KELTEN- + GERMANEN-LAND

 
 
 
 

Keltischer „Glauberg“ mit Kalendarium, 450 v.0

Germanisches „König-Hinz-Grab“, 830 v.0

 

KELTEN- + GERMANEN-LAND
 
Du, Deutschland, altes Mutterland,
der Kelten und Germanen,
dein wahres Bildnis lang’ entschwand,
verkannt sind deutsche Ahnen.
 
Was schwätzte uns die Kirche vor,
das Licht käm’ aus dem Osten,
so lallt’ der Mönche Lügen-Chor,
doch alte Eisen rosten !
 
Zwar geht die Sonn’ im Osten auf,
doch Licht kam auch aus Norden,
die Weisheit ging wohl eig'nen Lauf,
ist vielerorts geworden.
 
Der Spaten bringt es an den Tag,
im Boden liegt die Kunde -;
der Frühzeit geistiger Ertrag,
ist bald in aller Munde.
 
Ob Deutschlands Norden oder Süd,
die Hügelgräber künden,
der Genius war niemals müd’,
tät wacker sich entzünden.
 
Die Himmels-Schau betrieben sie,
die Kelten und Germanen,
erforschten Gottes Harmonie,
und das Gesetz der Bahnen.
 
Zwei größte Künste gab es einst,
an denen hing der Herren Herz,
Kalender-Rechung, aller feinst’,
und die Bearbeitung von Erz.
 
Beides beherrschten unsere Alten,
die Kelten-Schwerter waren Klasse.
In Nord und Süd das gleiche Walten:
Der weise Geist, die weiße Rasse.
 
 

Die beiden auf urdeutschem Heimatboden gewachsenen großen Kulturkreise - der nordische und der süddeutsch-alpine - die wir mit den Sammelbezeichnungen Germanen und Kelten zu benennen pflegen, brachten beide ganz außerordentliche Kulturleistungen hervor, welche die deutsche Archäologie ans Licht beförderte. Zu den erstaunlichsten Schöpfungen zählen zweifellos die modernen Erkenntnisse des Spatenkunde hinsichtlich der alten - sowohl germanischen wie keltischen - Himmelsbeobachtungswissenschaften mit ihren großartigen Hinterlassenschaften.

 
DAS GERMANISCHE KÖNIGSGRAB VON SEDDIN
 
Erbauung des Königsgrabes von Seddin
 

Das „Königsgrab von Seddin” befindet sich ca. 11 km nordöstlich von Perleberg, südwestlich des Dorfes Seddin, im Brandenburgischen Landkreis Prignitz. Dieses germanische Hügelgrab von 830 v.0 unter den „Seddiner Bäumen“ gilt zu Recht als hervorragendes Zeugnis früher Herrschaftsbildung am Ende der Bronzezeit. Es handelt sich um eine Grabkammer, bestehend aus 9 Großsteinen, deren sorgsam geglätteter Wandverputz aus Lehm mit roter mäanderartiger Bemalung geschmückt wurde. Der Herrscher, etwa vierzigjährig, ist mit zwei jüngeren Frauen vermutlich gemeinsam bestattet worden. Die reiche Ausstattung, in Gestalt von wertvollen Metallsachgütern, sind unzweifelhaft im nordischen Kulturkreis verwurzelt. Dieses Grabbeigaben gehörten zur Ausstattung des Königs zu Lebzeiten: Ein Miniaturschwert, ein Tüllenmeißel, ein gehenkeltes Tüllenbeil, ein Ringgriffmesser, ein Rasiermesser, eine lanzettförmige Spitze, eine Pinzette, ein Stangenknopf und eine Tasse mit eingehängtem Ring. Allein diese Gegenstände deuten auf den hohen Status des Mannes hin. Vor fast 3.000 Jahren muss das gigantische Bauwerk als kuppelförmiger 10 m hoher Hügel, mit einem Durchmesser von 62 Metern, in der sanft gewellten Landschaft schon aus mehreren Kilometern Entfernung gut sichtbar gewesen sein. Der Leichenbrand des Mannes befand sich in einer Bronzeamphore, deren Buckeldekor als Kalendarium gedeutet wird (siehe Abbildung). Bei diesen Kalendergefäßen bedeutet der einfache Buckel als das Zeichen für den 24-Stunden-Tag. Die Summen der Buckel aus den Reihen und Abschnitten ergeben natürliche Zeitabschnitte wie etwa ein Mondjahr zu 354 Tagen oder ein Sonnenjahr mit 365 Tagen. All das lesen die Forscher aus dem Seddiner Dekor heraus. „Die Ringbuckel bilden als übergeordnete Einheiten größere Zeitabschnitte ab. Sie dienen als Bedienanleitung sowie der schnellen Lesbarkeit des kalendarischen Systems“, erklärte Dr. Krauskopf. Die Dekore beweisen den hohen Kulturstand bzw. die Materialisierung, Visualisierung und Beherrschung von Zeit.

 

Kalender-Urne des König Hinz

Nicht nur das Hügelgrab, auch die unmittelbar angrenzenden Flächen, die ganze Umgebung ist interessant. In unmittelbarer Nähe liegt eine 290 Meter lange, fast schnurgerade Feuergrubenreihe, bestehend aus gut 150 mit Steinen gefüllten, ungefähr 80 cm tiefen Gruben, deren Funktion noch nicht eindeutig geklärt ist. Nahezu in Sichtweite liegt in den nach ihrem damaligen Besitzer benannten „Wickboldschen Tannen“ das größte Hügelgräberfeld der Prignitz. Es bestand ursprünglich aus mehr als 100 Grabhügeln, die viel kleiner waren. Das mit etwa 40 Metern Durchmesser größte dieser Hügelgräber ist ein sogenanntes Schwertgrab, dessen Grabbeigaben nach Weltkrieg II. von Russen gestohlen wurde und heute in St. Petersburg und Moskau gezeigt wird.

 

DAS KELTISCHE KÖNIGSGRAB VOM GLAUBERG

 

Keltische hallstattzeitliche Fürstensitze im mitteleuropäischen Raum (ohne Nordhessen/Thüringen) und die keltischen Ausbreitungszüge.
 
Im 6-4 Jahrhundert v.0 waren Kelten (Wortbedeutung: „die Hochragenden / Mächtigen“) die Herren Mitteleuropas, ihre Machtstellung erwarben sie durch ihre Montanindustrie, das heißt vornehmlich, ihrer Könnerschaft der überlegenen Metallverarbeitung in Bezug auf Herstellung von Stahlwaffen und durch ihr Salzmonopol. Über 400 Jahre musste sich der Süden mit dem Keltentum auseinandersetzen, das zäh an seiner volklichen Eigenart festhielt. Nach dem Gewinn der Länder des heutigen Frankreichs (Gallien), Südenglands, Schottlands und Irlands erfolgte im späten 5. Jh.v.0 der Einbruch keltischer Vorstöße an fast allen Nordflanken der Mittelmeerländer von Spanien Oberitalien und Griechenland bis hinüber nach Anatolien, Kleinasien (Siedlungen der Galater). Ein Netz keltischer Siedlungen und Gaugrafenburgen überzog die weite Keltika. Einige sind: Steinsburg auf dem „kl. Gleichberg (Lkr. Hildburghausen/Thüringen), Kesterburg (heute Christenberg, Lkr. Marburg-Biedenkopf), Dünnsberg (bei Gießen/Hessen), Milseburg-Oppidium (Röhn), Heidetränk (Oberursel/Taunus), Altkönig (im Stadtgebiet von Kronberg/Taunus), Hühnerküppel (bei Langenbach/Taunus), Bad Nauheim (kelt. Salinenanlage), Glauberg (Gemeinde Glauburg), Hohmichele (Lkr. Bieberach), Heuneburg (Kr. Sigmaringen), Gießübel/Talhau (nördl. Heuneburg), Baumburg (Gem. Hebertingen), Bettelbühl (Gem. Hebertingen), Hohenasperg (bei Asperg), Cannstatt, Hochdorf (Kr. Ludwigsburg), Magdalenenberg (bei Villingen), Repperndorf (Lkr. Kitzingen), Hirschlanden (bei Ditzingen), Kilchberg (Kr.Tübingen), der Rauhe Lehen (bei Ertingen), Manching (bei Ingolstadt), Vix (Nordburgund), Dürrnberg (Hallein/Salzburg), Stierfelsen (Südmähren).
 
Der hessische Glauberg liegt am Ostrand der Wetterau und ist ein südlicher Ausläufer des Vogelsberges. Am Südhang des Glauberges fand sich ein riesiger - durch landwirtschaftliche Nutzung eingeebneter - Grabhügels in einem Getreidefeld. Später wurde noch ein zweiter Grabhügel entdeckt. Die reich ausgestatteten Gräber dreier keltischer Kriegerfürsten aus dem 5. Jahrhundert v.0. belegen die gehobene Stellung der Verstorbenen. Sie gehören zu den prachtvollsten, die aus dieser Zeit bekannt sind. Neben den Grabanlagen war die Entdeckung einer vermutlich überlebensgroßen Steinfigur des Königs (1.86 m hoch) die größte Sensation. Die bis auf die Füße vollständig erhaltene Statue trägt deutlich eine Haubenartige Kopfbedeckung die als „Mistel-Blattkrone“ gedeutet wird. Die Mistel besaß bekanntlich eine sehr hohe kultische Bedeutung. Die Figur des „Keltenfürsten vom Glauberg“ gilt als der bedeutendste Fund der Latènekultur in Hessen. Die Sandsteinfigur zeigt den Kriegerfürsten, gewappnet mit einem Kompositpanzer aus Leder oder Leinen, einem hölzernem Schild mit eisernem Schildbuckel und Randbeschlägen und einem Schwert an der rechten Seite. Nicht nur als Schmuck, sondern zugleich als Würdezeichen, Insignien, müssen der Halsring, Armring und Fingerring am rechten Ringfinger und drei Oberarmringe am linken Arm gelten. - Die gefundene Schnabelkanne (siehe Abbildung) des „hessischen“ Kelten-Königs ist mit rund 50 cm Höhe die größte unter den bisher bekannten. Drei verschiedene Metalle sind an ihr verarbeitet worden: Bronze, Kupfer und Eisen. Ihre Öffnung ist reich mit Tier- und Menschenfiguren verziert. Sie war von einem Tuch mit Karomustern umwickelt. Ihr Inhalt bestand einstmals aus einem Getränk aus vergorenem Honig, also Met. Auch diese wundervolle Kanne zeigt das keltische Genie in Bezug auf Metallverarbeitung. Zum Glauberg-Fundkomplex gehört ebenso ein köstlicher goldener Halsring, auch Lanzenspitzen und ein Schwert mit Scheide. Die keltischen Schwerter besaßen Klingen aus Stahl, der in einer Falttechnik hergestellt, hart und elastisch zugleich war.
 
Glauberg-Schnabelkanne
 
Die Sakralanlage vom Glauberg ist nicht wahllos in die Landschaft gesetzt worden, sondern nach astronomischen Gesichtspunkten. Der Grabhügel, mit der auf seinen Haupteingang zu führenden Prozessionsstraße, war nach dem Erscheinungspunkt des Mondes auf der Horizontlinie ausgerichtet. Nach etwa 9 Jahren vollzieht der Mond eine „kleine Wende“, nach nochmals 9 Jahren - exakt sind es insgesamt 18,61 Jahre - eine „Großwende“. Diese Phasen scheinen in keltischer Theologie und Ritus von einiger Bedeutung gewesen zu  sein. Der Grabhügel ist von einem Wall- und Graben-System umgeben. Die Prozessionsstraße war ca. 350 m lang und 10 m breit. Sie führte von Südosten auf den Grabhügel zu. Die seitlichen Gräben sind 3 m tief. Bei weiteren Grabungen im Umfeld der Grabhügel wurden Standspuren hölzerner Pfosten gefunden. Man vermutet, dass es sich dabei um einen frühkeltischen Kalender handelt. Bei der Rekonstruktion konnten markante Punkte wie der Wintersonnenwende-Punkt und bestimmte Mondwendepunkte nachgewiesen werden. Diese 16 Pfostenlöcher galten als rekonstruierbares Kalendarium, wie er einmalig in Europa sei. Davon rückten einige Forscher in der Folgzeit wieder ab. Von einem bestimmten Standpunkt aus markieren die Pfähle die Sommer- und die Wintersonnenwende. Der Wissenschaftler Bruno Deiss hält seine Kalender-Theorie durch die neuesten Erkenntnisse nicht für widerlegt, sie sei nach wie vor eine Interpretationsmöglichkeit. Die Pfähle hätten sowieso nie alle zu dieser Interpretation gepasst. Beim Grabhügel und der Prozessionsstraße haben aber sicher astronomische Ausrichtungen eine Rolle gespielt, meint auch Harald Meller, Landesarchäologe in Sachsen-Anhalt.
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