WAS IST’S ?

 
 
WAS IST’S ?
 
Nie war ich sicher, was ich an Dir liebe,
drum prüft‘ ich mich in stiller Vollmondnacht -;
der Kirschbaum wölbte seine Blütenkrone
und auch mein Herz trug österliche Tracht.
 
Die Amsel sang ihr schönstes Lied,
ich lauscht‘ ihr Stund‘ um Stund‘,
ich sann dem Klang der Strophen nach
und meiner Sehnsucht Grund.
 
Was ist es denn, was meine Sinne fesselt,
womit verzauberst Du, geliebte Frau ?
All Deine Reize wollt‘ ich einzeln wägen,
dann wüsst‘ ich meine Neigung ganz genau.
 
Ist es Dein fester, kleiner Mund,
Dein, blaues Augenpaar,
ist‘s Deines Körpers Wohlgeruch,
Dein langes dunkles Haar ?
 
Ist‘s, wie Du mit dem Köpfchen nickst,
wie Du die Füßchen stellst,
ist‘s wie Du mir am Herzen liegst
und mich in Armen hältst ?
 
Ist‘s, weil Du mich so gut verstehst,
ist‘s Deiner Stimme Klang;
Dein heller Frohsinn könnt‘ es sein,
so frei von Norm und Zwang.
 
Ich streifte Kleid für Kleid von Dir das Schöne,
und sagte jedesmal: „Und doch, und doch !“
All Deine Anmut legte ich zur Seite -
und trotzdem liebte ich Dich immer noch.
 
Es ist die Seele, die mich an Dich bindet,
so zieht kein Körper einen andren an -‚
sind wir verwandt aus einem früh‘ren Leben,
warst Du mein Weib und ich Dein Mann ?
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