NAPOLEON

 

NAPOLEON

 Napoleon war ein wilder Mann,
griff wie ein Stier Europa an,
mit blutbespritzter Eisenhand,
griff er nach unserm Vaterland.
 
Manche Deutsche freuten sich,
bejubelten Franzosen-Siege,
doch dann kam es fürchterlich,
mit Willkür und Polit-Intrige.
 
Rücksichtslos war der Franzose,
Spiel mit Ländern, seine Chose,
wie ein Kinderspiel mit Klötzen,
schuf er Staaten zum Ergötzen.
 
Wahllos zog er neue Grenzen,
mit den Säbeln und Kanonen,
schritt einher in Loberkränzen -;
ganz Europa sollt’ ihm fronen.
 
Grausam hausten die Soldaten,
schrecklich, was Franzosen taten,
mit entmenschten Herrenhänden:
rauben, brennen, Frauenschänden.
 
Wer dem selbsternannten Kaiser,
tapfer sich entgegen stellte -
sei’s mit Waffen, sei es leiser -,
gleich sein Todesurteil fällte.
 
Andreas Hofer ließ er morden,
der zum Freiheitsheld geworden,
Philipp Palm ließ er erschießen -;
endlos schien das Butvergießen.
 
Kunstraub trieb der freche Dieb,
in den Ländern die er kaschte,
Berlins Quadriga war ihm lieb,
die er sich als Beute haschte.
 
Endlich dann nach langem Leide,
schlug bei Leipzig auf der Heide,
dem Tyrann die schwarze Stunde,
und sein Nimbus ging zugrunde.
 
Nach dem heißen, blut’gen Strauß,
schlugen ihn aus Deutschland raus,
vereinigte Befreiungskrieger -;
Feldherr Blücher war der Sieger.
 
Die Preußen hatten Schlachtenglück,
bis nach Paris zum letzten Akt -;
auch die Quadriga kam zurück,
sie war noch gar nicht ausgepackt.

 

Bild: Die Quadriga (Vierergespann) steht auf dem Brandenburger Tor am Pariser-Platz in Berlin. Das Bauwerk wurde in den Jahren von 1788 bis 1791 auf Anweisung des Preußen-Königs Friedrich Wilhelm II. von Carl Otto Langhans errichtet. 1806 wurde die Quadriga nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt auf Weisung Napoleons im Zuge seines Beutekunst-Raubzuges nach Paris gebracht, um dort der Bevölkerung als Triumphsymbol gezeigt zu werden. Nach dem Sieg über Napoleon wurde die Quadriga 1814 von den Truppen Feldmarschalls Blüchers in Paris noch in Kisten verpackt gefunden und nach Berlin zurück geholt.-- (Abb. anonym, kolorierter Kupferstich, 1814, Stadtmuseum Berlin)

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