DIE TRAUM-GELIEBTE

 

AN DIE TRAUM-GELIEBTE

Du bist die schöne Frau aus meinen Märchen,
aus meiner Jugend wunderreichen Sagen;
dein Rücken ziert ein weißes Flügelpärchen,
ein gülden Krönchen will dein Stirnlein tragen.

Du schaust hervor aus Poesie und Mythen,
du Sommerelfe mit den Rosenlippen,
du beugst dich zärtlich saugend über Blüten,
der bunten Kelche Nektar zu ernippen.

Du kniest im Tannenhag der Silberquelle,
ein braunes Rehlein liegt dir traut zur Seite,
es spielen deine Hände mit der Welle,
dein Augenblau verträumt sich in die Weite.

Du Waldfee in geheimer, nächt’ger Runde,
du kennst die Sprache aller Erdenwesen,
das tief Verborgene webt in deinem Bunde,
dein Zauber lässt die Wunden mir genesen.

Ich sehe deine Seele durch die Zeiten gehen,
in deinen hellen, schmalen Wohlgestalten,
seh’ dich in bunten Bändertänzen drehen,
und als Prinzessin deiner Pflichten walten.

Als Swebentochter sehe ich dich reiten,
als Langobardenkind den Bogen spannen,
als Gotenkönigin in Würde schreiten,
wie auch als Hohe Frau der Alemannen.

Ich sehe dich mit wild zerzausten Haaren,
im blauen Mittelmeer nach Beute schweifen,
am Bug des Bootes tapferer Wandalen,
dein blitzend blankes Schwert umgreifen.

So seh’ ich dich in all dem weiblich Feinen,
du bist die Frau in hundert edlen Formen,
in allem Schönen willst du mir erscheinen -;
ich liebe und verehre deine Normen !

 

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