„SEEHUND“ UND „SEETEUFEL“

 
 
„SEEHUND“ UND „SEETEUFEL“
 
Es scheint das Unterwasser-Fahren
ein altes Küstenvölker-Träumen,
Cornelis Drebbel konnt’ es offenbaren,
sein Tauchboot fuhr in Themse-Räumen.
 
Aus Bayern kam der Wilhelm Bauer,
zu Deutschlands Kieler Ostseeküste,
als Denker, Tüftler und Genauer,
empfand er U-Boot-Tauch-Gelüste.
 
Er sah den Seehund sich bewegen,
wie dieses Tier durch Wellen gleitet.
Könnte ein Boot sich ähnlich regen,
das unter See zum Angriff reitet ?
 
Es sollte Brand zum Gegner tragen,
„Brandtaucher“ war es zu benennen.
Die Feindmacht, die getarnt zu schlagen,
würde der Eisen-„Seehund“ brennen.
 
So ward der U-Boot-Plan geboren,
wenn auch der Test in Kiel misslang.
In Russland gab man’s nicht verloren,
der „Seeteufel“ kam dort in Gang.
 
Erfindertum - im Osten wie im Westen -
schuf unablässig völlig neue Bahnen;
es regte sich der Geist der Besten,
bracht’ Ehre auf die deutschen Fahnen.
 
Hermann Anschütz-Kaempfe schuf
den Kreiselkompass für die Schiffe 
und Hermann Kröhl stand hoch im Ruf,
macht’ in New York sich zum Begriffe.
 
Ein gutes U-Boot baute der aus Memel,
ganz ohne Spenden von Sponsorer,
so elegant als wie ein feiner Stremel,
es war die „Sub-Marine-Explorer“.

 

Cornelis (Jacobszoon) Drebbel (1572-1633) war ein genialer niederdeutscher Erfinder, Physikus, Mechanikus und Alchemist. 1604 zog Familie Drebbel von Holland nach England, 1610 auf Einladung Kaisers Rudolf II. nach Prag, 1612 zurück nach London, wo nach dem Tod ihres Gönners Prinz Heinrich C. Drebbel in finanzielle Schwierigkeiten geriet; er starb verarmt in London. C. Drebbel entwickelte - neben etlichen anderen Erfindungen - ein manövrierbares lederüberzogenes Holzruder-Tauchboot mit dem er eine Wassertiefe von 3,6 m erreichte. Der Überlieferung zufolge gelang ihm damit im Jahre 1620 eine Fahrt von Greenwich nach Westminster auf der Themse in etwa drei Stunden. Das Gefährt soll Platz für zwölf Ruderer und einige Passagiere geboten haben. Über einen Schnorchel wurde das Innere des Bootes bei Tauchfahrt mit Sauerstoff versorgt. Später baute Drebbel zwei weitere nach demselben Prinzip funktionierende U-Boote in größerer Ausführung. Der englische König Jakob I. soll mit einem der Drebbel-U-Boote mitgefahren sein. Es heißt, der Erfinder sei auf englischer Seite beim Entsatz der Belagerung des französischen Hafens von La Rochelle 1628 beteiligt gewesen.

 

W. Bauers „Eiserner Seehund“ / „Brandtaucher“, 1851

 

Wilhelm Bauer (1822-1875) war der Konstrukteur des ersten Unterseebootes, das in Kiel erbaut wurde und 1851 den ersten Tauchversuch unternahm. Während des Krieges gegen Dänemark 1848 begann der bayrische Artillerie-Korporal Bauer sich Gedanken über einen möglichen Unterwassereinsatz nachzudenken. Im Dienste des deutschen Heeres beschäftigte er sich damit, wie eine Brücke trotz Bewachung vom Wasser aus zu sprengen sei. Er studierte Körperstruktur und Bewegungsabläufe von Seehunden, um einen ersten Formtypus des Unterseebootes zu gewinnen. Die militärische Führung zeigte sich aufgeschlossen und ließ ihn gewähren. In Kiel sollte der Bau nach seinen Plänen durchgeführt werden. Die Finanzierung blieb ein Problem; aus Kostengründen wurde das Gerät nur unvollkommen nach Baues Plänen bei der „Maschinenfabrik und Eisengießerei Schweffel & Howaldt“ in Kiel ins Werk gesetzt. Zusammen mit dem Zimmermann Friedrich Witt und dem Schmied u. Heizer Wilhelm Thomsen startete Wilhelm Bauer am 01.02.1851 eine voreilige Testfahrt des unvollendeten Tauchbootes, das wegen des Geldmangels nicht so ausgerüstet war wie es hätte sein sollen. Der Rumpf gab nach, Wasser brach ein und es sank auf den Grund der Kieler Förde. Zum Glück vermochte sich die Besatzung zu retten. 1887 wurde der „Brandtaucher“ oder „Eiserne Seehund“ wie man ihn nannte, gehoben. Heute befindet er sich im „Militärhistorischen Museum der Bundeswehr“ in Dresden. Der Name „Brandtaucher 133“ wurde gewählt, weil er Angriffsobjekte unterhalb der Wasserlinie angreifen und in Brand setzen sollte. Aus dem Bootsinneren sollte dazu mit Greifarmen ein rund 50 kg schwerer Explosivkörper am Ziel befestigt werden. U-Boot-Erfinder Wilhelm Bauer erhielt in Russland die nötigen Mittel, seine Konstruktionspläne zu verwirklichen. 1855/56 wurde sein U-Boot „Seeteufel“ in Sankt Petersburg gebaut und in Dienst gestellt. Das Boot hatte eine Länge von 52 Fuß. Die Mannschaft, bestehend aus zwölf Matrosen, war in der Handhabung von Taucheranzügen geschult, da das Boot über eine Taucherkammer verfügte, die den Ein- und Ausstieg aus dem getauchten Boot ermöglichte. Das Boot unternahm 134 erfolgreiche Tauchfahrten, sank dann wegen eines Bedienungsfehlers. Die Besatzung konnte sich retten. W. Bauer bemühte sich weiter. Eine der modernsten Eisengießereien und Kesselschmieden sowie den entsprechend benötigten Werkstätten, Werkzeugen und qualifiziertem Personal machten die Dinglerwerke zu einem der wenigen Stahlbauunternehmen Deutschlands, welches sich zum Bau von U-Booten eignete. Durch ständige Änderungen und Verbesserung der Pläne zog sich die Fertigstellung des ersten Dingler-Bauer U-Bootes sehr lange hin und trieb die Kosten in die Höhe. Schließlich bekam W. Bauer keine weiteren Entwicklungsgelder mehr von der Dinglers Buchhaltung bewilligt, was ihn veranlasste Zweibrücken nach nur neun Monaten Aufenthalt im Juli 1868 wieder zu verlassen. W. Bauer entwickelte weitere Geräte zur Hebung von gesunkenen Schiffen und der Verlegung von Kabeln und stellte erfolgreiche unterseeische Schießversuche an. Bauer wurde zum kaiserlichen Submarine-Ingenieur ernannt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Wilhelm Bauer hoch geehrt als Pensionär in München. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Nördlichen Friedhof in München.

 

W. Bauers „Seeteufel“, 1855

 

Auch der 1844 ausgewanderte Deutsche Julius Hermann Kröhl (1820-1867) aus Memel baute in New York 1865 ein U-Boot, die „Sub-Marine Explorer“, welche als das „erste funktionsfähige U-Boot der Welt“ bezeichnet wird, weil es aus eigener Kraft wieder auftauchen konnte. In Manhattan hatte H. Kröhl eine Werkstatt für Metallverarbeitung eröffnet. 1852 gelang ihm mit dem Bau der Kuppel des New Yorker Glaspalastes ein technisches Meisterwerk. J.H. Kröhl tat im Bürgerkrieg bei der Marine der Nordstaaten Dienst. 1861 bekam er den Auftrag, eine Blockade der Südstaatler im Mississippi zu beenden, dabei reifte in ihm die Idee - genau wie dreizehn Jahre zuvor bei W. Bauer - eines Tauchbootes, mit dem man Sprengsätze an feindlichen Schiffen anbringen könnte. Der stromlinienförmige Rumpf seines U-Bootes hatte ähnlich wie heutige Boote ein System von Ballastkammern für das Tauchen und Presslufttanks für das Auftauchen. Die US-Marine zeigte daran kein Interesse. Der Einsatzzweck des Bootes blieb das Sammeln von Perlen vom Meeresgrund, wofür es drei Ausstiegsluken nach unten hatte. Nach erfolgreichen Tests wurde es in Einzelteile zerlegt und nach Panama verschifft, wo J.H. Kröhl nach Perlen tauchte. Er, mitsamt der Mannschaft, verstarb 1867 wohl an der Taucherkrankheit oder Malaria. 2006 wurde das Schiff am Strand einer Insel vor Panama wiederentdeckt und kann bei Niedrigwasser erreicht werden. - Bereits 1862/65 sind im Amerikanischen Bürgerkrieg von dem Ingenieur Horace Lawson Hunley für die Südstaatenmarine Klein-U-Boote gebaut worden. Einem der Boote gelang es 1864 mit einem „Spierentorpedo“ (den der deutschstämmige Ingenieur E.C. Singer entwickelt hatte) das Kriegsschiff „USS Housatonic“ zu versenken, doch auch „CSS Hunley“ kehrte nicht zurück.

 

J.H. Kröhls „Sub-Marine Explorer“, 1865/2012

 

Der Mediziner Hermann Anschütz-Kaempfe (1872-1931) war ein weiterer deutscher U-Boot-Enthusiast. Er schuf 1908 mit der Erfindung des Kreiselkompasses die nötige Voraussetzung für den Unterseebootbetrieb. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Plan, im U-Boot den Nordpol zu erreichen oder zu unterfahren. Der Industrielle Friedrich Krupp in Essen spekulierte auf den gewinnbringenden Bau von Kriegsschiffen. 1902 hatte er die Kieler „Germaniawerft“ gekauft. In seine Dienste trat der spanische Ingenieur Raymondo Lorenzo d’Equevilley-Montjustin, welcher aus Frankreich einige Anfangserfahrungen mit dem U-Boot-Gedanken mitbrachte. Das aufgelegte kleine Versuchsboot hieß „Forelle“. 1903 war es soweit, Prinz Heinrich von Preußen testete das 13 m lange Schiff und war davon angetan. Doch die deutsche Marine biss nicht an und blieb skeptisch. Schließlich orderten russische Militärs und bestellten drei Boote, die „Karp“, „Karaß“ und „Kambala“ wurden mit der Eisenbahn ausgeliefert. Rund 40 m lang, ausgestattet mit einem Torpedorohr und drei Torpedos an Bord, konnten sie 30 m tief tauchen. Jetzt erst zog die deutsche Marine nach. Großadmiral Tirpitz beauftragte den Marineingenieur Gustav Berling mit dem Bau eines U-Bootes. Die „U-1“ war eine Weiterentwicklung der an Russland gelieferten Modelle mit Veränderungen durch Berling. Am 14.12.1906 wurde es als Übungsboot in Dienst gestellt. Es war 42 m lang, bei der Überwasserfahrt von zwei 200-PS-Petroleummotoren angetrieben, bei Unterwasserfahrt mit Hybrid- Elektromotoren-Antrieb, kam es auf maximal 30 n Tiefe. Bauingenieur Oskar von Miller ist es zu verdanken, dass „U-1“ nicht zerstört wurde. 1903 hatte er in München das „Deutsche Museum“ gegründet und warb nun um das bereits teilweise abgewrackte „erste in Deutschland praktisch erprobte U-Boot“.

 

Zu Beginn des Weltkrieg I. 1914 ging bereits „U-5“ auf Fahrt. Die unterlegene unbedeutende deutsche U-Boot-Waffe musste sich im Krieg den überlegenen Feindverbänden stellen, wuchs aber unter diesem Druck schnell und erlangte gegenüber der Konkurrenz bald technische Überlegenheit. Während des 1. Weltkriegs wurde sehr bald klar, dass die U-Boote das einzige Seekriegsmittel waren, mit dem man die englische Blockade durchbrechen konnte. „U 9“ wurde als erstes Boot seiner Klasse am 15.071908 der „Kaiserlichen Werft in Danzig auf Kiel gelegt; Stapellauf und Auslieferung erfolgten am 22.02.1910. Am 22.09.1914 versenkte „U 9“ unter dem Kommando von Kapitänleutnant Otto Weddingen nacheinander die drei britischen Panzerkreuzer „HMS Aboukir“, „HMS Hogue“ und „HMS Cressy“. Mit der Weltkriegsniederlage - durch den Kriegseintritt der USA - kam das vorläufige Ende der deutschen U-Boote, sie mussten an die Alliierten ausgeliefert werden.

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