ULRICH VON HUTTEN

 
ULRICH VON HUTTEN
 
Die Anmaßung, das Herrsch-Diktat,
von Romas Dirnen, Romas Knechten,
das hat ein Ritter frisch gewagt,
mit Vers und Feder zu befechten.
 
Was die Deutschen - verblendet, verzagt -
im Herzen begruben zur argen Schmach,
der Ulrich von Hutten hat es gesagt,
als er das trostlose Schweigen brach.
 
Der Pfaffen-Terror ins Maßlose stieg,
Germanien geknechtet und ausgesaugt.
 „Dunkelmänner“ führten den Krieg,
der Knechtung geistiger Freiheit taugt.
 
Deutsches Silber in römischen Kästen,
römische Huren und römisches Gift,
Päpste die sich am Raubgut mästen,
frönten des Daseins weltlicher Drift.
 
Hutten erlebte Schurken und Schelme,
wie römische Sittenverderbnis erblüht’,
wie Heuchler, gerüstet im Eisenhelme,
um heiligen Nimbus sich abgemüht.
 
Zum „Pfaffenkrieg“ rief der Hutten auf.
Er rief’s mit deutschen Worten hinaus:
„Bauer und Burgherr auf hohem Stauf,
vereinigt Euch zum Befreiungs-Strauß !“
 
Brecht der Pfaffen fremdgeistige Macht !
Gut hatte Hutten das Unheil erkannt,
und hätte er seine Pläne vollbracht,
wär’ wohl gerettet das deutsche Land.
 
Der Luther ging nur den halben Gang,
der von Sickingen unterlag zu rasch,
kein Fürst erfühlte den Freiheitsdrang,
die räkelten sich in den Pfründen lasch.
 
Fast sind die Freiheitsrufe verstummt,
weil weder Führer noch Retter obsiegt’,
so wühlen Dunkelmänner, vermummt,
bis Germanien gemordet zu Tode liegt.

 

 

Der treue „Reichsritter“ Ulrich von Hutten (1488-1523) wurde aus hessischem Adelsgeschlecht auf der Höhenburg Steckelberg, bei Schlüchtern, nordöstlich von Ramholz, geboren. Sein vom Vater zugedachtes Leben als Mönch des Klosters Fulda, entsprach nicht den Erwartungen des sanguinischen Ulrich. Aussprüche von Hutten wie diesen: „Die Ideen prallen wie Lanzen aufeinander. Es ist ein Vergnügen zu leben“, zeigen seine geistesstarke, kämpferische Grundnatur auf. Er studierte in Erfurt, wo er den hessischen Dichter Eobanus Hessus kennenlernte, der sich an der Abfassung der „Dunkelmännerbriefe“ („Epistolae obscurorum virorum“) beteiligte, die ihren ätzenden Spott über die törichten christlich-mönchischen Scholasten ausschütteten. Auslöser für diese veräffend nachgestellten Briefe von christlich-universitären Flachköpfen war der Streit der Kölner Dominikaner-Mönche mit Johannes Reuchlin um die Frage, ob die umstrittenen jüdischen Texte, wie die des „Talmud“, verbrannt werden sollten oder nicht. Verbot und Verbrennung verlangten exzessiv die „Dunkelmänner“, wie der konvertierte Jude Johannes Pfefferkorn, scholastische Kleriker, kirchliche Theologen, Inquisitoren, auch die Universität von Paris -, während Reuchlin und seine deutschen humanistischen Freude für deren Erhalt eintraten. In Wittenberg verfasste Hutten eine Lehrschrift über die Verskunst („De Arte Versificandi“). In Frankfurt erwarb er einen akademischen Grad, reiste über den Wiener Aufenthalt nach Italien, Venedig, Pavia und begann 1512 in Bologna sein Jura-Studium. Der junge Hutten hat sich wohl hier mit der Lustseuche Syphilis infiziert, der sog. „ Franzosenkrankheit“, die 1493 von Matrosen des Kolumbus aus Lateinamerika eingeschleppt worden war und im darauffolgenden Jahr schon unter den Söldnern des französischen Königs Karl VIII. in Neapel ausbrach. Hutten scheint in die von Frankreich verursachten sog. „Renaissance-Kriege“ verwickelt worden zu sein und sich zeitweilig als kaiserlicher Söldner durchgeschlagen zu haben. Zurück in Deutschland, traf er den Gelehrten Erasmus von Rotterdam, dem er sein Manuskript der „Dunkelmännerbriefe“ zur Durchsicht übergab. Ab 1515 war Hutten erneut für zwei Jahre in Italien. Kaiser Maximilian I. zeichnete ihn 1517 mit dem Preis der „Dichterkrone“ aus. Seine umsichtige Anteilnahme am aktuellen Politgeschehen ließen ihn 1518 eine öffentliche Mahnung („Ad principes Germanos ut bellum Turcis inferant“) verfassen, worin er die deutschen Fürsten aufruft, ihre Streitigkeiten beizulegen, um sich gemeinsam der Türkengefahr zuzuwenden. Die Türken, als aggressives asiatisches Räubervolk, hatten während des 15./17. Jhs. ihre Osmanische Reichsmacht erschreckend ausgedehnt. Huttens Dienstherr, des großmütige Mainzer Erzbischof, ließ ihm offenbar ausreichend Freiraum, um sich weiter der Schriftstellerei zu widmen. Im Jahr 1519 beteiligte Hutten sich an einer Familienfehde gegen Herzog Ulrich von Württemberg. -- Ulrich von Hutten hatte das heuchlerische, schändliche Treiben der Kleriker allgemein und des Papsttums in Italien zur Genüge kennengelernt und - seiner Art entsprechend - mit spitzer Feder angeprangert. Er wurde zum Fundamentalisten und strebte ein radikales Reinemachen des Kirchensaustalles an. Huttens begann seinen „Pfaffenkrieg“. In Form eines Befreiungsschlages hoffte er auf das Zusammengehen von Volk und Fürsten zur Beseitigung der geistlichen römischen Fremdherrschaft auf deutschem Boden. Hutten verfasste Aufrufe an die deutsche Nation, sich dem Kampf gegen die sogenannten „Kurtisanen“, also die Profiteure der säkularen Herrschaft der Kurie, anzuschließen. Um dieses Ziel zu erreichen verfasste Hutten bald seine Propagandaaufrufe nur noch in Deutsch. Von den Zeitgenossen wurde er deshalb an die Seite des ebenso kämpferischen Martin Luther gestellt. Hutten fand in den machtvollen Rittern Franz von Sickingen und Götz von Berlichingen Gesinnungsgenossen. Eine Fürstenopposition machte die Hoffnungen zunichte und der mit der Reichsacht belegte Hutten musste in die Schweiz fliehen, wo er, von dem Reformator Huldreich/Ulrich Zwingli beschützt, auf der Insel Ufenau im Zürchsee, verstarb.

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