LUDWIG II. VON BAYERN

 
LUDWIG II. VON BAYERN
 
Berechenbar sind Menschenwelten
auch der Herrschenden Verhalten,
echte Wunder sind recht selten,
rar sind wahre Licht-Gestalten !
 
Einen gab’s in deutschen Landen,
bleiben wir auch gern argwöhnisch,
der aus Träumen auferstanden,
einen wahren Märchen-König.
 
Nüchtern tat er seine Pflichten,
für das Volk und Land der Bayern,
Staatsgeschäft mocht’ er mitnichten
und den Weihrauch seichter Feiern.
 
Freiheit, Schönheit und den Künsten,
war des Königs Sinn ergeben -,
fern von triebhaft-niederen Dünsten,
hing am Ideal sein Streben.
 
In der Liebe stolz und spröde,
versagte er sich kleinen Lüsten,
verlor sich nie ins Billig-Schnöde,
übte weder Prunk noch Brüsten.
 
Ganz für sich genoss er Freude,
in den Wäldern, auf den Bergen,
schuf der Schlösser Kunstgebäude,
fern von allen Großstadt-Särgen.
 
Antrieb war ihm oft das Schenken,
aus dem Herz, dem übervollen -;
dankbar woll’n wir ihm gedenken,
Achtung nur und Liebe zollen.
 
Krieg stand nie in seinem Sinnen,
er mocht’ Höheres uns geben,
er gebot von Herrschers Zinnen,
Richard Wagner zu erheben.
 
Was der Ludwig einst vollbrachte,
das sind wahrhaft große Taten.
Dass er damals Schulden machte,
blieb nur Angst von Bürokraten.
 
Und sie trieben ihn ins Ende,
die nie mehr als Groschen zählen,
verrieten Ludwigs Lebens-Spende,
ewige, stumpfe Rechner-Seelen.

 

 

Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach, König von Bayern (1845-1886), war Enkel des Bayernkönigs Ludwig I., welcher die „Walhalla“ und die „Befreiungshalle“ hatte errichten lassen. Ohne jeden Bruch trat Ludwig in die Fußstapfen seiner Eltern. Sein Vaters, Maximilian II. König von Bayern (1811-1864), war schon ein hoch gebildeter, weltgewandter, volksnaher, wanderfroher, weitgereister, wissbegieriger, geschichtsinteressierter König, Naturliebhaber und bedeutender Baumäzen. Seine schöne Mutter, Marie von Preußen (1825-1889), war eine passionierte Bergsteigerin, den Volksbräuchen und -trachten zugetan und gründete - zusammen mit Sohn Ludwig - das „Bayerische Rote Kreuz“. Dem Historiker Friedrich Christoph Schlosser hatte der geschichtsbewusste Maximilian II. geschrieben: „Was an meiner schwachen Kraft liegt, das will ich, so lange ich lebe, daran setzen, um an Deutschlands verdunkeltem Horizont den rettenden Stern entdecken zu helfen.“ Sein Sohn Ludwig II. hat diesen Antrieb aufgenommen und ebeno gepflegt, was schließlich zu seiner Förderung Richard Wagners beitrug.

 

Ludwig II. erhielt im Kindesalter eine liebevolle und gediegene Unterrichtung durch die gebildet Erzieherin Sybilla Meilhaus. Großvater Ludwig I. förderte im Knaben die königliche Neigung zum Bau erhebender Architektur. Bereits im empfänglichen Alter von nur 16 Jahren erlebte der Jüngling die Opern „Tannhäuser“ und Lohengruin“ von Richard Wagner. Ere vertiefe sich in dessen wunderbare prosaische Schriften und Reimwerke, wie auch in jene von Friedrich Schiller. Der romantische, aufs Ideale hingerichtete Geist des jungen Königs erhielt damit seine ersten Weihen. Im Alter von 18 Jahren wurde Ludwig II. zum König von Bayern gekrönt. Mit seinen 1,93 m Leibeshöhe war er, nicht nur für die damalige Zeit, ein repräsentativer junger Mann. Sofort begann er sein segensreiches Amt der Förderung jeglicher Kultur, worin er das vornehmste Amt eines Souveräns ersah. Das verschuldete Genie Richard Wagner, den er am 4. Mai 1864 erstmals persönlich traf, unterstütze er zeitlebens, ohne persönliches Vorteilsdenken, allein um der Förderung des Kunstgeistes willen. Er finanzierte unter anderem dessen grandioses Musikdrama „Der Ring des Nibelungen“, das ohne den König nie zustande gekommen wäre. Wie innerlich fern der Künstler-König dem christlich-katholischen Schwulst und Pomp zugeneigt war, geht nicht nur aus seiner Freude über Wagners „Ring“ hervor. Seit 1872 ließ sich Ludwig - ohne störendes Publikum - Wagners Opern vorführen. Er wurde auch im Wesentlichen der Spender des Richard-Wagner-Festspielhauses in Bayreuth. Ganz dem Reinen, Idealen ergeben, verabscheute Ludwig sowohl die Winkelzüge der Politik und die Ungeheuerlichkeiten des Krieges. Er unterstütze sein Militär nicht, weil ihm die Neigung zum Krieg völlig fremd war. Ausspruch Ludwigs: „Ich hasse, ich verachte den Militarismus.“ In dem Krieg zwischen Preußen und Österreich wollte er unbedingt neutral bleiben, doch die Habsburg-Monarchie erzwang die vereinbarten Bündnispflichten Bayerns einzuhalten, derweil fuhr Ludwig in die Schweiz, um seinen verehrten Meister Richard Wagner zu treffen Daraus den Schluss zu ziehen, der König hätte seine Amtsgeschäfte vernachlässigt, ist falsch. Trotz seiner häufigen Abwesenheit von München führte er sie bis zum Ende gewissenhaft aus. Die vielen Anfragen und Dokumente wurden von Ludwig mit Anmerkungen und Empfehlungen versehen. Ebenso schaltete er sich bei Ernennungen oder Gnadengesuchen ein. Die Durchsetzung einer Gewerbeordnung mit freiem Niederlassungsrecht für die meisten Berufe unterstützte der König. Ihm werden bemerkenswerte Detailkenntnisse in der Wirtschaftspolitik und im Staatskirchenrecht bescheinigt. Es heißt: „Als in der Auswirkung des Krieges von 1866 die katholisch-konservative, anti-preußische Patriotenpartei die absolute Mehrheit in der Abgeordneten-Kammer errang, berief König Ludwig II. nationalliberale und pro-preußische Minister.“ Ludwig II. ist einerseits ein romantischer Träumer, aber auch ein besessener Arbeiter gewesen. Ein Mensch der in keinen begrifflichen Rahmen und in keine Schablone passte. In Liebesdingen war Ludwig spröde und zurückhaltend. Er soll in die Kaiserin Elisabeth von Österreich zeitlebens verliebt gewesen sein, die Verlobung mit deren Schwester scheiterte, einmal an mangelnder Zuneigung seinerseits und daran, dass sich Sophie in einen anderen verliebt hatte. Nach der französischen Kriegserklärung 1870 an Deutschland handelte Ludwig entschlossen, griff die Franzosen erfolgreich an, beteiligte sich aber nicht an der deutschen Kaiserkrönung des Preußenkönig Wilhelm I. -, wohl aus verletztem Stolz. Des Königs Fahrt zur Generalprobe der „Bayreuther Festspiele“ im Jahre 1876 wurde sein letzter öffentlicher Auftritt. Der Schuldenberg des Künstlerkönigs war immens gewachsen, die wunderbaren Traumschlösser verschlangen große Summen, dass der König damit auch das Künstler- und Handwerkertum Bayerns förderte und unschätzbare Werte für die Seelen und Geister schuf, konnten die politischen Krämerseelen seiner Regierung nicht einsehen, sie leiteten die Entmündigung des Königs ein.

 

Er wurde in einem skandalösen Akt der Untreue und der Bösartigkeit am 08.06.1886 auf Betreiben der Regierung durch die Ärzte B. v. Gudden, Fr. W. Hagen, H. v. Grashey und M. Hubrich in einem wertlosen Zeugengutachten, ohne persönliche Untersuchung des Patienten, für „unheilbar seelengestört“ erklärt und am darauffolgenden Tag entmündigt. Ludwigs langjähriger Leibarzt Max Joseph Schleiß v. Löwenfeld wurde nicht gehört. Die kuriose Ferndiagnose war offensichtlich eine „Auftragsarbeit“ von Mächten im Hintergrund. Ludwig II. verhielt sich passiv, obgleich ihm Hilfen von mehreren Seiten angeboten worden sind. Ludwig war sich der Tragik wohl bewusst, dass mit ihm eine beinahe tausend Jahre währende Famlien-Linie zu einem Ende kam. Ludwig sagte Dr. Gudden nach seiner „Verhaftung“ ins Gesicht: „Wie können Sie mich für geisteskrank erklären, Sie haben mich ja vorher gar nicht angesehen ?“ Der König war zu keinem Zeitpunkt geisteskrank, paranoid oder schizophren. Im besonderen dem Irrenarzt Professor v. Gudden hatte Ludwig II. diese schmähliche Entwicklung zu verdanken. Der König war kein Kämpfer, er rang nicht um sein Leben und um seine Freiheit, er war fast zu einem der empfindsamen, weltfernen Feingeister seiner edlen Träume geworden. Aber er kannte das Los des Eingesperrtseins eines psychiatrisch Kranken, durch das miterlebte Schicksal seines Bruders Prinz Otto. Der König beschloss aus dem Leben zu scheiden, denn er war vom seelischen Weiterleben nach dem Tode fest überzeugt. Ob er seinen „Gefängniswärter“ in Schloss Berg, den Arzt v. Gudden, absichtlich mit in den Tod nahm oder nicht, bleibt des Königs Geheimnis. Oder wurde Ludwig II. sogar ermordet, wie es Rudolf Reiser in „Königsmord am Starnberger See“ darlegt ? Er wurde nicht weit vom Ufer entfernt am 12. Juni um 4 Uhr morgens gefunden. Sein Herz ist - wie das aller Bayern-Könige - am 16. August 1886 in die altgermanische Weihestätte Alt-Oding übertragen worden, die man heute „Gnadenkapelle von Altötting“ nennt.

 

Vieles, was dem König seinerzeit als Geisteskrankheit ausgelegt wurde, erscheint im Rückblick als von großer Einsicht getragen und visionär. Dazu gehört entschieden seine Abneigung gegen das Militär. Seine Schlösser begeistern heute Millionen von zahlungskräftigen Touristen aus aller Welt, sie bringen dem Land Bayern Ansehen hohe Einnahmen. Der von ihm geförderte musikalische Außenseiter Richard Wagner, gilt heute als größter Komponist seiner Zeit. Ludwig beschäftigte sich mit damals utopischen erscheinenden Entwürfen für Flugmaschinen. Doch fünf Jahre nach Ludwigs startete Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche. Sein „Umweltfimmel“ ließ ihn Bäume auf Herrenchiemsee vor der Abholzung retten, indem er die Insel erwarb und dort ein Schloss baute.

 

Der schönste Ludwig II.-Film, 1955, mit O.W. Fischer + Ruth Leuwerik

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