MATHILDE SPIESS-LUDENDORFF

 

MATHILDE SPIESS-LUDENDORFF
 
Eine große Gestalt der Geschichte,
eine Frau wie aus uralten Mären -;
ihre innigen Gottes-Gesichte,
vermochte sie uns zu erklären.
 
Entstammt einer christfrommen Sippe,
zerschlug sie die Fesseln der Wahnes,
begriff jenes dürre Gerippe,
Fährmann des kirchlichen Kahnes.
 
Von Jesu-Christ die Erlösung,
drum hat sie studiert und gerungen,
bekämpfte die Torheit und Bösung -,
gut sind ihre Werke gelungen !
 
Verzerrt wohl im Urteil der Zeiten,
erscheint sie, die hohe Gerechte,
ein Hexenmal mochten bereiten,
ihr die „Überstaatlichen Mächte“.
 
Doch die Gotterkenntnis der Heilung,
aus dem Ur-Quell völkischer Kräfte,
reicht sie bei trauter Verweilung,
am Flusse blut-eigener Säfte.
 
Als Mägdlein begannen die Träume,
im Taunusdörflein, dem armen,
in Bechtheim der Apfelbäume,
begann sie dem Volk sich erbarmen.
 
Dann als Ärztin ging sie die Wege,
das Seelen-Gesetz zu durchschauen,
wurde Heilrätin jeglicher Pflege -,
ein leuchtendes Vorbild den Frauen.
 
Ihre Sehnsucht galt einer Seele,
zur Werkgemeinschaft des Fleißes,
mit der sie sich glücklich vermähle,
für’s Ringen des geistigen Preises.
 
Jene Suche vermocht’ ihr gelingen,
Erich Ludendorff konnte entsprechen,
so will ich die beiden besingen -,
mög’ niemals ihr Glaube zerbrechen !
 
 
 

Mathilde Spieß (1877-1966), die spätere Frau des General Ludendorff, war eine in Wiesbaden geborene Lehrerin, Ärztin, Psychologin und Schriftstellerin. Bei ihrem Onkel Karl, dem Pfarrer im Untertaunusdörfchen Bechtheim, erlebte sie die Beschränktheit eines kleinbürgerlichen Pfarrhauses in der geistigen Armut des dörflichen Milieus. Beim Blick ins Tal, über die blühenden Apfelbäume - so schreibt sie in ihrer Biographie - kamen ihr die ersten kritischen und sehnsüchtigen Gedanken nach reiner Erhabenheit in ihre Jungmädchenseele. Mathildes Vater war der protestantische Wiesbadener Gefängnis-Pfarrer Bernhard Spieß, der sich bereits mit Sanskrit-Studien beschäftigte. Sie machte sich von Einfluss ihrer Familie frei und schrieb das Grundlagenwerk „Erlösung von Jesu Christo“. Sie erarbeitete sich als Lehrerin in Wi.-Biebrich das nötige Geld für das Studium der Medizin. Als Assistenzärztin lernte sie bei dem Psychiater Emil Kraepelin in Garmisch-Partenkirchen, übernahm die Leitung eines Genesungsheimes und eröffnete schließlich eine eigene Nervenarztpraxis. In der Nachkriegszeit fand sie zu Erich Ludendorff, der in Weltkrieg I. quasi Leiter der deutschen Kriegsführung war. Mathilde begründete die völkische Bewegung der „Deutschen Gotterkenntnis“ und veröffentlichte viele Kleinschriften und Bücher zur Medizin, Psychologie und Philosophie, wobei sie über Kant und Schopenhauer hinaus arbeitete. Ihr Buch „Triumph des Unsterblichkeitswillens“ erlebte viele Auflagen. Zusammen mit ihrem Mann begann sie ein politisches Wirken der Aufklärung bezüglich sog. „Überstaatlichen Mächte“, die General Ludendorff, als „Chef der obersten Heeresleitung“ in Weltkrieg I., in ihrer Nationalgrenzen überschreitenden kolossalen Macht erkannt hatte. Mathilde entwickelte neben ihrer anstrengenden und opfervollen beruflichen Arbeit als Ärztin eine rege Autorentätigkeit. Es erschienen Bücher wie z.B.: „Das Weib und seine Bestimmung. Ein Beitrag zur Psychologie der Frau und zur Neuorientierung ihrer Pflichten“, „Erotische Wiedergeburt“, „Der Minne Genesung“, „Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen“, „Das Jenseitsgut der Menschenseele“, „In den Gefilden der Gottoffenbarung“, „Der Seele Ursprung und Wessen“, „Des Kindes Seele und der Eltern Amt - Eine Philosophie der Erziehung“, „Statt Heiligenschein und Hexenzeichen – Mein Leben“. Als Kind ihrer Zeit und aufgrund ihrer analytisch-kritischen Denkweise, sowie ihrem Antriebsmoment der Suche nach den Ursachen des völkischen Zerfalls, wurde ihre Einstellung nicht eben judäophil, was man ihr nach der Weltkriegsniederlage seitens der neuen Machthaber  übel nahm, obgleich sie – zusammen mit General E. Ludendorff – dem Nationalsozialismus Hitler’scher Prägung ablehnend gegenüber stand. Sie darf zweifellos als eine der größten Denkerinnen und tatkräftigsten, tapfersten Frauen des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden.

 

 
Bildnis von Wolfgang Willrich
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