HYPATHIAS TOD

 

 

HYPATHIA

Alexandria, brodelndes, steinernes Meer,
um die Füße der Säulen Urin und Kot.
Ein Gluthauch weht von der Wüste her,
über Luxus, Hochmut und Bettel-Not.

In den Judengassen wächst ein Dämon,
da schwelt er hervor aus manchem Bau,
einen Juden glaubt er als Gottessohn
und triebhaft hasst er die Griechen-Frau.

Das griechische Weib, ist so hell und frei,
den schwarzen Mönchen ein Augen-Dorn,
in hassvollen Seelen echot der Schrei,
wann wagt er sich vor, der „heilige Zorn“ ?

Sie deuten mit Fingern auf Text und Wort,
des fanatischen Saulus absurd
es Gebot,
die Parabalanis, sie hecheln auf Mord:
„Tötet das Weib, das Weib ist der Tod !“

Der paulinische Wahn ist ein Ruf zur Tat,
jener Bischof Kyrill salbadert und hetzt:
„Mordet Hypathia“, so lautet sein Rat,
„dies Weib hat Gebote des Herrn verletzt.“


Die Frau soll schweigsam bescheiden sein,
so hat es der Saulus aus Tarsus gelehrt,
Hypathia doch schimmert im Glorienschein,
als Ausbund der Weisheit wird sie geehrt.

„Diese Frau ist zu eitel, sie muss hinab,
so griechisch ist sie, zu schön und blond,
schafft ihrem falschen Vorbild sein Grab,
dass kein Gottes-Tag ihren Fluch besonnt !“


Wie ein Wolfsrudel griffen die Mönche an,
schabten mit Scherben das Fleisch ihr weg.
Das christliche Grauen nahm seinen Gang,
es riss alles Hohe herab in den Dreck.

Die Kirchen-Geschichte ist blanker Hohn,
in Wahrheit griff das Gesindel zur Macht.
Fanatischer Dummheiten Rebellion,
hat weder Gott noch das Gute gebracht !
 
PS: Alexandrien, damals die größte Metropole der Welt, war eine griechisch-mazedonische Stadtgründung. Ihrer gebildeten und begüterten ptolemäischen Oberschicht stand die zunehmende Menge der Habenichtse und Sklaven gegenüber, eines unruhigen aufbegehrenden Großstadtgesindels. Diese Unterschichten griffen, von kommunistischen Impulsen motiviert, begierig die revolutionäre paulinische Lehre von einem vergötterten jüdischen Zimmermann auf, der angeblich verkündet hätte, alle Menschen seien gleich wert vor dem Judengott Jahwe und somit dessen Anbetung einforderte. Diese judäo-christliche Sekte wurde von der jüdisch-orthodoxen Kirche (Synagoge) als irrgläubig verurteilt und hartnäckig bekämpft -, sie setzte sich darum hauptsächlich bei Nichtjuden durch. Die Hypathia (355-416) aus Alexandria war eine hoch angesehene griechische heidnische Mathematikerin und Philosophin. Ihr Vater war der weise Theon. Sie unterrichtete öffentlich und vertrat den Neuplatonismus. Nach judäo-christlicher Lehre ist das Weib durch seine Lüsternheit der weltliche Fallstrick des Mannes und bewirkt seine Gottferne und mithin seinen Seelentod (siehe Erbsünden-Lehre). Die griechisch-hellenistische Frau der Spätantike war sehr frei und dem Manne gleichgeachtet, was dem völlig entgegengesetzen jüdisch-rabbinischen Denken des Christenkirchen-Stifters Schaul-Paulus fremd und zuwider sein musste, das kann den diversen Textstellen seiner Briefe auch entnommen werden. Ein Vorbild der hohen, weisen Frau vertrug sich also nicht mit der christlichen Lehre des „heiligen Paulus“ von der Minderwertigkeit der Frau, so dass der fanatische „heilige Kirchenvater“ und „Kirchenlehrer“ Kyrill I. (375-444), Patriarch bzw. Bischof von Alexandrien, den Vorgaben des Paulus folgend, gegen die freizügige Art der Alexandrinerinnen predigte und hetzte und schließlich seine mönchische Terror- und Mörderbande, die Parabalani, anstachelte, auch das „schlechte Vorbild“ Hypathia aus dem Weg zu räumen. Der aufgehetzte christliche Mob schleppte sie in eine Kirche und ermordete sie dort, indem sie mit Muschel- und Keramikscherben zerstückelt wurde. Es ging den Christen aber eigentlich um mehr, es ging um die Auslöschung jeder nichtchristlichen geschmähten heidnischen Weisheit und Wissenschaft überhaupt, es sollte allein die jüdische Bibel die zukünftige geistige Welt ausrichten dürfen. Deshalb verbrannten Christen auch die wunderbare Bibliothek von Alexandrien; es war die größte der damaligen Welt. Die weitgehend gelungene Auslöschung der heidnischen Wissenschaften, und die christenkirchlich erzwungene alleinige Weisungsbefugnis der Bibel, warfen das geistige und sittliche Europa um viele Jahrhunderte zurück und machte in der Neuzeit die Frauenemanzipation erforderlich.

Bilder: Ikonenbild des geheiligten Mordhetzers Kyrill I. und Hypathia unmittelbar vor ihrer Ermordung von Charles William Mitchell
 
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Die schöne weise Griechin Hypathia lebte etwa von 370 bis 415. Sie war eine hochgewachsene, blonde, elegante, schlanke, wunderschöne Frau, die in langen weißen weichen Gewändern daher schritt. Sie muss einen umwerfenden Eindruck in jedem Männergemüt hinterlassen haben.

Die Heiden waren stolz auf sie und verehrten sie wie eine Göttin. Sie war Mathematikerin und Philosophin, Tochter des Mathematikers Theon von Alexandria. Wenn sie in die Hörsäle der Universität trat, die überfüllt waren von wissbegierigen Schülern aus aller Herren Länder, erhoben sich die Massen und gaben ihr minutenlange Ovationen. Als Vorsteherin des Museions war sie auch Direktorin und hatte solch eine Fülle von Verpflichtungen, dass es manchen Mann erstaunte was sie tagtäglich zu leisten fähig war. Ihr Hauptunterrichtsgebiet war die neuplatonische Lehre im Sinne des späteren Philosophen Iamblichos, der das hohe Wissen der Alten in dieser christlichen Niedergangszeit noch einmal zusammenfassen konnte. Hypathia schrieb zusätzlich Bücher, es waren Kommentare zu Apollonios von Perge und Diophantos. Leider sind sie verschollen, mit Sicherheit wurden sie von christlichen Fanatikern verbrannt.

Diese große Heidin war dem christlichen Pöbelhaufen natürlich ein Dorn im Auge. Der Bischof von Alexandrien, ein kleiner untersetzter schielender Fettwanst, der einen Hass auf alle Schönheit und insbesondere gegen alle Frauen in seinem hässlichen Herzen trug, hetzte unablässig in seinen Predigten. Wenn dann im schummrigen Dunkel, beim Kerzengeflackere der dunkle würdelose Christenhaufen beisammen hockte, schwoll die Gier nach der hohen fraulichen Reinheit der Hypathia ebenso an, wie der Wunsch diese Frau herabzuzerren auf die eigene niedere Ebene. Krampfhaft arbeiteten die armen christlich verseuchten Gehirne, was man ihr antun könne. Alle sollten zu dem neuen Judengötzen beten, alle vor ihm niederfallen, genau wie diese Strolche, die Wegelagerer, Taschenfingerer, Huren, Kleinhändler, Bettler und Tagediebe, kurz, das ganze Großstadtgesindel der Metropole Alexandrien.

Nach einer besonders aufhetzenden Predigt des Bischofs stürmte die Menge hinaus ins grelle Mittagslicht, sie rannten zu den hohen Säulenhallen des Museions, man wollte die Lehrerin in einer Vorlesung stören, dazwischenschreien, Lärm machen, sie auffordern doch endlich auch Christin zu werden. Das schmierige zerlumpte Volk hatte sich unterwegs herumliegende Muschelteile und Keramikscherben vom Boden aufgelesen, die trugen sie in den Händen mit hochroten verschwitzen Gesichtern, stinkenden Leibern und im Herzen den christlichen Wahn ihrer Besonderheit. Da schritt in diesem Augenblick die hohe weiße Hypathia zufällig aus einer Nebengasse kommend eilends auf die breiten Stufen, um hinauf zu eilen ihren Amtsgeschäften und Pflichten zu. Sie grüßte das Pöbelvolk freundlich, wie es ihre umgängliche Art war. Doch die Ersten, gedrängt von den Hinteren, stießen schon nach ihr, griffen mit unsauberen Händen nach ihrem Umhang, einer gierte nach ihren langen schlanken Beinen, ein anderen gar griff schon mit wüster schmutziger Krallenhand in ihr langes Blondhaar hinein. Er riss unvermittelt ihren Kopf weit zurück und schrie ihr mit üblem Atem etwas von „Jesus Christus“ ins Gesicht. Dann fiel die ganze Meute wie eine Rattenschar über sie her, jeder wolle ihren Leib betasten und sie hatten die scharfen Muscheln in den Händen, sie zerschnitten den Körper in tausend kleine Fetzen. Es war ein Schreien und Johlen und ein Halleluja-Jauchzen über dem ansonsten menschenleer ausgestorbenen Platz. Dann verlief sich die Rotte mit frommem Gefuchtel ihrer Arme, sie hoben die Fleischfetzen zum Himmel empor, ihrem Götzen entgegen. Wie sie meinten und erhofften, würde ihnen einstige hohe Belohnung für diese grausliche Tat zuteil werden. Der Bischof und der von ihm verkündete „Gott“ würden mit ihnen zufrieden sein. Nur ein blutbesudeltes Gerippe und weithin führende Blutspuren blieben auf den in der Sonne gleißenden Marmorstufenbänken zurück.

Diese Tat war ein Fanal, ähnliches geschah bald im weiten sich christlich gebärdenden Römerreich, aber die Wissenschaften starben. Die Mathematikerschule schloss ihre Pforten, kein Lehrer getraute sich angesichts solcher Verrohungen noch zu lehren. Das christliche, das wahnsinnige schwarze Zeitalter hatte seinen Anfang genommen ! An einem Tag im Juli soll es gewesen sein -, wir gedenken mit Trauer und Schmerz der Hypathia.
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