LIEG’ ICH DENN….

 
 
LIEG’ ICH DENN….
 
Lieg’ ich denn zur letzten Ruh’,
decket mich mit Eiben-Zweigen,
hüllt mit Eibengrün mich zu -;
lasset keine Trauer zeigen !
 
Eiben war’n mir herzens-lieb,
lud sie gern in meinen Garten,
wo ich meine Verse schrieb,
zwischen wilden Rosen-Arten.
 
Legt die wilde Rosen-Blüt’,
auf die dunkle Eiben-Decke,
dass die Liebe im Gemüt
sich verjüngend Lust erwecke.
 
Keine zweite möcht’ ich seh’n,
denn an Eine muss ich denken,
einem wilden Röslein, schön,
sann ich, seinen Sinn zu lenken.
 
„Zähme mich“, hat sie gelacht,
„aber achte meiner Dornen !“
Doch ich hab’s nicht gut gemacht,
stärker waren schwarze Nornen.
 
Lieg’ ich denn zur letzten Ruh’,
lasst mir meine letzten Träume:
Neigt sich mir mein Röslein zu,
schaut hinab in Grabes-Räume.
 

 

Bei den Germanen galt die heimische Heckenrose (Rosa canina) als ein Symbol des Feuers; eine einzelne Rosenblüte war ein Sinnbild des Todes, zugleich aber auch das Sinnbild der weiterlebenden Seele nach dem Tode.

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