WILHELM PETERSEN

W. Petersens Selbstbildnis
 
 
WILHELM PETERSEN
 
 
Bei scharfem Wind zerstiebt die Spreu,
das schwere Korn allein bleibt treu.
Von schwerer kerniger, körniger Art,
ein Friesen-Kerl geschaffen ward.
 
Und wie viel Schalk er doch versteckt,
wie er die Trolle und Gnome neckt,
das merkt erst wer ihm nahe ruckt,
wer ihm so hinter die Schale guckt.
 
So war der Petersen voller Humor,
für die zarten Töne von feinem Ohr.
Den Elben und Kobolden hörte er zu,
mit Erdgeistern stand er auf du und du.
 
Das erdhafte Echte das zog ihn an,
an dem kein Talmi und Flitter dran.
Seinen Ahnen war er ein Mann der Tat,
der auch ungerufen zur Waffe trat.
 
War das Land in Not, schritt er hinzu,
nie suchte er schmählich eigene Ruh’.
An vordersten Fronten tat er die Pflicht,
gab vom Geschehen getreuen Bericht.
 
Getreulich betrieb er auch seine Kunst.
Lang’ war der Ahnen Bildnis verhunzt.
Er hatte Germanen studiert und erkannt;
„Maler des Nordens“ wird er genannt.
 
Er selbst erfuhr viel Not und Graus,
rote Schandbuben brannten sein Haus.
Seine Werke zerstört vom Zeitenwahn,
kein Terror warf ihn aus seiner Bahn.
 
Als ich ihn traf war er fast schon blind,
doch er war wie Seher und Heiler sind.
Petersens Seele schien stark und jung,
und so bleibt er mir in Erinnerung.
 
 

W. Petersen, Elmshorn mit Edda, 16.08.1983

 
Wilhelm Petersen (1900-1987) aus Elmshorn war begnadeter Maler, Illustrator und Schriftsteller. Der junge Künstler meldete sich im Weltkrieg I. freiwillig zur Vaterlandsverteidigung und schloss sich pflichtbewusst im Verlauf der Nachkriegswirren, mit den Kommunistenrebellionen und blutigen polnischen Überfällen in Schlesien, dem Freikorps „Marinebrigade Ehrhardt“ an. Grenzschutz in Oberschlesien und Bekämpfung der von Moskau gelenkten mörderischen „Münchener Räterepublik“ waren deren selbstgewählten Aufgabenstellungen. Petersens Wikingerblut trieben ihn auf See, wo er als Bootsmann ausgedehnte Reisen in die skandinavischen Länder unternahm. Sein Herz schlug für den Norden. Und so war er es auch, der sich wissenschaftlich dem Germanentum beschäftigte, Funde studierte und mit seinem bewundernswerten künstlerischen Talent die naturechten Germanenbilder schuf, ohne Pomp und Schwulst. Er trat der nationalsozialistischen Reformbewegung bei, von der damals noch keiner ahnen konnte wie sie enden würde. Der Führer dieser Parteiung soll ihn 1938 zum Professor für bildende Künste ernannt haben. Eine Betrauung die er wie kaum ein zweiter verdient hatte, den er war der Wissende, Könnende und in seiner ruhig-milden Art der hochgradig Belehrungsfähige. In Weltkrieg II. wurde er als Kriegszeichner und Kriegsberichterstatter eingesetzt. Vom Polenfeldzug schuf er eine Bildermappe mit den ergreifend realistischen Bildern die das Grauen des Krieges weder beschönigten noch glorifizierten („Totentanz in Polen“). Petersen wurde zum „Kriegsmaler der SS“ ernannt und gehörte als solcher der „SS-Standarte Kurt Eggers“ an. Mit dem „Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer“ war er ausgezeichnet. Petersen war nie einer der sich gerne drückte, als Kriegsberichterstatter an vorderster Front schonte er sich kleine Augenblick. Petersen prägte mit seinen Bildern die neue und korrekte Sichtweise deutscher Vorfahren. Im „Brockhaus“,1939, heißt es von seiner Kunst: Er schafft „neue Vorstellungen vom Germanentum in wirklichkeitserhöhender, aber auf genauen vorgeschichtlichen Studien beruhender Gestaltung.“ Kleine und große Gemälde zur nordischen Götter- und Heldensage, Entwürfe zu einer Nibelungenfolge, Bilderreihen über norddeutsche Märchen- und Spukgeschichten gehörten zu seiner Lebensarbeit. Sein humoriges Buch „Ut de Ooken - Zwiegespräch mit Menschen und heimlichen Geistern“, 1937 / 1977, ist eine einzige schrullig-köstliche Fröhlichkeit. Sein Schaffensumfang war ungeheuer, von den ernsthaften Themen der Mythologie, seiner realistischen Germanenbilder, den lustigen Figuren wie die des Mecki, bis zu den wundervollen Frauenbildnissen wie jenem der „Friesin“, reichte sein Einfühlungs- und Gestaltungsgenie.
 
 
Nach dem deutschen Untergang, mit dem Kriegsende, verlor auch W. Petersen zunächst Lebenssinn und Aufgabenbereiche. Die Sieger quälten ihn in ihren Umerziehungslagern. Im Jahre 1950 fand er schließlich eine Anstellung weit unter seinem Können bei der „Hörzu“-Redaktion. Zwischen 1953 und 1964 illustrierte der Meistermaler zwölf „Mecki“-Bücher und erfreute damit nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen erfasste eine wahre „Mecki“-Epidemie der Begeisterung. Petersen war der unübertroffene „Maler des Nordens“, der nicht allein als historisch verantwortungsvoller Künstler, sondern auch als charakter- und gemütsstarker Mann auf vielerlei Art und Weise ein Vorbild sein könnte. Rote Brandbuben hatten ihm sein reedgedecktes Haus abgefackelt, viele seiner großen Werke sind im Krieg oder nach dem Krieg mutwillig zerstört worden, doch Petersen bewahrte seinen freundlichen Gleichmut. Anwürfe, Unterstellungen, Schmähungen, Nichterwähnungen -, er ertrug das schweigende an ihm Vorübergehen wie den Schaum vor dem Mund seiner schreienden Hasser und Verächter. Als ich ihn kennenlernte war er fast erblindet. Ich sehe ihn in der Erinnerung  noch, wie er mein kleines Töchterchen zu sich auf die Knie hob und ihr fast segnend über das Köpfchen strich. Er war ein Großer, zu dem man aufschauen  und den man lieben konnte. Er hatte so viel verschmitzten, tiefgründigen norddeutschen Humor, der allein dem Kenner des Niederdeutschen so recht erfahrbar wird.
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