DER GEPIDEN-SCHWUR

 

 

DER GEPIDEN-SCHWUR

Ardarich lud die Getreuen zum Thing,
wollt’ schmieden einen Germanenring:
„König Attila starb, sein Bund ist tot,
nun schlagt die Hunni, beendet die Not.

Attilas Söhne, verblendet vom Wahn,
maßen sich Rechte von Herren an,
wir Gepiden halten jetzt selbst Gericht,
hunnische Sklaven die sind wir nicht.

Die ,Gottesgeißel’ hat arg gehaust,
dass die Erinnerung weithin graust,
jetzt greifen wir unseres Glückes Stück,
jagt die Hunni hinter die Wolga zurück !“

Ardarichs Ruf durch die Alföld flog,
im weiten Pannonien sein Name wog.
Sie kamen die Donau und Drau entlang,
von Tisa und Sava klang Hörnersang.

Die Recken kamen zum Treueschwur,
schärften die Klingen zur Hunnenschur.
Im Terglou-Hain, auf heiligem Grund,
boten die Führer die Fäuste zum Bund.

Der Gote Valamir strich seinen Bart:
„Die Tat dünkt mir echte Germanenart !“
Und der Skire Edekon lachte breit:
„Die Gelben sind mir schon lange leid !“

Friderich, der Rugier, drängte nach vorn,
schwor seinen Eid im bebenden Zorn.
Und der Odoaker, des Edekon Sohn,
reckte sein Schwert zu der Hunni Hohn.

Da hoben Heruler die Schilde zum Klang,
gar schauerlich tönte ihr Bassgesang.
Sie hatten einstmals, vor manchem Jahr,
dem Wodan geweiht ihre Kriegerschar.

So endet’ das Thing, der Eid aber stand,
die Schlacht am Nedao befreite das Land.
Des Ellac’s Hunnen verzehrte die Wut -;
aus Eines Blut wächst des Anderen Gut.


Bild von dem russischen Maler Boris Olshanskiy



Geschichtsschreiber wie Jordanes, Prokop, Ennodius u.a. berichten über den ostgermanischen Volksstamm der Gepiden, von dem man nicht sicher weiß, ob er als autochthon zu betrachten ist, oder aus Skandinavien eingewandert. Einen Überblick über die gepidische Wandergeschichte vermitteln uns Informationen aus den Arbeiten von C. Diculescu (1922), H. Sevin (1955) und Walter Pohl (1980). Die Autoren berufen sich auf die bekannten schriftlichen Quellen. Aus archäologischer Sicht ist es sehr schwierig, zwischen den diversen gotisch-stämmigen Völkern im Karpatenraum um 300-700 n. 0 Unterschiede zu erkennen. Die historische Rolle der Gepiden in der Völkerwanderungszeit umreißt H. Sevin mit der Feststellung, dass sie hauptverantwortlich für den Untergang des Hunnenreiches waren. Der Sieg König Ardarichs über die Söhne Attilas, im Zusammenschluss mit kleineren germanischen Volksgruppen, befreite Osteuropa vom Terror marodierender hunnisch-asiatischer Heerhaufen. Es handelt sich um die Schlacht am Nedao (454 oder 455). Das danach errichtete Gepidenreich an der mittleren Donau bestand noch bis ins 6. Jahrhundert. Allein durch Vernichtung der Hunnen und der damit zurückgewonnenen Herrschaft im eigenen Land erhöhten die Gepiden im Karpatenbecken ihr Ansehen. Aus dem Siedlungsgebiet der Gepiden, dem heutigen Rumänien, östlich in Siebenbürgen und dem Ungarischen Tiefland östlich der Theiß, sind Gräberfelder bekannt, die diesem Volk zugerechnet werden, wie z.B. der Goldschatzes von Szilàgy-Somlyó, die Gräber von Apahida, von Szentes-Nagyhegy und in Hódmezövásárhely-Kishomok. Zur Zeit des röm. Kaisers Hadian lebten die Gepiden noch im Weichselgebiet. Mitte des 3. Jahrhunderts stießen die unter ihrem König Fastida nach Süden vor, schlugen sich mit den Burgunden und erreichten schließlich das nördliche Siebenbürgen. Ein Volksteil zog mit den Goten weiter ans Schwarze Meer. Nach dem Einbruch der Hunnen, und der dadurch ausgelösten Völkerwanderungszeit, werden auch Gepiden mit den Wandalen 406 über den Rhein und weiter nach Gallien gelangt sein. Der Hauptstamm aber geriet und verblieb unter hunnischer Herrschaft im Raum der Theiß. In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern im Jahre 451 werden sie lustlos auf der erzwungenen Seite der Hunnen gefochten haben und sind demzufolge von den Franken geschlagen worden. Angeblich hatte Gepidenkönig Ardarich mit Attila eine Männerfreundschaft geführt. Doch als Attila 453 starb und neben seinem Ältesten, namens Ellac, eine Anzahl unkluger jugendlicher Söhne hinterließ, die sich anmaßten, die germanischen Heerkönige wie Untergeben zu behandeln, kam es zum offiziellen Bruch. Die Ostgermanen berieten sich, das Hunnenjoch abzuschütteln. Ardarich setzte sich an die Spitze des Aufstandes seiner Gepiden mit Skiren, Rugier, Heruler und Goten. Attilas Nachfolger Ellac fiel mit vielen seiner Krieger. Die Gepiden übernahmen Siebenbürgen.

 

Ich beschreibe das Treffen der Germanenfürsten, zur Absprache für den Aufstand gegen die Hunnensöhne des Attila, am altheiligen Berg Terglou bzw. Triglav (Dreikopf), nach den Legenden die Stätte des Hexensabbat. Diese Namen könnten aus germanischer Zeit angeregt sein ?: Terglou = Dreiglut, Triglaw / Triglaf =  Dreileben. Er ist der höchst Berg der Julischen Alpen, der bis nach Kärnten vielerorts sichtbar ist. Eine dreiwesige- oder dreiköpfige Gottheit sollte hier thronen, wie sie für die germanische (wendische) Religion vielfach belegt ist. - Die Flüsse Donau, Theiß (Tisa) und Sava und Drau durchziehen das Land. - Der ungarische Begriff für die große pannonische Tiefebene, in die das asiatische Reitervolk eingebrochen ist, lautet Alföld, was ein stehengebliebenes Wort aus dem germanischen Sprachschatz der Vorbesitzer des Landes sein könnte, der Bedeutung von weitem Feld bzw. Allfeld. Eger (dt. Erlau) ist eine Stadt nordöstlich von Budapest. Die Gegend ist von Germanen später von Slawen und Awaren besiedelt worden. Erst im 10. Jh. begannen die Magyaren sich um Eger anzusiedeln. Der Name der Stadt wurde von dem Laubbaum Erle (lat. Alnus) abgeleitet. In der Umgebung von Eger wachsen die Erlen  heute noch, sie werden auf Ungarisch Éger Bäume genannt. Altsächsisch hieß der Baum „alor“, engl. „alder“ und got. „alisa“. Das gotisch besiedelte „Ungarische Becken“ könnte also den Namen aus einem abgeschliffenen „Alisfeld“ erhalten haben. - Der Ostgotenkönig Valamir hat den gepidischen Aufstand des Königs Ardarich zumindest toleriert, das steht fest. Mit Ardarich war der Skiren-König Edekon verbündet, dessen Söhne Odoaker und Onulf bei den Absprachen und den folgenden Kämpfen mitgewirkt haben müssen. Der blonde Odoaker war später, nach Absetzung des letzten weström. Kaisers (Romulus Augustus), der erste germanische König von Italien.

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