DIE NEREIDE

 

 

DIE NEREIDE
 
 
Ich liebte heiß, ich liebte ganz,
ich liebte eine Frau mit Schwanz -;
ich war zu Land, ihr war das Meer,
so fanden wir uns nimmermehr.

Ich zeigte meine Sehnsucht an,
tat was ein Mann nur tuen kann,
fuhr hin zu ihr im schwanken Boot,
doch lachte sie nur meiner Not.

Die Klippen brachten mir Gefahr,
die Winde zausten wild im Haar;
der grünen Wellen Todes-Rachen,
rollten rings um meinen Nachen.

Ich acht’ es nicht, ich sah nur sie,
nach ihr allein die Seele schrie -;
sie schlüpfte durch die Wogen hin,
und hatte Freiheit nur im Sinn.

Sie winkte lachend manchen Gruß,
und sprang auf ihrem Flossenfuß,
durch Wellenberg und Wellental -,
hat’ nie gekannt der Liebe Qual.

Ich bot ihr all mein Hab und Gut,
der Arme Kraft, des Mannes Mut,
doch der Nereide galt das kaum,
sie träumte ihren Meeres-Traum.

Ich fuhr zurück ins Fischer-Haus,
mein Herz blieb in der Ferne draus’,
bei ihr, bei ihr blieb mein Begehr’,
den Frieden find’ ich nimmermehr.

Mein Glück ist hin, ich bin allein,
trüb’ dünkt mir jeder Tagesschein -;
man sollte nie nach Nixen schau’n,
nie lieben fischgeschwänzte Frau’n !
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