NIXENLEID - NIXENFREUD'

 

NIXENLEID - NIXENFREUD'

So jung ich war -, korallenschön,
hab’ nichts von Lieb’ und Leid gewusst,
da hat mich einer angeseh’n,
bang’ schlug das Herz in meiner Brust.

Ich war so zag, ich war so scheu,
schwamm mit Medusen auf und nieder,
die Liebesglut war fremd und neu,
da packten mich acht starke Glieder.

Ein schwarzer Krake griff nach mir,
Tentakeln schlangen sich mir um,
zahlloser Münder dreiste Gier,
versklavten meine Jugend, stumm.

Er hielt mich fest in enger Haft,
die Eifersucht ließ ihn nicht los,
er liebte mich mit roher Kraft,
doch ich des Meeres Blumen blos.

So rollte unsere Zeit dahin,
im ewig gleichen Wogenschlag;
ich fand nicht Freude, Fried' und Sinn,
bis zu des Wächters Todestag.

Es kam ein böses Schicksalsstier,
zu einer schlimmen Abendstund’,
der Pottwal fraß den Gatten mir -,
da wurd' mir erst die Freiheit kund.

Kein Kerl soll künftig mich beschränken,
im frohen Kreis von uns Undinen;
wir lassen unseren Mut nicht kränken,
mit lieben Freunden, den Delphinen.

Wir tanzen über Meergraswiesen,
um schillernd bunte Anemonen;
in unseren Seestern-Paradiesen,
lässt es sich wohl manierlich wohnen.

So ist das Leben besserer Art,
ganz ohne Liebeszwang und Pflicht,
mit eigenem Herz’ bin ich gepaart,
bis hin, dass es im Tod mir bricht.

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