GEORG VON FRUNDSBERG

 
GEORG VON FRUNDSBERG
- und die deutsche Rache -
 
 
Zwei Schelme, zwei blutige Satansbraten,
bedrohen den Kaiser und seine Soldaten.
Sie wühlen und hetzen und feinden ihn an,
so wie sie’s seit ewigen Zeiten getan.
 
Papst Clemens ist’s, der höllische Hund,
mit Franz, dem Franzosenkönig im Bund.
Ihre Kriegsvölker lärmen heran mit Macht,
doch Frundsberg lebt, der Frundsberg wacht.
 
Des Landsknechtvaters erfochtene Frucht:
Er hält seine Scharen in Drill und Zucht.
Er ordnet, er regelt, er lehrt das Gefecht,
dem Heerbann ist er als Hauptmann recht.
 
Der Frundsberg ist ein Kerl wie ein Baum,
hält seine Tiroler und Schwaben im Zaum,
doch im Kampf erwacht ihre Kämpferglut,
dann schwillt im deutschen Blut ihr Mut.
 
Wer kann den Gewalthaufen widersteh’n,
wenn tief gestaffelt die Lanzen geh’n ?
Und Jörg focht der Heldentaten genug,
wofür ihn der Kaiser zum Ritter schlug.
 
Die Feldschlangen brüllten Weh und Ach,
zur Böhmer-Schlacht von Wenzenbach,
Jörgs Musketen rissen die Breche auf,
erbarmungslos ging es da dran und drauf.
 
Bei La Motta drohte ein Söldnerheer -,
es lachte der Jörg: „Viel Feind, viel Ehr !“
Die Venezianer vertrauten der Überzahl,
ihre Reiter verdarben im sumpfigen Tal.
 
Es ging um die Herrschaft der Lombardei
und ob der deutsche Kaiser der Erste sei.
In Bicocca, bei Mailand, standen bereit,
Franzosen mit ihren Vasallen zum Streit.
 
Dabei war der Arnold von Winkelried,
den lobt mach’ ehrendes Schweizer-Lied.
Doch Jörgs Hellebarde war blitzesschnell,
sie erschlug den Gegner im Männer-Duell.
 
Die Schweizer waren gar sehr bekümmert,
also die Welschen gründlich zertrümmert,
heillos flüchtete Frankreichs Armee,
Landsknechte jagten sie bis nach Marseille.
 
Doch bald war der Franz schon wieder da,
Jörg Frundsberg schlug ihn bei Pavia.
Schachzüge - Wortbrüche - Intrigenspiel,
dazwischen Papst Clemens im Schaukel-Stil.
 
In Deutschland wabert schon lange die Wut,
auf jenseits der Alpen, die die welsche Brut,
die immer nur Unbill und Zwietracht sät
und jetzt auch zur Mordtat an Luther rät.
 
Der Georg von Frundsberg ist Protestant,
noch einmal nahm es das Schwert zur Hand.
Seine Männer sind voller Hass gegen Rom,
ihr Ziel ist der „Teufel im Petersdom“.
 
Den 6. Tag Wonnemond war es soweit,
die „Heilige Liga“ ? - Vermaledeit !
Spanier und Deutsche erobern die Stadt.
wo's soviel Dünkel und Reichtum hat.
 
Acht Tage Plündern, Brennen und Mord,
Jörg Frundsberg lag krank an anderem Ort.
Seine Männer spießten den römischen Drache,
das war die ersehnte germanische Rache !

 

 

Georg / Jörg Freiherr von Frundsberg (1473-1528) war der berühmteste Landsknechtsführer, Feldhauptmann von Tirol und Infanterielehrer in kaiserlichen Diensten, der sich in den Abwehrkämpfen gegen Attacken des französischen Königs Franz I. (1494-1547) und dessen „Heilige Liga von Cognac“ hervortat, einer unheiligen Allianz, welche hartnäckig versuchte, Gewalt über Mailand und die weitere Lombardei zu erringen. Er war der Sohn Georg von Frundsbergs, der, auf der schwäbischen Mindelburg wohnend, Hauptmannes des „Schwäbischen Bundes“ war. 1499 nahm Jörg am „Schwabenkrieg“ gegen die Schweizer teil, zeichnete sich aus und wurde bald Heerführer Kaiser Maximilians I. (1494-1547) Durch seine fürsorgliche, gerade und leutselige Art gewann er den Ruf als „Vater der Landsknechte“. Er studierte das Kriegshandwerk „von der Pike auf“, verfasste Lehrtexte („Der treue Rat“), wie die sog. „Gewalthaufen“ der Pikenträgern zu taktieren und manövrieren haben und übte mit seinen gut gedrillten Landsknechten die Kampfweisen. Beim Reichstag zu Worms 1521 soll er Martin Luther wohlwollend zugesprochen haben: „Mönchlein, Mönchlein, du gehst jetzt einen Gang, dergleichen ich und mancher Obrist auch in der allerersten Schlachtordnung nicht getan haben mag. Bist du aber der rechtlichen Meinung und deiner Sache gewiss, so fahre in Gottes Namen fort und sei getrost, Gott wird dich nicht verlassen. Mut, Möchlein, Mut !“ Die Stimmung in Deutschland war lutherisch, also papst- und romfeindlich, und das aus einer Vielzahl wohlverständlicher Gründe.

 

Der Frundsberg gab in seinen  „Artikelbriefen“ den Mannschaften eine feste, verlässliche Ordnung, so konnte er auf sie vertrauen und erzielte mit ihnen wiederholt Siege gegen weit überlege Gegner. Seine Landsknechts-Gefährten sprach er mit „Söhne" oder „Brüder" an. Im „Bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg“, in dem Böhmen und Franzosen mitmischten, kam es zur Schlacht von Schönberg-Wenzenbach - bei Regensburg - (12.09.1504). Durch die Oberpfalz rückte ein böhmisches Heer des Königs Vladislav II. heran, es verschanzte sich bei Wenzenbach, Frundsbergs Musketen brachen die Wageburg der Böhmen auf und verjagten sie.1.600 Böhmen erschlagen, 600 gefangen genommen. Darauf erhielt Georg von Frundsberg von Kaiser Maximilian I.  den Ritterschlag. - Im Zuge der französischen Eroberungsversuche in der Lombardei, die König Franz I. vorantrieb, kämpften Frundsbergs Landsknechte für Kaiser Karl V. (1500-1558) Ihnen sollte von weit überlegenen Truppen der Republik Venedig der Rückzug aus Venetien abgeschnitten werden. Es kam am 07.10.1513 zur Schlacht von Creazzo (oder von La Motta). Die venezianische Reiterei geriet in einen Sumpf und die italienische Infanterie vermochte den gut gedrillten deutschen und den spanischen Knechten nicht standzuhalten, sie wurde zertrümmert und zerstreut. Aus dieser Schlacht stammt Frundsbergs Wahlspruch „Viel Feind', viel Ehr' !“ - Der französische König griff nach Mailand, bei Bicocca, nördlich von Mailand, kam es am 27.04.1522. zur Schlacht. Auf Seiten der Franzosen kämpften die gefürchteten eidgenössischen Reisläufer. Die Schweizer hatten sich vom Reich bzw. dem Habsburger Kaiserhaus getrennt. Vor Beginn der Kampfhandlungen lieferte Frundsberg sich ein Duell mit dem gegnerischen Anführer Arnold von Winkelried, den er mit seiner schweren Hellebarde erschlug. Danach zerfetzte er die feindlichen Linien so gründlich, dass sich Franzosen und Schweizer fluchtartig aus Italien zurückzogen. - Papst Clemens VII. (1523–1534) versuchte aus dem Konflikt seine kirchenstaatlichen Vorteile zu ziehen. Nach der vernichtenden Niederlage französischer Truppen in der Schlacht von Bicocca forderte der perfide Papst das Herzogtum Mailand für sich, sobald es wieder in französischer Hand wäre. Um dem französischen Raub den Weg zu ebnen, klagte er den deutschen Kaiser an, er würde einen „ungerechtfertigten Krieg gegen einen christlichen Mitbruder“ führen und torpedierte damit die deutsche bzw. des Reiches Abwehrpolitik. So kam es trotz der französischen Niederlage von Bicocca, zu Wiederholungen der Angriffe auf Oberitalien und vorrangig, um zunächst Mailand in die Gewalt zu bekommen. Es kam am 24.02.1525 zur Schlacht bei Pavia, wo sich 25.000 Mann als Belagerungsstreitmacht verschanzt hatten. Spanier und Deutsche fügten dem Gegner erneut eine vernichtende Niederlage bei, wobei Frundsbergs 6.000 Veteranen aus Schwaben und Tirol entscheidend beitrugen. Das französische Gold spielte allzeit seine große Rolle. Ein Gevierthaufen des französischen Heeres nannte sich die „schwarze Bande“, es waren 5.000 Mann niederdeutscher Knechte. Als die Franzosen angriffen, fiel ihnen Frundsberg mit seinen Männern in die Flanke. Die Feindverluste waren beträchtlich, sie betrugen mehr als 10.000 Mann und König Franz I. wurde gefangen genommen. Franz I. wird nach Friedensabsprachen auf Ehrenwort entlassen, kaum frei, betreibt er seinen Krieg weiter und der schurkische Papst gibt ihm wegen seines Wortbruches die öffentliche Absolution und vereinbar mit ihm die profranzösischen „Heilige Liga von Cognac“. Jörg musste nach Deutschand zurück, wegen der Baueraufstände, die er bei sich in Tirol auf dem Verhandlungswege löst. Seine legendären Siege machten Jörg von Frundsberg im Reich zum vielbesungenen Volkshelden. -

 

Die  auf Landerwerb ausgerichtete und damit den Krieg ins Endlose verschleppende vatikanische Intrigenpolitik, unter der die Soldaten nicht weniger zu leiden hatten als völlig unbeteiligte unschuldige kleine Leute, hatten den Papst in den Augen Vieler, auch Frundsbergs, so verhasst gemacht, dass er dem Kaiser auf eigene Kosten ein Heer ausrüstete und gegen Rom aufbrach, um das päpstliche Ungeheuer in seinem Zentrum zu treffen. Der Hass auf das vatikanische Rom und sein Oberhaupt hatte in Deutschland die Gemüter derart erfasst, dass sogar historisch falsche Vorwürfe im Druck erschienen, wie beispielsweise jene, die behaupteten, dass schon der beliebte und hochgeehrte Friedrich I., genannt Barbarossa (1122-1190), vom Papst „auf den Tod verraten worden“ sei, dass er „durch das heimtückische Betrugsmanöver Papts Alexanders III.“ an seine Häscher ausgeliefert worden sei, nämlich an den ägyptischen und syrischen Sultan. („Volksbuch von Kaiser Friedrich Barbarossa“, Augsburg / Köln, 1519 / 1539) Und eine protestantische Flugschrift aus 1545 „Historia von Bapst Alexander III. wie er den Kaiser Friedrichen Barbarossa dem Tuerken verrhaten hat. Ist ein Exempel der nachvolger S. Petri“. Und Flugblätter liefen um, mit dem Holzschnitt, wie der Papst dem sich am Boden krümmenden Kaiser auf den Nacken tritt, dazu  folgende Reime: „Hie zeigt der Bapst mit der that frey / Das er Gotts und der menschen feind sey. / Was Gott schafft und will geehrt han / Mit füssen tritt der heiligst man“.

 

Mit fast 20.000 Landsknechten zog der mittlerweile 53-jährige Frundsberg 1526 also noch einmal gegen die Truppen des mit Frankreich verbündeten Papstes und schlug sie am Jahresende bei Brescia. Es sollte weiter nach Süden gehen, um das golden Nest des papistischen Raubvogels auszuheben. Doch Frundsbergs Mittel waren aufgebraucht und der finanzschwache allerkatholischste Kaiser Karl V. hatte Bedenken, das in seinen Augen „heilige“ Rom, mitsamt dem räuberischen, trügerischen Oberhaupt der Christenheit anzutasten. Im Feldlager bei Bologna eskaliert die Situation. Die Soldzahlungen an seine Truppen blieben aus. Die Truppe wird immer ungehaltener und der Soldaten Hass auf das verfluchte Rom, dem man die Länge des Krieges schließlich zu verdanken hatte, nahm zu. Die Männer wollen sich selbst dort das holen was ihnen zusteht. Rom wird als arrogante Hochburg eines über Jahrhunderte währenden Betruges und Raubes verstanden. Die nicht unberechtigten protestantischen Schmähungen des Papstes sind durch die Buchdruckerkunst in alle Hände gelangt. Frundsberg versucht die Gemüter zu beruhigen, er sieht es voraus, was die hungernden, erregten Söldner in einer Großstadt anzurichten fähig sein könnten. Er erleidet einen Schlaganfall und muss sich in die Heimat zurück bringen lassen. Das Heer Karl V. marschiert - ohne dass dieser es verhindern kann - gegen die Mauern von Rom. Die 24.000 Mann werden dem Herzog von Bourbon unterstellt, doch dieser hat sie nie unter Kontrolle; der Geist der Rache am Papst und an Rom beherrscht die Seelen.

 

Rom wurde genommen, die Massen der Landsknechte strömten in die Stadt und benahmen sich so wie sie glaubten, mit einer besiegten Stadt umgehen zu dürfen. Aber darüber hinaus trugen viele Männer den Gedanken einer Bestrafung Roms. Ein Ritter Schertlin schrieb: „Den 6. Tag May haben wir Rom mit dem Sturm genommen, ob 6.000 Mann darin zu todt geschlagen, die ganze Stadt geplündert, in allen Kirchen und ob der Erd genommen was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt.“ Und an weiterer Stelle wird ausgeführt: „Vornehme Frauen wurden vor den Augen der Eltern und Männer die Opfer des ersten besten Knechts. Als dies Los auch die Töchter des Domenico Massimo traf, erblickte man darin die Strafe für den Geiz des Vaters. Vergebens umklammerten edle Römerinnen die Altäre der Klöster; man riss sie samt den Nonnen hinweg, um sie in die Lagerhöhlen trunkener Soldaten abzuführen. …“ Der Historikers Ferdinand Gregorovius schildert in „Geschichte der Stadt Rom“, 1889, das Verhängnis. „Was bei der Plünderung Roms geschah, ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das kaiserliche Heer und im Besonderen die Landsknechte Frundsbergs von dem gewalttätigen Gedanken eines Kreuzzugs gegen den Papst geleitet wurden.“ Ein von Generation zu Generation weitergetragener Hass begann sich zu entladen. Jener hochfahrende Kardinal Caetanus, der in Augsburg Luther so böswillig behandelt hatte, wurde durch Rom geschleppt, bald mit Fußtritten fortgestoßen, bald herumgetragen, eine Sackträgermütze auf dem Kopf. So zerrte man ihn fort zu Wechslern oder Freunden, sein Lösegeld aufzubringen. Die Landsknechte riefen: „Vivat Lutherus pontifex !“ „Lutheraner wie Spanier und Italiener ergötzten sich damit, die heiligen Zeremonien nachzuäffen. Man sah Landsknechte auf Eseln als Kardinäle einherreiten, einen als Papst verkleideten Knecht in ihrer Mitte; so zogen sie oftmals bis vor die Engelsburg, wo sie schrien, dass sie jetzt nur fromme und dem Kaiser gehorsame Päpste und Kardinäle machen würden, welche keine Kriege mehr führen sollten, und wo sie Luther zum Papst ausriefen. Trunkene Söldner bekleideten einen Esel mit geistlichen Gewändern und zwangen einen Priester, ihm das Sakrament zu geben, während das Tier auf Knien lag. ..“ „Vor der Engelsburg wurde unter den Augen des Papstes die Parodie einer kirchlichen Prozession inszeniert, mit der man Clemens aufforderte, Luther die Segel und die Ruder der ,Navicella’, des Petrusschiffchens, zu übergeben. Zum Hohn wurde Luthers Name mit der Schwertspitze in das Fresko ,La Disputa del Santissimo Sacramento’ (Die Disputation über das Allerheiligste) in den Stanzen Raffaels eingeritzt, und eine andere Inschrift verherrlichte Karl V. Kurz und präzise dazu ist das Urteil des Priors der Kanoniker von Sant’Agostino: „Malifuere Germani, pejores Itali, Hispani vero pessimi.“ (Die Deutschen waren schlimm, die Italiener schlimmer, am schlimmsten aber waren die Spanier.) Auch der Kardinal Ponzetta von S. Pancrazio wurde erst seiner 20.000 verscharrten Dukaten beraubt, dann mit auf den Rücken gebundenen Händen durch Rom geschleppt. Augenzeugen berichten: „Acht Tage lang dauerte die eigentliche Plünderung. In so kurzer Zeit ward erbeutet, was lange Raubsucht in dieser Priesterstadt aufgehäuft hatte. Geräte, Gewänder, Tapeten, Bilder, eine ganze Welt von Kunstwerken der Renaissance, wurden wie Plunder aufgehäuft und so auch behandelt.“ „Spanier und Landsknechte teilten sich Perlen mit Schaufeln zu; der elendeste Knecht besaß 3-4.000 Dukaten. Auf Plätzen und Straßen sah man Gruppen von Landsknechten, welche über Brettern oder auf dem nackten Boden würfelten. Um Spottpreise schleppten den Reichtum Roms die lachenden Juden in ihren Ghetto.“ Weinend ließ der Papst die Deutschen bitten, „das Licht der Kirche nicht auszulöschen“.

 

„Jene Krieger Frundsbergs und Bourbons, welche wie hungernde Wölfe bei Regen und Sturm durch die Provinzen Italiens gewandert waren, zogen jetzt in Rom einher in Purpurkleidern, die Taschen gefüllt mit Edelsteinen, funkelnde Bänder um die nervigen Arme, den Hals umwunden mit dem goldenen Schmuck edler Frauen oder heiliger Madonnen. Man sah Landsknechte, welche die kostbarsten Perlen in ihre Schnurrbärte eingeflochten hatten. Sie tafelten in Prachtpalästen vom Gold und Silber der Kardinäle, bedient von zitternden Großen. In einer einzigen Nacht war die glänzende Hülle von Rom gefallen, und wie in mittelalterlichen Schauspielen, welche man Moralitäten nennt, war die üppige Gestalt der Roma als ein moderndes Gerippe, das nackte Laster, sichtbar geworden. Was waren jetzt diese Schwärme von Pharisäern und Höflingen, Kardinäle, Bischöfe, Monsignoren, Protonotare, Ordensgenerale, Richter, Barone und Signoren, alle diese im Pomp der Etikette mit Protektormienen einherwandelnden Herren und Herrendiener, welche gewohnt gewesen, sich für die Blüte der Welt zu halten und auf Nichtrömer mit Geringschätzung herabzusehen ! Zerlumpt und zerschlagen wankten sie in den Straßen umher oder lagen sie auf den Foltern, oder sie dienten dem rohen Kriegsvolk als Köche, Stallknechte, Wasserträger in ihren eigenen ausgeraubten Palästen.“

 

 

Nach einer mehrwöchigen Belagerung der Engelsburg kapituliert Papst Clemens VII. am 07.06.1527 und wird der Gefangene des nachsichtigen Kaiser Karl V. - Georg von Frundsberg erholt sich nicht mehr von seinem Hirnschlag in Bologna, er stirbt auf seiner Mindelburg. Er lebt aber unsterblich in der Erinnerung des deutschen Volkes fort, als ein wahrer „Deutscher Michel“ (redlicher deutscher Riese“, von germ. mikkil = groß), der den Reichsfeinden das Fürchten und das Laufen gelehrt hat.

 

Wäre es nach dem mehrheitlichen Volkswillen gegangen, nach dem in Deutschland weder damals noch heute die große Politik gemacht wurde, wäre damals die papistische Religion abgeschafft worden. Dann hätte es keinen Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) gegeben, Deutschland wäre weiter die bestimmende Zentralmacht Europas geblieben und hätte einen kraftvollen Kontinent in die Zukunft führen können, ohne die sich später ergebende und bis heute anhaltende, schwächende Zerrissenheit.

 


-o-o-o-o-o-o-

 

PLÜNDERUNGEN ROMS

Die romstaatlichen und romkirchlichen Bevormundungen und Verbrechen gegenüber der deutsch-germanischen Nation hatten ein tief in der Volksseele verankertes Abneigungs- und Rachegefühl begründet. Das hat sich in drei historischen Entladungen realisiert. Doch nur die Plünderung Roms durch die Landsknechte des Georg von Frundsberg trafen Rom wahrhaft schmerzhaft. Die erste Bestrafung Roms war seine Einnahme durch die hungrigen westgotischen Krieger Heerkönig Alarichs an den Tagen 24./27.08. im Jahre 410. Den Kriegern wurde erlaubt, Beute zu machen. Dieses Ereignis wird von antiken Autoren als eine recht gnädige und gesittete Plünderung beschrieben. Roms sog. „heilige Stätten“ sind geschont worden und das sog. „Kirchenasyl“ wurde respektiert, Frauen tat man kein Leid an. Die zweite Einnahme und Plünderung Roms vollzog der Vandalenkönig Geiserich vom 02. bis zum 16.06.455, wegen römischer Vertragsbrüche und wohl als Reaktion darauf, dass der römische Kaiser Valentinian III. den verdienten Heermeister Flavius Aëtius am 22.09.454 eigenhändig ermordet hatte und selbst am 02.07.455 von zwei Gefolgsleuten des Aëtius erschlagen worden war. Der vandalischen Flotte öffnete Rom seine Tore und Geiserich gab seinen Männern die Stadt für 14 Tage zur Plünderung frei. Wieder geschahen keine Vergewaltigungen, keine wesentlichen Übergriffe, keine Feuersbrünste, keine Kirchenschändungen. Papst Leo I. hatte den Vandalen versichert, dass es keinen Widerstand geben werde, damit Kampfhandlungen und deren Folgen vermieden würden. Schon vierzehn Tage später feierten die Römer in fröhlicher Ausgelassenheit ihre Spiele im Circus Maximus. Bei der erneuten Besetzung Roms durch den ostgotischen König Totila, Ende 546, erfolgten keine Gewaltmaßnahmen und keine Plünderungen. Totila übte demonstrative Milde gegenüber seinen gutwilligen Gefangenen und ließ die stadtrömischen Senatoren in Kampanien internieren, denn er versuchte eine gemeinsame Ausgleichspolitik von Weströmern und Germanen bzw. Ostgoten gegen den Herrschaftsanspruch der Byzantiner, die im Anschluss dann das antike Westrom faktisch zugrunde gerichtet haben.

 

Bild 1: Georg von Frundsberg, porträtiert von Christoph Amberger (1505-1562) - Bild 2: Aus „Zweihundert deutsche Männer“, 1880 - Bild 3: Custos, Dominicus - Atrium heroicum Caesarum, regum, [...] imaginibus [...] illustr[atum]. Augsburg: M. Manger, J. Praetorius, (1600-1602), 191 Bl.; 169

Pin It