DER VOLKSWAGEN

Abb. 1
 
 
DER VOLKSWAGEN
 
Mein Vater war ein Klarer,
ein Mann von starkem Sinn,
war auch Volkswagen-Sparer,
vom ersten Anbeginn.
 
Er hoffte auf den Frieden
und auf Familien-Glück,
tät Reise-Pläne schmieden
für „sein“ Motoren-Stück.
 
Technikbegeistert waren,
die Menschen dazumal,
neu war das Fahrzeug-Fahren,
klein war die Fahrer-Zahl.
 
Man baute Auto-Bahnen;
begeisterte sich dran,
den Fernverkehr zu ahnen,
„Führer“ wie „Kleiner Mann“.
 
Für alle Volks-Genossen,
sollt‘ jetzt ein Auto sein,
der Plan begann zu sprossen,
F. Porsche sprang mit ein.
 
Wie schön hat er‘s ersonnen,
Hitler, der Technik-Freak,
doch ist der Traum zerronnen,
es kam der böse Krieg.
 
Mein Vater ging nach Russland,
dann in Gefangenschaft -;
Heimatland lag abgebrannt,
ganz ohne Motor-Kraft.
 
Mehr als zehn Jahre später,
ließ man ihn krank nach Haus;
Millionen deutscher Väter
blieben in Russland drauß‘.
 
Auch das VW-Guthaben
(„Volkswagensparvertrag“),
das fraßen wohl die Raben,
an einem Nachkriegs-Tag.
 
 
Abb. 2
 
 
Magazin SPIEGEL (45/1996) brachte unter dem Titel „Der Führer und sein Tüftler“ einen Bericht über die Konstruktion des Volkswagens. Darin heißt es (S. 143 f): „Ferdinand Porsche war Techniker, und er war ein Besessener. Ohne ihn hätte es den späteren so erfolgreichen Käfer und das Werk, aus dem er rollte, nicht gegeben. Aber ohne den Technik-Freak Adolf Hitler auch nicht. … Hitler fühlte sich beim Thema Automobile als Fachmann. Er liebte sportliche Wagen … Porsche dagegen, der wahre, der wahre Fachmann, verstand die Neigungen des Diktators zu nutzen, um das zu tun, was ihm allein etwas bedeutete - eine Idee verwirklichen und zeigen, was technisch machbar ist. … Hitler setzte sich für eine stärkere Motorisierung ein. Er förderte eine steuerliche Entlastung der Kraftwagen und kündigte die ,Durchführung eines großzügigen Straßenbauplanes‘ an: ,So wie das Pferdefuhrwerk sich einst seine Wege schuf, die Eisenbahn den für sie nötigen Schienenweg baute, muß der Kraftverkehr die für ihn erforderlichen Autostraßen erhalten.“ 1934 sagte A. Hitler bei der Eröffnung der Automobilausstellung: „ Solange das Automobil nur ein Verkehrsmittel besonderer begüterter Kreise bleibt, ist es ein bitteres Gefühl, von vornherein Millionen braver, fleißiger und tüchtiger Mitmenschen von der Benutzung eines Kraftverkehrsinstrumentes ausgeschlossen zu wissen, das gerade für diese in ihren sonstigen Lebensgewohnheiten beschränkten Schichten nicht nur nützlich sein könnte, sondern ihnen vor allem an Sonn- und Feiertagen zur Quelle eines unbekannten, freudigen Glücks würde.“ Und 1935: „Ich freue mich, dass es der Fähigkeit des glänzenden Konstrukteurs Porsche und der Mitarbeit seines Stabes gelungen ist, die Vorentwürfe für den deutschen Volkswagen fertigzustellen, um die ersten Exemplare Mitte dieses Jahres endlich erproben zu können. Es muss möglich sein, dem deutschen Volke einen Kraftwagen zu schenken, der im Preise nicht mehr kostet als früher ein mittleres Motorrad, und dessen Brennstoffverbrauch mäßig ist.“ In der KdF-Wagen-Broschüre heißt es von A.H.: „Solange das Automobil nur ein Verkehrsmittel besonders begüterter Kreise bleibt, wird es schwer sein, ihm seinen früheren, nun einmal angehängten klassenbetonenden Charakter und damit leider auch klassenspaltenden  Charakter zu nehmen. Darum muß der Kraftwagen das Verkehrsmittel  aller Volksschichten werden.“
 
 
Abb. 3
 
 
In dem deutsch-böhmischen Autokonstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951) wurde der Ingenieur gefunden, welcher den Traum vom „Auto für den kleinen Mann“ Wirklichkeit werden ließ. 1930 machte sich Porsche selbständig und eröffnete ein eigenes Konstruktionsbüro, Die Firmenanteile lagen zu 70 % bei Porsche, zu 15 % bei dem Kaufmann und Rennfahrer Adolf Rosenberger und zu 15 % bei seinem Schwiegersohn, dem Wiener Rechtsanwalt Anton Piech. Ab 1934 konstruierte Porsche mit seinem Büro im Auftrag des „Reichsverbandes der Automobilindustrie“ den KdF-Wagen bzw. den „Volkswagen“, „VW-Käfer“ genannt. Er sollte, laut Hitlers Vorgaben, unter 1.000 Reichsmark kosten. Der SPIEGEL (8/1952) informierte: „Am 26. Mai 1938 wurde in Wolfsburg der Grundstein des Volkswagenwerks gelegt. … Die Gesellschafterinnen, die beiden DAF-GmbH., erhöhten das Kapital auf 50 Millionen. Am 31. Oktober 1940 gaben sie weitere 50 Millionen, und am 1. Juli 1941 stand das Gesellschaftskapital auf 150 Millionen. Ab August 1938 wurde für den KdF-Wagen, wie er zunächst hieß, geworben. Das Serienmodell sollte 990 RM, die Cabriolimousine 1050 RM kosten, dazu kamen 200 RM für zweijährige Kasko- und Haftpflichtversicherung und 60 RM für Transport zur Gauhauptstadt. Bezahlt werden sollte der Wagen durch Sparraten von wöchentlich mindestens 5 RM, für Jugendliche 5 RM im Monat. Die Sparraten wurden in Marken auf Karten geklebt, die von den örtlichen Dienststellen der KdF ausgegeben wurden: 250 RM pro Karte. War eine Karte voll, gab es eine neue, bei der dritten die Gaubestell- und bei der vierten Karte die Reichsbestellnummer, die vom VW-Werk ausgegeben wurde. In der Reihenfolge der Reichsnummern sollten die Wagen ausgeliefert werden. Bei Kriegsausbruch war mit den ersten 50 Millionen, und mit Krediten der DAF und der Versicherungsgesellschaft ,Deutscher Ring‘, die erste Stufe des VW-Werkes mit einer Jahreskapazität von 120.000 Volkswagen fertig. Heute ist das Werk mit einem nach dem Kriege gewährten und schon wieder zurückgezahlten 20 Millionen - Kredit trotz 65prozentiger Kriegszerstörung wieder genau so weit.“
 
 
Nach dem Krieg stellte sich die Frage, nach der Wiedergutmachung der Volkswagensparer. Im Januar 1953 erschienen in den deutschen Zeitungen der „Aufruf an alle Volkswagensparer“, sich bis spätestens bis zum 15.03. bei der „Treuarbeit Frankfurt / Main 1, Kennwort ,Volkswagensparer‘“, zu melden; unterzeichnet war der Aufruf von „Deutsche Revisions- und Treuhand-Aktiengesellschaft (Treuarbeit)“. Der kriegsversehrte bzw. beinamputierte Sauerländer Karl Stolz und seine Mitstreiter nahmen sich ab 1948 ihrer an. Sie waren erst nach zwölf Jahren des Prozessierens durch etliche Instanzen, 1961 zu einem Vergleich mit dem VW-Werk bereit. Den ca. 40.000 Mitgliedern des Hilfsvereins ehemaliger Volkswagensparer e. V. schwebte eine Entschädigung von 1.379 Mark für jede zuteilungsreife Sparkarte vor. Gewährt wurde ein Preisnachlass beim Neukauf eines VW von mit 600 Mark. Am 16.03.1966 erhielt mein Vater vom „Volkswagenwerk AG“ ein Schreiben, unter Betreff: „Volkswagensparervergleich“, mit dem Hinweis, er solle erneut einen Anspruchsantrag stellen. Die Sache verlief im Sande, er erhielt nichts. Die Frage, wohin die angesparten Gelder geflossen sind, wird kontrovers beantwortet. Es wird beispielsweise ausgeführt, das Geld wäre zur Produktion des VW-Kübel als Wehrmachtsfahrzeug benutzt worden. Dies wird von Sachkennern bestritten und dagegen gehalten: Die Sparbeiträge lagen unberührt auf einem Bankkonto der DAF und wurde 1945 sowjetische Kriegsbeute. (Quelle: „G/Geschichte Online Community -Historiker-Forum von www.g-geschichte.de“)
 
 
ABBILDUNGEN:
1. - KdF-Broschüre meines Vaters (Volkswagensparer)
2. - Bild aus Magazin SPIEGEL (45/1996) - Ferdinand Porsche ganz links
3. - „Entwurfsskizze A. Hitlers für seine Idee vom Volkswagen, gezeichnet im Sommer 1932 in der Osteria Bavaria in München für Jakob Werlin, Chef der Daimler-Benz-Niederlassung und Hitlers Berater in Auto-Dingen; PB „Nehmen Sie das mit“, sagte er zu Werlin, und sprechen Sie mit Leuten, die mehr verstehen als ich. Aber vergessen Sie es nicht. Ich will bald von Ihnen hören, wie die Sache technisch geht.“ Quelle: „Die Welt“ vom 02.05.1981 - Ebenso: Hrsg. Billy F. Price, „Adolf Hitler als Maler und Zeichner“, 1983, S. 225
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