HELENE

 

HELENE

Ich sinne um dein blondes Haar,
gedenkst du noch der kleinen Bar ?
Am Münchener Stachus traf ich dich,
wie war ich hitzig jugendlich.

Im Dämmerlicht, beim Kerzenschein,
die Hand an deinem Frauenbein,
dein Schenkel war so weich und nackt,
mein Herz schlug einen Trommeltakt.

Dein schmales Knie und drüber hin,
oh, göttlich ist des Weib’s Gewinn,
ein Feuer brannt’ in meinem Blut,
ich war dir wie von Sinnen gut.

Und was ich bis zur Stund’ vermisst,
als hätt’ der Himmel mich geküsst,
erfühlt’ ich unter deinem Kleid,
verzückt des Weibes Lieblichkeit.

Es war als wär’ ich neu gebor’n,
an einen Rausch blieb ich verlor’n.
Ich folgte seiner Spur fortan,
der Frauenreiz schlug mich in Bann.

Du hast den Sinnenbrand entfacht,
hab’ dein bei jedem Weib gedacht !
Ob du noch lebst im fernen Wien ?
Ob auch von dir Gedanken zieh’n ?

 

Bild: Die Wienerin Helene Zahradnik, München, Sommer 1964

 

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