U-BOOT „LOLIGO“

 
U-BOOT „LOLIGO“
 
Der Mensch verträumt sich in die Lüfte,
dann wieder tief in Meeresgrüfte.
Er steckt den Kopf in jede Spalte,
durchforscht die letzte Erdenfalte.
 
Die Erdenkruste war bekannt,
zumindest die vom trocknen Land,
um nun das untere Meer zu schauen,
begann man mit dem U-Boot-Bauen.
 
Zwei Männer kamen überein,
Paul Schottländer und Marcel Klein,
in Österreichs Hafen Rovigno
wuchs Forschungs-U-Boot Loligo.
 
Schottländer aus Breslau stammte,
der reichste Deutsche den man kannte,
war Ritterguts- und Bankbesitzer,
ein tadelloser Geistesblitzer.
 
Er war der Wissenschaft verfallen,
tät stiften auch die Forschungshallen
der Meeresbiologie-Station,
lang' vor dem Ersten Weltkrieg schon.
 
Die Loligo war zur Fahrt bereit,
doch kam des Krieges schlimme Zeit,
Italien griff sich Land und Pott,
Schottländer gab ihn dann zum Schrott.
 
Österreich hat keine Häfen mehr,
kein Zugang mehr zum Mittelmeer,
doch als Idee und Mannes-Tat,
war die „Loligo“ von Format !
 
 
 
 
Paul Schottländer (1870-1938) aus Breslau soll der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehört haben; er war Wissenschaftler der Zoologie, Gutsbesitzer, Bankier und galt als einer der reichsten Deutschen. 1911 zählte er zu den Gründern der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Er stiftete ihr ein Forschungsinstitut, eine meeresbiologische Station in der österreichischen Hafenstadt Rovigno (Rovinj) an der Adria. Schottländer hatte die Idee, ein Unterseeboot für Forschungszwecke bauen zu lassen, wobei Ingenieur Marcel Klein, der in Berlin studiert hatte, die Planung übernahm. Auf der Danubius-Werft in Fiume (Rijeka / Kroatien) begann der Bau des zwölf Meter langen Schiffs. Bis 1918 war die Stadt der wichtigste Schiffbauplatz der österreich-ungarischen Doppelmonarchie und ihrer Kriegsmarine. Nach Fertigstellung des Druckkörpers gelangte das U-Boot in die ebenfalls in Fiume sitzende Whitehead-Werft, wo die Ausrüstung hinzukam. Im Sommer 1914 war das U-Boot „Loligo“ (lat. Kalmar) einsatzbereit. Das Boot von 50 t besaß einen Elektromotor und bot Platz für drei Mann Besatzung und drei Passagiere, Forscher oder Taucher. Diese konnten durch zwei Schleusen unter Wasser aussteigen und auf dem Meeresgrund umherwandern; die maximale Tauchtiefe der „Loligo“ betrug 50 Meter. Die Insassen schauten durch dicke Fenster im Bug und in den beiden Türmen nach außen, wobei ein von innen bedienbarer Scheinwerfer die Umgebung erhellte. Die Whitehead-Werft sollte am 15.09.1914 das U-Boot an Paul Schottländer übergeben. Doch der Weltkriegs-Ausbruch verhinderte das. Nach dem Verrat Italiens und seinem Überfall auf Deutschland-Österreich 1915 überlegte das österreichische Heer das U-Boot im Gardasee einzusetzen, doch auch daraus wurde nichts. Nach Kriegsende 1918 wurde es in den österreichischen Hafen Pola transportiert, wo es die Italiener kassierten. Schließlich gelangte „Loligo“ an Paul Schottländer zurück, welcher es an einen Schrotthändler verkaufte. Die deutsche Forschungsstation in Rovinj, der geplante Heimathafen des U-Bootes, lag in Istrien (heute Kroatien), was Italien an sich gerissen hatte.
 
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Die österreichische Marine hatte ihren Ursprung in der seit dem 16. Jahrhundert existierenden Donauflottille und der ab Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Mittelmeerflotte. Sie wurde als österreichische Kriegsmarine oder k.k. Kriegsmarine bezeichnet. Auf ihrem Höhepunkt vor Ausbruch des Weltkriegs I. galt sie als die sechstgrößte Marine der Welt.
 
Die wichtigsten Seehäfen waren Triest (heute Italien) und Pola (heute Kroatien) im. Wichtige Donauhäfen waren Linz und Korneuburg.
 
 
Mit der Niederlage der Mittelmächte im Weltkrieg I. und der Auflösung der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie im Jahre 1918 wurde von den Feindmächten auch Österreichs Marine zerstört. Die Schiffe der Mittelmeerflotte und Teile der Donauflottille nahmen die Siegermächte in Besitz. Die nicht von den Siegermächten beanspruchten Teile der Flotte wurden am Ende des Krieges von einem sog. „südslawischen Nationalrat“ an sich genommen. Der Republik Österreich blieben nur einige Patrouillenboote auf der Donau. Die letzten beiden Patrouillenboote wurden im Herbst 2006 außer Dienst gestellt.
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