MEIN TOTES KIND

Siegrun - Umgekommen am 23.04.2001
durch einen schlafenden Schrankenwärter der Bundesbahn.
 
MEIN TOTES KIND
 
Regenwassertropfen an reifen, roten Äpfeln,
lange Zweige wippen im Septemberwind.
Stille herrscht und ich gedenke
deiner Zeit, mein armes, totes Kind.
 
Bist mir nur noch wie ein Nebelstreifen,
schemenhaft bewegst du dich darin,
allein dein Köpfchen mit den roten Bäckchen
durchgeistern meinen düsteren Sinn.
 
Unverständlich fremd bist du geblieben,
schienst mir schon so fern zur Lebenszeit.
Eine Last zerdrückt mir fast die Kehle:
„War ich damals für dich genug bereit ?“
 
Als du kamst, du neues Erdenwürmchen,
hab‘ ich‘s mir fest genug ans Herz gedrückt ?
Ich weiß es nimmer, aber ich befürchte,
ich war als Vater nicht so sehr geschickt.
 
Mein Kopf war voll von vielen hohen Dingen,
die große, weite Welt hat mich gelockt.
Ein Kind erschien mir mehr als Nebensache,
ich glaub‘, ich hab‘ das Wichtigste verbockt.
 
Hab‘ ich genug geliebt, ergeht mein Fragen,
was soll das ganze Wissen um die Welt !
Seinen Kindern Lieb‘ und Halt zu geben,
das ist‘s was unsere kleine Welt erhält !
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