine vegetarische Lebenshaltung. Er lernte den Kaufmannsberuf und arbeitete als kaufmännischer Angestellter in Braunschweig und Hamburg, machte sich vorübergehend in Argentinien selbständig. Er begann über die strukturelle Problematik des Geldwesens nachzudenken und Reformvorschläge zu erarbeiten. Seine Schriften „Die Reformation des Münzwesens als Brücke zum sozialen Staat“ und „Verstaatlichung des Geldes“, erschienen. Mit seinen Zeitschriften „Die Geld- und Bodenreform“ und später „Der Physiokrat“ versuchte er für seine Ideen zu werben. 1916 erschien sein Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“, es folgte 1920 „Natürliche Wirtschaftsordnung“. Nach Ende Weltkrieg I. wurde er für wenige Tage als „Volksbeauftragter für Finanzen“ zur Mitarbeit bei der unrühmlichen „Münchener Räterepublik“ berufen. Das war die Begründung dafür, dass er zu seinem Bauernhof, den er in der Schweiz erworben hatte, nicht zurückkehren durfte. Silvio Gesell lehnte die Zwangsutopien des Karl Marx ab, kalkulierte mit dem natürlichen Bereicherungsbesteben des Menschen, wollte nur die krassen Auswüchse des kapitalistischen Zinsverschuldungssystems abbauen und damit einem gerechteren Ausgleich von Arm und Reich ermöglichen. Dass die Begabteren gerechterweise ein höheres Einkommen erzielen müssten, erkannte Gesell, doch die Zinserträge und Bodenrenten seien abzubauen. Eine seiner Thesen lautete, dass eine gleichmäßige Umlaufgeschwindigkeit des Geldflusses eine krisenfreie Wirtschaft garantieren müsse, dass also Geld als Tauschmittel zu nutzen sei, aber nicht gehortet werden dürfe. Würde es doch gehortet, solle es wie jedes andere Ding unserer Welt einem gewissen Verderb anheimfallen („Schwundgeld“), wodurch der Weitergabedruck erzielt würde. Somit solle Geld als Diener der Menschen und nicht als deren Tyrannen fungieren („Freigeld“). Der gesicherte Freigeldumlauf würde die Wirtschaftskrisen verhindern und durch das Absinken des allgemeinen Zinsniveaus - vom „Urzins“ (um 2/3 %) bis auf Null - zugleich die „soziale Frage“ lösen helfen. Zum Weltkriegsende I. sagte S. Gesell in erstaunlicher Prophetie, aufgrund seiner Konjunkturtheorie, den baldigen neuen Krieg voraus: „Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: ,Nie wieder Krieg !‘, entgegen all den Hoffnungen auf eine schöne Zukunft, muss ich sagen: wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen !“
 
 
Silvio Gesells Bücher blieben nicht ohne Wirkung, nicht wenige kluge Köpfe schlossen sich seinen Warnungen und Überlegungen an. Darunter war auch Gottfried Feder (1883-1941), der das WerkBrechung der Zinsknechtschaft“ schrieb und schon 1919 den „Deutschen Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft“ gründete. Er war ein genialer Ingenieur und Erfinder, ließ 1918 erstmalig nach seinen Berechnungen ein Eisenbetonschiff bauen. Die tagespolitischen Verwicklungen von Silvio Gesell und Gottfried Feder müssen hier nicht beleuchtet werden, es geht allein um den Kernbereich ihrer berechtigten Forderungen nach Schmähung und Überwindung des weltweiten Zins-Terrors der Geldmächtigen. Das Thema ist so brisant wie zur Zeit der beiden Genannten. Um 1.556 Euro erhöht sich heute die deutsche Staatschuld pro Sekunde !
 
 
Der „Bund der Steuerzahler“ gibt auf seiner Weltnetzseite an: „Die deutsche Staatsverschuldung wächst und wächst. Bund, Länder und Gemeinden sowie ihre Extrahaushalte waren am 30. September 2013 mit rund 2.024 Milliarden Euro verschuldet. Zur Veranschaulichung dieser Zahl dient folgendes Gedankenspiel: Ab sofort werden keine Schulden mehr aufgenommen und die öffentliche Hand gesetzlich verpflichtet, neben allen anderen Ausgaben jeden Monat eine Milliarde Euro an Schulden zu tilgen. Mit dieser Verpflichtung würde es bis ins Jahr 2184 dauern, um den Schuldenberg der Bundesrepublik Deutschland vollständig abzutragen. … Es gibt zwei Ausgabenblöcke, die in fast allen öffentlichen Haushalten mittelfristig bedrohlich anwachsen: Die Schuldzinsen und die Ausgaben für Versorgungsleistungen. Die Staatsverschuldung droht außer Kontrolle zu geraten, weil die Zinsausgaben für die Schulden der Vergangenheit die heutige Verschuldung in die Höhe treiben. Es müssen nämlich Kredite aufgenommen werden, um Zinsen zu zahlen….“
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