DENISE

 
 
D E N I S E
 
 
Ich hab’ dich immer im Traum geseh’n,
so knospen-geheim, so elfen-schön.
Wie du wind-quirlig glichest dem jähen Reh,
kaum tupfte den Boden dein schlanker Zeh.

Es wehte im Sonnglanz dein goldenes Haar,
es blitzte dein schweifendes Blauaugenpaar.
Dem weißen Flieder glich deine Haut -,
des nordischen Frühlings holdselige Braut.

Deine schneeigen Arme so gerten-schlank,
dein Leib wie die biegsame Birke rank.
Und auf wippenden Brüsten, so keck und kühn,
zwei blutrote, köstliche Beeren erglüh’n.

Wie gern hätt’ ich dich im Fluge erhascht,
im flüchtigen Kuss an den Beeren genascht,
den süchtigen Mund auf den deinen gepresst
und dich mit mir gerissen zum Frühlingsfest.

Ich wollt’ dich umschlingen mit starkem Arm,
ich ließ’ dich nicht fahren, hielte dich warm.
Ich wollt’ mit dir kreisen im endlosen Kranz,
im taumelnden, rauschhaften Liebestanz. –

Doch war’s nur trostloser, einsamer Traum,
dass er Wahrheit würde, ich glaubt’ es kaum.
Dann sah ich, traf ich, dann spürte ich dich,
da wurde mein Nachttraum so tages-frisch.

Du bist es, Denise, der ich immer gedacht,
du hast meine Wunschfee ins Leben gebracht.
 
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