MARTIN LUTHER

 
 
MARTIN LUTHER
 
Nichts war so stark, dass es wachsen musst’,
wie der Freiheitswille in deutscher Brust.
Einer endlosen Kette von Helden stark,
stand der Freiheitswille in Blut und Mark.
 
Dafür gibt’s der Zeugnisse mehr als genug,
es begann mit dem Mann der die Römer schlug.
Durch Germanien hallte ein einziger Schrei,
dass die Knechtschaft nicht zu erdulden sei.
 
Und die deutschen Kaiser zogen gen Rom,
sie trutzten dem Pfaffen im Petersdom.
Die Städte gediehen im Bürgerfleiß -,
„Stadtluft macht frei“, wie ein jeder weiß.
 
Es wehrten sich Bauern gegen die Fron,
ihre Aufstände hofften auf Freiheitslohn.
Auch Ritter erhoben zum Bundesschwur,
um der Freiheit Willen die Schwerter nur.
 
Der herrlichen Geister sei ehrend gedacht,
die die Lichter gezündet um Mitternacht, 
als biblische Torheit die Hirne gelähmt’,
den Wahnsinn als heiliges Wort verbrämt’.
 
Die Wissenschaft war es, sie führte hinauf,
es war wie ein deutscher Stafettenlauf,
der dem Katholizismus entgegen trat,
Menschen beschenkte mit besserem Rat.
 
„Zurück zur Natur“, jene deutsche Idee,
als Antwort auf städtisches Ballungs-Weh,
ist wegweisend wie sozialistischer Kampf,
und Umwelt-Schonung vor giftigem Dampf.
 
Treu deutsch war des Luthers gerader Sinn,
der faustisch-gründlich, unbeugbar hin
und trutzig die Wahrheiten suchen lässt,
stünde dazwischen auch Pein und Pest.

Doch die größte Befreiung leisteten zwei,
Martin Luther war nur der eine dabei.
Er schlug nach dem römischen Drachenzahn,
sein Geist wies die Freiheit vom Vatikan.
 
Die Befreiung von Rom dem Luther gelang,
für alle die folgten dem deutschen Gang,
doch rang die Reform sich auch riesengroß,
des Orients Bibel die wurd’ sie nicht los.
 
So gebührt dem Luther wohl würdige Ehr’,
doch war er Etappe und niemals mehr !
Längst ist das Volk zum Letzten bereit -,
wann kommt der Geist der es ganz befreit ?
 
Der Luther gilt drum als das gute Fanal,
als Vorbild und Weiser aus Trug und Tal,
als ein Verkünder der Deutschen frommt,
des größeren Luthers der doch einst kommt.
 

Luther verbrennt die päpstliche Bulle - Bild von Paul Thumann

 

Martin Luther (1483-1546) war der gelehrte Mönch welcher durch sein standhaftes Eintreten gegen die unwürdigen Zustände der katholischen Kirche, eine Reformation auslöste die sich zu einer neuen Kirche verselbstständigte. Sein überzogener Purismus, nur die sog. „Evangelien“ gelten lassen zu wollen, führte tragischerweise zur Abschaffung der katholisch-synkretistischen Heidentümer in der alten Kirche. Seine größte Tat aber bleibt die Befreiung Nordeuropas vom ausbeuterischen Gängelband des Vatikans. Seine eigenmächtige Definition eines „gnädigen Gottes“, seine Schriften und Predigttexte, sowie seine Bibelübersetzung ins Deutsche, schufen ein freiheitlicheres Gegengewicht zum starren monoklerikalen Katholizismus, der seit der Spätantike die Geister beherrscht und erniedrigt hatte.

 

Luthers Eltern waren nicht sonderlich kirchenfromm. Sie ließen den Sohn die Mansfelder Stadtschule besuchen und danach für ein Jahr die Magdeburger Domschule und die Pfarrschule in Eisenach. Im Frühjahr 1501 begann Luther sein Studium an der Universität in Erfurt. Nach umfänglichen Studien entschied er sich, aus einem unerklärlichen plötzlichen Impuls heraus, Mönch zu werden. Luthers Sippe kam aus dem biederen Volkstum der Bauern und Handwerker, weshalb er auch eine große Resonanz bei den unverfälscht einfachen Leuten erleben dufte. Die Menschen sehnten sich nach größeren Freiheitsspielräumen. Im Spätsommer 1511 reiste er nach Rom. Der heils- und mithin bußversessene Luther legte in hier seine dritte Generalbeichte ab und erklomm auf Knien die „Heilige Treppe“ am Lateran, um Sündenvergebung für sich zu erlangen und seine verstorbenen Verwandten aus dem „Fegefeuer“ zu befreien. Den viel zu ernsthaft glaubenden Mönch musste der erlebte Unernst und Sittenverfall Roms fürchterlich abstoßen. Der Reformator wählte seine eigene Nachnamensform etwa seit 1512. Er leitete sie auch vom griechischen Wort für „frei“ ab und benutzte vorübergehend die daraus abgeleitete Form „Eleutherios“ (der Freie). In den weiteren Jahren hielt Luther Vorlesungen über „Psalmen“ und „Paulusbriefe“. 1514 wurde Martin Luther zum „Provinzialvikar“ ernannt und übernahm damit etliche Führungsaufgaben in seinem Orden. Das ihn zukünftig prägende Erlebnis der Freiheit empfand Luther mit seiner „Entdeckung“ - ja „Erleuchtung“ - eines Prinzips der Gerechtigkeit des Bibel-Gottes „sola gratica“ (allein aus Gnade). Unstrittig ist, dass Luther, in seiner angelernten Überschätzung der Schriften an sich, sein Erlebnis als große Befreiung empfand. In einer einsamen Meditation über den Bibelvers Röm 1,17 LUT habe er plötzlich etwas entdeckt, was sein schriftfixierter Geist angeblich seit einem Jahrzehnt vergeblich gesucht hatte. Die volksverdummenden „Ablassbriefe“ sollten den Gläubigen einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher Sündenstrafen im „Fegefeuer“ für sie oder für längst gestorbene Angehörige bescheinigen. Der bekannte dummdreiste Werbespruch des Johann Tetzel lautete: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“ Gegen diesen Umfug predigte Luther öffentlich. Am 04.09.1517 stellte Luther seine 97/95 Thesen vor, um ein klärendes Streitgespräch über die scholastische Theologie unter Fachleuten anzuregen. Am 31.10. schlug er die Rüge-Thesen am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg an. Dieser Gang in die Öffentlichkeit fand erregten öffentlichen Widerhall, der schließlich auch die Kirchenreformation auslöste. Der Ablasshandel war für ihn nur Anlass, um der allgemeinen Forderung einer grundlegenden Reform der ganzen Kirche „an Haupt und Gliedern“ Ausdruck zu verleihen.

 

1518 forderte die Kurie Luther nach Rom, um ihn als Ketzer in ihrer Drachenhöhle zu erledigen, doch der sächsische Kurfürst Friedrich III. / „Friedrich der Weise“ (1463-1525) deckte ihn, er wurde nicht ausgeliefert. Auch nach seiner Vorsprache auf dem Reichstag zu Augsburg lehnte Luther eine Widerrufung seiner Thesen ab und brachte sich durch Flucht in Sicherheit. Es kam vom 04. bis 14.07.1519 zum „Leipziger Streitgespräch“ mit seinem Widersacher Johannes Eck, der den Konflikt auf die Frage zuspitzte, Luther würde die bedingungslose Autorität des Papstes in Frage stellen. Dazu bekannte sich Luther, indem er erklärte, der Papst sei erst seit 400 Jahren echter Führer der Christenheit. Mit seinem freiheitlich-modernen Ausspruch: „Auch Konzile können irren“, erschütterte und erboste er die katholischen Sklavenseelen nachhaltig. Papst Leo schickte darauf eine Verurteilungs-Bannbulle, in der in perfider Manier Luthers Sätze aus dem Zusammenhag gerissen und verdreht worden sind. Luther antwortete mit seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ und reagierte gegen die Verbrennung seiner Bücher am 10.12.1520 mit der Verbrennung der Papst-Bulle vor dem Wittenberger Elsertor (siehe Bild). Er wurde daraufhin exkommuniziert. Am 17.04.1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms, sah seinem Tod ins Auge und lehnte doch ein Zurückweichen vor dem Kirchenterror ab, indem er sagte: „Ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ Er wurde geächtet und für vogelfrei erklärt, was einem Todesurteil gleichkam. Doch Fürst Friedrich der Weise beschütze ihn auf der Eisenacher Wartburg, wo Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte. So verderblich es war, den fremdländischen Geist ins deutsche Volk zu tagen, war es trotzdem eine große Befreiungstat der Volksaufklärung, für deren richtige Einordnung allein der Stand der Volksbildung damals noch nicht hinreichte. Es entstand das was als „Los von Rom-“ und „Wittenberger Bewegung“ um sich griff. Immer mehr freiheitlich gesinnte Menschen schlossen sich an, aus deren Geist gingen die reformierten Kirchen in Deutschland und der Welt hervor

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