DER UNGLÜCKSREIGEN

 
 
DER UNGLÜCKSREIGEN
 
Eine nur hab‘ ich begehrt,
rasend hat mein Herz gepocht,
doch Sie hat es nicht gemocht;
also ist die Welt verkehrt.
 
Allerorten wird geliebt,
allerorten schmachten Blicke,
doch das Übel im Geschicke,
dass es keine Antwort gibt.
 
Immer, immer liebt der Eine,
ist zur Hingabe verflucht,
Jenen - Jene, die er sucht,
lieben ihn allein zum Scheine.
 
So ist Liebe Fluch und Trug,
immerfort ein Unglücksreigen;
Engelsflöten, Teufelsgeigen,
spielen beide, Zug um  Zug.
 
Nimmer brachte Liebe Glück,
unerfüllt bleibt sie am Ende,
einsam ziehen Herz und Hände,
sich ins enge Selbst zurück.
 
 
Esaya schreibt dazu:
 
«Der Reigentanz ist ein sehr alter Brauch und ein Ritualtanz. Im russischen Wortgebrauch heißt es Chorowod (russ. Хоровод) und bedeutet folgendes: Chor(o) - wie ein Gesangs Chor aus tanzenden Menschenreihen und Wod - wie führen oder leiten. Also es ist eine Kombination von Reigentanz und Chorgesang, wo die Menschen mit sich selbst die Ornamente, Symbole und die sakrale geometrische Formen zeichnen und bilden.

Erinnern wir uns an die Kindheit, als wir um den Weihnachtsbaum oder einen Menschen ringsum tanzten: - das Geburtstagskind freute sich, bei den traurigen Menschen ließen die Tränen nach, ein Flegel beruhigte sich und dem Gebrechlichen oder Kranken wurde leichter ...

Die Kraft und die Macht der sakralen Reigen reicht weit in Jahrhunderte Tiefe der Vergangenheit. Seit den antiken Zeiten wurde mit Reigen geheilt, gelehrt, gerühmt, aber auch die Menschen geachtet und die Götter verehrt. Immer mehr werden die magischen Geheimnisse von diesen weisen und einfachen ,Tänzchen‘ in unserer wunderbaren Zeit offenbart.

Denkt nur daran, wie viel Freude, Heiterkeit und Spaß bringt eine Feier mit Reigentanz für die ganze Familie oder die feiernde Gesellschaft!?! Was für eine Glückseligkeit ist es, wenn die Männer und Frauen zusammen mit den Kindern kreisen und tanzen. Wenn ihre Gesichter anfangen mit einem Lächeln zu leuchten und sie werden sie selbst. Im Reigentanz begegnen wir unser wahres Seins und ein Kollektiv verbindet sich. In der heutigen Zeit ist es nicht selbstverständlich und einen kollektiven Zusammenhalt hat einen hohen Wert. Also betrachten wir die Reigen und Kreistänze als ein zusätzliches Bonus, welches ein großes Reichtum für die menschlichen Seele ist.»

Die Reigen und Kreistänze ermöglichen eine orientierte Balancierung und die Zentrierung, so wie das Einschwingen auf das Kollektive und in das Größere Ganze. Die Tänze vermitteln ein Gefühl von der göttlichen Schöpfungsordnung wieder und betten die Tanzenden in die sakralen Energien ein. - Sicherlich ist dir dies alles schon bekannt. - Viele Grüße, Esaya
 
Guntram antwortet:
 
Liebe Esaya, das Thema hast Du ganz wunderbar reigenrund abgehandelt ! Natürlich ist es so, die Gemeinschaftsreigen der alten echten Volksreligionen hatten gemeinschaftstiftenden, frohmachenden, insofern heilenden Sinn. Das die Freuden, das Lachen und das Singen hassende Christentum der klerikalen Schwarzröcke hatte Trauer, Asketentum und Weltflucht geboten. Ich sprach in meinen Versen aber nicht von realen Kreistänzen, sondern von einem fiktiven Reigen der unglücklich Liebenden in dieser Welt, denn es gibt eigentlich kein oder kaum ein Menschenpaar in dem nicht der eine gibt und der andere nimmt -, eben die Liebe. Wir alle lieben irgendwen, doch der Geliebte und die Geliebte lieben einen anderen. So stehen wir fast alle in einer Art Reigentanz des Liebens und des Ungeliebtwerdens.
 
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