DEUTSCHES FACHWERK

 Foto: Martin Rohling
 
DEUTSCHES FACHWERK
 
Wo wär‘ ein Kraftfeld gleicher Schau,
wie das vom deutschen Fachwerkbau,
wo Maßwerk sich zum Himmel streckt,
das Urvertrau‘n im Herz erweckt ?!
 
Wie sich das fügt, verstrebt, verstützt,
wie ein Teil jedem nächsten nützt
und das Gebälk, im Bild von Schrift,
die Art der deutschen Runen trifft.
 
Solch eine Hausfront schaut uns an,
wie Schreibwerk das man lesen kann.
Und wahr, aus jedem Fachwerkhaus,
schaut das Gesicht des Bauherrn raus.
 
Wer in solch einem Prachtbau wohnt,
dem wird die Seele deutsch vertont,
dem zieht der wohlgefügte Sinn,
vom Bauwerk aus, zur Seele hin.
 
Das Bauen ist der Deutschen Lust,
auch Zimmern in des Menschen Brust,
mit Sinnen auf ein schönes Ziel,
maßvoll, nicht minder, nicht zu viel.
 
So war auch einer, frisch an Geist,
der Mann der Ludwig Bauer heißt,
war Lehrer fein, für Deutsch, Latein,
wohnt‘ einst zu Miltenberg am Main.
 
Er schenkte uns aus frischem Mut,
„Oh Deutschland hoch an Ehren“ gut
und manches weitere Heimat-Lied,
das tief ins deutsche Wesen sieht.
 
Dies‘ Lied sei unser Fahnen-Schwur,
unsterblich treu zur Heimat-Flur,
steh‘n wir im Kampf um unser Recht,
mit Tod und Teufel im Gefecht !
 
Ludwig Bauer (1832–1910), der an den Universitäten Würzburg und München studiert hatte, wirkte als Lehrer in Würzburg, Miltenberg und Kitzingen. 1872 als Schulrat nach Augsburg berufen, erwarb er sich große Verdienste um die neuzeitliche Gestaltung des gesamten Schulwesens. Sein Eintreten für die Simultanschule zog ihm viele Anfeindungen zu. Er war Theater- und Musikreferent der Augsburger Abendzeitung und viele Jahre lang Schriftleiter der „Jugendlust“. Seine Lyrik umfasst Natur-, Liebes- und Trinklieder und zahlreiche, in Zeitschriften erschienene vaterländische Gesänge, von denen das Lied „O Deutschland hoch in Ehren“ am bekanntesten geworden ist (komponiert von H. H. Pierson). In den Gedichten und Geschichten für die Jugend zeigt er sich als verständnisvoller Kinderfreund. Seine lehrhafte Prosa entspricht im Aufbau der Handlung, mit Häufung wunderbarer Zufälle, einer ethisch-deutschreligiösen Haltung. Das Lied „O Deutschland hoch in Ehren“ wurde im Jahr 1859 geschaffen.