TRAGIK DER FELDHERRNHALLE

 
 
„DIE FELDHERRNHALLE“
 
Die Feldherrnhalle ist ein Symbol,
für manches Unheil das geschah.
Und jeder sieht’s aus anderem Pol,
doch allen geht’s gemeinsam nah’.
 
Dem Bayern-Heer ward sie gebaut,
sie zeigt den Stolz auf tapfere Wehr.
Wer je das schöne München schaut,
gibt dem Odeonsplatz die Ehr’.
 
Der Ort sah Freude, Pflicht und Not,
er sah Verzweiflung nach dem Krieg,
hier floss Martyrerblut im Tod -;
trotz aller Opfer wuchs kein Sieg.
 
Hier standen Männer an der Front,
ein jeder dacht’ im Recht zu sein,
die Zukunft keiner wissen konnt’ -,
und einer schuf dem anderen Pein.
 
Es wirrt’ und irrte mancher Mann,
der Feindesfaust im Nacken spürt’,
und Moskaus langer Arm alsdann
mit Rubel Rebellionen schürt’.
 
Nach Rettern rief das Vaterland,
doch wie war Rettung recht getan ?
General und Melder, Hand in Hand,
die führten den Protestmarsch an.
 
Ein Polizeitrupp sperrt’ die Bahn,
es kommt zum Schuss und Kugelsturm,
um zwanzig Männer fraß der Wahn,
der deutschen Zwietracht ekler Wurm.
 
Die Feldherrnhalle ist ein Symbol,
für den zerstörten deutschen Traum,
dünkt er den meisten heut’ auch hohl
und fern an der Geschichte Saum.

 

TRAGIK UM DIE FELDHERRNHALLE

Die Feldherrnhalle zu München ließ, beginnend 1841, der große Baumäzen Bayernkönig Ludwig I. zu Ehren der bayerischen Heeresgeschichte errichten. Ihre tragische Stunde schlug als am Morgen des 9. November 1923 hier ein Polizeikommando die Kolonne von konservativen Revolutionären, angeführt von General Erich Ludendorff und dem Parteivorsitzenden Adolf Hitler am Weitermarsch hinderte. Wer den ersten Schuss abgab blieb ungeklärt, jedenfalls brachen im Kugelhagel der Polizisten und Putschisten um zwei Dutzend Männer tödlich getroffen oder schwer verwundet zusammen. Die Opferangaben schwanken. Auf Seiten der Ordnungshüter fielen: Friedrich Fink, Nikolaus Hollweg, Max Schoberth und Rudolf Schraut. Die getöteten revolutionären Männer waren: Max Erwin von Scheubner-Richter, Felix Alfarth, Andreas Bauriedl, Theodor Casella, Wihelm Ehrlich, Martin Faust, Anton Hechenberger, Oskar Körner, Karl Kuhn, Karl Laforce, Kurt Neubauer, Klaus von Pape, Theodor von der Pfordten und Johann Rickmers.

 

Wie kam es zu diesem Blutbad nach Beendigung der Schrecken des Weltkrieg I. ? Die Sieger des Weltkrieges hatten begonnen, das Deutsche Reich zu destabilisieren, auszubeuten und zu erniedrigen, auch mit der Lüge von der einseitigen deutschen Kriegsschuld, die heute von Historikern abgewiesen ist. Die gierigen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien („Entente cordiale“) suchten den Krieg ebenso wie ihn der russische Panslavismus anstrebte. Das Deutsche Kaiserreich sollte gerupft werden. Nach Kriegsbeendigung fuhren die Sieger konsequent fort, Deutschland abzuwickeln. Die Friedenszusagen des US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson waren vergessen. Die Handelsflotte musste ausgeliefert werden, so dass der Auslandshandel zusammenbrach und schon allein deshalb Deutschland unfähig wurde die ungeheuren Reparationszahlungen aufzubringen. Millionen Deutsche hungerten. Bedeutende Gebietsabtretungen wurden lanciert, um Deutschland zu schwächen. Der von den Österreichern gewünschte Anschluss der Ostmark, als Restbestand der zerschlagenen Habsburgmonarchie, wurde trotz der versprochenen „Selbstbestimmung der Völker“, verboten. Im deutschen Westen unterstützten die Franzosen seperatistische Umtriebe mit dem Ziel Reichsgaue herauszulösen. Ebenso unterstützen sie im Osten die polnischen Insurgenten die in Oberschlesien einfielen. Das bolschewisierte Moskau schickte seine Demagogen und pumpte Milliarden Goldrubel zur Förderung kommunistischer Aufstände ins Deutsche Restreich, welche ganz unverhohlen die Politik der Bildung von Räterepubliken nach Moskauer Vorbild betrieben und den Anschluss an die Sowjetunion propagierten. Jedem vaterländischen deutschen Menschen musste angesichts der Bedrohungen von allen Seiten angst und bange werden. Man hielt besonders im bodenständigen Bayern das linksparteilich regierte Berlin für unfähig, die vielfältigen Gefahren für das Reich zu meistern. Konservative Kräfte planten nach dem Vorbild des italienischen Duce Benito Mussolini, der seinen erfolgreichen „Marsch auf Rom“ durchgeführt hatte, einen „Marsch auf Berlin“, mit dem Ziel, eine Politikwende zu ertrotzen. Zunächst sollte der Umschwung in Bayern erfolgen.

 

Am Abend des 8.11. holte der Diplomat Ludwig Maximilan Erwin von Scheubner-Richter, der enge Freund Hitlers, persönlich General Erich Ludendorff aus Ludwigshöhe mit dem Auto ab und brachte ihn zu den Verschworenen im Versammlungsort des Münchener Bürgerbräukellers. Am nächsten Morgen um 11 Uhr, dem Jahrestag der Ausrufung der deutschen Republik, begann sich vom Bürgerbräukeller aus die Kolonne von um die 3.000 Männern, Richtung Stadtmitte in Bewegung zu setzen. Die Hakenkreuzfahne und das Banner des „Bundes Oberland“ wurden vorausgetragen. Kurz nach Mittag erreichte sie ihr Etappenziel, das Wehrkreiskommando, um die Befreiung des Wehrmachtsoffiziers und Kampfbundführers Ernst J.G. Röhm zu erzwingen, der dort von Reichswehrsoldaten eingeschlossen und belagert wurde. Der Zug führte weiter durch die enge Residenzstraße zum Odeonsplatz, wo eine Polizeikette dem Demonstrationsmarsch die Bahn nicht freigeben wollte. Sie hatten den strengen Befehl, unter allen Umständen den Demonstrationszug aufzuhalten und aufzulösen. In Zehner- bis Sechzehnerreihen bewegte sich der Zug voran, die Männer sangen „Die Wacht am Rhein“ und „O Deutschland hoch in Ehren“. Hitlers „ständiger Begleiter“, der Schlachter und Leibwächter Ulrich Graf, lief voraus und rief dem diensthabenden Polizeioffizier zu: „Nicht schießen ! Exzellenz Ludendorff und Hitler kommen !“ Es kam trotzdem zu einem Schusswechsel. Graf deckte Hitler mit seinem Leib, wobei der schwer verletzt wurde. Hitler blieb zeitlebens ihm verbunden, bekam von Graf auch den schlauen Schäferhund „Muck“ geschenkt. Der Diplomat Scheubner-Richter marschierte untergehakt an der Seite Hitlers. Er fiel sofort tödlich getroffen und riss im Fallen Hitler mit sich zu Boden, dem im Sturz ein Schultergelenk ausgekugelt wurde. Hermann Göring, der ehemalige Kommandeur des „Jagdgeschwaders Nr. 1“, empfing einen empfindlichen Hüftschuss, der ihm bis zu seinem Lebensende schwer zu schaffen machte, so dass er ohne Morphium nicht mehr auskam. Der mitmarschierende zehnjährige Knabe Gottfried Mayr erhielt eine Schusswunde am Oberarm, für die Hitlers Gefolgsmann Walter Schutze Erste Hilfe leistete. Die SA-Leute trugen Karabiner, zum Teil mit aufgepflanztem Bajonett. Hitler selbst soll eine Pistole gehalten haben. Nicht weit hinter den ersten Reihen der Rebellen fuhr langsam ein Lastwagen mit Maschinegewehren und MG-Schützen, denen ein echter Kampfeinsatz gegen die Polizei-Hundertschaft ganz offensichtlich verboten worden war, sonst wäre das Blutbad Deutscher gegen Deutsche noch krasser ausgefallen. Allein der alte Haudegen General Ludendorff, der die Zitadelle von Lüttich mit gleichem Stoizismus zur Übergabe gebracht hatte, marschierte unbeirrbar auf die Feldherrnhalle los und erreichte sie ohne Verletzung. Der Pater Rupert Mayer gab den Sterbenden die letzten Sakramente und sprach tröstende Worte mit den Verwundeten. Die vielen Schwerverwundeten lieferte man in die Universitätsklinik ein, wo sie unter Leitung von Ferdinat Sauerbruch operiert wurden. Bei aller berechtigten Kritik an A. Hitler ist es albern, dass ihm später vorgeworfen wurde, nicht mit ausgekugelter Schulter an Ludendorffs Seite weitermarschiert zu sein. Man kann diesem Mann berechtigterweise eine Masse von Fehlern und Fehlentscheidungen vorwerfen, nur eben, dem freiwilligen Meldegänger aus Weltkrieg I., Feigheit nicht.

 

Ludendorffs Festnahme erfolgte sofort. Er war voller Verachtung für die Revolutionäre, die nicht den Mut gehabt hätten, ihn beim Vormarsch tapfer zu begleiten. Ebenso war er erbittert gegen die Reichswehr, die nicht zu ihrem General übergetreten war. Er erklärte, für ihn gäbe es ab jetzt keine deutschen Offiziere mehr, und er selbst werde niemals mehr eine Offiziers­uniform anlegen. Göring, schwer verwundet und gehunfähig, emigrierte nach Österreich und wurde in einem Innsbrucker Krankenhaus behandelt. Hitler wurde wenig später festgenommen und die nationale Revolution schien ihr Leben ausgehaucht zu haben.

 

Das tragische Geschehen mit den vielen Toten heizte die revolutionäre Stimmung nur weiter an, wie es Blutopfer in der Geschichte immer taten. Martyrer gab es auf beiden Seiten, denn jeder der jungen Männer dachte auf der richtigen Seite zu stehen und das Beste für das geschändete und erschöpfte Deutschland zu erhoffen und zu tun. Aus den gefallenen Polizisten, „Helden der Demokratie“ machen zu wollen, wäre nichts als Geschichtsklitterei, sie taten ihren Dienst nach den Befehlen ihrer Vorgesetzten, nichts weiter. Die Hoffnungen dieser gesamten Generation gingen nicht in Erfüllung, weder die der Patrioten, noch jene der Kommunisten, noch die der Demokraten, die sich eine Republik der Plutokraten von Gnaden der USA - in der das Votum des Volkes zu seinen wichtigsten Lebensfragen übergangen wird - mit Sicherheit nicht gewünscht haben.

 

Bild: Es stammt von dem nicht näher bekannten Künstler H. Schmitt, der es offenbar nach einer Fotografie gemalt hat. Darüber informiert Tobias Ronge in „Das Bild des Herrschers in Malerei und Grafik des Nationalsozialismus: Eine Untersuchung zur Ikonografie von Führer- und Funktionärsbildern im Dritten Reich“, 2011, S. 101 ff

 

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