SOLDAT DER MENSCHLICHKEIT

 
SOLDAT DER MENSCHLICHKEIT
 
 
Soldaten gibt es, die stehen auf Posten,
über den Grenzen in Westen und Osten,
sie stehen im großen Ringen vereint,
gegen der Menschen gemeinsamen Feind.
 
Gegen die Krankheiten zieh’n sie zu Feld,
mancher von ihnen war wahrlich ein Held.
Ich denk’ an Ernst Ferdinand Sauerbruch
an seine Leistung -, auch seinen Spruch:
 
„Der Tod ist einer der größten Herrn,
viele Menschen dienen ihm gar zu gern !“
Sauerbruch wollte dem Leben dienen -;
ein Menschenfreund auf Arztes Schienen.
 
Als Chirurg erfuhr vom Thorax-Problem
und erfand zur Lungen-OP das System
einer Brustkorböffnung nach seiner Idee,
einer Unterdruckkammer zur Thorax-OP.
 
„Sauerbruchkammer“ hat man’s genannt.
Der „Sauerbruch-Arm“, zur „Hüfnerhand“,
half zahllosen handlosen Kriegsversehrten,
ihr Leben erneut wieder aufzuwerten.
 
Sauerbruch in München, nach dem Krieg,
erlitt der Anarchisten heillosen Sieg.
Ein Kurt Eisner setzt’ die Regierung ab
ein Empörter stieß ihn darauf ins Grab.
 
Die Russen forcierten die Revolution,
aus Moskau gab Lenin Befehle schon.
Sauerbruch wurde zur Tötung ergriffen;
schon waren Mördermesser geschliffen.
 
Zehn wurden erschossen, doch er kam frei,
ein Russe half ihm: „Davai, Davai !“.
Wer Terror sät, wird den Terror ernten,
das war’s was Rote, dann Braune lernten.
 
Sauerbruch half jedem, ob arm oder reich,
ob er zahlen konnte, das war ihm gleich.
Für Zahllose wurd’ er ein gütiger Geber,
neue Hände schenkt’ er dem Hubert Weber.
 
Sauerbruch war ein Gesundheits-Soldat,
der Siege fürs Leben erfochten hat.
Das ist die bessere Weise zu fechten,
        und solche Erfolge sind doch die rechten !       
 
 
 
 
Ernst Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) war Arzt und gilt als der bedeutendste Chirurg des 20. Jahrhunderts. Sein Sohn, Peter Sauerbruch (1913-2010), war Berufsoffizier und erhielt 1943 das „Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes“. E.F. Sauerbruch studierte Naturwissenschaften in Marburg und Medizin in Leipzig. Ab 1903 arbeitete er im Krankenhaus Berlin-Moabit sowie an der Universitätsklinik Breslau, wo er J. v. Mikulicz-Radecki assistierte. 1905 hat es sich als Chirurg habilitiert, 1908 wurde er Professor und Oberarzt in Marburg, ab 1910 Direktor der chirurgischen Klinik und Poliklinik für Chirurgie in Zürich. Von 1918 bis 1928 arbeitete er an der Universität München, danach an der Berliner Charité. Nach einer Reihe missglückter Vorversuche gelang ihm 1904 in Breslau die Entwicklung einer Unterdruckkammer, dem sogenannten „Druckdifferenzverfahren“ für die Thoraxchirurgie, dadurch wurden Operation am offenen Brustkorb möglich. Es war im Juli 1904 als er in Breslau einen Patienten erfolgreich in seiner Unterdruckkammer an einem Speiseröhrentumor operierte. Die Kammer war beweglich; in Offenbach wurde 1914 die erste fest installierte errichtet. Im Jahre 1916 entwickelte er eine bewegliche Handprothese, die sog. „Sauerbruch-Hand“. Jacob Hüfner war ein Feinmechaniker und Erfinder, der bei Sauerbruch als Orthopädietechniker tätig war. Er entwickelte am Ende des Weltkriegs I. für armamputierte Kriegsteilnehmer einen Mechanismus, der Muskelbewegungen auf Daumen und Zeigefinger übertrug und konstruierte eine mechanische Ersatzhand, die sogenannte „Hüfnerhand“. Diese wurde später von Sauerbruch zum „Sauerbrucharm“ weiterentwickelt. Auch in München, wo Sauerbruch nach dem ersten Weltkrieg eine Unterdruckkammer erbauen ließ, konnte er seine Verfahren ebenso anwenden.
 
 
Nach Ende des Weltkrieg I. prallten auch in München vaterländische Gruppen mit Linksradikalen aufeinander, die sich - nach Sicht der Rechten - in landesverräterischer Weise an der Sowjetunion orientierten und eine „Rote Armee“ aufstellten, getreu den Empfehlungen, die Wladimir Iljitsch Lenin telegrafisch aus Moskau schickte. In der Nacht zum 08.11.1918 hatte der führende Kopf der revolutionären Umwälzungen in Bayern, ein Kurt Eisner von der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), in der ersten Sitzung der „Arbeiter und Soldatenräte“ im Bierkeller des „Maltäserbräu“ die „Republik Bayern“ als „Freistaat“ ausgerufen und das Königshaus-Wittelsbach für abgesetzt erklärt. Die linkssozialistischen USPD, in enger organisatorischer Beziehung zum „Spartakusbund“ stehend, darf man als eine Art Vorläuferorganisation der KPD bezeichnen, sie hatte Massenstreiks im April 1917 und Januar 1918 organisiert -; ihr bayerischer Vorsitzender Kurt Eisner organisierte im Januar 1918 einen Streik von Münchner Munitionsfabrikarbeitern. Sie ging schließlich in den die SPD links überholenden Organisationen der KPD und SAP auf. Nachfolger Eisners im Vorsitz der USPD wurde Ernst Toller, der zwar stets als äußerst liebenswürdiger „Pazifist“ beschrieben wird, aber mit der bösartigen antideutschen Ironie seiner Schrift „Der entfesselte Wotan“ (1923) 1.) - die er selbst als „Komödie“ bezeichnete - ein entlarvendes Psychogramm geliefert hat. Man darf diese „Komödie“ als ein schamlos-hassvolles Pamphlet einstufen. Die Aktivitäten Eisners  musste den Unmut aller konservativen Kreise erregen. Kurt Eisner, wohl wahrhaft ein pazifistischer Literath, der aber separatistische Fantasien der Loslösung Bayerns vom Reich hegte, hatte sich mit seiner unnötigen Veröffentlichung der geheimen Gesandtschaftsberichte der bayerischen Regierung, womit er die von den Alliierten behauptete deutsche Hauptschuld am Krieg zu bestätigen versuchte, vollends außerhalb jeden Anstandes einer deutschen Loyalität gegenüber den böswilligen Kriegssiegern gestellt. Er machte sich damit willentlich selbst zum Hassobjekt. Es entwickelte sich daraus ein Bürgerkriegszustand. Eine überwiegend anarchistische Minderheit kürte Kurt Eisner zum ersten Ministerpräsident Bayerns, nach dem Sturz der Monarchie. Da König Ludwig III. nie auf den Thron verzichtete, war der ganze umstürzlerischen Spuk ein illegales Provisorium. Bei den Bayerischen Landtagswahlen vom 12.01.1919 erhielt Eisners USPD lediglich 2,53 % der Stimmen, während Auers SPD 33 % erhielt, trotzdem klammerte Eisner bis zum 21.02., dem Tag, an dem er sich zum Rücktritt bequemen wollte. Wobei festzuhalten ist, dass die Vertreter von bestenfalls nur einem Drittel der bayerischen Bevölkerung, sich angemaßt hatten, das Herrscherhaus der Wittelsbacher abzusetzen und eine Republik auszurufen ! Zum Rücktritt Eisners kam es nicht mehr, der Jude Eisner wurde von dem Halbjuden Anton Graf von Arco auf Valley erschossen, welcher dafür patriotische Beweggründe angab: „Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.“ (Ich erwähne das Judentum, weil dieses damals von immenser Bedeutung schien.) Der eigentlich monarchistisch bzw. zur „Bayerischen Volkspartei“ tendierende junge Graf v. Arco war von der „Thule-Gesellschaft“ abgewiesen worden und wollte durch diese Tat seine nationale Gesinnung beweisen. Einer NS-Gesinnung stand er völlig fern, wie sein späterer Lebenslauf hinreichend bewies. Der Eisner-Attentäter ist sofort von beiden Eisner-Leibwächtern niedergeschossen und festgenommen worden und wurde allein durch eine ungewünschte Notoperation Sauerbruchs gerettet. Zwei Stunden nach dem Eisner-Mord stürmte der linksradikale Mitbegründer des „Revolutionären Arbeiterrates“ Alois Lindner in den Landtag und erschoss den Major Paul Ritter von Jahreiß (auch der Abgeordnete Heinrich Osel von der „Bayerischen Volkspartei“ wurde tödlich getroffen), und schoss den SPD-Innenminister Erhard Auer nieder, den er verantwortlich für den Mord an Eisner hielt. Die ärztliche Versorgung der beiden schwer Schussverletzten nahm Chirurg Sauerbruch vor, wobei die Einlieferung des Innenministers Auer vom Parlament aus direkt erfolgte, während Graf v. Arco etwas später auf den OP-Tisch gelangte. Während Sauerbruch diesen im Operationssaal versorgte, stürmte ein linksradikaler Mob (USPD-ler ?) das Krankenhaus, forderte die Herausgabe des Mannes, um ihn zu erschießen. Sauerbruch wollte das nicht zulassen. Als diese Männer bekannt gaben, der Mann sei bereits zum Tode verurteilt worden, soll der Arzt wörtlich gesagt habe: „Eine Regierung, welche Todesurteile ohne Gerichtsverhandlung anordnet, ist keine Regierung, das ist ein Sauhaufen !“ Als sich Sauerbruch ein derartiges gesetzloses Treiben hartnäckig verbat, wurde auch er mitgezerrt, in einen Verschlag gesperrt und ihm die Erschießung kurz nach Mitternacht angekündigt. Er hörte im Keller die Schreie von Ermordeten, da erschien ein russischer Kommissar, führte ihn auf die Straße und ließ ihn laufen, und zwar aus dem Grund, weil Sauerbruch in Zürich seiner Mutter medizinisch geholfen und den jungen Russen kostenlos seine Vorlesungen hatte hören lassen. Die Lage erhitzte sich weiter. Im April 1919 löste eine kommunistische Räterepublik die anarchistische ab. Eine Abteilung deren „Rote Armee München“, unter dem Kommando von Rudolf Egelhofer, benutzte das Luitpoldgymnasium an der Müllerstraße als Kaserne. Hierher schleppte am 26.04.1919 der „Vollzugsrat der Kommission zur Bekämpfung der Gegenrevolution“ 22 sog. „Geiseln“, pferchte sie in einem Keller zusammen und ermordete schließlich kurz nach Mitternacht zum 30.04. folgende Bürger: Ernst Berger, Anton Daumenlang, Walther Deike, Walther Hindorf, Fritz Linnenbrügger, Walter Neuhaus, Friedrich von Seydlitz, Franz von Teuchert, Gustav von Thurn und Taxis sowie Frau Hella von Westarp. Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schrieben dazu am 03.05.1919: „Die Ermordung erfolgte vor Mitternacht im Garten des Luitpoldgymnasiums. Die Geiseln wurden an die rückwärtige Wand gestellt. Den Befehl zum Feuern gab ein Mann der Roten Armee namens Seidl. Da sich die Soldaten des Leibregiments weigerten zu schießen, wurden auch Russen veranlasst, die Ermordung auszuführen. Einige der Geiseln wurden durch Kolbenschläge und Bajonettstiche getötet. Unter den Ermordeten befand sich auch eine Frau. Die Leichen wurden beraubt und derart verstümmelt, dass sie bisher mit Ausnahme von dreien noch nicht erkannt werden konnten. Bei zwei Leichen fehlt die obere Hälfte des Kopfes. Die Leichen wurden in das gerichtsmedizinische Institut gebracht …“ - Der politisch neutrale Sauerbruch operierte den Eisner-Mörder Graf v. Arco auf Valley ebenso wie den SPD-Vertreter Erhard Auer. Auch behandelte er Menschen die am 8./9. November 1923, beim Münchener „Marsch auf die Feldherrenhalle“, von der Polizei zusammengeschossen worden sind -; darunter A. Hitlers verletzte linke Schulter. Im Kriegsend-Chaos operierte er verletzte Russen, während er von schießwütigen Kommissaren bedroht wurde und fast erschossen worden wäre (die Kugel schlug zu seinen Füßen ein).
 
 
Von 1932 bis 1950 war Sauerbruch Vorsitzender, Ehrenmitglied und Ehrenpräsident der Berliner Chirurgischen Gesellschaft. 1933 schrieb Sauerbruch, mit anderen Ärzten zusammen, die Botschaft „An die Ärzteschaft der Welt“, als ein „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler“. Auch war Mitautor des im gleichen Jahr erschienenen Sammelbandes „Deutschland fordert Gleichberechtigung“. 1943 wurde ihm das „Ritterkreuz mit Schwertern des Kriegsverdienstordens“ verliehen. Nach dem Krieg setzte die Sowjetische Militärverwaltung Sauerbruch als Berliner Stadtrat für das Gesundheitswesen ein. Zum Ende 1945 ist er aber vom „Alliierten Kontrollrat“, unter dem Vorwurf, in der „Zeit des Nationalsozialismus  zur Steigerung des Ansehens der nationalsozialistischen Diktatur beigetragen zu haben“, ausgemustert worden. Sauerbruch bemühte sich um „Rückbesinnung auf Menschlichkeit und Demokratie“. Ein Beispiel für Sauerbruchs Erfolge: „Einer seiner Patienten war der Kunstmaler und Bildhauer Hubert Weber, der im Krieg beide Hände verloren hatte. Er wurde innerhalb eines Jahres zehnmal operiert, wobei Sauerbruch alle wichtigen Operationen selbst ausführte. Dabei wurde der linke Oberarm auf einer Länge von 17 cm mit dem halben Schienbein überspannt. Eine erfolgreiche Überspannung in dieser Größenordnung war zur damaligen Zeit eine einmalige Leistung. Nachdem zuerst der rechte Arm soweit wiederhergestellt war, dass Hubert Weber eine willkürlich bewegliche Sauerbruch-Prothese tragen und bedienen konnte, begann er zu zeichnen. Sauerbruch war von seinen Federzeichnungen beeindruckt und nahm seinen Patienten häufig mit in den Hörsaal, wo er ihn seine neu erworbenen Fähigkeiten demonstrieren ließ. Als der noch schlimmer verletzte linke Arm wieder so weit hergestellt war, dass Hubert Weber auch links eine willkürlich bewegliche Sauerbruch-Prothese tragen konnte, begleitete er Sauerbruch auf Kongresse, um dort seine Bewegungsmöglichkeiten mit den neuen Händen zu demonstrieren. Sauerbruch erkannte das Talent und auch die Beharrlichkeit Hubert Webers und riet ihm, Kunst zu seinem Beruf zu machen. Mit Sauerbruchs Hilfe konnte Weber bereits während des Heilungsprozesses an der Reimannschule in Berlin einen Einführungskurs als Vorbereitung für sein späteres Kunststudium absolvieren.“ - Ein sehenswerter Film - in Anlehnung an seine eigene Lebensbeschreibung - informiert über den großen Arzt: „Sauerbruch - Das war mein Leben“, 1954. Es gibt Kritiker - wie allgemein üblich - die E.F. Sauerbruch weniger positiv beurteilen möchten und den Film als „geschönt“ bewerten. - Siehe dazu auch Werner Podszus, „Große Charite-Ärzte in Krieg und Frieden“, 2000 - Der Verfasser war meist an der Seite Prof. Sauerbruchs als Leiter der Verwundetenunterbringung tätig.
 
Bild: E.F. Sauerbruch als Generalarzt, 1943
 
 
 
„Black-Hill“-DVD „Sauerbruch - das war mein Leben“, 1954,
Bestellnummer: 90166695
 
 
1.) Handlungsanriss des niveaulos-schäbigen Stücks von Ernst Toller, mit dem er im Jahre 1923 den deutschen Volksgeist schmähte: Der Kleinbürger Wilhelm-Dietrich Wotan, ein erfolgloser Friseur der sich zu Höherem berufen fühlt, nämlich mit dem Ziel, Europa im brasilianischen Urwald zu retten, findet Anhänger im stellungslosen Kaufmann Schleim und dem Offizier a.D. von Wolfblitz. Die Heldenfahrt des Urwald-Diktators Wotan endet unter dem Tisch, wo er sich vor dem wütenden Volk versteckt.