FRIDTJOF NANSEN

 

FRIDTJOF NANSEN

Wer weiß einen Helden der allen gefällt,
den die Welt über alle Bewerber stellt,
der ein ganzer Kerl war bis ins Mark,
an Leib wie an Geist und Seele stark ?

Wie klein werden viele unterm Vergleich,
wer brillierte wie er im breiten Bereich ?
Der Nordmark geboren war dieser Mann,
wer kommt an Fridtjof Nansen heran ?!

Ob Wandern, Ski-Lauf und Segel-Tour,
der Sportler Nansen liebt' die Natur;
so wie ein Spartaner, voller Kraft,
gleichzeitig dient' er der Wissenschaft.

Hoch in das Nordmeer fuhr er hinaus,
Robbenfänger „Viking“ war sein Zuhaus.
Das Packeis sich zu Bergen ballt',
hat' würgend Nansens Schiff umkrallt.

Vor Grönlands Küste brüllt' der Orkan,
Gefahr zog den Helden magisch an.
Das biss sich fest in Nansens Hirn:
Grönland durchqueren trotz Eis und Firn.

Wie gut tat Norwegens Seele der Sieg,
und Henrik Ibsen und Edvard Grieg,
flochten im Nordlicht den eigenen Kranz;
dazu kam Draufgängers Forscherglanz.

Sein großes Ziel war des Nordpols Ort,
solch ein Verlangen schien reiner Mord.
Die packeissichere „Fram“ entstand,
die wie ein Aal sich durch Schollen wandt.

Die Männer verfehlten den Nordpol knapp,
entgingen nur knapp dem eisigen Grab,
unsäglich die Leiden auf diesem Weg,
ein Reisebericht gab den besten Beleg.

Der Nansen verdiente vielfältiges Lob,
als Forscher studiert' er am Mikroskop
eine Welt des Kleinsten, der Histologie,
von Mikroorganismen die Anatomie.

So mancher Großer wirkt wie ein Zwerg,
betrachtet man Fridtjofs Friedenswerk.
Für den „Völkerbund“ war er auf Fahrt,
in der Flüchtlingshilfe von tätiger Art.

So viele erschöpfen sich im Geschwätz,
doch Mannestat war Fridtjofs Gesetz -,
Gigant der Moral und der Menschlichkeit,
ein leuchtendes Vorbild für alle Zeit !



 

Fridtjof Nansen (1861-1930) war ein aus der norwegischen Nordmark geborener Zoologe, Polarforscher, Diplomat und Friedensnobelpreisträger. Er war ein fleißiger Schüler und unternahm als durchtrainierter Athlet viele Expeditionswanderungen durch die Wälder seiner urigen Heimat. Weihnachten 1882 fuhr er auf Skiern eine Gewalttour von Bergen nach Christiania und zurück. Er gewann zwölf Mal die nationalen Meisterschaften im Skilanglauf und im Alter von 18 Jahren einen Weltrekord im Eisschnelllauf über die Distanz von einer Meile. Er studierte Zoologie an der Universität von Christiania und war später als Kurator des Bergen Museums tätig, wo er die Doktorarbeit über das Zentralnervensystem von Meerestieren verfasste. Nansen entschied sich für das Studium der Zoologie, weil er nach eigener Aussage hoffte, hierdurch ein Leben in der freien Natur führen zu können. Er widmete sich der Ozeanographie, unternahm hierzu viele Forschungsreisen in den Nordatlantik.

 

Seine Expedition in arktische Gewässer an Bord des Robbenfängers „Viking“ 1882 dauerte fünf Monate. Die „Viking“ wurde in Sichtweite einer bis dahin nicht kartierten Region der grönländischen Küste vom Packeis eingeschlossen. Schließlich kam das Schiff wieder frei und kehrte nach Norwegen zurück. Im Februar und August 1886 besuchte Nansen den Zoologe und Evolutionstheoretiker Ernst Haeckel (1834-1919) in Jena, welcher sich ebenfalls in der Erforschung von Meeresorganismen hervorgetan hatte. Als Polarforscher durchquerte Nansen 1888 als erster Mensch Grönland über das Inlandeis. Mit seiner strapaziösen Expedition führte er den Nachweis, dass das Innere Grönlands von Schnee und Eis bedeckt ist. Hinzu kamen neue Erkenntnisse zur Geographie und vor allem zur Ausdehnung und Bewegung Grönlands Gletscher. Während Nansens Nordpolarexpedition (1893–1896), verließ Fridtjof Oslo, um an der sibirischen Küste entlang zum Nordpol zu segeln. Da es ihm nicht gelang mit der „Fram“ nahe genug zum Pol zu kommen, versuchten er, gemeinsam mit Fredrik Hjalmar Johansen, es zu Fuß mit Hunden und Schlitten. Am 8. April 1895 erreichten sie den geographischen Nordpol in der bis dahin größten erreichten Annäherung. Das norwegische Parlament hatte eine finanzielle Unterstützung in der nachvollziehbaren Aufassung verweigert, einen derart riskanten Plan nicht noch aufwerten zu dürfen. Der Held erhielt in der Folgezeit zahllose Auszeichnungen. Nansen bekam eine Stelle als Kurator der zoologischen Sammlung der Universität von Christiania, die ihm zu einem geregelten Einkommen verhalf. Er wurde zur Leitfigur der Polarforschung. Sein Wort und unermüdliches Wirken fanden immer größere Anerkennung und gewann auch politisches Gewicht. Er wurde ein Verfechter der Beendigung der schwedisch-norwegischen Personalunion und griff bei der Inthronisation von König Haakon VII. ein.

 

F. Nansen war ein Freidenker. In seinen Buch „Eskimoleben“ (1891) findet sich sein Plädoyer gegen die christliche Mission in Grönland und dem Unheil der christlichen europäischen Kultur: „Europa hat sich, kurz gesagt, in Grönland genau so benommen wie überall, wo es vorgibt, im Namen der christlichen Religion zu handeln, um die ,armen Heiden des Segens der ewigen Wahrheit teilhaftig werden zu lassen'. Als Entschädigung für all das Elend, das wir über sie bringen, bekommen sie das Christentum. Sie müssen es teuer erkaufen. - Will jemand allen Ernstes behaupten, es sei für ein Volk von entscheidender Bedeutung, zu welchen Dogmen es sich mit den Lippen bekennt ?" -  „Und Afrika ? Ja, es soll ja auch verchristlicht werden; wir haben es bereits zu plündern begonnen, und sind die Neger nicht zäher als die andern, werden sie wohl denselben Weg gehen, wenn das Christentum erst mit voller Musik einsetzt. [...] Wir erkennen dieselbe Rasse wieder, die - als China sich gegen das zersetzende Gift des Opiums wehren wollte [gemeint ist Englands „Opium-Krieg“] - es mit blutigem Kriege zwang, seine Häfen zu öffnen, damit die Europäer Riesenvermögen einheimsen konnten, während Staat und Gesellschaft in China untergraben wurden.“

 

Im letzten Jahrzehnt seines Lebens diente Nansen als Hochkommissar für Flüchtlingsfragen dem nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten sog. „Völkerbund“. Für seine Verdienste um die internationale Flüchtlingshilfe erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis. 1924 stellte Fridtjof Nansen seinen guten Namen in den Dienst der Gründung der antikommunistischen Organisation „Fedrelandslaget“, um der wachsenden kommunistisch-marxistischen Wühlarbeit auch durch die norwegische „Arbeiderpartiet“ entgegenzutreten. Bei einer Veranstaltung des „Fedrelandslaget“ in Oslo erklärte Nansen: „Über das Recht zur Revolution in einer Gesellschaft bürgerlicher Freiheit, uneingeschränkten Wahlrechts und Gleichbehandlung für jedermann zu sprechen, […] klingt wirklich nach idiotischem Unsinn.“ Der damalige Völkerbundpräsident Lord Robert Cecil sagte anlässlich Nansens Nachruf: „Jede gute Sache fand seine Unterstützung. Er war ein furchtloser Friedensstifter, ein Freund der Gerechtigkeit, ein ständiger Anwalt für die Schwachen und Leidenden.“

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