DAS SCHÖNE BILD

 
 
DAS SCHÖNE BILD
 
Kannte einst ein feines Weib,
wollt‘ es immer lieben,
hab‘ auf ihren schönen Leib
manches Lied geschrieben.
 
Hab‘ im kühlen Mondenschein
heiß von ihr geträumt,
rief sie mich zum Stelldichein,
hab‘ ich‘s nie versäumt.
 
Selig machte mich ihr Schoß,
umschlang sie mich mit Armen;
ließen mich im Geist nie los,
die sammetweichen, warmen.
 
War ja wie verhext, gebannt,
gleich einem Sklav‘ gefangen,
bin der Schönen nachgerannt,
um Liebe zu erlangen.
 
Hab‘ ein Bildnis nur geküsst,
so wie gemalt auf Leinen,
glaubte, dass ich’s lieben müsst‘,
war’s doch nur ein Scheinen.
 
Ihre Seele fand ich nicht,
zwischen schmucken Hüllen -,
hinter deren Angesicht,
Herzen sich erfüllen.
 
Seelenlos bleibt Liebe schal,
da Häute nur erzittern,
Herz und Seele leiden Qual,
abgewehrt von Gittern.
 
Ich sagte meiner Lieb‘ Adé,
verzichtete auf Wonnen.
Ist Seele fern, tut Lieben weh -;
Sie war mir nie gesonnen.
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