ALS KIND

 
ALS KIND

Ich war ein Kind wie alle sind,
ich liebte meine Mutti sehr,
war ein gar schlimmer Wirbelwind,
kein Bubenstreich war mir zu schwer.

Meinen Vater kannt’ ich nicht,
der war in Russland, oder tot,
auf Bildern sah ich sein Gesicht,
ich kam nie mehr mit ihm ins Lot.

Zu spät kam er aus Russland heim,
zerstört an Körper und an Seel’,
wir fanden nie den gleichen Reim,
so gingen Sohn und Vater fehl.

Ich wuchs fast nur mit Frauen auf,
das ließ mich nie im Leben los,
es wurd’ ein Such- und Suchtverlauf,
die Lust fand ich bei Frauen blos.

Doch was wir lieben läuft davon,
ich konnte keine Liebe halten,
mein Glück war ein Chamäleon,
unsichtbar in den Schicksalsfalten.

Ich war wohl unverdrossen munter,
„das Bömbchen“ hat man mich genannt,
ich kugelte die Treppen runter,
stand auf und bin davon gerannt.

So blieb es mir im ganzen Leben,
es war ein Springen und ein Stürzen,
ein unbeirrbar starkes Streben,
und nur die Liebe mocht’ es würzen.

Besser gesagt, das Liebes-Hoffen,
denn die Erfüllung fand ich nie,
das echte Glück, hab’s nicht getroffen,
nie fand ich die gesuchte „Sie“.
 
 
Bild: Wiesbaden, Balkon, Taunusstraße 30 - 1951
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