ZWEI FLÜGEL

Ja, man sollte sich erinnern,
dass der Mensch zwei Flügel hat,
die ihm unterm Hemde schlummern,
seidenweich und federglatt.

 Viel zu selten breiten wir,
unsere Schwingen auseinander,
krabbeln meistenteils umher,
wie die Grotten-Salamander.

Nur die Sehnsucht, nur die Liebe,
lässt uns unsere Flügel ahnen,
dass wir plötzlich Kräfte fühlen,
segeln über Himmelsbahnen.

Wenn ein Herz ein zweites weiß,
noch so fern im Taubenschlag,
fühlt es sich dorthin gezogen,
jeden blauen Sommertag.
 
Denk‘ ich Dein, geliebte Schöne,
wachsen Flügel meinen Sinnen,
zieht es mich in deine Arme,
Seligkeiten zu gewinnen.