SONNENAUFGÄNGE

 

SONNENAUFGÄNGE

Sonnenaufgänge sind was Feines,
erhaben Schönes, göttlich Reines;
wie der Planet dem Meer entsteigt,
der Schöpfung Antlitz sich erzeigt.

Wenn Feuer sich mit Wasser mengt,
die frühe Sonn’ die Augen sengt,
die blinzelnd in das Lichtmeer schau’n,
steigt froh das starke Weltvertrau’n.

Die Herzen werden weich und weit,
sind für die Liebe flug-bereit -;
der Große-Morgen ruft zum Fest,
das Not und Gram vergessen lässt.

So war auch meine Lebensfrühe,
in Spaniens Sommer, ohne Mühe,
am Strand von Arenys de Mar,
wo sorglos jung ich glücklich war.

Glutofenrot der Sonn’-Ball stieg -;
zwei Mädels zankten sich um Sieg -;
wie Ginster-Gelb und Rosen-Glüh’n -,
schön Rita und schön Evelyn.

Die Sonne goss ihr Feuer-Licht,
gleich Lava quirlte Meeres-Gischt.
Wir schienen wie in Blut getunkt -;
die Herzen schlugen heiß umfunkt.

Wir starrten nur den Sonn’-Glanz an,
ein jeder drum das Gleiche sann -,
nicht einer sprach ein einzig’ Wort -,
stumm legten wir die Kleidung fort.

Und schritten in die Glut hinein -;
da schwand für uns das Mein und Dein,
vergessen ward Verbot und Lot -;
wir liebten uns im Morgenrot.

 

1965 – ein ganzes Jahr an den Stränden Spaniens

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